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Das Buch Rut

Hausarbeit 2012 22 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Buch Rut

3. Themen im Rutbuch
3.1. Die Moabiterin Rut – Fremde im Buch Rut
3.2. Die Mischehenfrage
3.3. Ruts Witwenschaft – die soziale und rechtliche Lage von Witwen
3.4. Die Ahnin Davids

4. Die Leviratsehe

5. Die Institution des Lösens

6. Gottes Handeln im Rutbuch

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Seit es in Deutschland den Feminismus gibt, wird oft darüber diskutiert, dass Frauen in der Bibel neben den Männern nur eine sekundäre Rolle einnehmen – schließlich haben wohl hauptsächlich Männer die Bibel verfasst. Inwiefern ist eine solche Diskussion über die Rolle der Frau in der Bibel gerechtfertigt? Bauen nicht sogar Frauen das Haus Israel?! Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen soll im Folgenden anhand des Buches Rut geschehen. Dafür wird erst auf das Buch Rut bezüglich seiner Entstehungszeit und seiner stilistischen Besonderheit der sprechenden Namen eingegangen. Da davon ausgegangen wird, dass die Rut-Erzählung bekannt ist, wird diese vorweg nicht explizit erläutert. Ein Kapitel erhalten verschiedene Themen, welche im Buch Rut aufgegriffen werden. Darin soll generell und in Bezug auf die Person Rut erläutert werden, was es bedeutete, eine fremde Frau zu sein, was dies für eine Ehe hieß und welche rechtliche Stellung Witwen einnahmen. Des Weiteren soll erläutert werden, welche Position Rut in der davidischen Dynastie innehat. Speziell im Buch Rut vorkommende Institutionen des Rechts- und Soziallebens werden in gesonderten Kapiteln erläutert. Dazu zählen die Leviratsehe einschließlich des Schuhritus und die Institution des Lösens. Zudem stellt sich die Frage: Wo und vor allem wie handelt Gott im Buch Rut? Im Fazit wird des Weiteren erläutert, wie das Buch Rut mit seinen unterschiedlichen Thematisierungen für das Christentum verstanden und feministisch ausgelegt werden kann.

