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Selbstreferenzialität und Serialität am Beispiel von "Sex and the City"

Seminararbeit 2010 17 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung: Popularität der Serie „Sex and the City“, Fragestellung und Ziel der Arbeit

2. Continuity in „Sex and the City”
2.1. Begriffsdefinition
2.2. Similarität
2.2.1. In Thematik, Handlung und Aufbau
2.2.2. Die Figuren
2.2.3. Die Stadt
2.3. Kontiguität
2.3.1. Figurenentwicklung

3. Metaisierung und Selbstreferentialität in „Sex and the City”
3.1. Begriffsdefiniton
3.2. Mise en abyme
3.3. Metalepsen
3.4. Illusionsfördernde vs. -brechende Wirkung
3.5. Metaphorische Selbstreferentialität
3.5.1. „Jules&Mimi“
3.5.2. Mode/Konsumgesellschaft
3.5.3. Frau in der Postmoderne/ „3rd Wave Feminism“

4. Zusammenfassung der Ergebnisse, Hinweise zur Forschungsliteratur

1. Einleitung: Popularität der Serie „Sex and the City“, Fragestellung und Ziel der Arbeit

„Sex and the City“: So der Name eines der größten TV-Phänomene der ausgehenden Neunziger bzw. Anfang der Zweitausender Jahre. Basierend auf der wöchentlichen Kolumne von Candance Bushnell, die im „New York Observer“ erschien und 1996 als Buch aufgelegt wurde, hatte die Serie rund um Bushnell´s Alter Ego Carrie Bradshaw ihre Anfänge 1998 und fand von Anfang an großen Anklang, gleichwohl wie sie polarisierte. Bis 2004 wurden sechs Staffeln der Serie abgedreht und ob der gewagten und zum heutigen Frauenbild passenden Themen, der sexuellen Offenheit („In-your-face-talk“1 ) und nicht zuletzt der daraus resultierenden Komik erfreuten sich die Serie ebenso wie der nach Absetzung der Serie 2008 produzierte Film „Sex and the City“ gerade bei Frauen außergewöhnlicher Beliebtheit.2 In der folgenden Arbeit gehe ich vorerst darauf ein, wie in der Serie Similaritäts- bzw. Kontiguitätselemente eingesetzt werden und wie daraus die für die Serie typische Continuity entsteht. Danach möchte ich aufzeigen, wo die Serie metaisierende bzw. selbstreferentielle Tendenzen aufweist und welche Wirkung daraus für den Zuschauer resultiert.

2. Continuity in „Sex and the City”

Die Continuity einer Serie lässt sich definieren als der innere Zusammenhang, als die Summe der intertextuellen Bezüge zwischen den einzelnen Episoden. Besondere Beachtung finden bei der Untersuchung der Continuity zwischen den Episoden Vorverweise auf spätere, sowie der Wiederaufgriff früherer Folgen. Weiter unterscheidet Stephan Packard in seiner Arbeit über Continuity zwischen Similarität und Kontiguität, was ich im Folgenden zu „Sex and the City“ aufgreifen und darlegen möchte, da auch in dieser Serie beide Elemente aufzufinden sind.

Similarität bezieht sich dabei auf Ähnlichkeiten, die zwischen den einzelnen Episoden bestehen und es dem Zuschauer möglich machen, die Episode sofort der gesamten Serie zuzuordnen. Bei diesen Ähnlichkeiten kann es sich sowohl um immer wiederkehrende Protagonisten bzw. Schauspieler handeln als auch um ähnliche Handlungsverläufe oder auch um formale Ähnlichkeiten. Kontiguität dagegen bezeichnet die Verkettung der einzelnen Episoden untereinander. Diese setzt zwar eine Ähnlichkeit in den Episoden voraus, ihr unterliegt aber eine (Weiter-) Entwicklung der Figuren und ein regelmäßiges Zusehen vom Zuschauer ist erforderlich, um diese Entwicklungen nachzuvollziehen, was bei einigen Serien schon schnell sehr unübersichtlich werden kann. Meist existieren in einer Serie sowohl Similaritäts- als auch Kontiguitätsbeziehungen, dies ist auch in „Sex and the City“ der Fall. Die einzelne Episode lässt sich zwar durch die vorhandenen Ähnlichkeiten sofort der Serie zuordnen, die Episoden verhalten sich aber nicht gleichgestellt zueinander, sondern sie müssen als Reihe betrachtet werden.3

