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Der Isenheimer Altar aus historischer Perspektive

Hausarbeit 2009 19 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

1.0 Einleitung

2.0 Hauptteil
2.1 Hintergrundinformationen zu Zeit und Raum
2.2. Die Auftraggeber: Die Antoniter
2.2.1. Antonius
2.2.2. Das Antoniusfeuer
2.2.3. Die Ordensgründung
2.2.4. Blütezeit und Untergang
2.3. Der Erschaffer: Matthias Grünewald
2.3.1. Leben
2.3.2. Der Name
2.4. Der Altar
2.4.1 Der Erschaffer des Vorgängeraltars: Martin Schongauer
2.4.2 Der Altar historisch und technisch
2.4.3. Der Altar als Heilmittel

3.0 Schlussteil: Ausblick auf die Geschichte des Altars in der neueren Geschichte

4.0 Literaturverzeichnis

1.0 Einleitung

Bei der Beschäftigung mit dem Thema des Isenheimer Altars gelangt man rasch zu der Erkenntnis, dass sich zwar reichlich und auch sehr intensiv mit diesem Kunstwerk befasst wurde, dies aber fast ausschließlich auf kunsthistorischer oder vereinzelt auch auf theologischer Ebene geschah. Eine bescheidene Quellenlage kann hier als Motiv für mangelnde Publikationen im rein historischen Bereich mit hineinspielen, wenn nicht gar Hauptgrund sein.

Diese bescheidene Quellenlage, die, sofern sie nicht aus der jüngsten Vergangenheit stammt, obendrein sowohl von deutscher als auch von französischer Seite (welche den Altar beide als Werk ihrer Nation reklamieren) vor Nationalismus strotzt und damit nur bedingt als Arbeitsgrundlage dienen kann, nötigt mich dazu, das Thema weiter auszulegen.

In der folgenden Arbeit soll auch auf den Erschaffer, den Künstler des Isenheimer Altars, Matthias Grünewald eingegangen werden. Die Quellenlage zu seiner Biografie ist (vermutlich auf eigenen Wunsch hin) allerdings auch derart lückenhaft, dass sie viel Raum für Spekulation und Dichtung bietet.

Auch auf die den Altar in Auftrag gebende Institution, den Antoniterorden, und warum dieser den Altar in Auftrag gegeben hat, soll eingegangen werden.

Bei der Auseinandersetzung mit dem Altar und seiner Geschichte soll die Deutung der Bilder nicht Gegenstand dieser Arbeit sein; freilich kommt man aber um eine grobe, mitunter technische Beschreibung nicht umhin.

Zum Schluss dieser Arbeit nehme ich mir die Freiheit, die Epochengrenze des Mittelalters zu verlassen (lässt es sich doch bei diesem am Anfang des 16. Jhd. entstandenen Kunstwerk ohnehin streiten, ob es mittelalterlich ist) und einen kurzen Ausblick bis in die aktuelle Zeit zu werfen, die besonders unter dem Eindruck der drei französisch-preußisch/deutschen Kriege sehr wechselhaft war.

Obgleich ich hier auf eine breite Literaturliste zurückgreifen kann, muss ich einräumen (wie auch viele der Autoren, auf die ich mich beziehe), dass die Geschichte Grünewalds und des Altars eine im Wesentlichen auf gegenseitigen Abschriften beruht. Die (knappen) Informationen sind fast immer deckungsgleich, und sind sie es nicht, betonen die Autoren meist, dass es sich um unbelegte Informationen handelt.

2.0 Hauptteil

2.1 Hintergrundinformationen zu Zeit und Raum

Anfang des 16. Jhd. erlebte Europa ein wahres Feuerwerk der Kunst; es war der kurze Augenblick der Klassik[1], in dem neben Albrecht Dürer, der zu dieser Zeit Werke wie Ritter, Tod und Teufel schuf, Raffael an der Sixtinischen Madonna arbeitete. Auch Leonardo da Vinci und Michelangelo erlebten hier ihren Schaffenshöhepunkt.[2]

Grünewald, der in verschiedenen Quellen auch als Mathis von Ossenburg (Aschaffenburg) bezeichnet wird, lebte einen Großteil seines Lebens in dieser Stadt.[3] Dort ging er wahrscheinlich eine Ehe ein und hatte einen (Adoptiv-)sohn. Da Grünewald mit Unterbrechungen nachweislich mindestens von 1503 bis 1526 hier lebte, soll dieser Ort, der Grünewald prägte, kurz näher betrachtet werden.

