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Die gesellschaftliche Funktion der Religion

Eine soziologische Betrachtung am Beispiel von Karl Marx und Emil Durkheim

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 14 Seiten

Soziologie - Religion

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. ZUR SOZIOLOGISCHEN EXPLIKATION DES BEGRIFFS RELIGION
2.1 VORBEMERKUNG
2.2 DIE BASISELEMENTE DER RELIGION UND DER FUNKTIONALE BETRACHTUNGSANSATZ

3. KARL MARX - DIE KOMPENSATORISCHE WIRKUNG DER RELIGION
3.1 IM KONTEXT DER FEUERBACH´SCHEN VERDINGLICHUNGSTHESE
3.2 BASIS - ÜBERBAU UND RELIGION

4. DURKHEIM - DIE INTEGRATIVE WIRKUNG DER RELIGION
4.1 IM KONTEXT DER SOZIOLOGISCHEN METHODE
4.2 RELIGIÖSE RITEN ALS BASIS DER RELIGION

5. RESÜMEE UND KRITIK

6. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Die Religion hat als ein zentraler sozialer Tatbestand weitreichenden Einfluss auf das menschliche Handeln, Verhalten und Denken und steht somit natürlicherweise im Betrachtungsbereich der Soziologie. Die Religionssoziologie als soziologisches Fachgebiet versucht dabei die Religion einer analytisch-empirischen Betrachtung zu unterziehen um so u.a. die gesellschaftliche Funktion der Religion offen zu legen. So waren es auch die Soziologen der ersten Stunde (unter Ihnen z.B. Comte, Durkheim, Marx, Weber und Simmel), die mit ihren zentralen Schriften den Weg zu weiterführenden Religionsanalysen der modernen Soziologie ebneten und die Soziologie prägten.

In dieser Arbeit sollen mit Karl Marx und Emil Durkheim zwei dieser Klassiker im Hinblick auf ihre zentralen Auseinandersetzungen mit der gesellschaftlichen Funktion der Religion näher betrachtet werden. Denn sowohl Karl Marx als Nachfolger der Religionskritiker und Emil Durkheim als empirisch fundierter Soziologe haben mit ihren Werken jeweils genuine Funktionsbestimmungen der Religion unternommen, die immer noch weitreichend rezipiert werden. Dabei sind die Vorgehensweise und Zielverfolgung dieser beiden Soziologen grundlegend verschieden. Trotzdem wird bei der Betrachtung von Marx’ und Durkheims Ausführungen deutlich, dass die Religion für beide eine bedeutende Kategorie des Sozialen darstellt.

Im Folgenden wird zuerst eine soziologische Explikation des Begriffs der Religion erarbeitet. Daran anschließend wird im Kontext der Rahmenwerke von Marx und Durkheim auf die Religionsanalyse der beide Klassiker eingegangen, wobei sich grundlegend auf Durkheims „Die Elementaren Formen des Religiösen Lebens“ und Marx’ Religionskritik in „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“ bezogen wird, um anschließend die gesellschaftliche Funktion der Religion in beiden Theorien zu beschreiben und zu erklären. Im darauffolgenden Resümee werden sodann die auffälligsten Ähnlichkeiten und gravierendsten Unterschiede der vorgestellten Religionsbetrachtungen dargestellt und die Vorgehensweise beider Theoretiker kritisch beleuchtet.

2. Zur soziologischen Explikation des Begriffs Religion

2.1 Vorbemerkung

Bevor auf die soziale Funktion der Religion in den Theorien von Karl Marx und Emil Durkheim, eingegangen wird, soll im Folgenden der Versuch unternommen werden, eine Explikation der soziologischen Betrachtungsweise des Begriffs Religion darzustellen.

Schon die Hinweise einschlägiger Einführungsliteratur, dass „(...) die Vieldeutigkeit des Begriffs der Religion selbst schon ein soziologisches Phänomen (...)“ (Knoblauch 1999: 10) sei, verweist auf die Schwierigkeit einer allgemeinen Definition von Religion in den Sozialwissenschaften und den breit gefächerten Diskurs der Religionssoziologie bezüglich dieser Thematik. Wenn eine einheitliche Definition von Religion nicht möglich scheint, so ist eine Explikation des Begriffes Religion nichts desto trotz unerlässlich um sich ihrer Funktion bei den hier betrachteten Klassikern zu nähern und diese darzustellen. Um also beschreiben zu können, was Religion bewirkt bedarf es einer soziologischen Explikation mittels derer Religion als sozialer Tatbestand klar darstellbar wird.

Der folgende Versuch einer solchen Explikation des Religionsbegriffs soll sich auf eine gesellschaftswissenschaftliche Interpretation der Religion beschränken. Der hier unbestreitbare Ausgangsstandpunkt kann daher nur sein, dass der Glaube vom Menschen konstruiert ist (vgl. Knoblauch 1999: 11), die unerklärbare Frage ob dieser von den Menschen in den zahlreichen Religionen gefolgte Glaube wirklich oder wahrhaftig oder gar richtig sei, ist für eine soziologische und damit agnostische Betrachtungsweise hinfällig.

