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Der Konsum der neuen Konsumgesellschaft am Beispiel der Grundbedürfnisse

Hausarbeit 2008 18 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Konsum und Konsumgesellschaft: Der Wandel

2. Die Entwicklung neuer menschlichen Grundbedürfnisse
2.1. Ernährung
2.2. Kleidung
2.3. Wohnung
2.4. Technisierung des Haushaltes

3. Schlussbetrachtung

4. Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Begriff „Konsum“ geht zurück auf das lateinische „consumere“, was für nutzen, verwenden, verbrauchen oder verzehren steht. Schon immer wurde in der menschlichen Gesellschaft in allen historischen Zeiten Güterverbrauch betrieben. Konsum und Konsumtion sind allerdings neue Phänomene, die sich erst verhältnismäßig spät in Deutschland entwickelten. „Ich konsumiere, also bin ich.“[1]

In unserer Gesellschaft bedeutet Konsum in erster Linie die Nutzung und der Gebrauch von Gütern oder aber Dienstleistungen, die wiederum das menschliche Leben beeinflussen. Da Konsum erst einmal eine Produktion voraussetzt, bzw. eine Produktion eine Konsumtion, bedingen sich diese Begriffe und wirken sich nachhaltig auf das Leben aus.[2]

Während es früher bei der Konsumtion hauptsächlich nur um die Befriedigung materieller und sozialer Bedürfnisse ging wie etwa Essen und Trinken sowie notwendige Kleidung und das notwendigste für den Haushalt, ist Konsum seit den 50 er Jahren ein Ausdruck von Persönlichkeit, Lebensstil und Wohlstand. Die Entwicklung der Gesellschaft hin zu einer Konsumgesellschaft war ein Prozess, der im 20. Jahrhundert in allen Industrienationen zu verzeichnen war und durch das Aufkommen von Werbung noch verstärkt wurde. Das wachsende Einkommen und die geringer werdenden Ausgaben für die alltäglichen Gebrauchsgüter führten zu einer Veränderung der Lebensweise und stellten die Voraussetzungen für den „Konsum“ , der unsere heutige Zeit kennzeichnet. Die ursprünglich gesellschaftliche Einteilung in Klassen schwand erheblich und verlor immer mehr an Bedeutung.

Welche Auswirkungen Konsum auf die Grundbedürfnisse der Menschen hatte und wie sich dies selbst dort zeigte, möchte ich im Folgenden aufzeigen.

Obwohl die Konsumgeschichte relativ jung ist, gibt es doch schon sehr umfangreiche Werke und Ansätze zu Thema. Vorreiter dieser ist Wolfgang König, ein Technikhistoriker an der TU Berlin, der sich in vielen Werken mit der Technisierung nach 1950 befasst. Aber auch Arne Andersen mit „... und so sparsam! Der Massenkonsum und seine Auswirkungen“ oder Alexander Mesching sowie Hartmut Kaelble befassen sich mit der Geschichte des Konsums. Des Weiteren gibt es auch immer aktuelle Aufsätze und Darstellungen zu diesem Bereich der Technikgeschichte.

In meiner Arbeit versuche ich zuerst eine Definition von Konsum zu geben, die dann selbsterklärend die Konsumgesellschaft stützen soll. Ebenso werden die Faktoren für das Entstehen einer Konsumgesellschaft gezeigt. Im weiteren Verlauf gehe ich auf die Veränderung in den Grundbedürfnissen der Menschen ein, die sich durch Konsum und durch den Status als Konsumgesellschaft herausbildeten. Als Beispiel dafür dienen die Ernährung, Kleidung und die Wohnung des Menschen.

1. Konsum und Konsumgesellschaft: Der Wandel

Unter Konsum versteht man laut Christian Kleinschmidt, die Art einer Einkommensverwendung, das heißt, dass man nicht spart, sondern sich für den Kauf einer bestimmten Ware entscheidet und diese im Haushalt verbraucht bzw. gebraucht.[3] Aus technikhistorischer Sicht steht Konsum „als komplementärer Begriff zur Produktion- für den Zweck wirtschaftlichen Schaffens, gleichzeitig aber auch für die ganze Fülle von Alltags- und Freizeithandlungen, welche die Lebensform der Moderne ausmachen.“[4]

