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Aristoteles im Unterricht

Unterrichtsplanung zu Aristoteles Nikomachische Ethik

Seminararbeit 2011 15 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Sachanalyse der Nikomachischen Ethik

3. Didaktische Analyse
3.1 Rahmenrichtlinien
3.2 Lehrplan
3.3 Einordnung in Klafkis didaktische Theorie

4. Planung der Unterrichtsreihe

Unterrichtsplanung zu Aristoteles Nikomachische Ethik

1. Einleitung

Plant man eine Unterrichtseinheit zu Problemen des menschlichen Handelns in der 12. Jahrgangsstufe der Sek.II an Gymnasien und Gesamtschulen, so liegt die Behandlung eines der meistdiskutierten Schriften der gesamten Philosophiegeschichte nahe: Aristoteles Nikomachische Ethik[1]. Seit der Antike gilt Aristoteles NE als ein Werk der praktischen Philosophie, das sich mit der Bestimmung und Begründung sittlich-praktischen Handelns auseinandersetzt und versucht, das richtige Verhalten in der Natur des Menschen zu finden. Aufgrund dieser überzeitlichen ethischen Orientierung, sind die Fragen der NE nicht epochengebunden und spielen auch heute noch eine wichtige Rolle: Gibt es ein oberstes Ziel des Handelns? Wenn ja, wie erreicht man es? Was ist Glück und wie wird man glücklich? Diese und noch viele weitere Fragen behandelt Aristoteles in seiner NE.

Die hier zu entwickelnde Unterrichtsreihe beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern sich das sittliche Handeln durch das Wesen des Menschen begründen lässt. Textgrundlage bilden hierbei das Buch I und das Buch X der NE. Nach einer kurzen Sachanalyse folgt die didaktische Analyse mit der Einordnung in den Rahmenrichtlinien und den Lehrplan. Daran schließt sich die konkrete Planung der Unterrichtsreihe an, in der sechs Einzelstunden mit den jeweiligen Stundenzielen und den Feinzielen dargestellt werden sollen.

2. Sachanalyse

Buch I

Die NE beginnt mit der Beobachtung, dass alle menschlichen Handlungen nach einem Gut (agathon) streben. Da es innerhalb der Polis, d.h. des bürgerlichen Stadtstaats, viele verschiedene Tätigkeitsbereiche gibt, hat jeder Tätigkeitsbereich sein eigenes Gut bzw. Ziel[2] nach dem es strebt. Die Vielfalt der Künste bzw. Tätigkeitsbereiche wird von Aristoteles hierarchisiert und somit auch ihre jeweiligen Ziele. Dabei ist das Ziel der jeweils übergeordneten Kunst als hochwertiger zu betrachten, denn die untergeordneten Ziele werden um der übergeordneten Ziele willen verfolgt. Zum Beispiel ist im Bereich der Sattlerei das Ziel des Leder-Herstellers das Leder. Das Leder wiederum wird beim Sattelhandwerk gebraucht, deshalb ist das Ziel des Sattelhandwerks, nämlich die Herstellung eines Sattels, höher in der Hierarchie der Ziele anzuordnen als das der Lederkunst.

Aufgabe der Nikomachischen Ethik ist es nun, herauszufinden, ob es ein Ziel gibt, was das Letzte in der Hierarchie von Zielen ist. Aristoteles stellt zunächst einmal fest, dass ein solches Endziel menschlichen Handelns in den Bereich der Staatskunst gehört und somit innerhalb der Polis zu finden ist. Letzteres begründet Aristoteles damit, dass er den Menschen als zoon politikon, d.h. als ein soziales, auf die Gemeinschaft hin angelegtes Lebewesen klassifiziert, dessen Ziel die Erreichung des guten Lebens ist. Der einzige Ort, an dem der Mensch sein telos, sprich seinen natürlichen Daseinszweck als politisches Lebewesen verwirklichen kann, ist die Polis. Diese muss dem zoon politikon ermöglichen, das Endziel menschlichen Handelns zu erreichen. Da der Staatskunst alle anderen Künste untergeordnet sind und sie eine direktive Funktion besitzt, indem sie den Bürgern vorschreibt, was sie zu tun bzw. nicht zu tun haben, muss das Endziel der Staatskunst auch das Endziel des Einzelnen sein.

