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Entwicklung von Fördermöglichkeiten für Kinder mit geistiger Behinderung durch Modifizierung des Spiels "Rot, Gelb oder Grün"

Seminararbeit 2012 16 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Spiel „Rot, gelb oder grün“: Sachanalyse und Anleitung

3. Methodische Überlegungen
3.1 Einführung des Spiels
3.2 Spielvarianten
3.2.1 Spielen mit den vorgegebenen Materialien
3.2.2 Spielen mit einzelnen Bestandteilen des Spiels
3.2.3 Spielen mit veränderten und hinzugefügten Materialien

4. Zusammenfassung und Schlussworte

I Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Fördern ist eine pädagogische Intervention, die darauf abzielt, geeignete Bedingungen für die optimalen Lernmöglichkeiten eines Kindes bereitzustellen“ (Braun, D./Schmischke, J. 2010, 30)

Innerhalb einer (sonderpädagogischen) Förderung ist es, nach vorliegender Definition wichtig, als Pädagoge Prozesse im Kind anzuregen, die Lernen ermöglichen. Der Pädagoge soll dabei das Kind unterstützen, Hilfen anbieten, eine förderliche Lernatmosphäre schaffen und somit die Umgebung des Kindes für eine optimale Förderung gestalten. In vorliegender Arbeit soll dieses Verständnis von Fördern anhand der Modifizierung eines Kinderspiels verdeutlicht und somit zahlreiche verschiedene Möglichkeiten der Förderung mit Hilfe dieses einen Materials bereitgestellt werden. Spielerisch können Kinder mit geistiger Behinderung lernen und durch gezielte Anpassung der Spielelemente individuell in ihren ganz persönlichen Entwicklungsbereichen gefördert werden. Dabei soll in der vorliegenden Arbeit nicht ein konkretes Fallbeispiel bearbeitet werden. Mehr sie dafür dienen, dass am Ende eine Art Katalog möglicher Spielvarianten entsteht, aus dem gezielt verschiedene auf das jeweilige Kind bzw. die jeweiligen Kinder abgestimmte Varianten ausgewählt werden können. Dabei stellt vorliegende Arbeit natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit; der Kreativität des jeweiligen Pädagogen, der das vorliegende Spiel in seine Arbeit einbezieht, sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Somit lassen sich die Ideen dieser Arbeit sicherlich noch um zahlreiche weitere Möglichkeiten und Varianten ergänzen.

Grundlage für die vorliegenden Ausführungen soll das Legespiel „Rot, gelb oder grün“ sein, welches im zweiten Punkt dieser Arbeit kurz vorgestellt werden soll. Da für eine erfolgreiche Förderung immer auch bestimmte Voraussetzungen gegeben sein müssen, sollen diesen im Punkt 3.1 vorgestellt werden, bevor dann auf die verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten und somit auch die verschiedenen Möglichkeiten der Förderung eingegangen werden soll. Grundlage sollen dafür die Entwicklungsbereiche sein: Motorik, Wahrnehmung, Kognition, Sprache und Kommunikation sowie Emotionalität und Sozialverhalten. Zur besseren Übersichtlichkeit sollen die Ausführungen weiter gegliedert werden nach „Spielen mit den vorgegebenen Materialien“, „Spielen mit einzelnen Bestandteilen des Spiels“ sowie „Spielen mit veränderten und hinzugefügten Materialien“. Schließlich soll im Schlusswort eine kurze Zusammenfassung und ein Fazit gefunden werden.

Der Einfachheit halber und mit Rücksicht auf die Lesbarkeit wird in der vorliegenden Arbeit lediglich die männliche Form des Pädagogen verwendet. Weiterhin wurden die Bilder, die private Fotografien sind, so eingefügt, damit sie von Text umflossen werden, sodass ein kontinuierliches Lesen ermöglicht wird.