Die 50er Jahre waren in Deutschland jene Jahre, in denen ein normales Leben wieder begann, da die schwere Nachkriegszeit endete und es wirtschaftliche wieder langsam bergauf ging. Die Ausgangssituation der Menschen war von den Erfahrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit geprägt und wurde durch erheblichen Mangel und Entbehrungen sowie existentiellen Grundängsten deutlich. Aufgrund der Währungsreform und des Wirtschaftswachstums konnte ein Aufschwung privat als auch wirtschaftlich stattfinden. Letztendlich waren auch die Arbeitsumstände im Deutschland sehr wichtig für das Wirtschaftswunder: Die höheren Arbeitszeiten in der BRD im Gegensatz zu anderen Staaten, sowie die geringeren Sozialleistungen und Löhne brachten erhebliche Vorteile, da ein höhere Umsatz mit dem Ausbau der Firmen und somit neuen Arbeitsplätzen für die Wirtschaft war. Die Konsumgesellschaft ist daher kein Phänomen, das einfach „da ist“, sondern es handelt sich um einen Prozess, dessen Ursprünge weit zurückliegen. „In eine neue Phase trat das Konsumieren in den langen 1950er Jahren, als die Löhne weit kräftiger stiegen als die Lebenshaltungskosten. Grösser als das Wachstum der Reallöhne war noch die Zunahme der Arbeitsproduktivität. Diese Konstellation eines langfristigen Aufschwungs, die den Traum der immerwährenden Prosperität nährte, wurde zur Grundlage einer zuvor nie gekannten Entwicklung des Massenkonsums. In der gesellschaftlichen Werteordnung verschoben sich die Gewichte von der Arbeit auf die Freizeit und von der Produktion auf den Konsum.“[5]

Der wachsende Wohlstand, an dem immer mehr Bürger teilhatten, veränderte das Konsumverhalten der Westdeutschen. Damit diese aber konsumieren konnten, musste auch die Produktion gesteigert werden, so dass die Preise sanken. Um die Produktherstellung und die Produktion generell zu steigern, und durch die hohe Stückzahl auch zu vergünstigen, benötigt man die moderne Technik. Ohne diese könnte man nicht schnell und günstig produzieren, so dass Konsum nur für einige wenige Menschen möglich wäre. Da Konsum nun aber, auch durch die Erhöhung der Einkommen bedingt durch den Währungswechsel, für nahezu alle Schichten möglich ist, kann man sagen, „dass die Mehrheit der Bevölkerung an neuartigen Formen des Konsums teilhatte.“[6] Indem der Konsum versucht durch Produktion den Mangel zu beseitigen, lockt er die Menschen zum Kauf. Volle Schaufenster und eine große Auswahl an Waren aller Art stehen als Garant für ein gutes Leben. Das was heute fehlt, wird morgen wieder in den Läden und Schaufenstern stehen. „Der Konsum ist somit gleichzeitig ein Versprechen auf die Abschaffung von Mangel und Not.“[7] Konsum ist aber viel mehr als der Kauf bestimmter Waren, Produkte oder Marken. Wer steht für ein bestimmtes Verhältnis zu sich selbst, ganz nach dem Motto: Ich konsumiere, also bin ich. Wenn man konsumiert, dann ist man modern und gehört zu einer modernen Welt. Man konsumiert, damit man sich gut fühlt. Dieser Konsumismus ist ein stetiger Kreislauf, der es sich zum Prinzip gemacht hat, den Mangel im Überfluss ständig neu zu erzeugen, so dass man ständig weiter konsumiert, „denn glückliche Menschen konsumieren nicht.“[8] Während man in der Vergangenheit durch Konsumgüter nur eingeschränkt zeigen konnte, wie reich und sozial angesehen jemand war, konnte man durch Konsum nun sein persönliches Lebensgefühl und seinen Status ausdrücken.[9]

Mit der Orientierung am Konsumenten und den Räumen, in denen er konsumiert, wächst der Wohlstand, auch bedingt durch wirtschaftliche Faktoren, ab den 1950er Jahren stetig an.

