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Microfinance - Eine ethische und ökonomische Betrachtung des Commercial Approach

Seminararbeit 2012 9 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Worum handelt es sich bei Microfinance und Microcredit

3. Die ethische Dimension des Microfinance

4. Gesinnungsethik vs. Verantwortungsethik

5. Abschließende Betrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit widmet sich einer ökonomischen und ethischen Untersuchung des Microfinance, wobei das von Reinhardt Schmidt untersuchte Spannungsverhältnis zwischen ethischen Standards und dem sogenannten „Commercial Approach“ den Schwerpunkt dieser Arbeit bildet. Der Finanzprofessor führt in seinem Paper mit dem Titel „Microfinance, Commercialisation and Ethics“ das besagte Spannungsverhältnis auf den Konflikt zweier philosophischer Positionen zurück - und zwar dem Konflikt zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik.

Zur Verständlichkeit dieser Debatte wird dem Leser zunächst erklärt, worum es sich überhaupt bei Microfinance und Microcredit handelt, um anschließend die ethische Dimension des Microfinance darzustellen. Hierauf aufbauend folgt eine Gegenüberstellung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik im Bezug auf die ethische Vertretbarkeit des Commercial Approach. Eine abschließende Betrachtung bildet den letzten Gliederungspunkt der vorliegenden Seminararbeit.

2. Worum handelt es sich bei Microfinance und Microcredit?

Eine grundlegende Definition des Mikrokredits entspricht der Vergabe kleiner Darlehen an arme Individuen zur Finanzierung einer selbstständigen Tätigkeit, mit Hilfe derer sie ausreichend Einkommen erwirtschaften sollen, um für sich und ihre Familien zu sorgen.1 Darüber hinaus werden die Begriffe Microfinance und Microcredit oftmals austauschbar verwendet, obwohl Mikrodarlehen heutzutage lediglich einen Teilbereich des Microfinance darstellen.2 Denn neben Mikrokrediten erstreckt sich Microfinance über ein weites Spektrum an Finanzdienstleistungen, wie bspw. Mikrospareinlagen, -versicherungen und Zahlungsdienstleistungen.3 Früher bezog sich der Begriff Microfinance lediglich auf Institute wie die Grameen Bank sowie NGOs, die Individuen zur Überwindung ihrer Armut und Herbeiführung eines sozialen Wandels mit Darlehen versorgten. Einhergehend mit der Unterscheidung zwischen Mikrokredit und Microfinance entwickelte sich die Auffassung, dass arme Haushalte nicht nur von Darlehen, sondern auch von weiteren Finanzdienstleistungen profitieren.4 Währenddessen etablierten sich regulierte sowie kommerziell orientierte MFIs, was eine Ausweitung der Zielgruppe von den „Ärmsten“ (Menschen, die täglich von weniger als 1,25 PPP-US-Dollar leben müssen) auf „moderat Arme“ (Menschen, die täglich mit einem Betrag zwischen 1,25-PPP-US-Dollar und 2 PPP-US- Dollar auskommen müssen) zur Folge hatte.5

Die United Nations erklärten das Jahr 2005 zum Internationalen Jahr des Mikrokredits, da sie die den Kredit als geeignetes Instrument zur Erreichung seiner Millenium Development Goals erachteten. Dies bedeutet, dass dem Mikrokredit weltweit die Fähigkeit zugeschrieben wurde, die Beschäftigungssituation, das Einkommen, die Gesundheit sowie das Bildungsniveau der Menschen und die gesellschaftliche Stellung der Frau zu verbessern - kurzum: Der Kredit galt gewissermaßen als „Allzweckwaffe“ im Kampf gegen sämtliche Erscheinungsformen von Armut. In Anbetracht der Armut reduzierenden Wirksamkeit von Mikrokrediten überreichte man Mohammad Yunus 2006 den Friedennobelpreis für seine Pionierarbeit im Bereich der Mikrofinanzierung, welche die Gründung der Grameen Bank beinhaltet.6 Schmidt erachtet die Vergabe des Nobelpreis an Yunus aus ethischer Sicht als gerechtfertigt, da die von Yunus gegründete Grameen Bank den Weltfrieden fördere, indem sie mit ihren Mikrofinanzdienstleistungen mittellosen Individuen den Zugang zu finanziellen Mitteln ermögliche und so für mehr Chancengleichheit sorge.7

3. Die ethische Dimension des Microfinance

Die Beziehung zwischen Ethik und Microfinance gestaltet sich weitaus komplexer als dies mit Blick auf die Vergabe des Friedensnobelpreises für die Entdeckung des Microfinance erscheinen mag. Ein wesentlicher Grund hierfür liegt in der zunehmenden Kommerzialisierung der Microfinanzindustrie, welche eine hitzige Debatte über die Eignung des Microfinance zur Armutsbekämpfung entfachte. Ob es sich bei Mikrokrediten tatsächlich um ein Armut reduzierendes Instrument handelt, habe ich bereits an anderer Stelle8 untersucht, weshalb Schmidts Ausführungen über das Spannungsverhältnis wischen moralischen Standards und ökonomischen Imperativen bei dem Betreiben eines MFI nun eingehender behandelt werden.

