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Die Bedeutung von Finanzierungssurrogaten bei der Unternehmensfinanzierung bei besonderer Beachtung der Asset Backed Securities

Wissenschaftliche Facharbeit

von Britt Rohde (Autor) Jana Hoffmann (Autor) Thomas Ulitzsch (Autor)

Hausarbeit 2005 54 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problem- und Zielstellung
1.2 Aufbau der Facharbeit
1.3 Orientierung zur Unternehmensfinanzierung

2. Finanzierungssurrogate
2.1 Leasing
2.1.1 Begriff und Funktion
2.1.2 Bedeutung
2.1.3 Vorteile und Nachteile
2.2 Factoring
2.2.1 Begriff und Funktion
2.2.2 Bedeutung
2.2.3 Vorteile und Nachteile

3. Asset Backed Securities (ABS)
3.1 Begriff
3.2 Historische Entwicklung
3.3 Funktion und Struktur
3.4 Bedingungen für die Anwendung von ABS
3.5 Was kann als Forderungen bei ABS dienen?
3.5.1 Überblick der Produkttypen / Assetklassen
3.6 Varianten von ABS
3.7 Vorteile und Nachteile
3.8 Sicherungsmöglichkeiten
3.9 ABS im Hinblick auf Basel II
3.10 Der Markt weltweit
3.11 Der Markt in Deutschland

4. Nutzung und Transaktionen von ABS bei der Commerzbank AG
4.1 Verbriefung von Forderungen mit „MidCABS“
4.1.1 Anwenderfreundlichkeit
4.1.2 MidCABS Vorteile
4.1.3 Struktur von MidCABS
4.1.4 Instrument im Finanzmanagement
4.2 Fondslösung der Commerzbank-Tochter Cominvest
4.3 Risikoberichterstattung

5. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Quellennachweis

Anlagen

Anlage 1 Erläuterungen zu Begriffen

1. Einleitung

1.1 Problem- und Zielstellung

Das Finanzierungsverhalten mittelständischer Unternehmen in Deutschland ist sehr stark durch die Mittelaufnahme bei Banken geprägt. Die Banken zeigen sich jedoch bei der Kreditvergabe mittlerweile zurückhaltend. Selbst gesunde Unternehmen klagen bei der Finanzierung ihrer Vorhaben zunehmend über Schwierigkeiten.

Durch Basel II bzw. die Einführung des Ratings ist die in Deutschland von kleinen und mittelständischen Unternehmen genutzte klassische Kreditfinanzierung durch Banken in den Mittelpunkt der wirtschaftspolitischen Diskussion gerückt. Es ergeben sich Probleme auf Grund der geringen Eigenkapitalquote auf Seiten der Unternehmen in Deutschland, die im Durchschnitt bei 17,6% liegt, und auf Grund nicht ausreichender beleihungsfähiger Sicherheiten.

Die Konjunkturflaute zerrt ebenso an den Kapitalreserven und Gewinnen der Unternehmen. Eine Innenfinanzierung wird somit oft unmöglich. Die Banken selbst befinden sich in einer schweren Strukturkrise, denn Kreditausfälle reißen Löcher in die Bilanz, Zinsmargen reichen nicht aus und die Zurückhaltung bei Kreditzusagen wächst.

Der Kampf um das immer knapper werdende Kapital wird die Unternehmen in zunehmendem Maße zwingen, nach alternativen Finanzierungsformen zu suchen. Unternehmen könnten ihre Verhandlungsposition gegenüber Banken deutlich stärken, wenn sie innovative Finanzierungsalternativen angehen, eine aktivere Informationspolitik gegenüber den Kapitalgebern betreiben und ihr Risikomanagement strategisch ausbauen Durch Optimierung der Kapitalstruktur unter Einbezug verschiedener Finanzierungsinstrumente in den Unternehmen, können diese auf die veränderte Kreditvergabepolitik reagieren. Zwischen mittelständischen Unternehmen und Fi- nanzgebern kann Basel II als Anlass genutzt werden, frischen Wind in die traditionelle Beziehung zu bringen.1

Wir möchten in unserer Facharbeit aufzeigen, dass das Finanzierungsverhalten von Mittelständlern kritischer betrachtet werden sollte, denn die Vielfalt verfügbarer Finanzierungswege wird leider erst bei fehlenden Alternativen in Erwägung gezogen.

