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Politische Kommunikation im Internetzeitalter

Hausarbeit 2012 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1: Einleitung

Kapitel 2: Allgemeine Aspekte zur (politischen) Kommunikation

Kapitel 3: Zentrale Merkmale des Web 2.0

Kapitel 4: Politische Kommunikation im Internetzeitalter
4.1 Neuausrichtung: Potenziale und Probleme
4.2 Der Stellenwert des Internets unter US-Präsident Barack Obama
4.3 Nutzung des Internets unter politischen Akteuren in Deutschland

Kapitel 5: Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Kapitel 1: Einleitung

Politische Kommunikation hat eine lange Tradition. Ihre Ursprünge liegen in der Antike, als auf Marktplätzen politische Inhalte verbreitet beziehungsweise über sie debattiert wurde. Schulz (2011: 16) definiert politische Kommunikation sehr allgemein als die Kommunikation, „die von politischen Akteuren ausgeübt wird, die an sie gerichtet ist, oder die sich auf politische Akteure bezieht.“ Über Jahrzehnte hinweg nutzten politische Akteure vorwiegend die Massenmedien Fernsehen und Zeitung, um ihre Ziele und Botschaften an möglichst breite Teile der Bevölkerung zu übermitteln. Diese rezipierte die Inhalte, war mitunter nicht mit allem einverstanden, hatte aber aufgrund der einseitigen Kommunikationswege dieser beiden Massenmedien nur sehr eingeschränkt die Möglichkeit, sich selbst an der politischen Kommunikation zu beteiligen, ihren Unmut kund zu tun und in direkten Kontakt mit politischen Akteuren zu treten. Zumindest theoretisch problemlos möglich ist dies aber mittlerweile über das Internet (beispielsweise mittels Weblogs), dessen kontinuierliche Weiterentwicklung - wie Simons (2011: 142) es darstellt - eine zweite Medienrevolution „nach der Erfindung des Buchdrucks“ zur Folge hatte. So haben technologische Innovationen dazu geführt, dass die in der Frühphase des Internets noch dominierenden einseitigen Kommunikationsstrukturen zwar nicht komplett verdrängt wurden, aber zumindest erheblich an Bedeutung verloren haben. In Anbetracht dessen erheben Internetnutzer zunehmend den Anspruch, ihre - gemäß dem Paradigma der traditionellen Massenkommunikation - passive Rolle abzulegen und am Prozess der öffentlichen Meinungsbildung mitzuwirken: „Aus passiven Konsumenten werden höchst aktive Produzenten“ (Hornig 2007: 8).

Aufgrund der zunehmenden Bedeutung des Internets müssen politische Akteure dieses zur Kommunikation nutzen; diesbezüglich scheint aber angesichts der angedeuteten Umbrüche in der Massenkommunikation eine Neuausrichtung des Kommunikationsstils unausweichlich. Wie politische Akteure das Internet zur Kommunikation nutzen können, welche Chancen und Risiken sich dabei ergeben und inwieweit in der Praxis Nachholbedarf besteht, wird in dieser Hausarbeit erörtert. Zunächst gehe ich allgemein auf Kommunikation ein; danach wird dargestellt, inwiefern politische Kommunikation im Fernsehen Risiken birgt. Anschließend beschreibe ich die zentralen Merkmale des Web 2.0 und damit verbundene Umbrüche in der Kommunikation; schließlich werden die Potenziale und Probleme in Bezug auf politische Online-Kommunikation diskutiert. In einem weiteren Abschnitt gehe ich darauf ein, wie die US-amerikanische und deutsche Regierung das Internet zur politischen Kommunikation einsetzen. Im Rahmen einer Schlussbetrachtung werden die Ergebnisse ausgewertet.

