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Erwachsenenlernen

Eine Einführung

Seminararbeit 2011 14 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einsendeaufgabe 1 - Lernen/Bildung

Einsendeaufgabe 2 - Millieuforschung

Einsendeaufgabe 3 - Lernmotivation

Einsendeaufgabe 4 - Adoleszenz-Maximum-Kurve

Einsendeaufgabe 5 - Anschlusslernen

Einsendeaufgabe 6 - Innerer Monolog

Einsendeaufgabe 7 - Seminargruppen pro/contra

Einsendeaufgabe 8 - Lernschwierigkeiten

Literaturverzeichnis

Einsendeaufgabe 1 - Lernen/Bildung (zu EB 0410)

Was ist „Lernen“ und „Bildung“ gemeinsam und wodurch unterscheiden sich Lernen und Bildung?

Zunächst mehrere Definitionen:

Das „Lernen“ ist nach Auffassung der Anthropologen für Menschen notwendig, weil sie keine eigenen Instinkte mehr haben - diese Lernfähigkeit ermöglicht die „flexible An­passung an neue Lebensverhältnisse“ (Siebert, 2011a, S. 21). „Lernen erleichtert nicht nur angemessen 'erfolgreiche' Reaktionen, sondern auch aktive Veränderungen der Umwelt selbst“ (Siebert, 2011a, S. 21).

In einer allgemeinen erziehungswissenschaftlichen Definition stellt „Lernen“ „eine dau­erhafteVerhaltensänderung aufgrund von Erfahrungen“ dar (Siebert, 2010a, S. 191). In einer neueren und detaillierteren Definition handelt es sich um die „Erweiterung des Wissens, der Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Bewältigung von Lebenssituationen“ (Siebert, 2010a, S. 191).

„Der Begriff 'Bildung' gehört [...] zu den Grundbegriffen der Aufklärung und zugleich des Selbstverständnisses der neuen 'gebildeten' (bürgerlichen) Gesellschaft“ (Groothoff, 1978, S. 211). Siebert stellt fest, dass „zwischen Aufklärung und Bildung“ ein Zusam­menhang besteht (Siebert, 2011a, S. 30): „Aufklärung - also vernünftiges Denken und Wollen - ist das Ergebnis von Bildungsprozessen“ (Siebert, 2011a, S. 30). Dabei ist „Bildung kein Produkt, sondern ein Prozess“ (Siebert, 2011a, S. 34).

Das gilt auch für das Lernen, da es sich um einen Prozess handelt.

Bildung meinte in „klassischen Bildungstheorien den Prozess und das Ziel der Kräfte­bildung“ (Schultz, 2010, S. 41). Der Erziehungswissenschaft war dieser Begriff „zu unscharf“, weswegen „operationalisierbare Begriffe“ wie das Lernen eingeführt worden sind (Schultz, 2010, S. 43).

Es lässt sich festhalten, dass das Lernen, also das Aufnehmen, Verarbeiten und Erinnern von neuen Inhalten daher die Voraussetzung von Bildung ist.

Neu ist die Wahrnehmung, dass statt Bildung mehr und mehr der Begriff Lernen benutzt wird: „Der Begriff der Bildung scheint verdrängt zu werden. Lernen, Training, Schulung treten an seine Stelle. Mit Bildung wird eine Suchbewegung angesprochen. Bildung heißt sich im Denken und Handeln zu orientieren, Argumente zu suchen und danach zu handeln, Entscheidungen zu treffen und die Folgen zu reflektieren sowie neue Argumente zu suchen. Bildung ist ein lebensbegleitender und -integrierter Pro­zess. Bildung ist Arbeit an sich selbst, lässt sich aber schwer von Lernen trennen.“ (Lenz, 2007, S. 10-3). „Wer lernt, nimmt Informationen auf und verarbeitet sie. Mit Bildung werden die Vorgänge umschrieben, in denen der Mensch 'etwas aus sich macht'. Bildung drückt den Prozess und Zustand der Selbstkultivierung des Menschen aus.“ (Lenz, 2007, S. 10-4).

