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Die Herrschaftskonzeption Kaiser Friedrich II. im Konflikt mit dem Papsttum

Seminararbeit 2009 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Entwicklung des kaiserlich-päpstlichen Verhältnisses seit Friedrichs Kaiserkrönung

3. Das Herrschaftsverständnis im Proömium der Konstitutionen von Melfi
3.1 Die Schöpfungsgeschichte als Legitimation kaiserlicher Herrschaft
3.2 Der Kaiser als Gesetzgeber
3.3 Der Kaiser als Schirmherr der römischen Kirche

4. Geistliche und weltliche Herrschaft aus päpstlicher Sicht
4.1 Die Zwei-Schwerter-Lehre der Kurie und das Sonne/Mond-Gleichnis
4.2 Die Reaktion Gregor IX. auf die Konstitutionen von Melfi

5. Friedrichs herrscherliches Selbstverständnis im Konflikt mit Gregor IX.
5.1 Die zweite Exkommunikation Friedrichs
5.2 Friedrichs Reaktion und der Beginn des „Endkampfes“

6. Resümee

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Anfang des ersten Buches der Konstitutionen des mächtigen Herrschers Friedrich II., des hochheiligen Römischen Kaisers, durchlauchtigsten Königs von Jerusalem und Sizilien, des Ruhmreichen, Triumphators und allzeit Erhabenen.“1

Die Intitulatio Kaiser Friedrich II. ist der Konstitutionen von Melfi, des mehr als zweihundert Artikel umfassenden Gesetzbuches für das Königreich Sizilien, vorangestellt. Die Konstitutionen gelten als erste umfassende Gesetzessammlung und gaben dem Kaiser die Plattform, um sein Verständnis kaiserlicher Regierungsgewalt zu formulieren.

Den größten Teil seiner Herrschaft verbrachte Friedrich in der ständigen Auseinandersetzung mit der Kurie. Am Proömium der Liber Augustalis lassen sich die Differenzen zwischen den kaiserlichen Überzeugungen und den vom Papsttum vertretenen Herrschaftstheorien aufzeigen.

Im Verlaufe dieser Arbeit sollen die disparaten Auffassungen von Krone und Kurie dargestellt und die wesentlichen Konfliktlinien nachgezeichnet werden. Zudem soll geklärt werden, aus welcher Tradition sich die jeweiligen Dogmen entwickelt haben.

Grundlage der Untersuchungen bilden die Konstitutionen und weiteren Quellen in Form von Briefen und Berichten aus der Zeit Friedrich II.. Neben der vorrangigen Quellenarbeit helfen die Biographien Friedrich II. von Hubert Houben aus dem Jahr 2008, Wolfgang Stürner, 1992 und Herbert Nette, 1975 die chronologischen Abläufe nachzuvollziehen.

Um eine Überblick über die Entwicklung des päpstlich-kaiserlichen Verhältnisses zu geben und die zeitliche Einordnung zu gewährleisten, wird zunächst die Chronologie der Ereignisse bis zur Veröffentlichung der Konstitutionen dargestellt, um darauffolgend das herrscherliche Selbstverständnis Friedrichs anhand des Proömiums der Konstitutionen nachzuvollziehen. Im Anschluss an die Vorstellung des päpstlichen Verständnisses vom Verhältnis zwischen geistlicher und weltlicher Herrschaft folgt abschließend die Nachzeichnung und Auswertung des Konfliktes im Rahmen der zweiten Exkommunikation des Kaisers.

2. Die Entwicklung des kaiserlich-päpstlichen Verhältnisses seit Friedrichs Kaiserkrönung

Im November 1220 wurde Friedrich von Papst Honorius III. zum Kaiser gekrönt. In den Verhandlungen mit der Kurie hatte er jedoch noch weitere Erfolge erzielt. Vorrangiges Ziel des Papstes war die Durchführung eines Kreuzzuges zur Rückeroberung Jerusalems und er vernachlässigte die Sorge um die territoriale Einkesselung des Kirchenstaates durch die Vereinigung des Deutschen Reiches mit dem Königreich Sizilien. So machte Honorius weitgehende Zugeständnisse in der Sizilienfrage.