Kapitel 2: Allgemeine Aspekte zur (politischen) Kommunikation

Die einfachste Kommunikationsform ist die zwischen zwei Menschen stattfindende interpersonelle Kommunikation, die auch als one-to-one-Kommunikation bezeichnet wird. Auf der einen Seite befindet sich der Sender, der eine Nachricht in ein Signal codiert und dieses anschließend über einen Kanal an den Empfänger schickt, der dieses dann wieder decodiert. Wesentlich komplexer sind dagegen Kommunikationsprozesse, an denen mehrere Akteure beteiligt sind. Diesbezüglich ist die one-to-many-Kommunikation hervorzuheben, die von sämtlichen traditionellen Massenmedien wie dem Fernsehen und der Zeitung praktiziert wird. So gibt es beispielsweise beim Fernsehen einen Sender, der eine Nachricht an eine Vielzahl von Empfängern schickt, die Maletzke (1963: 32) im Rahmen seiner Definition von Massenkommunikation als „disperses Publikum“ bezeichnet. Hiermit ist gemeint, dass die Empfänger nicht miteinander kommunizieren können, da sie zeitlich beziehungsweise räumlich zerstreut sind. Demgegenüber steht die many-to-many-Kommunikation, bei der es viele Sender und viele Empfänger gibt. Insbesondere vor der Etablierung der traditionellen Massenmedien wurde diese Kommunikationsform, die auch das heutige Internet prägt, zur Verbreitung von politischen Botschaften genutzt (beispielsweise Marktplatzdiskussionen). Während sich diese sowie die one-to-one-Kommunikation durch Bidirektionalität - hierunter wird die Möglichkeit verstanden, ohne Medienwechsel vom Empfänger zum Sender werden zu können - auszeichnet, ist die Kommunikation bei den traditionellen Massenmedien stets unidirektional, was Maletzke (1963: 32) in seiner Definition betont. Der Empfänger kann zwar zum Sender werden, allerdings muss er sich dabei anderer Medien bedienen, und so erfolgt die Kontaktaufnahme mit der Zeitung in der Regel über einen Leserbrief.

Seit Jahrzehnten nutzen politische Akteure die Zeitung und das Fernsehen, um ihre politischen Vorhaben den Wählern plausibel zu machen. Hiermit sind jedoch Risiken verbunden, schließlich praktizieren diese beiden Massenmedien - dem Gatekeeping-Prinzip folgend - ein „Regime der Kontrolle“ (Bruns 2009: 107). Hierunter ist zu verstehen, dass letztlich die Redaktionen darüber entscheiden, in welcher Form politische Inhalte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. In Anbetracht dessen besteht in gewisser Weise eine Abhängigkeit der politischen Akteure von diesen beiden Massenmedien - insbesondere vom Fernsehen -, die sich in Deutschland im Anschluss an die duale Rundfunkordnung im Jahr 1984 kontinuierlich erhöht hat. Infolge des durch die neue Konkurrenzsituation entstandenen ökonomischen Drucks und einer fortan mehr denn je notwendigen massenwirksamen Präsentation politischer Inhalte entwickelten sich Fernsehsender nämlich zunehmend zu dominanten Instanzen, die - wie Jarren (2001: 15) anmerkt - „in spezifischer Weise die Vermittlungsstruktur“ in der politischen Kommunikation bestimmen. Davon ausgehend wird in Deutschland seit etwa zehn Jahren über das Vorhandensein einer 'Mediendemokratie' diskutiert, in der Medien weit mehr als reine Verbreitungskanäle sind, sondern sich zu autonomen Akteuren entwickeln, die die Handlungsspielräume für politische Akteure einschränken können. In Anbetracht dessen müssen politische Akteure ihre Botschaften zunehmend mit den Bedürfnissen der Massenmedien - insbesondere denen des Fernsehens - in Einklang bringen. Noch einen Schritt weiter geht Meyer (2002: 7, 8), der die Entwicklung hin zu einer 'Mediokratie' skizziert, in der die Politik von den Medien regelrecht kolonisiert wird. Da private und offensichtlich auch öffentlich-rechtliche Fernsehsender, die sich seit der Etablierung der dualen Rundfunkordnung zunehmend „auf einer schwierigen Gratwanderung zwischen (vermuteten) Publikumsinteressen [...] und ihrem Programmauftrag“ (Wittwen 1995: 13) befinden, die Einschaltquote als Leitmaxime bei der Programmplanung ansehen, besteht die Gefahr, dass zur Generierung eines möglichst großen Publikums auf die Vermittlung komplexer politischer Zusammenhänge verzichtet wird und politische Kommunikation tendenziell in unterhaltender Form vonstatten geht, was eine Verflachung gesellschaftlicher Diskussionen zur Folge haben kann.

