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Rollenkonflikte - Wie entstehen Rollen und wie können Rollenkonflikte geregelt werden?

Seminararbeit 2009 21 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Rolle in sozialen Systemen
2.1 Die soziale Position
2.2 Die soziale Rolle
2.3 Sanktionen

3 Konflikte
3.1 Begriffsbestimmung Konflikt
3.2 Konfliktarten
3.3 Ansätze zur Regelung

4 Rollen und Rollenkonflikte in Bezug zum Planspiel Asperitas
4.1 Das Planspiel Asperitas
4.2 Reflexion zur Rolle des Leiters

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Das Individuum im Fokus der Erwartungen und Prägungen verschiedener Systeme

Abb. 2: Organigramm der Organisation Asperitas

1 Einleitung

Bei dem Wort „Rolle“ liegt es nahe, dass die Rede von Theater und Schauspiel ist. Doch auch im wahren Leben sind die Mitglieder einer Gesellschaft, eines sozialen Systems, Teil eines Theaterstücks, das jedoch weder Anfang noch Ende kennt, und dessen sie sich nur schwer entziehen können. Da diese Rolle die Interaktion mit anderen „Schauspielern“ dieses „Theaters“ beinhaltet, handelt es sich nicht um irgendeine, sondern um die soziale Rolle.

Berger/ Luckmann sehen Rollen als ein „Ensemble aus ‚programmierten’ Handlungen“ (vgl. Berger/ Luckmann 2007, S. 87). Dahrendorf ist der Meinung, dass soziale Rollen Bündel von Erwartungen sind, die sich in einer gegebenen Gesellschaft an das Verhalten der Träger der Position knüpfen (vgl. Dahrendorf 1977, S. 33). Wiswede interpretiert Rollen als „relativ konsistente, mitunter interpretationsbedürftige Bündel von Erwartungen, die an eine soziale Position gerichtet sind und als zusammengehörig perzipiert werden“ (Wiswede 1977, S. 18).

Doch wie entstehen diese Rollen? Wer formuliert sie? Für wen gelten sie? Das sind Fragen, die im ersten Teil dieser Arbeit beantwortet werden sollen. Dazu wird auch die Rollentheorie angesprochen. Die soziale Rolle wird in der Sozialpsychologie und Soziologie in mannigfaltiger Weise definiert (vgl. Sader 1969, S. 204). Ausgehend von dem Gedankenspiel, dass die Gesellschaft ein Theater ist und die Menschen in dieser Gesellschaft Schauspieler sind, die verschiedene Rollen spielen, ergeben sich neue Fragen: Was, wenn z.B. einem „Schauspieler“ seine Rolle nicht gefällt oder wenn er nicht weiß, was seine Rolle eigentlich ausmacht? Folglich veranschaulicht der Autor, was passiert, wenn man seine Rolle nicht „richtig“ spielt, welche Konsequenzen sich daraus ergeben, welche Konflikte aber auch entstehen können, wenn z.B. mehrere Rollen aufeinander treffen. Ausgehend von diesen Überlegungen werden die Entstehung von Rollenkonflikten sowie die verschiedenen Arten untersucht. Im Anschluss wird ein Überblick über die Regelung von Konflikten dargelegt.

Zusammenfassend ist das Ziel dieser Arbeit also eine Antwort auf die Frage:

Wie entstehen Rollen und wie können Rollenkonflikte geregelt werden?

Dazu wird im weiteren Verlauf der Arbeit Bezug nehmend auf diese Fragestellung eine Rolle des Planspiels Asperitas näher untersucht. Im Rahmen dieses Planspiels, das ein fiktives Produktionsunternehmen darstellt, trafen mehrere Akteure mit verschiedenen Rollen aufeinander. Die nähere Untersuchung bezieht sich auf die Rolle eines Leiters des Unternehmens. Dabei wird die Realitätsnähe dieser Rolle untersucht sowie die Entstehung eines Konflikts, dessen Verlauf und wie dieser im Rahmen des Planspiels geregelt wurde. Abschließend werden die Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengefasst und der Autor zieht ein kritisches Fazit.