Die Konsumgeschichte gehört zu den Bereichen der historischen Forschung, die in den letzten Jahren stark an Bedeutung sowie Umfang und Einfluss gewonnen haben, da das Interesse am Individuum, dessen Wünschen und Geschmacksbildungen wächst.[10] Die Ausrichtung spezieller neu zu erwerbender Dinge auf die zutreffenden Möglichkeiten, „macht den Konsumenten zu einem Pionier, den die Vorstellung stimuliert, anders zu sein als seine Vorfahren.“[11]

2. Die Entwicklung der menschlichen Grundbedürfnisse in West-deutschland

Während der Industrialisierung gab es eine direkte Verbindung zwischen Konsum und Produktion. Es wurde weitestgehend nur das produziert, was auch wirklich konsumiert werden konnte und den direkten Bedürfnissen der Menschen entsprach. Vieles wurde auch noch selbst in Eigenregie für den Eigenbedarf hergestellt oder aber getauscht, wie etwa Kleidung oder Nahrung.

Vor allem während der Kriegsjahre war an Konsum in keinster Weise zu denken. Die Not um das Überleben bestimmte das tägliche Leben und auch den Konsum der Menschen. Die beiden Weltkriege in Deutschland bedeuteten in vielen Bereichen des Lebens eine Unterbrechung des „wirklichen, privaten“ Konsums, der nicht nur dem Überleben diente und eine Unterbrechung in der Entwicklung der Konsumgesellschaft, da sich alles auf die Grundstoff- und Rüstungsproduktion verlagerte. Des Weiteren ging das disponible Einkommen zurück, so dass überall mangelnde Kaufkraft herrschte.[12] Unter dem disponiblen Einkommen verstand und versteht man das wirklich verfügbare Einkommen, also das, was dem privaten Haushalt für den privaten Konsum bleibt. Allein im Bereich des Haushaltes kann man in der Weimarer Republik einen „ersten Anlauf der Konsumgüterrevolution“[13] erkennen. Arbeit wurde nunmehr als notwendiges Übel zur Gewährleistung von Freizeit, zu der auch Konsum und konsumieren zählte, gesehen.

Aus Luxusgütern wurde nun Massenware. Der Arbeiter hatte nun das notwendige Geld zur Verfügung, um nicht nur Nahrung und Kleidung zu kaufen, die er zum täglichen Überleben brauchte. Vielmehr wurde durch Lohnerhöhungen die Gelegenheit auch andere Waren zur Befriedigung individueller Bedürfnisse, zu kaufen.[14]

Das Spektrum der Kulturbedürfnisse der Menschen ist breit gefächert. Wichtig ist jedoch immer schon die Sicherung der Grundbedürfnisse Ernährung, Kleidung, Wohnung, Sexualität. Auch heute gibt es noch diese Grundbedürfnisse, doch diese treten anders auf. Sie haben ihren Charakter als „anthropologisches Apriori“[15] verloren und sind meist als kulturspezifische Bedürfnisse sichtbar. Ende der 50er Jahre geht es nicht mehr nur um Ernährung, Kleidung, Wohnung und Sexualität, sondern um den Ausdruck und die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit durch diese. Die Art und Weise des Konsumierens und des Lebens dieser Grundbedürfnisse, drückt nun individuelle und soziale Identitäten aus.[16] Konsum war vielmehr Mittel zur sozialen Selbstdarstellung und Abgrenzung, zudem verbindet sich Konsum auch mit gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Prägungen. Dies ist auch die Basis für eine Konsumgesellschaft, da diese voraussetzt, dass sehr viele Menschen ihre persönliche Identität, ihre Suche nach Sinn und ihre emotionale Befriedigung auf das Suchen und Erwerben von Waren begründen.[17] Da nach 1950 durch ein beschleunigtes Wirtschaftswachstum, auch Folge der Währungsänderung, eine Einkommenssteigerung erfolgte, konnten die Menschen auch mehr Geld zum Konsumieren ausgeben: deren Kaufkraft stieg.[18]

Zu den Merkmalen, an denen sich die Veränderungen im Konsumverhalten der Menschen zeigen, gehören vor allem die bessere Ernährung, die Entfaltung des nationalen Marktes für Konsumgüter und die stetig fortschreitende Entwicklung der Konsumgüterindustrie.[19] Da immer größere Teile der Bevölkerung Lebensmittel und Gebrauchsgüter konsumierten, die nicht in der Familie selbst angefertigt wurden, waren sie vom entsprechenden Markt und den Angeboten abhängig. Im Laufe des 20. Jahrhunderts entfaltete sich die Fremdversorgung immer stärker und löste die Selbstversorgung weitestgehend ab.[20]

Konsum reduzierte sich nicht mehr allein auf die Beschaffung notwendiger Güter, vielmehr wurde das Konsumieren vollkommen neu interpretiert und spezifiziert. Nicht mehr die Notwendigkeit allein, sondern vielmehr die Freude und die Lust am Konsumieren bewegte die Menschen dazu. Konsum wurde zu einer erlebnisreichen Freizeitbeschäftigung. Die Konsumenten selbst setzten sich mit dem Konsum und den gegebenen Konsummöglichkeiten im Speziellen auseinander und richteten sich mit ihren Kaufentscheidungen immer mehr nach der jeweiligen Mode.