Dieser Trend zeigte sich in der politischen Talkshow Sabine Christiansen, in der die Grenzen zwischen Information und Unterhaltung verwischt wurden. Vorwiegend als sympathische Privatpersonen präsentieren sich Politiker indes in Personality-Talkshows wie Beckmann', trotzdem wird in diesen Sendungen politische Kommunikation betrieben - wenngleich in indirekter Form. Politikvermittlung geht hier meist beiläufig vonstatten, wenn beispielsweise die persönlichen Anekdoten der Politiker „am Rande mit Kommentaren zur aktuellen Politik amalgamiert werden“ (Schultz 2002: 183). Unproblematisch erscheint diese Form von politischer Kommunikation, wenn sie von altgedienten Politikern ohne politische Ambitionen praktiziert wird. Problematisch wird es aber, wenn aufstrebende Politiker solche Sendungen zur eigenen Profilierung nutzen. Denn hier können sie mühelos kritischen Fragen aus dem Weg gehen, aber durch eine gelungene Darstellung ihrer Persönlichkeit womöglich dennoch Wähler gewinnen. Durch solche Sendungen können zwar politikverdrossene Bürger erreicht werden, zugleich besteht aber auch die Gefahr, dass „die Substanz der politischen Urteilskraft auf individueller und kollektiver Ebene“ (Schultz 2002: 191) angegriffen wird.

Kapitel 3: Zentrale Merkmale des Web2.0

Eine eindeutige Definition des Begriffes Web 2.0 ist aufgrund seiner zahlreichen Facetten unmöglich - jedoch steht er für eine neue Ära in der Massenkommunikation und einem damit verbundenen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel, der - wie Novy/Schwickert (2009: 17) behaupten - weitreichende Folgen „für etablierte Kommunikationsstrukturen, und damit ebenfalls für die Politik“ nach sich zieht. Während das traditionelle Massenkommunikationsmodell eine strikte Einteilung in wenige Produzenten und viele Konsumenten betont, so verfestigt sich in der Web 2.0-Ära „eine neue Philosophie der Internetnutzung“ (Stanoevska-Slabeva 2008: 4). Der Rezipient betrachtet das Internet zunehmend nicht mehr als reines Informationsmedium - er entwickelt sich zum sogenannten 'Prosumenten' und erhebt den Anspruch, eigenständig erstellte Inhalte zu verbreiten und sich auf bidirektionalem Weg am Prozess der öffentlichen Meinungsbildung zu beteiligen.