2. Das Buch Rut

Verfasst wurde die Rut-Erzählung wohl im fünften Jahrhundert nachexilischer Zeit aufgrund seiner stark überwiegenden Frauenperspektive von einer Frau, was aber aufgrund fehlender Beweise nicht gänzlich sichergestellt und so nur vermutet werden kann.[1] Die nachexilische Einordnung ist nach Erich Zenger wie folgt zu begründen: Erstens handelt das Buch Rut von der Institution des Lösens und dem Levirat, was aber laut Erich Zenger „vorexilisch nicht denkbar“ sei.[2] Zweitens werden die Familie und ihre Rolle für die Gemeinschaft stark betont. Drittens sind die sprechenden Namen im Buch Rut ein typisches Merkmal für nachexilische (und nicht vorexilische) Literatur.[3] Viertens ist die in der Erzählung vorkommende „zentral bestimmende Frauenperspektive […] vorexilisch so nicht vorstellbar“.[4] Die Institution des Lösens und des Levirats werden im Folgenden in gesonderten Kapiteln vorgestellt und näher erläutert. Dass sich Rut verstärkt für ihre Familie einsetzt, geht aus den nachstehenden Abschnitten dieser Ausarbeitung und dem eigentlichen Lesen der Rut-Erzählung hervor. Was aber meint Erich Zenger mit sprechenden Namen ? Irmtraud Fischer widmet sich diesem Thema in ihrem Kommentar ausführlicher und meint, dass diese sprechenden Eigennamen, welche im Buch Rut vorkommen, Botschaften seien.[5] Denn Namen wurden in Israel nicht ohne Grund vergeben. Sie sollten zum einen „einen Bezug zum Leben der Familie“ haben und zum anderen auch etwas über den Namensträger aussagen.[6] Meist ist es aber nicht möglich, diese sprechenden Namen eindeutig zu interpretieren, was ein charakteristisches Merkmal der nachexilischen Literatur darstellt. Das Besondere im Buch Rut ist nun die Tatsache, dass alle auftretenden Personen sprechende Namen tragen, die des Weiteren im Alten Testament in keinem zusätzlichen Bibelvers in genau dieser Form wie im Rutbuch vorkommen. Grund dafür ist, dass die Namen vom Autor bzw. der Autorin speziell auf die Rutgeschichte angepasst worden sind. Die Namensträger können daher auch keine historischen Persönlichkeiten sein. Ihre Namen erzählen vielmehr eine Geschichte und verweisen jeweils auf eine Botschaft. Dies gilt für Personen als auch für Orte.[7] Da es zu umfangreich wäre, alle sprechenden Namen des Rutbuches zu erläutern, wird sich an dieser Stelle nur auf die Protagonisten, die Lokalitäten und entscheidende Verben bezogen. Dazu werden hier Noomi (bzw. Mara), Rut, Boas, der Namenlose, Obed, Betlehem und Moab gezählt. Noomi bedeutet übersetzt die „Liebe“ und Mara , wie Noomi in Rut 1,20 erklärt, die „Bittere“. Letzteren Namen möchte Noomi nach dem Tod ihres Mannes und ihrer Söhne tragen, da der Allmächtige ihr viel Bitteres getan hat.[8] Rut übersetzt Irmtraud Fischer mit „Freundin“, „Labsal“, „Sehende“, womit sie zum einen ausdrücken will, dass Ruts Name nicht eindeutig zu bestimmen ist. Zum anderen fügt sich der Name dennoch mit dem Charakter der Person Rut in anderen Kommentaren zum gleichnamigen Buch in eine treffende Ätiologie und wird ebenfalls positiv konnotiert.[9] Auffallend ist, so Irmtraud Fischer, dass ausgerechnet Rut – im Gegensatz zu allen anderen Figuren - als „die Hauptperson keinen Namen trägt, der eindeutigen Hinweischarakter hat.“[10] Der Name Boas drückt aus, dass dessen Träger kräftig und somit der „Potente“ ist. Der Namenlose wurde in Rut 4,1 der Einheitsübersetzung lediglich als der Löser übersetzt. Diese Figur erhielt keinen konkreten Namen, weil sie in Rut 4,6 nicht bereit ist zu lösen: „Der Löser sagte: Dann kann ich für mich nicht lösen […].“[11] Gerade weil eine Person absichtlich keinen Namen erhalten hat, kann man auch von ihr sagen, dass sie durch diesen bewussten Verzicht das rhetorische Stilmittel eines sprechenden Namens aufweist.[12] Obed - Ruts Sohn, den sie Noomi geboren hat[13] - bedeutet „Diener“ bzw. „Knecht“. Er erhielt diesen Namen, da seine Geburt Rut und Noomi „zur sozialen Integration“[14] dienen soll. Betlehem kann mit „Haus des [Kriegsgottes] Laham“[15] übersetzt werden, steht aber im Rutbuch für „Brot“. Irmtraud Fischer übersetzt aufgrund beider Bedeutungen „Brothausen“, womit auf folgende Sättigung verwiesen werden soll: „[…] denn sie hatte gehört, der Herr habe sich seines Volkes angenommen und ihm Brot gegeben.“[16] Dennoch beginnt das Buch Rut mit einer Hungersnot, die über Betlehem gekommen ist.[17] Der Ortsname Moab bedeutet „vom Vater“ - die Ätiologie dazu „liefert die Geschichte um die ältere Tochter Lots, die von ihrem Vater schwanger wird und ihren Sohn Moab, »vom Vater«, nennt (Gen 19,37)“,[18] so Irmtraud Fischer.

3. Themen im Rutbuch

Im Buch Rut werden die unterschiedlichsten Sachverhalte thematisiert. Im Folgenden soll sich nur auf die Themen des Fremdseins, der damit einhergehenden Mischehenproblematik, Witwenschaft und auf Rut als Davids Ahnin eingegangen werden. Hierfür wird sich ebenfalls auf den Kommentar über das Buch Rut von Irmtraud Fischer bezogen.

