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Ressourcenorientierte Gesprächsführung. Die Kunst, ressourcenaktivierend zu arbeiten

Fachbuch 2012 33 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Was ist Ressourcenorientierte Gesprächsführung?

Das Feedback-Prinzip

Thema 1: Das Problem und seine bisherige Bewältigung
Die Fragen
Erläuterung
Risiken

Thema 2: Ausnahmen von dem Problem
Die Fragen
Erläuterung
Risiken

Thema 3: Sinn und Zweck des Zieles
Die Fragen
Erläuterung
Risiken

Thema 4: Die Hoffnung, das Ziel zu erreichen
Die Fragen
Erläuterung
Risiken

Thema 5: Die Realisierbarkeit des Zieles
Die Fragen
Erläuterung
Risiken

Thema 6: Die einzelnen Schritte zum Ziel
Die Fragen
Erläuterung
Risiken

Thema 7: Die Bewertung der Ergebnisse
Die Fragen
Erläuterung
Risiken

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Einleitung: Was ist Ressourcenorientierte Gesprächsführung?

Im Zentrum der Ressourcenorientierten Gesprächsführung stehen vier Fragen, mit denen sich wahrscheinlich jeder erwachsene Mensch schon einmal in irgendeiner Form beschäftigt hat:

1. Wie fördere ich Ressourcen, Stärken und Fähigkeiten?
2. Wie verringere oder beseitige ich Defizite?
3. Wie hinterfrage ich Ziele auf möglichst konstruktive und respektvolle Art und Weise?
4. Wie hinterfrage ich Mittel und Wege auf möglichst konstruktive und respektvolle Art und Weise?

Auf diese Fragen gibt die Ressourcenorientierte Gesprächsführung realistische Antworten. Sie erweist sich dabei immer wieder als äußerst pragmatisch.

Die Ressourcenorientierte Gesprächsführung in der hier dargestellten Form ist ursprünglich im Bereich der Suchtkrankenhilfe entstanden und wurde auch im Bereich der Psychiatrischen Hilfen, der Sozialen Integrationshilfen und des Projektmanagements angewendet.[1] Sie lässt sich darüber hinaus in vielen Bereichen des Berufs- und auch des Privatlebens sinnvoll nutzen.

Ressourcenorientierte Gesprächsführung ist die Kunst, in einem defizitorientierten Gesprächskontext mittels gezielter Fragen ressourcenaktivierend zu arbeiten.

Das Vorgehen in helfenden Berufen (wie z.B. Beratung, Coaching, Psychotherapie) ist zu Beginn des jeweiligen Prozesses häufig zwangsläufig defizitorientiert. Jemand kommt mit einem Problem, das gelöst werden soll oder hat ein Defizit, das behoben werden soll.

Dieser Ausgangssituation trägt die Ressourcenorientierte Gesprächsführung dadurch Rechnung, dass sie wie ein allgemeines Problemlöseschema aufgebaut ist. Der Klient kommt mit seinem Problem zum Berater, Coach oder Therapeuten bzw. zum Gesprächsleiter. Dabei bringt der Klient die inhaltlichen Themen mit, die er besprechen will (wie z.B. Beziehungsprobleme, Stress bei der Arbeit, Sorgen um sein Kind). Der Gesprächsleiter widmet sich dem Ablauf oder Prozess der Gespräche. Er mischt sich gewissermaßen mit seinen Prozess-Themen in die inhaltlichen (Problem-)Themen des Klienten ein. Die Prozess-Themen des Gesprächsleiters bilden dabei in der Ressourcenorientierten Gesprächsführung zusammengenommen ein allgemeines Problemlöseschema mit folgenden Schritten:

1. Feststellung des Problems und Untersuchung bisheriger Bewältigungsstrategien
2. Untersuchung problemfreier oder zumindest weniger problembehafteter Zeiten (die bereits real oder bisher nur in der Vorstellung existieren können)
3. Festlegung eines Zieles und Hinterfragung des Sinns dieses Zieles
4. Erkundung der Hoffnung, das Ziel zu erreichen
5. Erkundung der Realisierbarkeit des Zieles und der Bereitschaft des Klienten, etwas zur Erreichung des Zieles zu tun
6. Festlegung der Schritte und Verantwortlichkeiten zur Erreichung des Zieles (Erstellung eines Handlungsplanes)
7. Bewertung der Ergebnisse

Innerhalb der einzelnen Schritte dieses Problemlöseschemas arbeitet der Anwender der Ressourcenorientierten Gesprächsführung überwiegend mit ressourcenaktivierenden Fragen. Diese Fragen werden weiter unten in den Kapiteln zu den einzelnen Prozess-Themen des Gesprächsleiters dargestellt (s.u.: Thema 1 bis Thema 7). Zu jedem Thema erfolgt eine kurze Erläuterung. Auf mögliche Risiken des Einsatzes der in dem jeweiligen Thema enthaltenen Fragen wird ebenfalls hingewiesen.

