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Äthiopien im Zentrum eines Konfliktsystems am Horn von Afrika

Studienarbeit 2011 8 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Afrika

Leseprobe

Das Heidelberger Institut für Konfliktforschung weist im Jahresbericht 2010 mehrere gewaltvolle Konflikte in der Region des Horns von Afrika aus.

Im Einzelnen werden für die unmittelbare Region des Horns mit den Staaten Äthiopien, Dschibuti, Eritrea und Somalia 12 Konflikte aufgezählt. Darunter werden sechs gewaltvoll geführt, der Konflikt zwischen der äthiopischen Zentralregierung und der Ogaden Liberation Front wird als ernste Krise, die Lage in Somalia sogar als Krieg eingestuft. Dazu kommen noch Konflikte in den angrenzenden Ländern Sudan und Kenia, die einen Einfluss auf das Konfliktsystem am Horn haben. Obwohl von den zwölf gelisteten Konflikten nur zwei zwischenstaatlich sind, und diese nicht gewaltvoll geführt werden, haben sämtliche Auseinandersetzungen eine internationale Komponente, indem Staaten eine der Konfliktparteien unterstützen.

Äthiopien ist aufgrund seiner zentralen Lage, Größe (ca. 80 Millionen Einwohner) und militärischen Stärke der wichtigste Akteur am Horn. Das Land ist jedoch ein von Meles Zenwawi seit 1991 autokratisch geführter Vielvölkerstaat mit mehreren (ethnischen) Konfliktherden. Vor Allem die südwestlichen Provinzen Somali und Oromiya sind nach wie vor Schauplatz gewaltvoller Konflikte.

Der gewaltsamste Konflikt ist dabei jener zwischen der Zentralregierung in Addis Abeba und der Ogaden Nation Liberation Front (ONLF). Die ethnischen Somali führen einen Kampf gegen die Präsenz der Zentralregierung und fordern eine Abspaltung von Äthiopien. Zudem war es jahrzehntelang ein verfassungsmäßiges Ziel des Somalischen Staates den Ogaden (die heutige äthiopische Provinz Somali) in ein Groß-Somalia einzugliedern. Deshalb kam es auch in den 70er Jahren zu einem krieg der beiden Länder. Verschärft wird die Auseinandersetzung dadurch, dass relativ große Ölvorkommen in der Ogaden-Wüste vermutet werden und die Provinz deshalb für den äthiopischen Staat eine größere Bedeutung hat.

Zudem gibt es einen Nationalismus der Oromo, welche sich gegen die (historische) Vormachtstellung der Amhara wehren und ihrerseits in Form der Oromo Liberation Front (OLF) einen Oromo-Nationalstaat fordern. Daneben gibt es noch mehrere kleinere Konfliktherde in Äthiopien, vor allem in der nordöstlichen provinz Tigray.

Neben den internen Problemen kommen auch externe Gefahren. Wie bereits erwähnt, gibt es somalische Tendenzen zur Einverleibung des Ogaden. Zudem hat Somalia als failed state instabile Auswirkungen auf die Region; insbesondere aufgrund von Flüchtlingsströmen. Mit Eritrea gibt es nach Beendigung des Krieges 2000 Grenzstreitigkeiten und ein äußerst angespanntes Verhältnis.

Instabil ist auch Äthiopien selbst. Die Regierung unter Meles Zenawi regiert autokratisch und unterdrückt oppositionelle Gruppierungen. Zudem gibt es Probleme mit Armut, Unterernährung und HIV/Aids, welche zu größeren Unruheherde werden könnten. Neben den ethnischen Differenzen gibt es auch religiöse Brüche zwischen Christen und Muslime.

Somalia

Somalia gilt als Inbegriff eines failed state. Es gibt praktisch keinen funktionierenden Staat; die macht der Zentralregierung beschränkt sich auf einige kleinere Gebiete. Die nördlichen Provinzen Puntland und vor allem Somaliland agieren praktisch als eigenständige Staaten und v.a. Somaliland fordert auch eine völkerrechtliche Sezession.

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Details

Seiten
8
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656169017
Dateigröße
6.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192051
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Note
Schlagworte
Konflikt Konfliktsystem Somalia Eritrea Äthiopien Horn Kireg Afrika Auseinandersetzung Kalter krieg Terrorismus Piraterie Horn von Afrika

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Titel: Äthiopien im Zentrum eines Konfliktsystems am Horn von Afrika