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Kritische Medientheorie im Zeitalter des Web 2.0

Eine Analyse des Web 2.0 im Hinblick auf die Kriterien eines emanzipatorischen Mediengebrauchs nach Hans Magnus Enzensberger.

Hausarbeit 2012 22 Seiten

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe

Leseprobe

Inhaltsübersicht

1 Einführung

2 Theoretisch-konzeptionelle Grundlagen
2.1 Die kritische Theorie der Frankfurter Schule
2.1.1 Grundlagen der kritischen Theorie
2.1.2 Hans Magnus Enzensberger
2.2 Web 2.0
2.2.1 Geschichte und Definition
2.2.2 Grundlagen ausgewählter, nutzergenerierter Webseiten und Anwendungen

3 Das Web 2.0 unter Betrachtung der Kritischen Medientheorie nach Hans Magnus Enzensberger
3.1 Fehlende Kommunikation zwischen Sendern und Empfängern
3.2 Mobilisierung der Massen
3.3 Interaktion der Teilnehmer und kollektive Produktion
3.4 Inhaltlicher Anspruch und Politischer Lernprozess

4 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

„Das offenbare Geheimnis der elektronischen Medien, das entscheidende politische Moment, das bis heute unterdrückt oder verstümmelt auf seine Stunde wartet, ist ihre mobilisie- rende Kraft.“

Hans Magnus Enzensberger

1 Einführung

Knapp ein Drittel aller Haushalte weltweit und über 80 % in Deutschland verfügen heutzutage über einen Internetzugang. Seit dem Jahr 2002 hat sich die Anzahl der Internetzugänge weltweit mehr als verdoppelt.[1] Das Surfen, Bloggen und Posten ist aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr weg zu denken. Aufgrund der ra- santen Entwicklung des Internets kann dieses als die wichtigste technische Ent- wicklung der letzten Jahrzehnte bezeichnet werden. In den letzten Jahren haben sich viele Veränderungen ergeben: Statische Anwendungen und Webseiten gehö- ren der Vergangenheit an, Soziale Netzwerke, Blogs und Communities beherr- schen heute das World Wide Web. Die Nutzer fungieren im Web 2.0 nicht länger als Zuschauer, sondern wirken aktiv bei der Gestaltung mit. Aufgrund der neuen Eigenschaften dieses Mediums muss auch die Kritik an den Medien, die von Ver- tretern kritischer Medientheorien geäußert wurde, überdacht und neu beurteilt werden.

Ziel dieser Arbeit ist es daher, das Web 2.0 im Hinblick auf die Kriterien eines emanzipatorischen Mediengebrauchs nach Ansicht der Vertreter der kritischen Theorie der Frankfurter Schule zu untersuchen. Im besonderen Fokus stehen hierbei die Kerngedanken Hans Magnus Enzensbergers, der sich seit den 1970er Jahren mit der kritischen Medientheorie und den Unterschieden zwischen repressivem und emanzipatorischem Mediengebrauch beschäftigte.

Im ersten Teil der Ausarbeitung wird auf die Grundlagen eingegangen, die zum Verständnis der nachfolgenden Teile notwendig sind. Hierbei werden sowohl die kritische Theorie der Frankfurter Schule und die Medientheorie nach Enzensberger als auch die Eigenschaften des Web 2.0 anhand ausgewählter Anwendungen und Webseiten näher erläutert.

Im zweiten Teil der Arbeit wird der Zusammenhang der zuvor beschriebenen Theorien mit dem Web 2.0 beschrieben. In diesem Teil wird anhand bestimmter

Kriterien untersucht, inwieweit die Ansprüche Enzensbergers und der Vertreter der Frankfurter Schule an einen emanzipatorischen Mediengebrauch mit der Entstehung des Web 2.0 erfüllt wurden.

Die kritische Betrachtung der Ergebnisse und das Aufzeigen weiterer For- schungsmöglichkeiten in diesem Themengebiet erfolgt im letzten Teil dieser Ar- beit.

2 Theoretisch-konzeptionelle Grundlagen

2.1 Die kritische Theorie der Frankfurter Schule

2.1.1 Grundlagen der kritischen Theorie

Die kritische Theorie wurde 1930 durch Theodor W. Adorno und Max Horkheimer am Institut für Sozialforschung der Universität in Frankfurt am Main begründet.[2] In dieser Theorie werden sowohl sozialwissenschaftliche als auch philosophische Lehrinhalte berücksichtigt. Als fester Bestandteil der westdeutschen Soziologie und mit zunehmendem Bekanntheitsgrad entstand im Laufe der 1950er Jahre in Anlehnung an die „Kölner“ und die „Münsteraner Schule“ der synonyme Begriff „Frankfurter Schule“.[3] Die damalige Form der Wissenschaft wurde scharf kritisiert: Die Vertreter der Frankfurter Schule waren der Auffassung, dass die Öffentlichkeit kritisch beurteilen und einen emanzipatorischen Anspruch erheben müsse.[4] Wis- sen sollte vor allem der Aufklärung der Gesellschaft dienen. Die Wirkung von Me- dien spielte hierbei vorerst eine geringe Rolle.[2]