Es war stets Friedrichs Ziel gewesen, das Königreich Sizilien mit dem Deutschen Reich zu vereinigen. Sizilien, das unter Friedrichs Vater Heinrich VI. staufisches Königreich wurde, war zwar päpstliches Lehen, doch mit der Wahl Heinrichs VII. (Friedrichs minderjährigem Sohn, der zugleich den Titel Rex Sicilie trug) zum Rex Romanorum ging die Gewalt über beide Reiche praktisch in Friedrichs Hände über.2

In den Folgejahren begab sich Friedrich daran, das Königreich Sizilien neu zu ordnen. Er erließ die Assisen von Capua, die den späteren Konstitutionen von Melfi als Vorbild dienen sollten, gründete die Universität von Neapel und baute das Beamtensystem aus. Die lehensherrscherliche Stellung des Klerus wurde von Friedrich weitgehend untergraben, was sich vor allem in der Einschränkung der Gerichtsfreiheit des sizilischen Klerus und der kirchlichen Wahlen deutlich machte.3

Honorius erinnerte Friedrich stetig an sein Kreuzzugsversprechen und bei einem Treffen von Kaiser und Papst 1225 in San Germano verpflichtete Friedrich eidesstattlich, bis spätestens zum August 1227 aufzubrechen, anderenfalls solle er unwiderruflich dem Kirchenbann verfallen.4

Kurz darauf starb Honorius und der neue Papst, Gregor IX., wurde zu Friedrichs erbittertstem Gegner.5 Als der Kaiser im August 1227 seinen Kreuzzug aufgrund des Aufbruches einer Seuche, die auch ihn erkranken ließ, erneut verschieben musste, wurde er von Gregor exkommuniziert:

„ […] haben Wir den Kaiser Friedrich, weil er nicht zum festgesetzen Zeitpunkt ausfuhr, nicht das versprochene Geld mit den Transporten absandte, nicht 1000 Ritter, […] aussandte, sondern, in diesen drei Punkten offensichtlich fehlend, sich in die Schlinge der angekündigten Exkommunikation bewußt verfing, wenn auch ungern, öffentlich exkommuniziert […].“6

Die Hintergründe für das harte Vorgehen des Pontifex lassen sich im päpstlich-kaiserlichen Grundsatzkonflikt über die Machtinteressen in Süditalien suchen. Unterstützt wird diese These durch die Weigerung Gregors, die von Friedrich angebotene Kirchenbuße anzunehmen und der eine Nachholung des versäumten Kreuzzuges nicht billigte.7

Dem offensichtlichen Verlangen nach demütiger Unterwerfung gab der Kaiser nach und brach 1228 nach Jerusalem auf.8

Während der Abwesenheit des Kaisers nutzte Papst Gregor IX. die Gelegenheit, seinen Einfluss in Süditalien auszubauen. Er verbreitete das Gerücht, Friedrich sei auf dem Kreuzzug ums Leben gekommen und erzielte so, dass sich ihm viele Städte unterstellten.9

Es gelang dem Kaiser nach seiner Wiederkehr jedoch schnell, die päpstlichen Truppen zurückzuschlagen und die abtrünnigen Städte wieder unter seine Gewalt zu bringen. Einer bewaffneten Auseinandersetzung gingen beide Parteien jedoch bewusst aus dem Weg. Der Papst, da er den kaiserlichen Truppen nur wenig entgegenzusetzen hatte und der Kaiser, um die erhoffte Aufhebung seiner Exkommunikation nicht zu gefährden. Nach zähen Verhandlungen kam es am 28. August 1230 schließlich zum Frieden von San Germano. Der Kaiser wurde von der Exkommunikation befreit und verzieh im Gegenzug allen, die den Papst gegen ihn unterstützt hatten. Zudem trat er von seinem Anspruch auf das Herzogtum Spoleto und die Mark Ancona zurück.10

Nach weiteren Unterredungen mit Gregor kehrte Friedrich Ende des Jahres 1230 schließlich zurück nach Sizilien. Die lange Abwesenheit des Herrschers hatte den Mangel an staatlicher Gewalt und Ordnung sichtbar gemacht. Nach ersten personellen Veränderungen nahm er die Arbeit an einem umfassenden Gesetzbuch auf, das die Neustrukturierung seines sizilisches Königreiches, die in den Assisen von Capua 1220 schon angedeutet wurde, abschließen sollte.11

3. Das Herrschaftsverständnis im Proömium der Konstitutionen von Melfi

Die Konstitutionen von Melfi traten im September 1231 in Kraft. In der Forschung ist jedoch umstritten, unter welchem Namen sie veröffentlicht wurden. Auf der einen Seite wird angegeben, dass Friedrich selbst sie als imperiales constitutiones verbreitete und sie im Volksmund bald constitutiones augustales genannt wurden: einerseits in Anspielung auf Friedrich, der von sich selbst, bezugnehmend auf die römischen Kaiser, als augustus sprach, andererseits da die Konstitutionen - zufällig oder nicht - auf den August 1231 datiert sind.12 Auf der anderen Seite vertritt man die These, dass Friedrich die Konstitutionen zwar unter seinem Namen veröffentlichte, die Titulation als imperiales constitutiones bzw. constitutiones augustales jedoch nicht durch den Kaiser impliziert war, sondern sich mit der Zeit im Volksmund durchsetzte.13

