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Die Pluralisierung der Institution Familie und ihre Folgen

Hausarbeit 2012 15 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Pluralisierung und Wandel der Familie
2.1 Ursachen für den Wandel
2.2 Neue familiale Lebensformen mit veränderter Struktur

3 Auswirkungen und Folgen der Pluralisierung familialer Lebensformen
3.1 Veränderungen in den innerfamilialen Beziehungen
3.2 Veränderte Funktionen der Familie

4 Schlussbemerkung

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Jeder Mensch kennt sie, jeder Mensch hat seine eigene Vorstellung von ihr, jeder verfügt über seine persönlichen Erfahrungen mit ihr, für jeden hat sie eine andere Bedeutung und die meisten Menschen sind mit bzw. in ihr aufgewachsen – die Rede ist von der Familie. Sie ist die primäre Sozialisationsinstanz des Menschen, besitzt gleichsam eine bestimmte Struktur als auch bestimmte Funktionen und beinhaltet darüber hinaus ein Konstrukt aus verschiedenen Beziehungen. Jedoch unterliegt die Familie einem ständigen Wandel, der mit der stetigen Entwicklung und Veränderung der Gesellschaft einhergeht. „Über den Wandel der Familie zu reflektieren, ist ein traditionelles Privileg der Soziologie“ (Walper, in Krappmann/Schneewind 2004, S. 217). Besonders in den letzten Jahrzehnten vollzog sich eine zunehmende Pluralisierung der Familie, welche aus soziologischer Sicht sehr interessant ist.

Genau auf diese Pluralisierung der Familie möchte ich in dieser Arbeit eingehen. Als erstes sollen die Ursachen für den Wandel und die Pluralisierung der Familie herausgestellt werden. Anschließend soll eruiert werden, welche neuen familialen Lebensformen aus der Pluralisierung von Familie resultieren und wie sich dadurch die Strukturen und die Rollenverteilung innerhalb der Familie verändern. Im nächsten Punkt sollen schließlich die Auswirkungen und Folgen der Pluralisierung familialer Lebensformen konstatiert werden. Dabei möchte ich zunächst genauer auf die Veränderungen in den innerfamilialen Beziehungen eingehen, um dann zu klären, welche Funktionen eine Familie hat und zu untersuchen, wie sich diese Funktionen gewandelt haben. Vor allem möchte ich hierbei der Frage nachgehen, ob die Institution Familie durch den Wandel und die Pluralisierung einen Funktionsverlust erlitten hat. Zum Schluss ist es mir ein Anliegen, meine eigene Meinung zu diesem Thema darzustellen. Auf diese Weise möchte ich die Pluralisierung der Familie, mitsamt ihren Folgen, aus meiner Sicht beurteilen und abschließend noch einen kurzen Ausblick geben, wie sich die Familie in Zukunft weiter verändern und entwickeln könnte.

2 Pluralisierung und Wandel der Familie

„In zahlreichen Veröffentlichungen wurde in den letzten Jahren auf die gestiegene Instabilität von Ehe und Familie und auf ihre sinkende Verbindlichkeit hingewiesen und diese Entwicklung als De-Institutionalisierungsprozess der Familie (z.B. von Tyrell) gedeutet“ (Nave-Herz 2002, S. 13). In dieser Weise fand eine zunehmende Pluralisierung der traditionellen Familie hin zu einer Vielzahl familialer Lebensformen statt. Im Folgenden sollen zuerst einmal die Gründe und Ursachen für diesen Wandel herausgestellt und im Anschluss die neuen familialen Lebensformen genauer betrachtet und hinsichtlich ihrer veränderten Struktur untersucht werden.

2.1 Ursachen für den Wandel

Worin liegen nun also die Ursachen für die Pluralisierung der Institution Familie begründet? Am Ausgangspunkt steht das moderne, bürgerliche Familienmodell, bestehend aus einem Ehepaar verschiedenen Geschlechts mit leiblichen Kindern. In verschiedenen Überlegungen und empirischen Befunden (von Burkart 2009) wird jedoch der Relevanzverlust dieses modernen bürgerlichen Familienmodells belegt (vgl. Huinink, in Hahn/Koppetsch 2011, S. 19). „Andere Autoren (z.B. Beck 1986; Beck und Beck-Gernsheim 1990; Zapf 1992: 190; Barabass und Erler 2002) betonen zwar ebenfalls den gestiegenen Traditionsverlust, bedauern aber die zugenommene Auflösung fester Verbindlichkeiten nicht, sondern stellen den damit verbundenen Gewinn an individueller Freiheit heraus, vor allem die damit einhergehende Chance, zwischen verschiedenen Formen menschlichen Zusammenlebens wählen zu können, und benennen diese Entwicklung mit 'Individualisierungsprozess'“ (Nave-Herz 2002, S. 13). Genau hier liegen die Ursachen für den Wandel der Institution Familie und ihrer Pluralisierung. Die individuelle Freiheit und die Möglichkeit selbst bestimmen zu können, in Verbindung mit einer veränderten, frei wählbaren Biographie und den gestiegenen Anforderungen aus Beruf und Alltag, führten zur Veränderung der Familie. „Die Gewissheiten moderner Normalbiografien werden obsolet“ (Huinink, in Hahn/Koppetsch 2011, S. 25). Immer mehr Herausforderungen gilt es zu meistern. So sind gestiegene, beruflich bedingte Mobilitätserfordernisse, eine schwierigere Alltagsorganisation und eine Zunahme der Optionen außerfamilialen Engagements wesentliche Faktoren, welche sich auf die Entwicklung der Familie auswirken (vgl. ebd., S. 25f.).