2 Die Rolle in sozialen Systemen

2.1 Die soziale Position

Die soziale Position beschreibt den statischen Platz eines Handelnden in einem sozialen System, z.B. Familie, Betrieb, Verein. Dabei nimmt er zu anderen Handelnden in dem jeweiligen System eine relative Stellung ein. Eine Position gilt es also durch eine Person zu besetzen (vgl. Neuberger 1995, S. 83). Jede Position hat auch eine Funktion im jeweiligen System, z.B. die Mutter die Erziehung der Kinder, der Betriebsleiter die Führung des Unternehmens. Individuen nehmen in der Gesellschaft in der Regel mehrere Positionen in verschiedenen sozialen Systemen ein. Jede Position kann dabei in mehrere Positionssegmente zerfallen, wobei sich jedes einzelne Segment je einem anderen Systemmitglied zuwendet, z.B. bei der Position „Studienrat“ den Segmenten „Schüler“, „Lehrer“ oder „Eltern“. Die Beziehungen zwischen den Positionsträgern der jeweiligen Systeme beruhen auf Erwartungen untereinander.

2.2 Die soziale Rolle

Diese Erwartungen richten sich nicht an das Individuum, das die Position einnimmt, sondern allein an die Position und werden gebündelt in sozialen Rollen. Rollen beschreiben die Erwartungen anderer an eine Position (vgl. Dahrendorf 1977, S. 33). Sie vermitteln zwischen dem Inhaber einer sozialen Rolle, dem Individuum, und der Gesellschaft. Jede Position ist immer mit einer Rolle verbunden. „Rolle meint den dynamischen Aspekt einer Position“ (Sader 1969, S. 207). Eine Rolle spiegelt den Versuch eines Individuums wider, auf der einen Seite seine eigenen Motive im Leben und auf der anderen Seite die Normen der sozialen Umwelt miteinander in Einklang zu bringen. Das Resultat dieses Versuchs äußert sich im sichtbaren Verhalten des Individuums. Man kann sagen, dass „eine soziale Rolle die Gesamtheit aller bewussten und unbewussten Erwartungen, die sich auf die Aufgaben, das Benehmen, die Gesinnungen, die Werte und wechselseitigen Beziehungen einer Person in einer bestimmten sozialen Position richten“ (Hofstetter 1988, S. 130). Cicero nannte die Rolle „Person“, Marx benutzte das Wort „Charaktermaske“ und Shakespeare wählte „Rolle“ um den genannten Aspekt zu betiteln (vgl. Dahrendorf 1977, S. 27 ff.). „Indem der Einzelne soziale Positionen einnimmt, wird er zur Person des Dramas, das die Gesellschaft, in der er lebt, geschrieben hat. Mit jeder Position gibt die Gesellschaft ihm eine Rolle in die Hand, die er zu spielen hat“ (Dahrendorf 1977, S. 32). Dem Rolleninhaber wird aber nicht direkt Verhalten vorgeschrieben, ihm wird eher ein Toleranzbereich eingeräumt, dessen Rahmen er mit seinem Verhalten nicht verlassen sollte (vgl. Sader 1969, S. 212). Dabei beziehen sich die Erwartungen nicht nur auf das Verhalten der Träger von Positionen, sondern auch auf deren Attribute, also wie diese zu sein haben, welche Eigenschaften sie besitzen sollten. Da jede Position aus mehreren Segmenten bestehen kann, kann es auch dementsprechend viele Rollensegmente geben (vgl. Dahrendorf 1977, S. 33). Jedes Rollensegment ist gekennzeichnet durch ein spezielles Erwartungsbündel einer anderen Position an den Rollenträger. Dabei können sich diese Positionen in der Hierarchie unterscheiden, sie können vom gleichen Rang wie der Rollenträger oder über- bzw. untergeordnet sein (vgl. Neuberger 1995, S. 83). Als Beispiel kann die Rolle des Lehrers dienen. Zu seiner Position und Rolle gehören z.B. die Segmente „Lehrer - Schüler“ und „Lehrer 1 - Lehrer 2“. Der Schüler wird andere Erwartungen an den Lehrer haben als ein zweiter Lehrer. Dabei ist die Position des Schülers der des Lehrers im sozialen System „Schule“ untergeordnet, der zweite Lehrer jedoch gleichrangig.

