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Unterrichtsstunde: Oasentypen

Unterrichtsentwurf 2012 18 Seiten

Didaktik - Geowissenschaften / Geographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Analyse des Lehr- und Lernfeldes
1.1 Lehrkraft und Klasse
1.2 Einordnung der Stunde in die Unterrichtsreihe
1.3 Das Thema
1.4 Die Lernvoraussetzungen

2. Sachanalyse
2.1 Einleitung
2.2 Oasen
2.3 Oasentypen
2.3.1 Flussoase
2.3.2 Grundwasseroase
2.3.3 Quelloase
2.4 Oasenwirtschaft

3. Didaktische und methodische Entscheidungen
3.1 Didaktische Reduktion
3.2 Lernziele
3.3 Begründung des methodischen Vorgehens
3.4 Lernerfolgskontrollen
3.5 Hausaufgaben
3.6 Tafelanschrift/Ergebnissicherung

4. Stundenverlauf
4.1 Gliederung der Stunde
4.2 Zu erwartende Schwierigkeiten und Lösungsmöglichkeiten

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang
6.1 Tafelanschrift
6.2 Hausaufgaben mit Erwartungshorizont
6.3 Arbeitsblatt
6.3.1 Version 1 (leistungsschwächere Schüler)
6.3.2 Version 2 (leistungsstärkere Schüler)

1. Analyse des Lehr- und Lernfeldes

1.1 Lehrkraft und Klasse

Seit dem unterrichte ich die Klasse 7 des Gymnasiums. Die Lerngruppe setzt sich aus 17 Schülern1, 5 männlichen und 12 weiblichen, im Alter von 12-13 Jahren zusammen. Von Be- ginn an begegnete mir die Klasse offen und freundlich. Die Schüler sind insgesamt betrachtet nicht sehr leistungsstark2, zeigen sich aber interessiert an den Inhalten des Erdkundeunterrichts und beteiligen sich aktiv am Unterrichtsgeschehen, was zu einer konstruktiven Arbeitsatmo- sphäre führt. Disziplinprobleme treten phasenweise auf (s.u.), die Arbeitsmoral (Anfertigen von Hausaufgaben, Mitbringen der Unterrichtsmaterialien) lässt gelegentlich zu wünschen üb- rig. Das mündliche Leistungsbild der Klasse soll im Folgenden, differenziert nach Leistungs- gruppen, dargestellt werden:3

XX zeigen sehr gute Leistungen, denn sie erfassen neue Unterrichtsinhalte schnell und können komplexe Sachverhalte erläutern und abstrahierend darstellen (AfB4 II-III). Allerdings ist diese Schülergruppe recht zurückhaltend und muss zur aktiven Beteiligung gezielt aufgefordert wer- den.

XX melden sich regelmäßig. Sie sind in der Lage erlernte Sachverhalte im Zusammenhang wiederzugeben und zum Teil auf neue Kontexte zu übertragen (AfB I-II). XX beteiligen sich ebenfalls rege am Unterricht. Ihre Beiträge wirken allerdings häufig unre- flektiert, was sich auch in der Qualität der Aussagen niederschlägt. XX und XX fällt es stel- lenweise schwer dem Unterricht konzentriert zu folgen, da sie unaufmerksam sind und sich leicht ablenken lassen. Die Leistungsschwäche spiegelt sich auch im schriftlichen Bereich wi- der (vgl. 6.2). Insbesondere XX versucht gelegentlich seine Wortmeldungen zu nutzen, um sich vor der Klasse zu produzieren. Dem versuche ich durch entsprechende Ermahnungen und kon- krete Aufforderungen zum Mitdenken und Mitarbeiten entgegen zu wirken. Passiv zeigen sich XX. Sie beteiligen aus eigenem Antrieb in der Regel nicht. Um ihnen die Gelegenheit zur gelungenen Beteiligung zu geben, nehme ich sie gezielt bei Fragestellungen mit reproduktivem oder reorganisatorischem Charakter an die Reihe. Die Schüler können diese Fragen (AfB I-II) in der Regel zufriedenstellend beantworten, sodass davon auszugehen ist, dass sie dem Unterricht folgen.