Die Nutzung alternativer Finanzierungsformen jenseits des Bankkredits gewinnt vor diesem Hintergrund an Beachtung. So können zum Beispiel Asset Backed Securities und Factoring zur Verbesserung der Liquidität sowie zur Bilanzver- kürzung führen.

Wir möchten die Hypothese aufstellen, dass Asset Backed Securities zunehmend auf dem Kapitalmarkt an Bedeutung gewinnen wird und werden versuchen diese Aussage in unserer Facharbeit zu belegen.

Inwieweit nun Asset Backed Securities die herkömmliche Finanzierung einer Unternehmung verändern kann und welche Einsatzmöglichkeiten, Probleme, Risiken sich einer Unternehmung dabei bieten, soll ebenso Zielsetzung dieser Arbeit sein.

1.2 Aufbau der Facharbeit

Die Facharbeit gliedert sich in fünf Kapitel.

Das 1. Kapitel gibt eine Einführung in die Problemstellung und die Vorgehensweise der Arbeit. Im Kapitel 2 soll darauf eingegangen werden, was Finanzierungssurrogate sind, welche es gibt und wir erläutern die Finanzierungssurrogate Leasing und Factoring etwas näher.

Das 3. Kapitel bildet den Schwerpunkt dieser Facharbeit. Dort wird dem im heu- tigen Finanzmarkt immer mehr an Bedeutung gewinnendem Finanzierungsin- strument Asset Backed Securities Beachtung geschenkt. Nach Informationen über seine Entstehung wird ABS zunächst in seiner grundsätzlichen Struktur dargestellt und die Funktion der Beteiligten näher beschrieben. Ebenso wie bei den in Kapitel 2 genannten Finanzierungssurrogaten erfolgt hier eine Gegen- überstellung der Vor- und Nachteile und der daraus entstehenden Bedeutung als Finanzierungsinstrument. Auf Grund der Komplexität von ABS und seiner mannigfaltigen Varianten wird das Thema nur in sehr allgemeiner und einfacher Form von uns dargelegt. Das Ende des 3.Kapitels widmet sich der Darstellung der Situation am internationalen sowie deutschen Geld- und Kapitalmarkt für ABS-Transaktionen. Wir erläutern, weshalb und in welchem Maße seit den letzten Jahren das Interesse an ABS wächst und zunehmend in Deutschland auch in mittelständischen Unternehmen an Bedeutung gewinnt.

Im Anschluss daran wird in Kapitel 4 der Einsatz von Asset Backed Securities in der Commerzbank AG aufgezeigt. Den Abschluss dieser Arbeit bildet dann Kapitel 5 mit einer Zusammenfassung, einem Fazit zu den bis dato erläuterten Aspekten sowie einem kurzen weiterführenden Ausblick.

1.3 Orientierung zur Unternehmensfinanzierung

Bei der Unternehmensfinanzierung zeichnet sich der Mittelstand besonders da- durch aus, dass er traditionell in hohem Maße durch Bankkredite finanziert ist. Dadurch war die Bank durch die engen Kontakte zwischen Bank und Unter- nehmen gut informiert und konnte darüber auch ihr Kreditrisiko einschätzen. Dies führte zwischen Bank und Betrieb zu langfristigen Finanzierungsbeziehun- gen. Das mittelständische Unternehmen erhielt im Gegenzug Planungssicher- heit und Stabilität.

Mit der Einführung des Ratings wird nun diese in Deutschland gewachsene Beziehung auf ein neues Fundament gestellt.