Für die hier dargestellte Form der Ressourcenorientierten Gesprächsführung gilt: Die Themen 1 und 2 haben ihren Ursprung hauptsächlich im lösungsfokussierten Ansatz nach DeSHAZER und BERG[2], die Themen 3, 4, 5 und 6 gründen sich überwiegend auf die Motivierende Gesprächsführung (Motivational Interviewing) nach MILLER und ROLLNICK[3] und Thema 7 stammt aus dem Projekt-[4] und dem Qualitätsmanagement (QM)[5].

Zu dem bis hierhin beschriebenen Vorgehen kommt ein Prinzip hinzu, das sich durch alle o.g. Themen zieht. Es ist das Feedback-Prinzip, das im nun folgenden Kapitel beschrieben ist.

Das Feedback-Prinzip

Im Verlauf der Beratung, des Coachings oder der Therapie ist es von zentraler Bedeutung, regelmäßig zusammen mit dem Klienten zu überprüfen, ob man noch gemeinsam auf dem richtigen Weg ist und die Arbeit vorankommt. Hierzu sollte der Klient folgende Fragen beantworten:

1. Inwiefern kommen wir Ihren Zielen näher?
2. Wie gut ist unsere Vorgehensweise?
3. Wie gut ist unsere Arbeitsbeziehung?
4. Was müsste passieren, damit unsere Zielerreichung, Vorgehensweise und Arbeitsbeziehung besser wären?

Je nach den Antworten des Klienten sollte der Gesprächs- oder Hilfeprozess dann so angepasst werden, dass die Bedürfnisse des Klienten in bezug auf ein aus seiner Sicht sinnvolles Vorgehen berücksichtigt sind.

Dies kann auf manche Klienten zuerst etwas irritierend wirken, da sie es nicht gewohnt sind, bewusst Anteil am Prozess und den Rahmenbedingungen der Beratung, des Coachings oder der Therapie zu haben. Das in der beschriebenen Form regelmäßig erhobene Feedback des Klienten ist jedoch wichtig, um auf einem für ihn richtigen Kurs zu bleiben.

[...]


[1] Zur ursprünglichen Ausgestaltung der hier beschriebenen Form der Ressourcenorientierten Gesprächsführung siehe Langosch, Andreas: Die Empowerment-Maschine. Praxismanual für lösungsfokussierte, motivierende Gesprächsführung und outcome-orientiertes Empowerment in schwierigen sozialen Arbeitsbereichen. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Selbstverlag Andreas Langosch, Kiel 2010, ISBN 978-3-00-031591-6, S. 9-15, S. 17-23 und S. 29-37

[2] Zur Behandlung der Themen "Bewältigungsstrategien" und "Ausnahmen vom Problem" in der lösungsfokussierten Kurztherapie siehe De Jong, Peter; Berg, Insoo Kim: Lösungen (er-)finden. Das Werkstattbuch der lösungsorientierten Kurztherapie. 4. Auflage. verlag modernes lernen, Borgmann KG, Dortmund 2002, ISBN 3-8080-0398-7, S. 125-127, S. 149-152 und S. 255-264

[3] Zu wichtigen Motivationsfaktoren in der Motivierenden Gesprächsführung siehe Miller, William R.; Rollnick, Stephen: Motivierende Gesprächsführung. Lambertus-Verlag, Freiburg im Breisgau 2004, ISBN 3-7841-1566-7, S. 25-30 und S. 183-190

[4] Zur Projektüberwachung, Projektsteuerung und zum Projektabschluss siehe Cronenbroeck, Wolfgang: Projektmanagement. Zweisprachig: deutsch-englisch. Herausgeber: Kießling-Sonntag, Dr. Jochem. 1. Auflage. Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co. KG, Berlin 2008, ISBN 978-3-589-23944-3, S. 102-145

[5] Zur Messung, Analyse und Verbesserung im Qualitätsmanagement siehe Brauer, Jörg-Peter: DIN EN ISO 9000:2000 ff. umsetzen. Gestaltungshilfen zum Aufbau Ihres Qualitätsmanagementsystems. Herausgeber: Kamiske, Prof. Dr. Ing. Gerd. 3. Auflage. Unter Mitarbeit von Horn, Thomas. Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, München 2002, ISBN 3-446-21865-3, S. 104-121

Details

Seiten
33
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656169666
ISBN (Buch)
9783656169871
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191911
Schlagworte
Gesprächsführung Ressourcenorientierung Psychologie Psychotherapie Kurztherapie Sozialarbeit Sozialpädagogik Coaching Beratung Projektmanagement Supervision Selbstmanagement Case Management Fallmanagement Hilfeplanung Förderplanung Eingliederungshilfe

Autor

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Titel: Ressourcenorientierte Gesprächsführung. Die Kunst, ressourcenaktivierend zu arbeiten