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Der Einfluss des Palästinakrieges 1948/49 auf die Ägyptische Revolution 1952

Seminararbeit 2010 21 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Moderne Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ägypten vor der Revolution

3. Der Palästinakrieg
3.1 Verlauf
3.2 Innerarabische Machtverhältnisse
3.3 Ägyptens Involvierung in den Krieg

4. Die Ägyptische Revolution 1952
4.1 Verlauf
4.2 Nassers Politik
4.3 Einfluss des Palästinakrieges auf die Revolution

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„The crime of the Palestinian War was not committed by the Egyptian army, but by others“1, und weiters „the army was not responsible for the defeat in Palestine“.2 Mit diesen Worten rechtfertigt der spätere Präsident Ägyptens Gamal Abdul Nasser sein Wirken als junger Offizier im Palästinakrieg 1948 und weist zudem auf Spannungen zwischen Militär, welchem Nasser angehörte, und der damaligen politischen Führung rund um König Faruq hin. Es folgte der Putsch der so genannten Freien Offiziere 1952 und die damit verbundene Machtübernahme Nassers, offiziell zwei Jahre später.

Der erste israelisch-arabische Krieg 1948/49 war nicht nur für die spätere Entwicklung Israels und der palästinensischen Gebiete entscheidend, sondern hatte auch immense Auswirkungen für die gesamte arabische Welt. Im Krieg waren nicht weniger als sieben arabische Staaten direkt involviert (Ägypten, Transjordanien, Syrien, Libanon und der Irak beteiligten sich direkt mit ihren Armeen; Saudi-Arabien und der Jemen schickten Kontingente). Der Ausgang der Kämpfe war jedoch trotz der scheinbaren Unterlegenheit für den neu geschaffenen jüdischen Staat ein voller Erfolg. Israel konnte sich nicht nur behaupten, sondern sein Staatsgebiet sogar von 14.100 auf 20.700 km²3 erweitern. Das Gerüst für den seit über 60 Jahren anhaltenden Nahostkonflikt war damit insbesondere aufgrund der großen Fluchtbewegung von ca. 700.000 Palästinensern in die umliegenden Nachbarländern und der damit verbundenen Problematik.

Wie eine solche Niederlage der fast ganzen arabischen Welt gegen einen kleinen neu geschaffenen Staat erklärt werden kann, führt näher zum Thema dieser Arbeit. Es soll untersucht werden, wie die politischen Machtverhältnisse, insbesondere Ägyptens, dazu führte, dass nicht nur ein Krieg verloren wurde, sondern auch innerhalb weniger Jahre nach den Kämpfen zu einer Revolution führen konnte. Die zentrale Frage dabei ist, welche Rolle spielten die Kampfhandlungen in Palästina für die ägyptische Revolution von 1952?

Dabei soll zunächst das Ägypten vor der Revolution skizziert werden. Dabei spielt insbesondere das Verhältnis zu Großbritannien und zwischen dem Königshaus und der Bevölkerung eine Rolle. Anschließend wird der Palästinakrieg 1948/49 näher untersucht. Neben Gründen und Verlauf wird v. a. auf die Gründe der arabischen Niederlage eingegangen werden. Dabei spielen die Rivalitäten innerhalb der Staaten der Koalition die zentrale Rolle.

Zusätzlich wird die Beteiligung Ägyptens näher beschrieben. Dabei werden die Spannung zwischen politischer Führung und der Bevölkerung und besonders dem Militär analysiert. Anschließend wird der Weg bis zur Revolution von 1952 skizziert. Neben einer kurzen Schilderung des Verlaufs soll untersucht werden was die zentralen Gründe für den Putsch waren bzw. welche Politiken die neue Regierung anders machte als die vorgängige. Zentral wird dabei das Verhältnis zu den arabischen Ländern sein.

Welche Rolle spielte der Krieg von 1948 für die Revolution. Begründete, beschleunigte er die Revolution oder waren andere Faktoren weit mehr entscheidend? Zur Antwort dieser Frage wird eine große Brandbreite, die es über den Nahostkonflikt und damit (teilweise am Rande) zu diesem Thema gibt, ebenso wie Schriften der Revolutionäre selbst (Nasser und sein Nachfolger Sadat) analysiert.