1.2 Einordnung der Stunde in die Unterrichtsreihe

Die Unterrichtsreihe „Leben und Wirtschaften in trockenheißen Zonen“, für die der Lehrplan5 ein Fundamentum von acht Unterrichtstunden vorsieht, soll den Schülern „unter Berücksichti- gung der wichtigsten Naturfaktoren dieses Lebensraumes […] verschiedene Möglichkeiten der Nutzung“ vermitteln.6 Im Rahmen einer ersten grundlegenden Orientierung wurden topogra- phische Grundlagen erarbeitet und die größten Wüstengebiete (Atacama, Sahara, Namib, Gro- ße Arabische Wüste, Gobi, Große Sandwüste, Victoriawüste, Großes Becken) verortet. Die darauffolgende Stunde beschäftigte sich mit der Genese der Wüsten, wobei der Schwerpunkt auf die Entstehung der Wendekreiswüsten gelegt wurde, die aus dem äquatornahen Windsys- tem (Passatkreislauf) resultieren. ÄDie Wüste als Naturraum“ war Gegenstand der weiterfüh- renden Stunden, in denen das Wüstenklima und die verschiedenen Wüstenformen (Sand-, Kies- und Felswüste) thematisiert wurden. Zur Wahrung des Anmutungscharakters werden die Inhalte der Unterrichtsreihe mittels fiktiver Reiseberichte (E-Mails eines Studienfreundes) or- ganisiert. Ein Vorgehen, das die Schüler aufgrund der authentischen Präsentation für die Ein- maligkeit des fremden Raumes (Raumbeispiel Sahara) motivieren soll.7

Die Lehrprobe findet in der fünften Stunde der Unterrichtsreihe statt und bildet mit dem Thema Oasentypen die Gelenkstelle zwischen den physisch-geographischen Grundlagen hin zu den anthropogenen Nutzungsformen der trockenheißen Zonen. Zur Erarbeitung der Oasentypen werden sowohl die topographischen Kenntnisse der Einstiegstunden als auch die in den Vorstunden erarbeiteten klimatischen Besonderheiten des Raumes als Wissensgrundlage benötigt. Die Knappheit der Ressource Wasser macht besondere Formen der Nutzung notwendig, um diesen lebensfeindlichen Raum bewirtschaften zu können. Im Anschluss an die Lehrprobenstunde wird die Oasenwirtschaft (Stockwerkbau, Bewässerungstechniken) und das Leben der Nomaden früher und heute thematisiert. Den Abschluss der Unterrichtsreihe bildet die Problematisierung des Wüstenwachstums (Desertifikation).

1.3 Das Thema

Das Thema „Leben und Wirtschaften in den trocken-heißen Zonen“8 bietet eine besondere Faszination, da dieser Raum derart different zu unseren Breiten ist und dadurch so unwirklich erscheint. Besonders in diesem Randbereich der Ökumene wird deutlich, wie sehr die natur- räumlichen Voraussetzungen eines Raumes das Leben der dort lebenden Menschen prägen und verschiedene Möglichkeiten der Nutzbarmachung notwendig machen. Das Lehrprobenthema „Oasentypen“ bezieht sich auf die Voraussetzungen für die Oasenwirtschaft als eine Form der wirtschaftlichen Nutzung. Es nimmt demnach die Schnittstelle zwischen den physisch- geographischen Bedingungen und der anthropogenen Nutzung ein und lässt die Schüler diesen Raum als ein Wirkungsgefüge natürlicher und humangeographischer Faktoren (Mensch- Umwelt-System) wahrnehmen. Das Leben der Menschen in extremen Regionen der Erde, ihre Auseinandersetzung mit den natürlichen Gegebenheiten findet bei den Schülern stets Interesse. An das Thema kann unter verschiedenen Perspektiven herangegangen werden, die unterschied- liche Schwerpunktsetzungen implizieren: Der physisch-geographische Erklärungszusammen- hang der Oasentypen lässt sich allgemein oder bezogen auf ein ausgewähltes (Raum-)Beispiel entwickeln, wobei sowohl eine theoretische (Auswertung von Texten und Karten) als auch eine praktische Erarbeitung anhand eines Experimentes denkbar wären. Daneben ließe sich das Thema aus wirtschaftlicher Sicht (Stockwerkanbau, Bewässerungsfeldbau), aus historischer Perspektive (Vergleich älterer und aktueller Karten zur Entwicklung einer Oase) oder unter dem touristischen Aspekt (Oasen als touristische Attraktion im Rahmen einer Wüstenreise) betrachten. Der Lehrplan subsummiert die „Oasenwirtschaft“ unter die „Traditionellen Wirt- schaftsformen“ und sieht hierbei die beiden Oasentypen „Flussoase“ und „Grundwasseroase“ als verbindliche Lerninhalte vor.9 Da das Thema ursprünglich in Klassenstufe 6 behandelt wurde, die Schüler aber das Lehrbuch zur Klassenstufe 7 besitzen, kann auf dieses nicht zu- rückgegriffen werden.