Zur Messung der Bonität des Betriebes werden die Kreditzinsen durch die künf- tig genaueren Methoden durch die Banken risikobewusster kalkuliert. Kleine und mittlere Unternehmen mit guter Bonitätseinstufung können eine Verringe- rung der Kreditzinsen erwarten. Für Mittelständler mit schlechter Bonität erge- ben sich negative Konsequenzen. Kredite werden an höhere Zinsen gebunden, was die Liquidität weiter belastet oder Kredite werden gar abgelehnt und sogar bestehende gekündigt. Die klassische Kreditfinanzierung wird eine wichtige Säule der Unternehmensfinanzierung bleiben, aber die Beziehung zu einer ein- zigen Hausbank wird sich abschwächen und die Unternehmer werden prüfen müssen, ob nicht mehrere Bank-Beziehungen sinnvoll sind. Somit werden auch andere Finanzierungsinstrumente für die Stärkung der Ei- genkapitalbasis, wie Leasing, Factoring, Asset Backed Securities, Beteiligungs kapital oder auch sogenannte Mezzanine Förderprogramme, interessant. Auf die beiden letztgenannten Formen werden wir in der Facharbeit allerdings nicht näher eingehen. Die Tabelle 1 gibt einen groben Überblick welche Finanzierungsinstrumente sich für die jeweilige Unternehmensgröße eignen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten2

Tabelle 1 Überblick Finanzierungsinstrumente3

2. Finanzierungssurrogate

Finanzierungssurrogate sind Finanzierungsinstrumente, die zur Schonung oder Verbesserung der Liquidität der Unternehmen beitragen. Hierbei wird kein neues Fremd- oder Eigenkapital zugeführt.

Zu den Finanzierungssurrogaten zählen Leasing, Factoring, Franchising, Forfaitierung und Asset Backed Securities.

Während wir auf ABS in Kapitel 3 dieser Facharbeit ausführlich eingehen werden, möchten wir Leasing und Factoring, als zwei von uns ausgewählte Finanzierungsinstrumente, an dieser Stelle etwas näher erläutern.

2.1 Leasing

2.1.1 Begriff und Funktion

Der Begriff „Leasing“ wurde in den USA für eine besondere Form der Nut zungsüberlassung geprägt. Das Wort ist vom lateinischen "laxare" (lockern, lösen) und dem altfranzösischen "lais" und "laisser" (gestatten, erlauben) abgeleitet. Der englische Begriff „to lease“ heißt überlassen, vermieten. Doch Leasing kann nicht generell mit Miete bzw. Pacht gleichgestellt werden. Leasing wird für besondere Vertragsformen angewendet, die sich von her- kömmlichen Mietverträgen unterscheiden.

Leasing wird dabei als eine besondere Form von Mietgeschäft betrachtet, wobei der Leasinggeber (= Leasinggesellschaft) dem Leasingnehmer (= Kunde) die Nutzungsmöglichkeit an einem Investitionsobjekt (Mobilien, Immobilien oder Arbeitskräften) über einen Zeitraum zu konstanten, im Vornhinein festgelegten Raten, einräumt.4

Leasing stellt eine Sonderform der Fremdfinanzierung dar, weil es trotz der Tat- sache, dass keine Zahlungsmittel als Kredit vergeben werden, Investitions- und Kapazitätserweiterungstätigkeiten ohne gleichzeitigen Einsatz eigener Mittel ermöglicht.

Leasing erfolgt über sog. Leasinggesellschaften (direktes Leasing) oder über den Hersteller des Leasinggutes (indirektes Vertriebsleasing). Mobile und im mobile Wirtschaftsgüter, die werthaltig und fungibel, also drittverwertbar sind, sind leasingfähig.

Die Grundmietzeit des Leasingvertrages muss mindestens 40 % und darf höchstens 90 % der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer (Abschreibungsfristen AfA) betragen.

Ausnahme ist der kündbare Vertrag, der keine limitierte Vertragslaufzeit vor sieht. Allerdings muss hier die unkündbare Grundmietzeit mindestens 40 % der AfA-Zeit betragen. Bei Mietkauf, hat die 40% bis 90 %-Regel keine Gültigkeit, da hier das Leasingobjekt dem Leasingnehmer steuerlich zugeordnet wird. Bei Vertragsende besteht die Möglichkeit auf Kaufoptionen oder Verlängerung durch den Leasingnehmer bzw. Andienungsrecht des Leasinggebers.

2.1.2 Bedeutung

Leasing ist ein seit Jahrzehnten in Deutschland eingeführtes Finanzierungsin- strument. Seine bilanzentlastende Wirkung hat dazu beigetragen, dass Leasing bereits heute als Alternative zum klassischen Investitionskredit stark genutzt wird. Die Bilanzverkürzung ist eine wesentliche Auswirkung des Leasings. Die- ser Effekt resultiert aus dem Wegfall eines Vermögenspostens auf der Aktivsei- te bei gleichzeitiger Verringerung der Verbindlichkeiten auf der Passivseite. Die geringere Bilanzsumme führt zu einer Erhöhung wichtiger Leistungskennzahlen der Unternehmensbewertung, wie etwa der Verschuldungsquote oder der Ge- samtkapitalrendite.