3.1. Die Moabiterin Rut – Fremde im Buch Rut

„Rut wird in der Erzählung durchgängig als Moabiterin bezeichnet“,[19] auch nachdem sie sich für Noomi entschieden hat. Sogar in Rut 4,5 nennt Boas sie noch „Moabiterin Rut“. Diese durchgehende Bezeichnung ist ein Indiz dafür, dass Rut als Fremde, als Ausländerin präsentiert werden soll, welche Boas trotz ihres Fremdseins zur Frau nimmt. Das Fremdsein wird sogar in zweifacher Hinsicht im Buch Rut thematisiert. Zum einen wird von einer judäischen Familie berichtet, die ins Ausland zieht und daher dort fremd ist. Danach aber ist von einer fremden Frau die Rede, welche nach Juda zieht. Laut Irmtraud Fischer bezeichnete der Fremde im ursprünglichen Sinn „den Rechtsstatus eines freien Mannes im Ausland“,[20] was aber gleichzeitig nicht bedeutete, dass der Fremde auch aus einem anderen Volk stammt. Im AT wird der Fremde sogar als eine Art Schutzbürger angesehen, auch wenn er sich in einem fremden Land aufhält und dort weder Grundbesitz hat noch dort geboren wurde. Deshalb hat er - ebenfalls wie Frauen, Kinder, Witwen und Waisen - bei Rechtsprechungen auch kein Sitz- und Stimmrecht. Das einzige Recht, was Fremde innehaben, ist das sogenannte Schutzrecht.[21] Bezogen auf Rut lässt sich nun feststellen: Zum einen bezeichnet sie sich in Rut 2,10 dem Mann gegenüber, den sie heiraten wird, selbst als eine Fremde und das auf eine demütige Weise - „Sie sank vor ihm nieder, beugte sich zur Erde und sagte: Wie habe ich es verdient, dass du mich so achtest, da ich doch eine Fremde bin?“[22] Im Hebräischen steht an dieser Stelle ein Wort, das mit Ausländerin übersetzt wird und welches „häufig als Oppositionswort zu »deine Geschwister«, »dein Bruder« gebraucht“[23] wird. Laut Irmtraud Fischer ist die Bezeichnung eines Menschen als Ausländer ein Hinweis darauf, dass sich Israel mit diesen nicht verwandt weiß. Sie sind sozusagen fremder als Fremde.[24] In Rut 1,1 wird beschrieben, dass Elimelech aus Betlehem in Juda fortging, „um sich als Fremder im Grünland Moabs niederzulassen.“[25] Demgegenüber weist „die Wortwahl der Rede Ruts […] darauf hin, daß sie als Frau in Juda fremder ist, als der Mann Elimelech in ihrer Heimat Moab es war, da er dort als Schutzbürger aufgenommen wurde.“[26] So ist der Gebrauch der Bezeichnung einer ausländischen Frau als fremde Frau , immer wenn er benutzt wird, von abwertender Bedeutung – außer in Gen 31,15, „wo nicht die Töchter Labans abgewertet werden, sondern der Vater“.[27] In 1 Kön 11,1 stehen vor allen anderen Ausländerinnen die Moabiterinnen, welche angeblich Männer zum Götzendienst verführen und Salomos Abfall von JHWH verursacht haben. In Neh 13,23-31 ist sogar von einem Verbot der Mischehe die Rede – dort werden aber „nur die Ehen mit fremden Frauen angeprangert“.[28] Fremde Frauen bzw. Moabiterinnen wurden für gewöhnlich auch mit Ehebruch in Verbindung gebracht. Sie waren folglich nicht nur ethnisch fremd, sondern verwirklichten auch das übliche Frauenethos nicht. Damit grenzten sie sich selbst von der bürgerlichen Gesellschaft ab.[29] In der Rut-Erzählung ist auffällig, dass Rut konsequent als Moabiterin bezeichnet wird, wodurch ihre „ethnisch fremde Herkunft auch erzählerisch thematisiert wird“[30] und des Weiteren hervorgehoben wird, dass sie eindeutig nicht zum Volk Israel gehört.

[...]


[1] Vgl. Zenger, E., Das Buch Rut, 226 und Vgl. Fischer, I., Rut, 93

[2] Zenger, E., Das Buch Rut, 226

[3] Vgl. Zenger, E., Das Buch Rut, 226

[4] Ebd.

[5] Vgl. Fischer, I., Rut, 33

[6] Ebd.

[7] Vgl. Fischer, I., Rut, 34

[8] Vgl. ebd. sowie Rut 1,20

[9] Vgl. Fischer, I., Rut 34 f.

[10] Fischer, I., Rut 35

[11] Rut 4,6

[12] Vgl. Fischer, I., Rut 35

[13] Vgl. Rut 4,15 ff.

[14] Fischer, I., Rut, 35

[15] Fischer, I., Rut, 36

[16] Rut 1,6 und vgl. Fischer, I., Rut, 36

[17] Vgl. Rut 1,1

[18] Fischer, I., Rut, 36

[19] Fischer, I., Rut, 36

[20] Fischer, I., Rut, 57

[21] Vgl. Fischer, I., Rut, 58 und Dtn 24,14 ff.

[22] Rut 2,10

[23] Fischer, I., Rut, 58

[24] Vgl. ebd.

[25] Rut 1,1

[26] Fischer, I., Rut, 58.

[27] Fischer, I., Rut, 59 und vgl. Gen 31,15

[28] Fischer, I., Rut, 59 und vgl. Neh 13,23-31

[29] Vgl. Fischer, I., Rut, 59

[30] Ebd.

Details

Seiten
22
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656170860
ISBN (Buch)
9783656171270
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192242
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,0
Schlagworte
Rut Das Buch Rut Biblische Theologie Exegese Die Rolle der Frau in der Bibel; Feministische Auslegung des Buches Rut; Rutbuch

Autor

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Titel: Das Buch Rut