Neben Adorno und Horkheimer gehörte eine Gruppe weiterer Sozialwissenschaft- ler zu den Vertretern und Begründern der Frankfurter Schule: Erich Fromm, Otto Kirchheimer, Leo Löwenthal, Herbert Marcuse, Franz Neumann und Friedrich Pol- lock.[3] 1933 musste diese Gruppe ihre Arbeit in Deutschland unterbrechen und in den USA fortsetzen, da das Institut von den Nationalsozialisten geschlossen wur-

de. 1950 kehrten Adorno, Horkheimer und Pollock nach Frankfurt zurück und gründeten das Institut von Neuem.[5] Zu dieser Zeit fanden sich diverse Schüler Adornos und Horkheimers zusammen, die als „Zweite Generation der Frankfurter Schule“ bezeichnet wurden. Als der bedeutendste dieser Schüler wird Jürgen Ha- bermas genannt, der sich jedoch mit seiner eigenen Theorie weit von der kriti- schen Theorie abgrenzt.[6]

Mit dem technischen Fortschritt rückten später auch die Medien in den Fokus der Theoretiker. Das zentrale Thema hierbei war die Frage, ob Rezipienten von Medi- eninhalten noch in der Lage seien, sich eine eigene, kritische Meinung über Politik und Gesellschaft zu bilden oder ob dies durch Medien verhindert würde. In ihrem 1944 erschienenen Werk „Dialektik der Aufklärung“ machten Adorno und Hork- heimer darauf aufmerksam, dass die Menschen durch Massenmedien von ihren wahren Bedürfnissen, also sich kritisch mit sich selbst und der Gesellschaft aus- einanderzusetzen, abgelenkt würden. Die Medien würden den Ausführungen nach manipulierende und entpolitisierende Wirkung auf die Rezipienten haben. Vorwie- gend durch unterhaltsame Programme würde ein falsches Bewusstsein gebildet, das selbstständiges Urteilen und Entscheiden verhindere und den Rezipienten entmündige.[7]

Die Kritik an den damaligen Medien bestand weiterhin darin, dass Konsumenten vermittelt würde, es gäbe eine Auswahl an Produkten und Angeboten und der Konsument könne frei entscheiden. Die Wahrheit sei jedoch, dass ein Produkt stets dem anderen ähnele und der Bedarf nach immer den selben Produkten ge- weckt würde, um den Gewinn der Unternehmen zu sichern. Auch Medieninhalte würden stets starke Ähnlichkeit aufweisen und nur ausgestrahlt werden, um die Herrschaft der Unternehmen auszuweiten. Vor allem Zeichentrickfilme, Krimis, Schlager und Werbung standen in der Kritik, sowohl wegen der als alltäglich dar- gestellten Gewalt, als auch wegen des negativen Einflusses auf das Sprachniveau

der Rezipienten. Individuen würden nur mit oberflächlichen Inhalten konfrontiert und auf die Rolle des Konsumenten reduziert. Die Medienunternehmen normalisierten diese Oberflächlichkeit um deren eigene Herrschaft und Profit zu sichern. Diese Verblendung, den Umgang mit Kultur wie mit einer Ware, bezeichnen Theodor W. Adorno und Max Horkheimer als „Kulturindustrie“.[8]

Im Laufe der Zeit haben sich die Inhalte und Theorien des Institus für Sozialforschung immer wieder verändert, doch bis heute sind die frühen Ansätze der kritischen Theorie klar erkennbar. Noch immer stehen die Bestrebungen der Sozialwissenschaftler nach einer kritischen, emanzipierten und sich weiterentwickelnden Gesellschaft stets im Vordergrund.[9]

[...]


[1] Vgl. ITU; ITC (2011): Anteil der Haushalte mit Internetzugang; Eurostat (2010): Anteil der Haushalte mit Internetzugang in Deutschland.

[2] Vgl. Schicha, C. (2003): Kritische Medientheorien, S. 1 f.

[3] Vgl. Dubiel, H. (1988): Kritische Theorie der Gesellschaft, S. 12.

[4] Vgl. Muthentaler, J. (2000): Kommunikatives Handeln, S. 20.

[5] Vgl. Institut für Sozialforschung: Tradition und Gegenwart, abgerufen am 16.11.2011, http://www.ifs.uni-frankfurt.de/kontakt/index.htm.

[6] Vgl. Dubiel, H. (1988): Kritische Theorie der Gesellschaft, S. 12 f.

[7] Vgl. Schicha, C. (2003): Kritische Medientheorien, S. 3 f.

[8] Vgl. Schicha, C. (2003): Kritische Medientheorien, S. 3 f.

[9] Vgl. Institut für Sozialforschung: Tradition und Gegenwart, abgerufen am 16.11.2011, http://www.ifs.uni-frankfurt.de/kontakt/index.htm.

Details

Seiten
22
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656172871
ISBN (Buch)
9783656173007
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191958
Institution / Hochschule
Rheinische Fachhochschule Köln
Note
1,3
Schlagworte
Medientheorie Enzensberger Adorno Horkheimer Kritische Medientheorie Frankfurter Schule Web 2.0 Kritische Theorie Medienwirkung

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Titel: Kritische Medientheorie im Zeitalter des Web 2.0