2. Das Spiel „Rot, gelb oder grün“: Sachanalyse und Anleitung

Das DDR Legespiel „Rot, gelb oder grün“ von Spika beinhaltet eine Spielanleitung (in meinem Spiel leider nicht mehr vorhanden), einen Holz-Würfel mit den Farben rot, gelb, grün, blau, schwarz und weiß, sechs Papp-Tafeln, auf denen verschiedene Motive und viele bunte Kreise zu sehen sind sowie zahlreiche Plastik-Scheibchen in den Farben rot, gelb, grün und blau (Abb. 1). Kinder ab dem Alter von vier Jahren sollen durch das Spiel ein Verständnis für die verschiedenen Farben erlangen. Ziel des Spiels ist es, als erster Spieler alle bunten Kreise auf seiner Papp-Tafel mit den bunten Steinchen bedeckt zu haben. Dazu wird reihum gewürfelt. Je nachdem welche Farbe gewürfelt wird, darf nun ein Kreis abgedeckt werden: würfelt der Spieler z.B. blau, so darf er ein blaues Feld mit einem blauen Farbstein abdecken. Da dem Spiel leider die genaue Spielanleitung fehlt, wird vermutet, dass es sich beim Würfeln von Schwarz oder Weiß um Aussetzen oder möglicherweise einen Joker handelt, bei dem eine beliebige Farbe auf der Tafel abgedeckt werden darf. Auch bei der Entscheidung, welcher Spieler mit dem Würfeln

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Spielinhalte

beginnen darf, lässt sich nur spekulieren: vielleicht beginnt derjenige, der eine vorher festgelegte Farbe zuerst würfelt oder der älteste/jüngste Spieler. Je nach Belieben lässt sich dies natürlich variieren und möglicherweise dabei schon einige Möglichkeiten zur Förderung der verschiedenen Entwicklungsbereiche finden, was im folgenden Punkt genauer betrachtet werden soll.

3. Methodische Überlegungen

Im Folgenden soll versucht werden, das Spiel so zu modifizieren, dass verschiedene Bereiche gefördert werden können. Das Spiel wird dabei zum Teil etwas leichter, zum Teil etwas schwieriger gestaltet. Vor allem aber soll es darum gehen, aus dem Spiel viele verschiedene Spielvarianten und Möglichkeiten herauszuholen, die neben einer gezielten Förderung der einzelnen Entwicklungsbereiche vor allem Spaß machen sollen. Sicherlich ist dabei nicht jede hier beschriebene Möglichkeit mit jedem Kind durchführbar. Je nach Fähigkeiten und Bedürfnissen der Kinder können jedoch verschiedene Varianten miteinander kombiniert, ausgetauscht und in jedem Falle mit weiteren Ideen ausgebaut werden.

3.1 Einführung des Spiels

Zunächst ist es wichtig, das Spiel langsam an die Kinder heranzuführen und zu versuchen, den Inhalt des Spiels so zu verpacken, dass die Kinder Altbekanntes wieder erkennen, um sich sicher fühlen zu können. Dies könnte z.B. durch ein Ritual geschehen, welches immer, bevor etwas gespielt wird, durchgeführt wird. Die Rituale könnten hierbei den entsprechenden Spielen angepasst werden, sodass es bei Rechenspielen vorher ein kleines Zahlenritual gibt, z.B. wird ein Lied mit Zahlen vorgespielt und die Kinder dürfen dazu tanzen oder mitsingen (z.B. Hermann Heimeier: „Wir singen gern das Zahlenlied“). Bei vorliegendem Spiel könnte es ein Farbenritual geben. So könnten sich die Kinder auch hier (vielleicht mit bunten Tüchern) zur Musik bewegen (z.B. Hermann Heimeier: „Mein gestreiftes Huhn“). Die Kinder werden dahingehend auf das Spiel vorbereitet und können überlegen, worum es im Spiel gehen könnte.

Weiter ist es wichtig, Neugier und Interesse der Kinder zu wecken. Dies könnte zum Beispiel dadurch geschehen, dass die Kinder das Spiel selbst auspacken dürfen. Vor allem hinsichtlich der im Spielkarton enthaltenen Schachtel (die auch noch Geräusche macht, wenn man sie schüttelt), in der die bunten Scheibchen enthalten sind, kann die Neugier geweckt werden und die Kinder somit Lust auf das Spiel bekommen. Da zu den Voraussetzungen für gutes Lernen ebenso der Spaß am Lernen gehört, ist es weiter sinnvoll, den Kindern zu vermitteln, dass nun gemeinsam spielerisch gelernt werden soll oder möglicherweise nur zu sagen, dass nun gespielt werden soll. Weiterhin sollte für eine erfolgreiche Förderung ausreichend Zeit eingeplant werden und eine gute Beziehung zwischen Pädagogen und Kindern herrschen, sodass die Kinder motiviert an das Spiel herangehen können und ohne Leistungsdruck, wohl aber mit einer neuen Herausforderung konfrontiert, das Spiel spielen können.