Die Sonderform Sale-and-lease-back5 verfolgt insbesondere das Ziel der Kapitalfreisetzung. Ohne die entsprechenden Anlagegüter abgeben zu müssen, steht das im Anlagevermögen gebundene Kapital zur Verfügung. Dies schont das Eigenkapital und die Kreditlinien des Unternehmens.

Für die Bilanzpolitik eines Unternehmens haben aus diesem Grunde insbeson- dere Sale-and-lease-back-Geschäfte wesentliche Bedeutung. Auch im Zuge der Liquiditätsverbesserung gewinnt Sale-and-lease back bei Immobilien oder sehr werthaltigen mobilen Wirtschaftsgütern immer mehr an Bedeutung. Das Unter- nehmen kann die durch den Verkauf freigesetzte Liquidität für andere unternehmerische Aufgaben nutzen.

Indem durch den Verkauf eines Objektes über Buchwert stille Reserven mobili- siert werden, besteht ebenso die Möglichkeit der Rentabilitätsverbesserung. Aber es ist zu bedenken, dass ein möglicherweise positives Bilanzergebnis eine Steuerzahlungspflicht auslöst, die sich liquiditätsmindernd auswirkt (Rentabilität versus Liquidität!).

Somit wird Leasing als Ergänzung zu Kreditfinanzierungen mittel- bis langfristig weiter an Bedeutung gewinnen.6

2.1.3 Vorteile und Nachteile

Abgeleitet aus der Bedeutung des Finanzierungssurrogates Leasing lassen sich eine Reihe von Vorteilen aufzeigen:

- Leasing ermöglicht die Nutzung von in der Regel fabrikneuen Gütern ohne sofortige volle Bezahlung.
- Leasing schont das Eigenkapital, da die beschafften Wirtschaftsgüter nicht in die Bilanz des Leasingnehmers eingehen.
- Leasing ist bilanzneutral.
- Leasing sorgt für Liquiditätsentlastung bei gleichzeitiger Kapazitätserwei- terung.
- Leasingraten sind als Betriebsausgaben steuerlich voll absetzbar
- Leasingkosten sind periodisch wiederkehrende Zahlungen, die parallel zur Nutzung des Leasingobjekts anfallen.
- Das Objekt finanziert sich laufend selbst („pay as you earn“-Effekt). Finanzielle Vorleistungen sind nicht notwendig.
- Die periodischen Leasingzahlungen dienen der innerbetrieblichen Planung als sichere Kalkulationsgrundlage.
- Die Vorteile von Leasing schaffen Möglichkeiten für betriebliche Innovationen und Rationalisierungen.

Trotz vieler positiver Effekte des Leasings kann die Finanzierungsform nicht als Allheilmittel betrachtet werden und zeigt auch einige Nachteile:

- Da Leasing-Gesellschaften an ihre Kunden in der Regel ähnliche Bonitätsanforderungen wie Kreditinstitute richten, kann Leasing nur eine Ergänzung oder Alternative zur Bankfinanzierung sein.
- Die Kosten der Leasingtransaktion können die der Kreditfinanzierung übersteigen und 20 bis 40 Prozent über der Kaufsumme des Leasingobjektes liegen.
- Ratenbelastung sind Fixkosten, die erwirtschaftet werden müssen.
- Während der Leasingzeit besteht eine starke Bindung an die Leasinggesellschaft.
- Eine ordentliche Kündigungsmöglichkeit während der Grundmietzeit ist nur bilanzschädlich möglich (das Leasingobjekt muss bei Kündigung in- nerhalb der Grundmietzeit rückwirkend in die Bilanz des Leasingnehmers aufgenommen werden). Dadurch wird die Flexibilität erheblich einge- schränkt.