In der öffentlichen Wahrnehmung der Begriff Bildung nach der sog. ,,Göttinger Studie“ nicht unbedingt von Zertifikaten, Kenntnissen oder Kompetenzen abhängig ist, sondern oftmals vom gesellschaftlichen „Stand“ (Neudeutsch: vom „Standing“), von guten Um­gangsformen mit Menschen oder des Auftretens einzelner Persönlichkeiten abhängig ist, z.B. von Toleranz, Güte, Hilfsbereitschaft, gutes Verhalten zu Mitmenschen uvm. (Siebert, 2011a, S. 42 f.).

Der Deutsche Ausschuss für das Erziehungs- und Bildungswesen hat I960 Bildung folgendermaßen definiert: „Gebildet im Sinne der Erwachsenenbildung wird jeder, der in der ständigen Bemühung lebt, sich selbst, die Gesellschaft und die Welt zu verstehen und diesem Verständnis gemäß zu handeln“ (Deutscher Ausschuss, 1960, S. 404 zitiert nach Siebert, 2011a, S. 34).

Daraus lässt sich schlussfolgern, dass Lernen die Voraussetzung von Bildung ist. Ler­nen im Sinne der Aufklärung und Bildung zielen gemeinsam darauf ab, den „gebildeten Menschen“ besserzu informieren und ihm ein verantwortungsvolles Handeln in derGe- sellschaft und der Welt zuzugestehen. Dieses zielt auf eine Veränderung der Welt zum Besseren ab. Allerdings ist in der öffentlichen Meinung mit Bildung nicht nur Wissen, sondern insbesondere auch das Auftreten und der Umgang von gebildeten Menschen mit anderen Menschen gemeint (sog. Schlüsselqualifikationen).

Einsendeaufgabe 2 - Millieuforschung (zu EB 0410)

Welche Bedeutung hat die Millieuforschung für die Bildungspraxis?

„Die traditionelle schichtspezifische Sozialforschung berücksichtigt vor allem sozialsta­tistische Faktoren. Die Millieuforschung untersucht außerdem sozialemotionale, alltags­ästhetische, ethische Lebensstile und Interessen, u.a. auch Bildungsinteressen.“ (Siebert, 2011a, S. III).

Die Erkenntnisse aus diesen Studien des SINUS-Instituts Heidelberg im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung - „das Millieumodell ist (vermutlich) das bekannteste“ hinsicht­lich der „Bildungsmotive und Erwartungen an Bildungseinrichtungen“ (Siebert, 2011a, S. 63) - sind insbesondere für die Zielgruppenorientierung und Planung von Weiter­bildungsveranstaltungen von Bedeutung und damit gleichzeitig über den ökonomischen Erfolg von Weiterbildungsträgern (und deren Mitarbeitern) (so sinngemäß Siebert, 2011a, S. 65).

Diese Millieuforschung untersucht „Kommunikationsgewohnheiten, Neigungen und Ab­neigungen möglicher Teilnehmer, um ihre Alltagsästhetik im ganzen“ (Meyer, 1993, S. 67, zitiert nach Siebert, 2011a, S. 63).

Darüber hinaus sind aus der Millieuforschung Schlussfolgerungen über die Weiterbil­dungsmotivation möglich, v.a. „welche sozialen Situationen und welche Atmosphäre die Veranstalter ihren Zielgruppen versprechen“ sollten (Siebert, 2011a, S. 63). Entscheidende Kriterien für derartige Millieuforschungen sind u.a. Seminarbewertung­en und Befragungen zum Freizeitverhalten der Seminarteilnehmer - die Forschergrup­pe des SINUS-Instituts bezeichnete „ihr Konzept als 'Marktmodell'“ (Siebert, 2011a, S. 65) - tatsächlich handelt es sich nach Auffassung von Siebert eher um eine „Marke­tingstudie“ denn um eine wirkliche „Bildungsforschung“ (Siebert, 2011a, S. 65).