Schon allein durch den großen Bekanntheitsgrad von „Sex and the City“ und auch ihre Polarisation in den Medien ist zumindest die Thematik, um die es in der Serie geht, weitaus bekannt: Sex, Liebe, Dates, Männer, das Leben als Singlefrau in der Stadt sind die grundlegenden Motive von „Sex and the City“. Und auch wenn die Episoden in ihrer Gesamtheit betrachtet aufeinander aufbauen, so steht doch jede auch für sich und ist einem Thema bzw. einer Frage untergeordnet, der Carrie (Sarah Jessica Parker) in ihrer Kolumne nachgeht. Dieses wird dem Zuschauer deutlich gemacht durch die „Think-and-type“-Szenen, die in jeder Folge vorkommen. In diesen Szenen sitzt Carrie an ihrem Laptop und arbeitet an ihrer aktuellen Kolumne, einzelne Wörter oder Sätze, die sie tippt, werden in Großaufnahme gezeigt und von Voice-Over-Kommentaren reflektierend begleitet. Ein weiteres immer wiederkehrendes Element der Serie sind die „Chew-and-chat“-Szenen, in denen die vier Protagonistinnen zusammen essen und das aktuelle Thema, basierend auf ihren Erlebnissen, diskutieren.4 Wie Sarah Jessica Parker selbst zu diesen Szenen sagt: „The conversations between the four women are the central feature of the show and are at the core of each episode´s story line”.5 Desweiteren lässt sich, neben diesen Szenen in den meisten Folgen eine weitere Ähnlichkeit in der Handlungsstruktur festmachen: Meist gliedert sie sich in vier Handlungsstränge, von denen einer das Zentrum der Folge darstellt. Die drei weiteren sind dem untergeordnet, wobei einer jedoch insbesondere darauf ausgelegt ist, Komik zu erzeugen.

Das beständigste und wichtigste Similaritätselement allerdings sind die vier Protagonistinnen und ihre Freundschaft zueinander, der Dreh- und Angelpunkt der Serie, um den herum sie konstruiert ist. Es handelt sich hierbei um Carrie Bradshaw, „das Herz, den Kopf und die Stimme“7 der Serie und ihre drei Freundinnen: Charlotte York(Kristin Davis), Galeristin, die etwas naive und idealistische, die unbedingt heiraten möchte, die etwas brav wirkt, aber in unerwarteten Momenten den Zuschauer mit ihren harschen Aussagen überrascht; Miranda Hobbes(Cynthia Nixon), Anwältin, der pragmatische und zynische Part der Vier, der zugeschrieben wird, den „Realist in uns“ widerzuspiegeln;8 und zuletzt Samantha Jones(Kim Cattrall), eine erfolgreiche PR-Managerin, die ihre Sexualität frei auslebt und deren ständiger Männerwechsel und Experimentierfreudigkeit (sie selbst bezeichnet sich als „trisexual“: „I´ll try anything once.“9 ) fester Bestandteil jeder Episode sind.

Wie Astrid Henry in ihrem Aufsatz schreibt, zeigt die Serie das Leben der heutigen Frau aus vier verschiedenen Perspektiven und ist „unique in it´s focus on women friendships .[ ] It is rare to see representations of female solidarity and community on TV, rarer still to see women collectively address social and political concerns.“10 Mehr noch, die vier Freundinnen fungieren füreinander als Familienersatz, indem sie sich gegenseitig in allen Lebenslagen unterstützen. Darüber hinaus werden familiäre Verhältnisse der Figuren, bis auf kleinere Ausnahmen, nicht erwähnt. Sogar bei den Hochzeiten von Charlotte oder Miranda stehen die Familien im Hintergrund, um den Fokus auf die vier Hauptfiguren nicht zu nehmen.11 Eine weitere wichtige Rolle fällt, wie der Titel der Serie schon sagt, der Stadt New York, oder genauer gesagt, Manhattan zu. Carrie und ihre Freundinnen laufen in jeder Folge durch Manhattan´s Straßen, gehen in echte New Yorker Bars und greifen Trends der Stadt auf. Dabei wird Carrie´s Zuneigung zu New York immer wieder deutlich, besonders in der Folge „I heart New York“ (S4 E18) oder als sie beschließt, mit niemandem mehr auszugehen und stattdessen „die Stadt zu daten“:12 „You´re never alone in New York, it´s the perfect place to be single. The city is your date. [ ] It´s very serious, I think I´m in love.“ (S5 E1 TC 02:40) Auch in den Voice-Over-Kommentaren Carrie´s wird der Stadt Bedeutung beigemessen, indem sie das, was sie erzählt genau lokalisiert, sei es z.B. die Fifth Avenue, oder auch Uptown oder Downtown. Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass in „Sex and the City” durch den Aufgriff von immer wiederkehrenden Handlungselementen (Die Kolumne als solche, die „think-and- type“-Szenen, die „chat-and-chew“-Szenen) und - Strukturen, sowie durch die Fokussierung auf die vier Protagonistinnen und die Stadt Similaritätsbeziehungen zwischen den Episoden erzeugt werden.

Auch die Männer, die im Leben der einzelnen Figuren auftauchen, können als solche „wechselnde Konstante“ betrachtet werden, gerade bei Samantha, die über alle sechs Staffeln hinweg insgesamt mit 40 Männern schläft.13

[...]


1 Simon 2008, S. 194.

2 Vgl. Simon 2008, S. 193.

3 Vgl. Packard 2004, S. 168-171.

4 Vgl. Jermyn 2009, S. 2.

5 Henry 2004, S. 68.

6 Vgl. Lukas/Westphal 2002, S. 381f.

7 Sohn 2004, S. 19.

8 Vgl. Ebd., S. 83.

9 Ebd., S.105.

10 Henry 2004, S. 67.

11 Vgl. Jermyn 2009, S. 38-40.

12 Vgl. ebd., S.68-71.

13 Vgl. Sohn 2004, S.105.

Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656163541
ISBN (Buch)
9783656163909
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191559
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,0
Schlagworte
selbstreferenzialität serialität beispiel city

Autor

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