1447 wird Aschaffenburg von Pius II., Enea Silvio Piccolomini als erholsame Rückzugsstätte für die Mainzer Erzbischöfe gelobt. Auftragsbücher geben Kunde darüber, dass die Nachfrage nach teuren Produkten wie seltenen bestickten Stoffen in Aschaffenburg besonders groß war (was auf eine für Luxus ausgabenwillige, wohlhabende Bevölkerung hinweist, die evtl. auch Künstler wie Grünewald förderte).[4]

Die Mainzer Erzbischöfe erkoren Aschaffenburg als Ort für einen Oberstift. Dieser prägte genau wie der hier seit dem 10. Jhd. ansässige Stift St. Peter und Alexander das Stadtbild (zumal diese nicht in einem großen Gebäude residierten, sondern in Wohnhäusern bzw. Stiftskurien, die sich über die ganze Stadt verteilten).[5] Das städtische Leben spielte sich zwischen Stift und Landesherr ab, welche beide als Auftraggeber Grünewalds in Erscheinung traten.

Da sich Aschaffenburg 1525 den aufständischen Bauern im Bauernkrieg anschloss, verlor es nach deren Niederlage viele Privilegien und wurde fortan stark vom Mainzer Landesherren kontrolliert.[6] Eine Beteiligung Grünewalds am Aufstand gilt als nicht unwahrscheinlich, kann aber nicht nachgewiesen werden. Sicher ist, dass er Aschaffenburg 1526 verließ und nach Frankfurt übersiedelte.[7]

2.2. Die Auftraggeber: Die Antoniter

2.2.1. Antonius

Der um 251 in Ägypten geborene Eremit Antonius gab der Überlieferung nach unter dem Eindruck von Mt. 19,16-26 (Der reiche Jüngling) seine gesamte Habe zugunsten der Armen auf und zog sich in ein enthaltsames Leben in das Wüstengebiet Thebais nahe des Roten Meeres zurück. Dort wurde er aufgesucht, um Rat und Trost zu spenden.[8]

In der Vita Antonii, verfasst von Athanasius, dem Bischof Alexandriens, wird Antonius als Kämpfer gegen Dämonen beschrieben (dies ist auch auf dem Altar, rechter Standflügel, zweite Öffnung zu sehen), der im Kampf mit ebendiesen schwer verwundet wird. Die Wunden des Antonius heilen aber durch die Anwesenheit Jesus Christus sofort, welcher nicht eingreift, da er sehen will, ob sich Antonius im Kampfe bewähre.

Fast 105-jährig soll Antonius 356 gestorben sein.[9]

2.2.2. Das Antoniusfeuer

Ignis sacer, Heiliges Feuer war der Name einer Krankheit, die in den letzten Jahrzehnten des 11. Jhd. in weiten Teilen Westeuropas grassierte und aufgrund ihres Hauptsymtoms, den brennenden Schmerzen, ihren Namen bekam.

Seit dem 18. Jhd. ist bekannt, dass es sich hierbei um die so genannte Mutterkornvergiftung handelte.