2.2. Factoring

2.2.1 Begriff und Funktion

Factoring ist neben Leasing und Kreditkauf eine weitere Möglichkeit, einen Teil des Betriebsvermögens durch Dritte zu finanzieren.7

Es ist ein Finanzierungsgeschäft, bei dem ein Unternehmen seine Forderungen aus dem Verkauf von Waren und Dienstleistungen an eine Factoring- Gesellschaft (häufig Inkassounternehmen oder Bank) überträgt (Abtretung) und dafür nach Abzug bestimmter Beträge sofort den Gegenwert (von bis zu 90%) der Forderung erhält.8

Der Begriff Factoring klingt modern, tatsächlich reicht sein Ursprung aber weit zurück. Aus facere (lat.)=machen/ tun leiteten die alten Römer den factor ab, den Macher, der im Mittelalter ein Handlungsgehilfe war, welcher in der Nieder- lassung einer ausländischen Firma arbeitete, in der sogenannten Faktorei.

Im 18.Jahrhundert waren dann Faktoreien größere Handelsniederlassungen, die den Im- und Export mit den Kolonien betrieben und im 19.Jahrhundert schließlich vollzog sich in der USA der Bedeutungswandel vom Waren- Factoring (Handelsgeschäft) zum Finanzfactoring.9

Das echte Factoring ist ein Forderungskauf, bei dem der Factor das Risiko des Forderungsausfalles trägt.

Beim unechten Factoring verbleibt dagegen dieses Risiko beim Unternehmer, so dass dieser vom Factor wieder in Anspruch genommen wird, wenn der Schuldner die Forderung nicht begleicht. Das unechte Factoring ist daher ein reines Kreditgeschäft. Der Factor sichert die Liquidität des Klienten, indem er ihm die offenen Forderungen sofort nach Rechnungsstellung gutschreibt. Dieser Service ist nicht kostenlos. Die Höhe der Gebühr beträgt in der Regel zwischen 0,5 und 2,5% des Rechnungsbetrages.10

Factoring lohnt sich bei großen und risikogemischten Forderungsbeständen in der Größenordnung von in der Regel über 1 Millionen EURO und bei langen Zahlungszielen. In der Bundesrepublik gewinnt das Factoring vor allem bei mittelständischen Unternehmen immer mehr Verbreitung.11

2.2.2 Bedeutung

Factoring wird in Deutschland vor allem von mittelständischen Unternehmen aus Industrie, Großhandel und Dienstleistungssektor genutzt, wobei der kumulierte Umsatz im Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte von 3,94 Mrd. Euro (1984) auf 35,08 Mrd. Euro im Jahr 2003 gestiegen ist. Nach Meinung des Deutschen Factoring-Verbandes gehört die Factoringbranche zu den Branchen, die auch in den nächsten Jahren ein erhebliches Wachstumspotential besitzen.

Aus dem Blickwinkel des Unternehmens und bezüglich der Kosten und Laufzeit kann man Factoring mit einem Kontokorrentkredit vergleichen.12

Durch das Factoring scheiden die Forderungen aus der Bilanz des Unterneh- mens aus, was eine Bilanzverkürzung bewirkt. Die aus dem Forderungsverkauf resultierende Liquidität kann zum Abbau von Verbindlichkeiten genutzt werden, was der Eigenkapitalquote und Bilanzstruktur zugute kommt. Das Rating wird verbessert und diese Verbesserung der Bewertung ist darin begründet, dass das Unternehmen von Ausfallrisiken befreit ist, welche in den außenstehenden Forderungen stecken. Außerdem können Sicherheiten für die Inanspruchnahme von Kontokorrentkrediten freigesetzt werden, welche gerade für mittelständische Unternehmen wichtig sind. Mit einem verbesserten Rating können auch die Kosten für die Fremdfinanzierung verringert werden.

Beim Factoring sind auch grundsätzliche Überlegungen des Managements in Bezug auf Kundenstruktur, Zahlungsverhalten und das bisherige Verhalten gegenüber Kunden anzustellen.