3.2 Spielvarianten

3.2.1 Spielen mit den vorgegebenen Materialien

Vor dem eigentlichen Spiel

Hinsichtlich des Bestimmens desjenigen Kindes, welches beginnen darf, möchte ich folgende Möglichkeit vorschlagen: Um langsam mit dem Material der kleinen Scheibchen vertraut zu werden, könnten hierzu alle Scheibchen in eine Schüssel geschüttet werden, sodass sich jedes Kind ein Scheibchen heraus nehmen kann. Wer dabei z.B. ein blaues Scheibchen zieht, darf beim Spiel beginnen; ziehen mehrere Kinder blaue Scheibchen, wird eine neue Farbe festgelegt, die gezogen werden soll und die Kinder mit den blauen Scheibchen ziehen noch einmal usw. Die Kinder sollen dazu tief in die Schüssel greifen, dürfen bzw. sollen auch mit beiden Händen die Scheibchen anheben und wiederfallen lassen, um das Material auf der Haut zu spüren (Abb. 2). Weiterhin macht das Fallenlassen der Scheibchen auch Geräusche, sodass auch die auditive Wahrnehmung gefördert werden kann. Dazu könnten z.B. mit Hilfe des Pädagogen assoziiert werden, welche Dinge oder Materialien ein ähnliches Geräusch erzeugen. Die Kinder erfahren weiter, wie schwer bzw. leicht die einzelnen Scheibchen sind und fühlen das Material mit seinen Eigenheiten, wie z.B. kleine Einkerbungen oder die Rundung am Rand (die Kreisform), wodurch die haptische Wahrnehmung der Kinder geschult werden kann. Somit werden sie langsam mit dem

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Anheben und Fallenlassen der

Scheibchen aus der großen Schüssel Spielmaterial vertraut. Der Pädagoge sollte dabei auch in Kommunikation mit den Kindern bleiben, sodass er sie z.B. fragen könnte, ob sie so etwas oder etwas ähnliches gefühlt haben oder mit was das Material vergleichbar ist. Weiterhin wird beim Herausholen von nur einem einzigen Scheibchen der Pinzettengriff (Feinmotorik) geübt (Abb. 3). Schließlich werden die Kinder schon einmal mit den Farben vertraut. Je nachdem, inwieweit die Kinder die Farben schon beherrschen, kann der Pädagoge vorher zeigen, welches die Farbe blau ist. Dies kann er nicht nur anhand der Scheibchen demonstrieren, sondern auch andere Gegenstände im Raum, z.B. einen blauen Pullover, den jemand trägt, mit einbeziehen oder anhand von Assoziationen, z.B. blau wie der Himmel, zeigen, welche Farbe mit dem Wort „blau“ verbunden ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Pinzettengriff

Weitere Möglichkeiten, das Erlernen der Farben zu fördern, werden im weiteren Teil der Arbeit vorgestellt.

Ist schließlich ein Kind ermittelt wurden, welches beginnen darf, wird hierbei nicht nur sein Selbstwertgefühl gestärkt, sondern bei den anderen Kindern auch gelernt, dass man nicht immer nur gewinnen kann. Die Kinder können hierbei lernen, damit umzugehen, einmal nicht gewonnen zu haben, was sich sicherlich in einer größeren Gruppe leichter lernen lässt, da das einzelne Kind hierbei sieht, dass nicht nur er bzw. sie nicht beginnen darf, sondern andere auch nicht. Die einzelnen bunten Scheibchen könnten nun in der großen Schüssel bleiben, sodass während des Spiels die Kinder jeweils immer das Scheibchen mit der Farbe, die sie gewürfelt haben, aus der großen Schüssel herausholen sollen. Um dies etwas zu vereinfachen könnte der Pädagoge (ggf. mit den Kindern zusammen) die Farben vorsortieren. So könnte er z.B. für jede Farbe ein entsprechendes Gefäß (Schüssel, Box o.ä.) nutzen (Abb. 4). Werden die Kinder bei diesem Prozess mit einbezogen können sie das Zuordnen von Gleichem zu Gleichem (so z.B. der Farbe blau zu blau) üben.

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Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656179368
Dateigröße
3.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192784
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,0
Schlagworte
entwicklung fördermöglichkeiten kinder behinderung modifizierung spiels gelb grün

Autor

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