In der Praxis deutet sich ein Streit zwischen „Teilnehmerorientierung“ und „Kundenzu­friedenheit“ an, die „unterschiedliche didaktische, aber auch förderpolitische Konsequ­enzen haben“ (Siebert, 2011a, S. 66).

Während staatlich geförderte Bildungsträger eher nach dem sog. „Bildungskonzept“ für alle Menschen arbeiten (in der Tradition der Aufklärung und dessen Bildungsauftrags haben), neigen private Bildungsträger eher dem „Marktkonzept“ und dem Prinzip der „Kundenzufriedenheit“ zu (vgl. ausführlich Modul EB 0220, Müller-Commichau, 2011).

Einsendeaufgabe 3 - Lernmotivation (zu EB 0410)

Inwieweit kann die Lernmotivation didaktisch-methodisch gefördert werden?

Zunächst ein Zitiat zur Klärung der Frage, was Lernmotivation ist: „Lernmotivation ist wesentlich intern begründet, d.h. sie ist Bestandteil der eigenen Identität, des Selbstbildes, derLebensgeschichte“ (Siebert, 2011a, S. 70).

Will man Lernmotivation fördern, muss man den Menschen im Wunsch zu Lernen för­dern, z.B. durch Anreize (z.B. Zertifikate, Lockungen auf bessere Bezahlung/bessere Arbeitschancen, mehr Zufriedenheit, Individualisierung). Dabei sind insbesondere er­folgreiche Lernprozesse Motivation zu mehr Lernen (Siebert, 2011a, S. 70). Konkret muss Weiterbildung „nützen, alltagspraktisch, psychohygienisch und beruflich 'zweck­mäßig sein'“, sie darf nicht als „Bedrohung wahrgenommen werden, sondern als Berei­cherung und Gewinn“ (Siebert, 2011a, S. 70).

Von besonderer Bedeutung ist, dass sich „Lernmotivation [...] sich nicht pädagogisch herstellen [lässt], aber [...] sich motivierende Lernumgebungen gestalten [lassen]“, z.B. „anregende Räume, das Ambiente, dieAtmosphäre“ (Siebert, 2011a, S. 70).

Insbesondere folgende didaktisch-methodische Faktoren sind hilfreich für eine Lernmo­tivation (nach Siebert, 2011a, S. 70/71):

- die angebotenen Inhalte sollten anwendungsbezogen (praxisgerecht) sein;
- „neues Wissen sollte anschlussfähig sein, d.h. zu vorhandenem Wissen und zu Er­fahrungen passen;“
- es sollte eine leichte Überforderung („dosierte Diskrepanz“) angewendet werden;
- Überraschungen im Unterricht (unerwartete Einblicke oder Aufgaben) machen Se­minarteilnehmer munter (insbes. wichtig nach der Mittagspause);
- alle „Lernkanäle“ sollten angesprochen werden, da Menschen unterschiedlich lernen („optisch, akustisch, spielerisch, ausprobierend“);
- „soziales Lernen gemeinsam mit anderen motiviert, sofern die 'Chemie' in der Grup­pe stimmt“;
- die Lernenden sollten über Lernziele und Inhalte mitbestimmen können;
- humorvolles Auftreten sorgt für gute Stimmung;
- die Zertifizierung der Bildungsmaßnahme ist menschenfreundlich und motiviert.

In meinen Seminaren habe ich gute Erfahrungen mit der Interaktion zw. Lehrenden und Lernendem gemacht, d.h. die Möglichkeit Fragen zu stellen und direkt (z.B. im Rahmen eines Beispiels) zu beantworten. Daneben ist, wie oben gesagt, das Ambiente motivierend (z.B. schönes Tagungshotel, gutes Essen, tolles Freizeitprogramm, fern gelegener Tagungsort mit kulturellem Angebot, uvm.) auf das ich persönlich häufig keinen Einfluss habe.

[...]

Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (Buch)
9783656171348
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191503
Institution / Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern – Distance and Independent Studies Center (DISC)
Note
Sehr gut bestanden
Schlagworte
Erwachsenenbildung Lernfähigkeit Lebenslanges Lernen

Autor

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Titel: Erwachsenenlernen