Das oberste Gut der Staatskunst und somit des Einzelmenschen benennt Aristoteles als eudaimonia bzw. das Glück oder die Glückseligkeit (Buch I, Kap.2). Nun gibt es aber verschiedene Ansichten darüber gibt, was genau eudaimonia ist. Generell unterscheidet Aristoteles drei verschiedene Lebensformen, die zur Verwirklichung von eudaimonia führen können (Buch I, Kap.3). Indem Aristoteles die Lebensformen kritisiert, kann man indirekt herausfinden, worin für ihn die eudaimonia besteht.

1. Das genussvolle Leben: Diese Lebensform hat die sinnliche, primitive Form der Lust zum Gegenstand. Aristoteles kritisiert, dass diese Lebensform eher der animalischen Natur entspringt und deshalb für das Glück irrelevant ist. Daraus kann geschlossen werden, dass eudaimonia für Aristoteles etwas spezifisch Menschliches ist.
2. Das politische Leben: Wie bereits angedeutet, erfüllt sich das Leben des Bürgers im Handeln als Engagement für das Gemeinwesen. Eudaimonia wäre innerhalb dieser Lebensweise die Ehre. Diese wird einem jedoch von außen zugesprochen und man muss selber nicht unbedingt aktiv werden. Aristoteles sucht also eine Form der eudaimonia die einem innerlich zukommt und in einer Aktivität besteht.
3. Das philosophische Leben bzw. das Leben in der theoria: Eudaimonia besteht in dieser Lebensform in der aktiven und geistigen Schau, das bedeutet, sie wird erreicht im Denken und in der Erkenntnis der Wahrheit. Am Ende der Nikomachischen Ethik wird sich diese Lebensform als die höchste Form der eudaimonia herausstellen.

Da die eudaimonia laut Aristoteles kein selbstständig Seiendes ist, sondern eine Weise des menschlichen Lebens, kann sie folglich nur bestimmt werden, indem die eigentümliche Fähigkeit des Menschen definiert wird. Es wird also nach dem ergon, d.h. der eigentümlichen Leistung und Funktion, des Menschen gefragt. Ein solches ergon besteht nach Aristoteles in der Tätigkeit des rationalen Seelenteils und zwar gemäß der Tugend (arete), d.h. in der besten Weise.

Um diese Aussage nachzuvollziehen, ist es wichtig, einen kleinen Diskurs über Aristoteles’ Verständnis der Seele zu führen. Aristoteles nimmt zunächst eine Unterscheidung zwischen rationalen und irrationalen Seelentätigkeiten vor. Zu den irrationalen Seelentätigkeiten gehören zum einen das vegetative Vermögen (Ernährungs- und Fortpflanzungsvermögen), zum anderen das Strebevermögen. Letzteres ist zwar selbst vernunftlos, aber es ist in der Lage, sich nach der Vernunft zu richten, weshalb es ebenfalls einen Teil des rationalen Seelenvermögens ausmacht. Neben dem Strebevermögen ist der rationalen Seelentätigkeit noch das rein rationale Vermögen untergeordnet, d.h. der selbst Vernunft besitzende Teil, der für das Reflektieren und Denken zuständig ist. Die Einteilung der menschlichen Seele nach Aristoteles lässt sich zusammenfassend durch folgendes Schema darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Buch II

Im Allgemeinen differenziert Aristoteles zwischen zwei Arten der menschlichen arete: die ethische arete (Charaktertugenden) und die dianoetische arete (Verstandestugenden). Während man die Charaktertugenden, die dem Strebevermögen zuzuordnen sind, durch Gewöhnung erlangt, entstehen die Verstandestugenden, die dem rein rationalen Vermögen angehören, durch Belehrung. Zur Definition von Charaktertugenden ist anzuführen, dass sie feste Grundhaltungen sind, die die richtige Mitte in Bezug auf Affekte und Handlungen treffen.

[...]


[1] Im Folgenden abgekürzt als NE.

[2] Die Begriffe „Gut“ und „Ziel“ werden hier synonym verwendet.

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656167853
ISBN (Buch)
9783656168416
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191707
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,3
Schlagworte
Aristoteles Nikomachische Ethik Ethik im Unterricht Aristoteles im Unterricht Klafki

Autor

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Titel: Aristoteles im Unterricht