Claviceps purpurea ist der Pilz, der den Roggen und damit das Brot zum Gift werden ließ. Menschen, die an der Mutterkornvergiftung (oder auch: Ergotismus convulsivus/Ergotismus gangraenosus) litten, spürten nicht nur brennende Schmerzen, sondern hatten auch augenscheinlich einen von Brandnarben überzogenen Körper.[10]

„Gegen diese Höllenqualen, diese Geißel der Menschheit, weiß man kein besseres Mittel, als die Hilfe des Heiligen Antonius zu erflehen und sich unter seinen Schutz zu stellen.“ (Chabert, 1090)[11]

Grünewald liefert uns auf dem Altar eine Abbildung eines an Ergotismus gangraenosus erkrankten Jesus und stellt ihn mit einen grün-blau-schwarzem (livid) Leib dar. Seine mit Blasen übersäte Bauchdecke ist aufgrund einer Flüssigkeitsansammlung stark hervorgetreten. Arme und Hände sind mit einer pergamentartigen Haut überzogen. Die Ausbildung einer Gangrän und Eiterbeulen sind ebenfalls dargestellt.[12]

Die 857 erstmals in Xanten erwähnte Krankheit konzentrierte sich hauptsächlich auf das deutsche und französische Gebiet. 1879 wurde sie letztmalig in Deutschland gemeldet, im oberhessischen Frankenberg. 1926/27 trat sie letztmalig in Russland auf.[13]

Mit dem Aufkommen der Kartoffel und verbesserten Konservierungsmöglichkeiten verschwand die Mutterkornvergiftung weitestgehend. Das im Mutterkorn enthaltene Delysid ist derselbe berauschende Stoff wie LSD (was die Dämonenerscheinungen der Erkrankten erklärt). Schon 1582 beschreibt der Frankfurter Arzt Adam Lonicer das verseuchte Getreide als „Wahnmittel“.[14]

2.2.3. Die Ordensgründung

Die Ordensgründung, erst in Form einer Laienbruderschaft, geht auf das Jahr 1095 zurück und wurde durch Gaston del la Valloire betrieben. Dieser aus Saint-Didier-la-Mothe in der Daupine stammende Adlige stiftete aus Dank für die nicht mehr für möglich gehaltene Heilung seines todkranken Sohnes Guerin ein Hospital, in dem anfangs nur Laien Krankenpflege betrieben.

Saint-Didier-la-Mothe, unweit der Straße von Grenoble nach Valence war gleichzeitig auch der Ort, an dem die Hospizbewegung der Antoniter ihren Anfang nahm. Heute ist der Ort in Saint-Antoine-de-Viennois umbenannt und fungiert nach wie vor als Wallfahrtsort.[15]

Die dem Heiligen Antonius zugeordnete Reliquie (dessen eigene Gebeine), ist auch heute noch im Sockel des Altars der Klosterkirche ebendort aufbewahrt.[16]

Die Bruderschaft erlangte durch ihre Heilerfolge und ihre „Spezialmedikamente“ Antoniuswein und Antoniusbalsam schnell Bekanntheit, und so hieß die von ihnen behandelte Krankheit im Volksmund bald Antoniusfeuer.[17]

[...]


[1] Hegemann, Hans. Mathias Grünewalds Isenheimer Altar in 47 Bildern. S. 5

[2] Mittelstädt, Kuno: Matthias Grünewald. S.5

[3] Ziermann. S. 16 f.

[4] Schumann. S. 185

[5] Schumann, Jutta: Mathis von Ossenburg- Aschaffenburg um 1500, in: Das Rätsel Grünewald. S. 185

[6] Ermischer, Gerhard/ Fussbahn, Heinrich: Stadt-Stift-Hof: Aschaffenburg zur Zeit Grünewalds und Kardinal Albrechts, in: Das Rätsel Grünewald. S. 87 f.

[7] Schumann. S. 186

[8] Marquard (I), Reiner: Karl Barth und der Isenheimer Altar. S. 13

[9] Marquard (I). S. 14

[10] Marquard (I). S. 14

[11] Saran, Bernhard: Mathias Grünewald. Mensch und Weltbild. S. 103

[12] Marquard (I). S. 14

[13] Schubert, Michael: Der Isenheimer Altar- Geschichte, Deutung, Hintergründe. S. 26

[14] Schubert. S. 27

[15] Marquard (II). S. 36 f.

[16] Schubert. S. 22

[17] Bauer, Veit Haold: Das Antoniusfeuer in Kunst und Medizin. S. 65

Details

Seiten
19
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656168614
ISBN (Buch)
9783656168737
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192039
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Geschichtswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
isenheimer altar perspektive

Autor

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