Eine erste systematische Auseinandersetzung mit dem seit knapp acht Jahren kursierenden Begriff des Web 2.0 erfolgte durch Tim O'Reilly, dessen sieben Kategorien von Ebersbach u.a. (2011: 28-31) beschrieben werden. Neben einer durch innovative Applikationen entstandenen Omnipräsenz des Internets betont O'Reilly insbesondere die Einbeziehung der kollektiven Intelligenz von Rezipienten durch Betreiber. Hierdurch kann beispielsweise eine hohe inhaltliche Qualität erzielt werden, „wenn starke individuelle und auch kontroverse Meinungen in der Gruppe existieren“ (Ebersbach u.a. 2011: 211). Bei entsprechenden Plattformen wird die redaktionelle Arbeit an räumlich voneinander getrennte Nutzer delegiert, deren Zusammenwirken oft auf dem Organisationsprinzip der Kollaboration basiert, das von dem der Kooperation abzugrenzen ist: Aufgaben werden „nicht im Vorhinein arbeitsteilig aufgetrennt, sondernjeder trägt gleichermaßen mit seinen individuellen Kenntnissen [...] zur Lösung der Gesamt-Aufgabe bei, ohne dass von einander unterschiedene Aufgabenbereiche [...] explizit definiert würden“ (Schmalz in Ebersbach u.a. 2011: 207). Bei erstellten Inhalten handelt es sich gewöhnlich nicht um fertige Produkte - die Nutzer sind beteiligt an einem Prozess der kontinuierlichen Verbesserung, den Simons (2011: 101) als ein zentrales Paradigma der neuen Massenkommunikationsära einstuft. Während dieser dürfte sich angesichts der hohen Popularität von Plattformen wie Wikipedia die Hierarchie zwischen Produzent und Konsument zunehmend auflösen - Simons (2011: 102) geht von einer Verdrängung des jahrzehntelang unangefochtenen unternehmerischen Top-down-Prinzips durch das des Bottom-up aus. Zu den bekanntesten Anwendungen der Web 2.0-Ära zählen Weblogs, bei denen sich gewöhnlicherweise ein oder wenige Beitragsersteller und eine meist unbegrenzte Anzahl an Beitragskommentatoren gegenüberstehen. Im Gegensatz zu 'klassischen' Internetportalen ist das Verlinken auf externe Beiträge ein wesentliches Strukturmerkmal von Weblogs. Ihre Betreiber haben weniger die Absicht, Rezipienten möglichst lange zu binden - generell verstehen sie sich „als Teilnehmer einer großen umfassenden Diskussion“ (Simons 2011: 16), die sich innerhalb der Blogosphäre ereignet. Hierunter versteht man die Gesamtheit aller Weblogs und ihre Vernetzung, wozu Trackbacks beitragen. Diese benachrichtigen Betreiber automatisch darüber, wenn in anderen Weblogs auf ihre Beiträge Bezug genommen wird - das Ziel dieses Prinzips besteht darin, „inhaltlich verwandte Beiträge aus verschiedenen Blogs miteinander zu verlinken“ (Simons 2011: 17), womit zur Bildung dynamischer Gegenöffentlichkeiten beigetragen werden kann.

Erstmals wurde der Begriff des Weblog von John Barger verwendet, der ab 1997 auf seiner Homepage täglich Links zu verschiedenen Themen zusammentrug. Gleichwohl sehen nicht wenige die Ursprünge der Weblogs bereits Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre, als Internet-Pioniere wie Tim Berners-Lee ihre Entdeckungen im damals neuen Medium der Öffentlichkeit überlieferten. Dies wurde fast ausschließlich von Web-Designern und Informatikern gemacht, denn die Erstellung der Inhalte mit HTML- oder Texteditoren war kompliziert und machte eine breite gesellschaftliche Partizipation unmöglich. Im Nachhinein wurden diese frühen Blogger-Aktivitäten der Kategorie des sogenannten Filter-Style-Weblogs zugeordnet, die von der der Free-Style-Weblogs abzugrenzen ist. Während sich bei Ersterer die Aktivitäten der Betreiber weitestgehend auf das Zusammentragen von Links beschränkt, zeichnen sich Free-Style-Weblogs durch einen hohen Textanteil aus (vgl. Armborst 2006: 42, 43). Dieses Mitte der 1990er Jahre erstmals erprobte Format, bei dem der Schwerpunkt oft auf der Darstellung von persönlichen Themen und deren Reflexion liegt, hatte Ende der 1990er Jahre im Zuge der Entwicklung von innovativen Plattformen wie Blogger.com und damit verbundenen Erleichterungen beim Führen, Pflegen und Gestalten von Weblogs seinen Durchbruch (vgl. Seeber 2008: 14). Bahnbrechende inhaltliche Veränderungen ereigneten sich nach den Anschlägen auf das New Yorker World Trade Center. Hatten sich Weblogs bis dahin meist auf die Darstellung von Alltagserlebnissen beschränkt, vollzog sich seit 2001 insbesondere in den USA „eine Politisierung der Blogosphäre“ (Seeber 2008: 25): Es bildeten sich Gegenöffentlichkeiten, die fortan eine alternative Form von Journalismus betrieben und unter anderem die Sinnhaftigkeit des Irak-Krieges hinterfragten.

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Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656172802
ISBN (Buch)
9783656173113
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192327
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Institut für Medienwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
politische kommunikation internetzeitalter

Autor

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Titel: Politische Kommunikation im Internetzeitalter