Im Allgemeinen ist Factoring den Kunden zu empfehlen, die: stark wachsende Umsätze mit hohem Wareneinsatz haben geringe Eigenmittel, aber hohe Außenstände haben im Einkauf durch Skontierung Geld sparen können mit Zahlungszielen von 90 Tage (Inland) bzw. 180 Tage (Ausland) arbei- ten und deren Forderungen nach voll erbrachten Leistungen bestehen.13

2.2.3 Vorteile und Nachteile

Einige Vorteile des Finanzierungsgeschäftes Factoring sind bei der Bedeutung im vorherigen Abschnitt bereits mit angeführt worden und werden von uns in die Übersicht der Vorteile mit übernommen, die sich wie folgt darstellt:

Beim Factoring sinkt durch den Verkauf der Außenstände an eine Factoring-Gesellschaft der Forderungsbestand und durch die sofortige Bezahlung der Factoring-Gesellschaft wird die Liquidität erhöht und damit steigt gleichzeitig die finanzielle Flexibilität.

Durch diese erhöhte Liquidität können Verbindlichkeiten abgebaut wer- den, wodurch eine Bilanzverkürzung und Erhöhung der Eigenkapitalquo- te erreicht wird. Dadurch wiederum kann eine Verbesserung des Ratings erreicht werden.

Da die Factoring-Gesellschaft mit dem Ankauf der Forderungen auch das Ausfallrisiko übernimmt, bietet das Finanzierungsinstrument Factoring zuverlässigen Schutz vor Forderungsausfällen.

Durch Factoring können Sach- und Personalkosten gespart werden, da die Debitorenbuchhaltung und das Mahnwesen durch die FactoringGesellschaft erfolgen.

Nachteile:

Der letztgenannte Punkt der Vorteile des Factorings, die Übernahme des Mahn- und Inkassowesen, kann aber unter Umständen neben der positiven Kosteneinsparung auch zu Problemen führen. Die persönlichen Beziehungen zu wichtigen Kunden sind für das Unternehmen oft die Grundlage für eine langfristige, vertrauensvolle Zusammenarbeit. Inflexible und undifferenzierte Vorgehensweisen in Verbindung mit versendeten Mahnungen bergen somit großes Konfliktpotenzial in sich.

Ein gewisses Handicap des Factorings liegt auch in der mangelnden Be- kanntheit des Finanzierungsinstruments bei den Kunden des Unterneh- mens. So werden gelegentlich Befürchtungen geäußert, dass ein Unter- nehmen, welches seine Forderungen verkauft, in finanziellen Schwierig- keiten steckt und ein Risiko als Geschäftspartner darstellt. Diese Befürchtung ist jedoch meistens unbegründet, da nur gesunde Unter- nehmen Factoring überhaupt nutzen können. Da der Factor auf sein eigenes Risiko achten muss, können nur gesunde Unternehmen Factoring überhaupt nutzen.

Als weitern Nachteil möchten wir noch anfügen, dass ein Ankauf von Forderungen nur innerhalb des von der Factoring-Gesellschaft vereinbarten Limits möglich ist.

Um herauszufinden, ob Factoring wirklich die kostengünstige Alternative ist, muss der Unternehmer Vergleichsrechnungen anstellen. Die Finan- zierungskosten sind vom Factoringvolumen und der Übernahme von Dienstleistungen abhängig. In der Regel kostet die Vorfinanzierung marktübliche Kontokorrentzinsen plus 1 bis 2 % Aufschlag. Die Über- nahme des Ausfallrisikos und der Debitorenbuchhaltung kostet rund 1% der Forderungen. Die Vorteile aus den Einsparungen bei den Verwal- tungskosten sowie die Liquiditäts- Steigerung müssen bei dem Vergleich dagegen gerechnet werden.14

3. Asset Backed Securities (ABS)

3.1 Begriff

Asset Backed Securities (ABS) sind Schuldscheine oder Wertpapiere („securi- ties“), die Zahlungsansprüche gegen eine ausschließlich dem Zweck der ABS- Transaktion dienende Zweckgesellschaft zum Gegenstand haben. Die Zah- lungsansprüche werden durch einen Bestand unverbriefter Forderungen („as- sets“) gedeckt („backed“), welche auf die Zweckgesellschaft übertragen wer- den. Die Ansprüche stehen im Wesentlichen den Inhabern der Asset Backed Securities (Investoren) als Haftungsgrundlage zur Verfügung.15