Der vielfach gebrauchte Ausdruck Liber Augustalis ist jedoch neuzeitlich und geht wahrscheinlich auf das Jahr 1869 und den Historiker Bartolommeo Capasso zurück.14

3.1 Die Schöpfungsgeschichte als Legitimation kaiserlicher Herrschaft

Das Proömium setzt, nach der Titulatur des Kaisers, mit der Schöpfungsgeschichte ein. „Gesetze werden immer aus Notwendigkeiten geboren.“15 Demnach legitimiert Friedrich seine Herrschaft als logische Schlussfolgerung der Schöpfungsgeschichte. Gott schuf die Welt und den Menschen und machte ihn zum Herrscher über die Erde. Der Mensch missachtete das einzige Gesetz, das ihm von Gott gegeben wurde, beging den Sündenfall und wurde mit der Sterblichkeit und der Verbannung aus dem Paradies bestraft.

Dennoch ließ der Herr es zu, dass sich die Menschheit vermehrte und sich die Schöpfung unterwarf. Dies führte jedoch zu Streitigkeiten und Hass. So entstanden „durch die zwingende Notwendigkeit der Dinge nicht weniger als auf Eingebung der göttlichen Vorsehung den Völkern Fürsten“16, die als „Vollstrecker des göttlichen Spruches“17 die Ordnung wieder herstellen und als Richter über die Menschen fungieren.18

[...]


1 Die Konstitutionen Friedrichs II. von Hohenstaufen für sein Königreich SizilienNach einer lateinischen Handschrift des 13. Jahrhunderts, hg. von H. Conrad, T. v. d. Lieck-Buyken u. W. Wagner, Köln/Wien 1973, S. 3.

2 vgl. Nette, H.: Friedrich II. von Hohenstaufen in Selbstzeugnissen und Dokumenten, Reinbek bei Hamburg 1975, S. 24-27.

3 vgl. ebd. S. 28-40.

4 vgl. ebd. S. 38.

5 vgl. ebd. S. 38.

6 Gregor IX: Enzyklika vom 10. Oktober 1227, zitiert nach: Heinisch, K.J. [Hrsg.], Kaiser Friedrich II. in Briefen und Berichten seiner Zeit, Darmstadt 1968, S. 142.

7 vgl. Nette, H.: Friedrich II. von Hohenstaufen in Selbstzeugnissen und Dokumenten, Reinbek bei Hamburg 1975, S. 40 f.

8 vgl. ebd. S. 41 f.

9 vgl. Sächsische Weltchronik. in: Heinisch, Klaus J. [Hrsg.], Kaiser Friedrich II. in Briefen und Berichten seiner Zeit, Darmstadt 1968, S. 219.

10 vgl. Houben, H.: Kaiser Friedrich II. (1194-1250). Herrscher, Mensch, Mythos, Stuttgart 2008, S.53-55.

11 vgl. Stürner, W.: Friedrich II., Bd. 2: Der Kaiser 1220-1250 (Gestalten des Mittelalters und der Renaissance), Darmstadt 1992 (ND 2000), S. 189f.

12 vgl. Schaller, H.M.: Die Kaiseridee Friedrichs II. (1974), in: Stupor Mundi. Zur Geschichte Friedrichs II. von Hohenstaufen, hg. von G.G. Wolf (Wege der Forschung 51), Darmstadt 1982, S. 510.

13 vgl. Stürner, W.: Friedrich II., Bd. 2: Der Kaiser 1220-1250 (Gestalten des Mittelalters und der Renaissance), Darmstadt 1992 (ND 2000), S. 194.

14 vgl. Schaller, H.M.: Die Kaiseridee Friedrichs II., in: Stupor Mundi. Zur Geschichte Friedrichs II. von Hohenstaufen, hg. von G.G. Wolf (Wege der Forschung 51), Darmstadt 1982, S. 510.

15 Abulafia, D.: Herrscher zwischen den Kulturen. Friedrich II. von Hohenstaufen, Berlin 1991, S. 213.

16 Die Konstitutionen Friedrichs II. von Hohenstaufen für sein Königreich Sizilien. Nach einer lateinischen Handschrift des 13. Jahrhunderts, hg. von H. Conrad, T. v. d. Lieck-Buyken u. W. Wagner, Köln/Wien 1973, S. 3.

17 Die Konstitutionen Friedrichs II. von Hohenstaufen für sein Königreich Sizilien. Nach einer lateinischen Handschrift des 13. Jahrhunderts, hg. von H. Conrad, T. v. d. Lieck-Buyken u. W. Wagner, Köln/Wien 1973, S. 3.

18 vgl. ebd. S. 3.

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656178514
ISBN (Buch)
9783656179788
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192793
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Friedrich II. Papst Mittelalter Sizilien Herrschaft Herrschaftskonzeption Konstitutionen von Melfi Melfi Zwei-Schwerter-Lehre

Autor

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