Schmidt sieht in Mikrofinanziers wie der Grameen Bank, die lange Zeit nicht kostendeckend arbeitete und deshalb von Fördergeldern extrem abhängig war, kein vorbildliches Geschäftmodell für die Vielzahl der existierenden MFIs. Denn die Grameen Bank hat es der einzigartigen sowie medienwirksame Präsenz von Mohammad Yunus zu verdanken, dass sie mit der Präsentation ihrer Erfolge im Kampf gegen Armut ein hohes Volumen an finanziellen Mitteln anlockte. Ein solches Finanzierungsmodell ist jedoch für die meisten MFIs außer Reichweite, da diesen die Möglichkeit zur medienwirksamen Inszenierung ihrer Operationen fehlen. So weist Schmidt daraufhin, dass weder ausreichend TV-Präsenz noch internationale Konferenzen mit Entscheidungsträgern sowie Hilfsgelder gibt, um die Existenz von Tausenden MFIs sicherzustellen. Aus diesem Grund müssen die „herkömmlichen“ Institute andere Wege identifizieren, um ihre Mikrofinanzprojekte mit eigenen Mitteln zu tragen.9

Dies führt zu folgender Notwendigkeit: Reduzierung der Kosten sowie Deckung dieser durch laufende Einnahmen. Die Sicherstellung, dass das MFI kostendeckend arbeitet und am Markt bestehen kann, bildet den Kern des so genannten „Commercial Approach“.10 Sogar die Grameen Bank erkannte die Notwendigkeit eines kostenbewussten Geschäftsbetrieb, weshalb sie ein neues Geschäftsmodell entwickelt, welches unter dem Namen „Grameen II“ bekannt ist.

Obwohl die Adaption des Commercial Approach für den Großteil der MFIs eine wirtschaftliche Notwendigkeit darstellt, halten Kritiker die fortschreitende Kommerzialisierung der Mikrofinanzindustrie für äußerst fragwürdig. So sei die Absicht der Kostendeckung sowie Gewinnerzielungen im Rahmen von Entwicklungshilfemaßnahmen per se unmoralisch, da man aus der Not anderer Menschen kein Kapital schlagen solle. Meist stützt sch die Argumentation solcher Kritikern die Argumentation solcher Kritiken auf Negativbeispiele von kommerziell ausgerichteten Mikrofinanziers wie Compartamos oder SKS Microfinance, die ihre notleidende Kreditnehmer mittels „Wucherzins“ in den Ruin oder gar in den Tod getrieben hätten.11

[...]


1 Vgl. Orso 2011, S. 5.

2 Vgl. Lohmann 2009, S.170.

3 Vgl. Duvendack et al. 2011, S. 5.

4 Vgl. Robinson 2001, S.9f.

5 Vgl. Armendáriz und Morduch 2010, S.15; Vgl. Nallari und Griffith 2011, S. 20f.

6 Siehe Homepage des „International Year of Microcredit 2005“, http://www.yearofmicrocredit.org/pages/sitepages/homepage_links.asp [Zugriff: 02.12.2011]; vgl. Goldberg 2005, S.12.

7 Schmidt 2009, S. 1.

8 Siehe Lochead 2011: Welchen Beitrag leisten Mikrokredite zur Armutsbekämpfung? Eine Literaturübersicht.

9 Vgl. Schmidt 2009, S. 2f.

10 Vgl. Schmidt 2009, S. 3.

11 Vgl. Chakrabarti und Ravi 2011, S. 20; siehe Hein und Bernau 2011.

Details

Seiten
9
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656166931
ISBN (Buch)
9783656167020
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191892
Institution / Hochschule
Frankfurt School of Finance & Management
Note
2,0
Schlagworte
microfinance eine betrachtung commercial approach

Autor

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Titel: Microfinance - Eine ethische und ökonomische Betrachtung des Commercial Approach