3.2 Historische Entwicklung

Die Verbriefung von Finanzaktiva (Asset Securisation) begann 1970 in den USA. Zunächst verbriefte man ausschließlich Hypothekendarlehen mit dem Ziel, für derartige Kredite einen liquiden Sekundärmarkt zu entwickeln. Dies war notwendig, weil auf dem amerikanischen Kreditmarkt ausgeprägte regionale Ungleichgewichte herrschten, die zu gleichzeitigen Kreditrationalisierungen und Kreditangebotsüberschüssen in den USA führten. Da das regional organisierte Kreditbankensystem kaum in der Lage war einen Ausgleich der Ungleichge- wichte herbeizuführen, wurden in der Folge durch bundesstaatliche Beschlüsse Gesellschaften geschaffen, wie die Government National Mortgage Association (GNMA), die Federal National Mortgage Association (FNMA) und die Federal Home Loan Mortgage Corporation (FHLMC). An diese Gesellschaften konnten die Regionalbanken ihre Hypothekendarlehen verkaufen, wobei für die Kredite bestimmte Kriterien festgelegt wurden, deren Anforderungen sie erfüllen muss- ten.

Die Käufergesellschaften refinanzierten sich über die Ausgabe von festverzins- lichen Wertpapieren am Kapitalmarkt, welche staatlich garantiert waren. Da die Hypotheken in erster Linie als Sicherheit für die Wertpapiere dienten, bekamen sie den Namen Mortgage Backed Securities, kurz MBS.

[...]


1 (vgl. M. Schmid, www.stuttgart.ihk.de, Herausgeber IHK Ostwürttemberg, Heidenheim 2004, S. 6) und (vgl. http://www.siemens.com/page/1,3771,1101751-0-15_0_0-0,00.html)

2 Es gibt auf Bundes- und Länderebene öffentliche Förderprogramme, die bei der Gründungs- und Wachstumsfinanzierung für kleine und mittlere Unternehmen interessant sein können. Ne- ben den klassischen Förderdarlehen gibt es den Bereich öffentlicher Förderprogramme mit eigenkapitalähnlichen Komponenten und einer Zwitterstellung zwischen Fremd- und Eigenkapi- talfinanzierungen.

3 (vgl. M. Schmid, www.stuttgart.ihk.de, Herausgeber IHK Ostwürttemberg, Heidenheim 2004, S.7)

4 (vgl. www. wissen.de)

5 Sonderform des Leasings, bei der ein Unternehmen oder die öffentliche Hand Vermögensgegenstände an eine Leasing-Gesellschaft verkauft, die sie dann wieder im Rahmen eines Leasingvertrages an den alten Eigentümer vermietet.

6 (vgl. M. Schmid, www.stuttgart.ihk.de, Herausgeber IHK Ostwürttemberg, Heidenheim 2004, S 17 ff.)

7 (vgl. P.K.Däumler, Betriebliche Finanzwirtschaft, Verlag Neue Wirtschaftsbriefe, Herne/Berlin, 2002,S.312)

8 (vgl. www. adf-inkasso.de/Glossar/factoring.htm)

9 (vgl. www. wissen.de)

10 (vgl. www. adf-inkasso.de/Glossar/factoring.htm)

11 ( vgl. http://did.mat.uni-bayreuth.de/~wwg/faecher/wr/lehrplan/4-15.htm)

12 (vgl. www.factoring.de)

13 (vgl. M. Schmid, www.stuttgart.ihk.de, Herausgeber IHK Ostwürttemberg, Heidenheim 2004, S 8 ff.)

14 (vgl. M. Schmid, www.stuttgart.ihk.de, Herausgeber IHK Ostwürttemberg, Heidenheim 2004, S 8 ff.) und(vgl. www. factoring.de)

15 (vgl. www.bundesbank.de, Rundschreiben 04/1997, S. 1)

Details

Seiten
54
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783656169000
ISBN (Buch)
9783656169178
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192052
Institution / Hochschule
Fachschule Wirtschaft der Hansestadt Rostock
Note
1,4
Schlagworte
Facharbeit Wissenschaftliche Facharbeit Bachelorarbeit Betriebswirtschaft Finanzwirtschaft Finanzierungssurrogate

Autoren

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Titel: Die Bedeutung von Finanzierungssurrogaten bei der Unternehmensfinanzierung bei besonderer Beachtung der Asset Backed Securities