Da nach 1950 durch ein beschleunigtes Wirtschaftswachstum, auch Folge der Währungsänderung, eine Einkommenssteigerung erfolgte, konnten die Menschen auch mehr Geld zum Konsumieren ausgeben: deren Kaufkraft stieg, da die Löhne und somit auch das Einkommen, das ausgegeben werden konnte, stieg.[21] Es „verdoppelte[n] sich bei einem vierköpfigen Arbeitnehmerhaushalt zwischen 1950 und 1960 auf monatlich 670 DM.[22]

Nach wie vor waren die Ausgaben für Nahrung und den täglichen Unterhalt diejenigen, für die man am meisten aufbringen und ausgeben musste, auch wenn sich im Laufe der Zeit eine Senkung bei den Preisen von 46 % auf 36 % verzeichnen lässt. Neben dieser Senkung blieben auch die Ausgaben für Wohnen stabil, so dass man nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes Ende der fünfziger Jahre erstmals weg von dem sogenannten "elastischen" und hin zum sogenannten "starren Bedarf" für Nahrungsmittel, Wohnung, Heizung und Beleuchtung kam.[23]

Aus diesem Grunde war es möglich, dass man auch Geld für andere Zwecke und Bedürfnisse verwenden konnte, was eine recht neue Erfahrung für Menschen aller Schichten war.

[...]


[1] Meschnig, Alexander/ Stuhr, Mathias: Wunschlos unglücklich. Alles über Konsum. Hamburg 2005, S. 2.

[2] König, Wolfgang: Kleine Geschichte der Konsumgesellschaft. Konsum als Lebensform der Moderne. Stuttgart 2008, S. 9.

[3] Kleinschmidt, Christian: Konsumgesellschaft. Göttingen 2008, S. 8.

[4] König, Wolfgang: Geschichte der Konsumgesellschaft, Stuttgart 2000, S. 7.

[5] Zit. Nach: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D16219-1-2.php, 23.11.2009, 20.16 Uhr.

[6] Ebd., S. 8

[7] Meschnig, Alexander; Stuhr, Matthias: Wunschlos unglücklich. Alles über Konsum. Hamburg 2005, S. 10.

[8] Ebd., S. 10

[9] Ullrich, Wolfgang: Haben wollen. Wie funktioniert die Konsumkultur? Frankfurt am Main 2008, S. 19.

[10] Haupt, Heinz- Gerhard: Konsum und Handel. Europa im 19. und 20. Jahrhundert. Göttingen 2003, S. 7.

[11] Zit. Nach: Ullrich, Wolfgang, S. 33.

[12] Kleinschmidt, Christian, S. 91.

[13] König, Wolfgang, S. 145.

[14] Hunziker, P.: Erziehung zum Überfluss. Soziologie des Konsums. Stuttgart 1972, S. 12

[15] König, Wolfgang, S. 16.

[16] Ebd., S. 16.

[17] Vgl.: Haupt, Heinz- Gerhard, S. 27.

[18] http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D16224-3-4.php

[19] Dowe, D.: Methodologische Überlegungen zum Problem des Hungers in Deutschland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert, in: W. Conze/ U. Engelhardt (Hg.): Arbeiterexistenz im 19. Jahrhundert. Lebensstandard und Lebensgestaltung deutscher Arbeiter und Handwerker. Stuttgart 1981, S. 202- 234.

[20] Haupt, Heinz- Gerhard, S. 45.

[21] http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D16224-3-4.php

[22] http://www.bpb.de/publikationen/A059JA,8,0,Gesellschaftliche_Entwicklung.html#art8, 14.12.2009.

[23] http://www.bpb.de/publikationen/A059JA,8,0,Gesellschaftliche_Entwicklung.html#art8, 14.12.2009.

Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656172475
ISBN (Buch)
9783656172598
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192346
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Note
2,3
Schlagworte
konsum konsumgesellschaft beispiel grundbedürfnisse

Autor

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