Im Rahmen der Lehrprobenstunde lege ich den inhaltlichen Schwerpunkt auf die geomorpho- logischen Bedingungen zur Entstehung einer Oase.10 Dabei strebe ich eine Kombination aus theoretischer Herangehensweise (Informationsgewinnung aus Texten und Karten) und konstruktivistischer Lernsituation (Erkenntnisgewinnung aus einem Experiment) an, da ich in diesem Vorgehen die größten Lernchancen für die Schüler sehe. Die fachlichen Aspekte kön- nen so mit einem großen Maß an Anschaulichkeit vermittelt werden, was für eine Lerngruppe der Unterstufe im Allgemeinen und für diese eher leistungsschwächere Klasse (vgl. 1.1) im Besonderen zu einer leichteren Nachvollziehbarkeit der unterschiedlichen Genese der Oasen- typen führt. In Bezug auf die fachliche Relevanz haben die Schüler so die Möglichkeit ihre Fähigkeiten, wie Ägeographisch relevante Informationen […] aus klassischen Informations- quellen“ herausarbeiten (M3 S6)11 und „thematische Karten […] lesen und unter einer zielfüh- renden Fragestellung auswerten“ (O3 S6) zu können, in diesem Kontext zu verbessern. Zudem lernen sie „problem-, sach- und zielgemäß Informationen durch einfache Versuche und Experimente“ zu gewinnen (M2 S5), was für die Schüler einen besonderen motivationalen Anreiz darstellt. Darüber hinaus ist es denkbar, dass einige Schüler vielleicht schon einmal einen Urlaub in der nördlichen Sahara erlebt haben oder einen solchen planen und durch die Erarbeitung ein stärkeres Interesse für andere Facetten dieses Raumes entwickeln.

1.4 Die Lernvoraussetzungen

Um die inhaltlichen Zusammenhänge der Lehrprobenstunde nachvollziehen zu können, müssen die Schüler über grundlegende physisch-geographische Kenntnisse verfügen, die im Vorfeld erarbeitet wurden. Die Schüler kennen die klimatischen Gegebenheiten der trockenheißen Zone sowie die verschiedenen Wüstenformen (Hamada, Serir, Erg). Eine erste Orientierung im Raumbeispiel Sahara wurde anhand der Stationen des Reiseberichtes vorgenommen. Die Schüler sind mit den gängigen methodischen Arbeitsweisen wie Bildbeschreibung und Textauswertung vertraut. In Bezug auf spezifisch geographisch relevante Arbeitsweisen wie die Auswertung von Karten und Satellitenbildern oder grundlegende Fähigkeiten wie Maß- stabsberechnung und Bestimmung der Lage im Gradnetz waren im Vorfeld der Lehrproben- stunde Schwächen erkennbar, was mich dazu brachte diese im Rahmen der Unterrichtsreihe integrativ zu trainieren. Die Lerngruppe ist es gewohnt in den geplanten Aktions- und Sozial- formen zu arbeiten.

2. Sachanalyse

2.1 Einleitung

Wüsten12 sind Gebiete mit großem Wasserdefizit, das hauptsächlich aus geringen Nieder- schlagsmengen resultiert. Dieser Mangel an Feuchtigkeit, der durch die ganzjährig hohen Temperaturen noch verstärkt wird, ist bestimmender Faktor dieses Raumes und beeinflusst seine edaphischen, vegetationsgeographischen, geomorphologischen und geoökologischen As- pekte. Wüsten sind Orte extremer Lebensbedingungen, die sich jenseits der Grenze zur Öku- mene befinden und demnach zur Anökumene zählen. Die Knappheit der Ressource Wasser stellt dabei den limitierenden Faktor für die Besiedlung und Bewirtschaftung dieser Gebiete dar.