Die Hauptursache für den Wandel der Familie liegt also darin begründet, dass die Familie in ihrer Organisationsstruktur angepasst werden muss, um der heutzutage benötigten biographischen Flexibilität gerecht zu werden. Familie bedeutet aber auch immer Bindungsbereitschaft ihrer Mitglieder und geht mit einem Gefühl von Stabilität einher, deshalb muss die Familie reagieren und „eine Balance zwischen Flexibilität und Stabilität …“ schaffen (Burkart 2009, S. 18, zitiert nach Huinink, in Hahn/Koppetsch 2011, S. 19). Wichtig ist bei alledem, dass die Organisationsvielfalt der Familie gestärkt wird. Sie muss auf all die veränderten Lebensumstände passend und angemessen reagieren können, um eine für alle Familienmitglieder befriedigende familiale Beziehungsstruktur zu gewährleisten. „Die Diversifizierung von Familienentwicklung ist also Folge der Entwicklung von Organisationsvielfalt zur Sicherung familialer Beziehungen“ (Huinink, in Hahn/Koppetsch 2011, S. 24). Der Wandel der Institution Familie ist folglich eine notwendige Anpassung an die soziale Umwelt, um ihren Fortbestand zu sichern und ihren Mitglieder sowohl Stabilität und befriedigende Beziehungen zu ermöglichen, als auch die notwendige Flexibilität zu garantieren, welche in der heutigen Gesellschaft in außerfamilialen Sphären unerlässlich ist.

Diese Flexibilität und Sicherung der Organisationsvielfalt wird von den Familienangehörigen so praktiziert, dass sie sich individuell nach ihren Lebensumständen für die jeweils günstigste und effizienteste Form des familialen Zusammenlebens bzw. der familialen Gemeinschaft entscheiden. Das moderne, bürgerliche Familienmodell ist dabei in der heutigen Zeit für viele Menschen nicht immer die beste Wahl. Zum einen kommt es heutzutage des Öfteren gar nicht mehr zur Familiengründung, da Elternschaft zur Option geworden ist und sich viele Paare gegen Nachwuchs entscheiden. „Waren Kinder vor vierzig Jahren noch selbstverständlicher Bestandteil des Lebens von Frauen und Männern, hat sich die Elternschaft heute für viele zur Option entwickelt, die in Konkurrenz zu anderen Handlungsalternativen steht, etwa Beruf, Konsum, persönliche Unabhängigkeit“ (Schneider, in Henry-Huthmacher/Hoffmann 2010, S. 13). Somit steigt einerseits die Kinderlosigkeit und andererseits kommt es oftmals erst später zur Familiengründung, in immer höherem Lebensalter. Dementsprechend liegt das Alter der Erstgeburt bei Müttern derzeit bei 29,4 Jahren (vgl. ebd., S. 13). Zum anderen hat die Heiratsneigung in den vergangenen Jahrzehnten merklich abgenommen, wodurch die Zahl nichtehelicher Lebensgemeinschaften, sowohl mit als auch ohne Kinder zugenommen hat (vgl. Walper, in Krappmann/Schneewind 2004, S. 220f.). Ein weiterer Aspekt ist die gestiegene Scheidungsquote, die dafür gesorgt hat, dass der Anteil der Ein-Eltern-Familien erheblich gestiegen ist. „Insgesamt werden ca. 36% der bestehenden Ehen früher oder später geschieden, und in etwa der Hälfte der Fälle sind Kinder betroffen“ (Schwarz/Noack 2002, zitiert nach Walper, in Krappmann/Schneewind 2004, S. 223). Die geschiedenen Elternteile mit Kindern heiraten häufig erneut oder leben zumindest mit ihren Kindern und einem neuen Partner zusammen. Aufgrund dieser Entwicklungen lassen sich ebenfalls die Gründe für die zunehmende Abweichung von der klassischen, traditionellen Familie bzw. vom modernen, bürgerlichen Familienmodell konstatieren sowie für die Pluralisierung der Familie hin zu immer vielfältigeren, neuen familialen Lebensformen erklären.

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Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656181897
ISBN (Buch)
9783656183044
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192858
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät
Note
1,0
Schlagworte
Familie Wandel Pluralisierung Pluralität Soziologie Veränderung Institution

Autor

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Titel: Die Pluralisierung der Institution Familie und ihre Folgen