Ein und derselben Person können in verschiedenen Systemen gleichzeitig verschiedene Erwartungen entgegengebracht werden. Dies wird als Rollenset bezeichnet. Abbildung eins stellt ein Beispiel für solch ein Rollenset dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Neuberger 1995, S. 85

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal sozialer Positionen liegt darin, ob die jeweilige Position zugeschrieben oder erworben ist. Zugeschriebene Positionen sind dem Individuum ohne Mitwirkung zugefallen, z.B. Geschlecht, Nationalität, Alter. Dabei bleibt dem Individuum keine Wahl, ob es die Positionen annehmen möchte oder nicht, es muss sich mit ihnen arrangieren. Erworbene Positionen kann das Individuum durch eigenes Zutun erreichen. Dabei spielt in industriellen Gesellschaften das Bildungssystem eine entscheidende Rolle. In Schulen, Hochschulen und Universitäten werden die Bedürfnisse der Gesellschaft und die freie Wahl des Individuums durch das Kriterium „Leistung“ aufeinander abgestimmt. Im Bildungssystem durch institutionelle Kontrollen erworbene Qualifikationen berechtigen das Individuum zum Einnehmen bestimmter Positionen, die anderen verwehrt bleiben. Dieses Leistungsprinzip herrscht auch innerhalb sozialer Organisationen, denn die Position verlangt vom Individuum eine Leistung, denn jeder Position haftet eine Rolle an, also Erwartungen, die das Individuum zu erfüllen hat, möchte es keine negativen Sanktionen erleiden. Sanktionen werden später näher erläutert. Das Individuum muss demnach seine Rollen kennen, um sie spielen zu können. Wie der Schauspieler muss auch das Individuum seine Rollen lernen, sich mit deren Inhalt und Sanktionen auseinandersetzen. Hier wird eine wichtige Aufgabe der Gesellschaft deutlich: die Sozialisierung. Dies geschieht durch Verinnerlichung von Verhaltensmustern. Wiswede verweist darauf, dass die Ausübung sozialer Rollen gelernt werden muss und dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Rollengestaltung und Lernvorgängen, die sich die Mitglieder einer Gesellschaft durch Sozialisationsprozesse aneignen. Dieses Rollenlernen beinhaltet die Übernahme ähnlicher Verhaltensweisen, Empfindungen und Situationsinterpretationen von anderen Personen, die sich in vergleichbaren Rollen befinden (vgl. Wiswede 1977, S. 34). Neben dem Bildungssystem tragen auch die Familie, der Freundeskreis, die Kirche, Vereine und andere Organisationen zur Sozialisierung des Individuums bei. Durch Beobachtung, Nachahmung und bewusstes Lernen wird das Individuum in die Lage versetzt, die ihm bevorstehenden Positionen aufgabengerecht auszufüllen. „Der Sozialisationsprozess, in dem der Einzelmensch zum sozialen Wesen wird, eine soziale Identität gewinnt, ist ein Prozess wachsenden Einverständnisses mit Personen über Personen, Situationen, Gedanken und vor allem Rollen“ (Haug 1977, S. 62). Bei der Verinnerlichung sozialer Rollen spielt die individuelle Auffassung der Sanktionen eine wichtige Rolle.

2.3 Sanktionen

Sanktionen dienen dazu, das Individuum anzuhalten, seine Rolle zu spielen, also die Erwartungen, die an seine Rolle geknüpft sind, zu erfüllen. Durch Gesetz und Sitte kontrollieren sie bereits das Verhalten des Individuums, ohne dass es sich dessen bewusst ist. Freud nannte dieses Phänomen das „Über-Ich“. Es stellt sozusagen das Gewissen des Individuums dar, das ihm zu jeder Zeit Rückmeldung gibt, ob das eigene Verhalten Gesetzen und Sitten der Gesellschaft entspricht. Man kann also sagen, dass auch ohne äußere Instanzen die Gesellschaft durch das Gewissen das Verhalten des Individuums zu sanktionieren vermag (vgl. Dahrendorf 1977, S. 54 ff.). „Was Sanktionen für das Ich (ego) sind, sind Rollen-Erwartungen für den anderen (alter) und umgekehrt“ (Dahrendorf 1961, S. 71). Der Positionsinhaber fühlt einen gewissen Rollendruck, da er den Erwartungen bzw. Rollenvorschriften nachzukommen versucht. Dabei können be- und entlastende Faktoren Einfluss nehmen auf das Ausüben einer Tätigkeit. Dies kann als Rollendruck bezeichnet werden. Daneben kann auch oft von Unter- bzw. Überforderung gesprochen werden.

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Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656167303
ISBN (Buch)
9783656167532
Dateigröße
952 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191728
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz – Lehrstuhl Personal und Führung
Note
1,0
Schlagworte
rollenkonflikte rollen

Autor

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Titel: Rollenkonflikte - Wie entstehen Rollen und wie können Rollenkonflikte geregelt werden?