Um sich weiterhin nicht im breiten Definitionspluralismus der Religionsdefinition zu verirren (dazu: Spiro: 1966) und um der Fragestellung dieser Arbeit nach der Funktion der Religion in den Werken Marx’ und Durkheims gerecht zu werden, wird sich daher aus dem Pool unterschiedlicher Herangehensweisen auf eine funktionale Religionsbetrachtung beschränkt. Hier bieten verschiedenste Theoretiker unterschiedliche Vorschläge an, ihn allen gemeinsam ist aber, dass sie „(...) neben der Tatsache, dass sie vor allem daran interessiert sind, was Religion tut, eine ähnliche anthropologische Ausgangstheorie [haben], die beinhaltet, dass der Mensch mit letztlich unlösbaren Problemen von existenzieller Bedeutung konfrontiert ist“ (Kehrer 1998: 23).

2.2 Die Basiselemente der Religion und der funktionale Betrachtungsansatz

Im Lexikon zur Soziologie findet sich zur Religion der folgende Eintrag: „Religion: auch: allgemeine Religion (...) Bezeichnung für eine - anthropologisch angelegte oder als für den Aufbau und das Funktionieren von Gesellschaften unerlässliche angesehene - Bindung und Orientierung an letzten, zumeist als überweltlich angesehene Gegebenheiten (Gotteswille, Werte), die allen individuellen religiösen Erfahrungen oder historische auftretenden Religionsformen als Gemeinsames zugrunde liegt, und deren konkreter Ausdruck Letztere sind.“ (Lexikon zur Soziologie 2010: 549).

Dieser Definitionsversuch ist keineswegs erschöpfend und gleichzeitig einer unter vielen, er beinhaltet aber trotzdem folgende vier Basiselemente der Religion (vgl. Pickel 2011: 18), die sich in den meisten soziologischen Definitionen finden (vgl. ebenda) und welche im Anschluss genutzt werden sollen, um das Wesen der Religion in Marx’ und Durkheims Theorie zu bestimmen. Die vier Basiselemente sind demnach:

1. Individuelle Überzeugungen die bspw. aber nicht notwendig im Glauben an ein übernatürliches Wesen z.B. Gott zu finden sind
2. Soziale Praktiken repräsentiert z.B. durch Rituale wie die Taufe oder einen Regentanz
3. Moralische Gemeinschaft die durch Normen und Regeln integriert wird
4. Institutionelle Ausprägung in der die Religion organisiert ist wie bspw. die evangelische Kirche oder aber in Naturvölkern der Klan oder Stamm

Eine funktionale Sichtweise der Religion versucht nun zu beschreiben, welche gesellschaftliche Leistung die Religion übernimmt und bleibt dabei (im Gegensatz zu einer substantiellen Religionsbetrachtung) relativ offen in der Beschreibung des spezifischen Inhalts einer Religion und beschränkt diese nicht zwangsläufig im Glauben an übernatürliche Wesen. Im Zentrum der funktionalen Betrachtung steht also die Offenlegung der Wirkung der Religion auf das Kollektiv oder einzelner Individuen. Eine solche religionssoziologische Betrachtungsweise ermöglicht nun die gesellschaftliche Leistung der Religion von einem globalen und nicht „ethnozentrischen“ (Knoblauch 1999: 117) Standpunkt aus zu beschreiben. Der funktionale Religionsbegriff scheint damit angemessen um zwei verschiedene soziologische Religionsanalysen vergleichbar zu machen.

3. Karl Marx - Die kompensatorische Wirkung der Religion

3.1 Im Kontext der Feuerbach´schen Verdinglichungsthese

Im theoretischen Bollwerk des historischen Materialismus von Karl Marx macht die Betrachtung der Religion nur einen kleinen Teil seiner Theorie aus. Wesentliches der Marx´schen Religionsbetrachtung findet sich in seinem Werk „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“. Es handelt sich hierbei vor allem um eine Religionskritik, die - wie im Folgenden dargestellt werden soll - bereits deutliche „soziologische Züge“ (Knoblauch 1999: 32) trägt.

Impulsgebend für Marx’ Überlegungen zur Religion waren dabei die Thesen des Philosophen Ludwig Feuerbach und dessen zentrale Aussage „Die Religion (...) ist das Verhalten des Menschen zu sich selbst“ (Feuerbach 1960: 17). Feuerbach sieht Religion als eine Bewusstseinsprojektion des Menschen an und erkennt Religion als ein gesellschaftliches Konstrukt, wenn er sagt „Der Mensch, schuf Gott nach seinem Bilde“ (Feuerbach 1851: 241). Da es dem Menschen nach Feuerbach aber nicht möglich ist diesen Zusammenhang zu erkennen, erscheint ihm (dem Menschen) Religion als ein externes „Ding“.

Marx greift diese These der Religion als gesellschaftliche Projektion auf, füllt sie durch Verknüpfung mit den gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen zusätzlich mit polit]ischen Gehalt und transformiert so Feuerbachs philosophische Religionsbetrachtung in eine empirische wissenschaftliche Analyse, indem er sie in seine historische Gesellschaftsbetrachtung einbettet (vgl. Pickel 2011: 66).

3.2 Basis - Überbau und Religion

Karl Marx geht in seiner Gesellschaftstheorie von einer komplexen Dialektik zwischen gesellschaftlicher Basis und ideologischem Überbau aus.

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Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656165286
ISBN (Buch)
9783656165682
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191597
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Wirtschaft und Sozialwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
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