2.2 Oasen

Im nördlichen Afrika war neben der angepassten Lebensweise des Nomadismus die wirtschaft- liche Nutzung und die Besiedlung auf die Orte mit ausreichender Wasserverfügbarkeit - die Oasen (griech. óasis: bewohnter Ort) - beschränkt. Es handelt sich hierbei um „Erdraumaus- schnitt[e] mit ökologischen Sonderbedingungen gegenüber einer wüstenhaften Umgebung, [die] sich durch reicheres Pflanzenwachstum, relative Grundwassernähe, Quellen und artesi- sche Brunnen“ auszeichnen.13 Oasen besitzen generell einen Inselcharakter, da es sich um eng begrenzte punkt-, linien- oder flächenhafte Vegetationsgebiete handelt. Das Umland ist durch Aridität und geringe Besiedlungsdichte geprägt. Sie entstehen an Stellen, wo Oberflächenwas- ser verfügbar ist bzw. Grundwasser an die Oberfläche tritt oder aus geringer Tiefe gefördert werden kann. So macht es die Oasenwirtschaft möglich auch jenseits der agronomischen Tro- ckengrenze (ca. 400 mm Niederschlag) Landwirtschaft zu betreiben.

Popp (1997) unterscheidet verschiedene Oasentypen nach der Art des Wasservorkommens, die sich in drei Gruppen einteilen lassen: Flussoase, Grundwasseroase und Quelloase.

2.3 Oasentypen

2.3.1 Flussoase

Flussoasen werden14 von einem Fluss durchflos- sen, der ausreichend Oberflächenwasser zur Bewässerung liefert. Die sog. Fremdlingsflüsse (allochthone Flüsse) entspringen in nieder- schlagsreichen Gebieten und fließen dann

durch Trockengebiete, die sie mit für diese ariden Räume untypischen Wassermengen versorgen. Eine agrarische Nutzung kann entlang des Flussufers durch Bewässerung erfolgen. Unter Umständen bedecken periodische Überschwemmungen die landwirtschaftlichen Nutzflächen der Oase mit fruchtbarem Schlamm. Bekanntes Beispiel ist die Flussoase des Nils.

[...]


1 Hier und im Folgenden impliziert der Begriff ÄSchüler“ immer auch die weibliche Form.

2 vgl. hierzu Kap. 6.2: Noten der Schriftlichen Überprüfung (09.03.2012).

3 Da ich die Klasse erst seit kurzem kenne, handelt es sich bei der Einschätzung um einen punktuellen Eindruck.

4 Die Abkürzung ÄAfB“ steht hier und im Folgenden für ÄAnforderungsbereich“.

5 Es gilt in diesem Fall Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft (2002): Achtjähriges Gymnasium. Lehrplan Erdkunde. Klassenstufe 6. Saarbrücken. Das Thema wurde im Rahmen der Anpassung der Stundentafel an das Schuljahr 2011/2012 aus Klassenstufe 6 in Klassenstufe 7 überführt.

6 Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft (2002), S. 4.

7 Die Erarbeitung der spezifischen räumlichen Sachverhalte einer Region entspricht dem idiographischen Verfahren (vgl. Haubrich 2006, S. 152).

8 Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft (2002), S. 4.

9 Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft (2002), S. 4.

10 Der humangeographische Aspekt der Oasenwirtschaft und Gewässernutzungskonflikte werden in der Folgestunde thematisiert.

11 Kompetenzen und Standards nach Deutsche Gesellschaft für Geographie (Hrsg.) (2010): Bildungsstandards im Fach Geographie für den Mittleren Schulabschluss - mit Aufgabenbeispielen -. Bonn: Selbstverlag DGfG.

12 Bei Wüsten handelt es sich um Erdräume mit so starker Trockenheit oder Kälte, dass sich keine großräumige landschaftsbestimmende Vegetation entwickeln kann. Man unterscheidet Kältewüsten und Trockenwüsten. Der Begriff ‚Wüsten‘ wird hier und im Folgenden zur Vereinfachung der Lesbarkeit für ‚Trockenwüsten‘ gebraucht.

13 Leser (2001), S. 571.

14 Abbildungen entnommen aus FWU Institut für Film und Bild (2005) und Seydlitz Geographie für Gymnasien in Rheinland-Pfalz. Schülerband 1 (2008).

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656256281
ISBN (Buch)
9783656257165
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192545
Institution / Hochschule
Staatliches Studienseminar Saarland für das Lehramt für die Primarstufe und für die Sekundarstufe I Klassenstufen (5 - 9), für das Lehramt an Hauptschulen und Gesamtschulen sowie für Förderschulen und Integration
Note
2,0
Schlagworte
unterrichtsstunde oasentypen

Autor

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Titel: Unterrichtsstunde: Oasentypen