Die Geschichte des modernen Ägyptens beginnt 1798 mit der Militärexpedition Napoleons. Das Land am Nil konnte nach dem Abzug der Franzosen 1805 faktisch eine eigene Dynastie unter Muhammed Ali herstellen, musste jedoch die osmanische Oberherrschaft anerkennen. Ägypten rückte seit Napoleon auch näher an die europäischen Mächte und deren Interessen, besonders durch seine geographische Lage und der Errichtung des Suez-Kanals heran. Als der Widerstand gegen den ausländischen Einfluss (v. a. gegen den Kanal) wuchs, besetzte Großbritannien 1882 das Land, um die Unruhen zu stoppen.4 Es entwickelte sich in Folge eine starke britische Präsenz und Einfluss; es gab in dieser Zeit des Imperialismus praktisch eine de-facto Herrschaft der Briten in Ägypten.5 Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde das Land schließlich auch zum britischen Protektorat erklärt. Die Politik des Empires begünstigte die Schicht der Großgrundbesitzer Ägyptens. 1914 lebten 80% der Bevölkerung auf dem Land, 0,8% der Eigentümer besaßen jedoch 44% des Landes.6 Der Großteil der Bevölkerung profitierte keineswegs von der britischen Besetzung; der Widerstand wuchs.

In die Zeit des Ersten Weltkriegs fallen auch die ersten konkreten Formen eines arabischen Nationalismus. Weite Teile waren damals unter osmanisch-türkischer Herrschaft. Als der Zerfall des Reiches sich abzeichnete, ging es um die Regelung der danach. Die stärkste Macht der damaligen Zeit, das British Empire, war in den Kampfhandlungen des Ersten Weltkrieges in Europa verwickelt und suchte Verbündete gegen das Osmanische Reich. So versuchte man in London jedem allerlei Versprechungen zu machen.7 Den Juden wurde in Form der berühmten Balfour-Deklaration eine nationale Heimstätte in Palästina versprochen. Diese nur 117 Wörter umfassende Notiz des britischen Außenministers Arthur James Balfour sollte den weiteren Verlauf der Geschichte dieser Region entscheidend prägen und zumindest indirekt entscheidend zur Gründung Israels 1948 beitragen. Den Arabern wurde ein Großarabisches Reich zugesagt. Sollten sich die Araber aktiv an einem Kampf gegen das Osmanische Reich beteiligen, so wurde ihnen eine vollständige Unabhängigkeit in Aussicht gestellt. Dieses neu- geschaffene Reich sollte es jedoch nie geben, denn „tatsächlich aber war Großbritannien zu keinem Zeitpunkt bereit gewesen, ein Großarabisches Reich zu akzeptieren.“8 London brauchte die Araber lediglich als Verbündete gegen die Türken, man hegte zu dieser Zeit in der Region selbst eher imperialistische Ambitionen. Deutlich wird dies auch im so genannten Sykes-Picot-Abkommen von 1916 zwischen Großbritannien und Frankreich. In diesem wurde die Region in Interessensphären der zwei Mächte aufgeteilt.

Welche Rolle bzw. welche Auswirkungen hatten die Versprechungen Londons während des Ersten Weltkrieges? Zum einem ebneten die Balfour-Erklärung den Verlauf Richtung Nahostkonflikt. Auf der anderen Seite zeigt es klar die imperialistischen Ambitionen Großbritanniens in der Region und damit auch (weiterhin) in Ägypten. Die Araber waren enttäuscht und revoltierten in Folge immer heftiger gegen den ausländischen Einfluss. Zudem lassen sich pan-arabische Tendenzen erstmals zumindest teilweise erkennen. Es sollte jedoch noch bis 1945 und der Gründung der Arabischen Liga dauern. Höhepunkt des Panarabismus war wohl das Projekt Nassers einer Vereinigten Arabischen Republik, der neben Ägypten auch Syrien und der Jemen angehörten. Vorerst wurden jedoch aus den arabischen Ländern Mandatsgebiete der europäischen Großmächte.

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war geprägt von einem Kampf gegen die ausländische Besetzung. Ägypten pochte auf das von US-Präsidenten Wilson propagierte Selbstbestimmungsrecht der Nationen. 1918 wurde die Wafd unter dem Vorsitzenden Sa'd Zaghlul gegründet, deren vordergründiges Ziel die Unabhängigkeit des Landes war und welcher die Politik noch für Jahrzehnte entscheidend prägen sollte. Die Proteste gegen das britische Protektorat waren vielschichtig, neben Studenten und Arbeitern schlossen sich auch Teile der Landbevölkerung dem Ruf nach Unabhängigkeit an. Ausgelöst wurden die neuen Proteste durch die Inhaftierung Zaghlul, der in breiten Bevölkerungsschichten Anhänger hatte.9

Diese Revolution von 1919 führte schließlich 1922 zur Aufhebung des Protektorats und zur Unabhängigkeit Ägyptens. Diese war jedoch durch vier Punkte erheblich eingeschränkt. Die britische Regierung blieb nämlich weiterhin verantwortlich für:

- Suez-Kanal
- Verteidigung Ägyptens
- Verteidigung ausländischer Interessen und ausländischer Minderheiten in Ägypten und
- die Zukunft des Sudans10

Somit war auch nach der ägyptischen Unabhängigkeit der Kampf gegen den britischen Einfluss keineswegs beendet. Das Land war nun eine parlamentarische Monarchie mit König Fuad (-1936) und Zaghlul von der Wafd-Partei als Premierminister. Die Macht zwischen den beiden Ämtern war nicht klar geregelt und mit dem weiteren Kampf gegen den ausländischen Einfluss blieb das Land instabil und nicht fähig, soziale wie auch wirtschaftliche Probleme zu lösen.11 1936 kam es jedoch zu einer Neuverhandlung des Vertrages mit London. Großbritannien blieb das Recht am Kanal Truppen zu stationieren und Ägypten im Falle eines Angriffs zu verteidigen (in Angesicht der Aggression Mussolinis in Äthiopien eine auch für Ägypten zum Teil positive Tatsache) , jedoch verzichtete das Empire auf weitere Privilegien und Kairo konnte 1936 auch als Vollmitglied dem Völkerbund beitreten. Der zukünftige Status des Sudan wurde bei den Verhandlungen ausgespart und blieb in Folge „the only thorny problem.“12 Ägypten ist und war immer Teil sowohl Arabiens, als auch Afrikas. Der spätere Verlust des Sudans bedeutete auch eine stärkere Konzentration Kairos auf die arabische Welt.

Die Zeit nach der Unabhängigkeit war geprägt von der Wafd Partei und den von ihr propagierten Liberalismus. Dieser stieß jedoch auch auf Ablehnung innerhalb konservativer Kreise der Bevölkerung. Am bekanntesten ist dabei die 1928 von Hasan al-Banna gegründeter Moslembruderschaft, welche die sozialen Probleme des Landes mit einem religiösen Konservatismus lösen wollte und in ihrer Blütezeit nach dem Zweitem Weltkrieg eine halbe Million Mitglieder v. a. aus der unteren Mittelschicht und Landbevölkerung hatte.13

Im Zuge des Zweiten Weltkrieges erfüllte Ägypten seine Vertragsverpflichtungen gegenüber Großbritannien und unterstützte London im Kampf gegen Hitler-Deutschland. Ägypten wurde auch Schauplatz des Krieges. Der deutsche Rommel-Feldzug führte 1942 nach Al-Alamain, 80 km westlich von Alexandria. Dieser Feldzug stieß bei der ägyptischen Bevölkerung auch auf Zustimmung, war er doch gegen den Feind Großbritannien gerichtet.14 Die Wafd Partei agierte während des Krieges pro-britisch, als Panzer des Empires den Sitz König Faruqs umstellten und ihn zwangen eine Wafd Regierung zu ernennen. Die Partei verlor dadurch an Zustimmung; der Kampf gegen Großbritannien, das die ägyptische Unabhängigkeit durch diesen Vorfall deutlich untergrub, wuchs.

Wie sah Ägypten nun am Vorabend des Krieges in Palästina aus? Das Verhältnis zu Großbritannien war angespannt und nicht klar geregelt, die seit der Unabhängigkeit stärkste Partei Wafd verlor an Kredit, König Faruq war schwach und unbeliebt, konservative Organisationen wie die Moslembruderschaft waren offiziell verboten, agierten jedoch im Untergrund, die sozialen Probleme des Landes waren ungelöst. Der Krieg in Palästina sollte noch ein weiteres Problem aufdecken: Spannungen zwischen der politischen Führung und dem Militär.

3. Der Palästinakrieg

3.1 Verlauf

Der Palästinakrieg, oder Erster Israelisch-Arabische Krieg brach offiziell am 15.5.1948, am Tag nach der Ausrufung des jüdischen Staates. Truppen aus Ägypten, Transjordanien, Libanon, Syrien und dem Irak griffen Israel an. Vorausgegangen waren bürgerkriegsähnliche Kämpfe, meist bestehend aus Terroraktionen um ein Gebiet von der jeweiligen anderen Volksgruppe zu „säubern“ nach der Annahme des Teilungsplanes durch die UN- Vollversammlung im Jahr davor.

[...]


1 Nasser, Memories of the First Palestinian War, S.4.

2 Ebd, S.5.

3 Vgl. Steininger, Der Nahostkonflikt, S. 82.

4 Vgl. Abdel-Malek, Ägypten, S.50.

5 Vgl. Friedermann/Amr, Ägypten, S.11.

6 Vgl. Abdel-Malek, Ägypten, S.52.

7 Vgl. Steininger, Nahostkonflikt, S.9-11.

8 Ebd, S.10.

9 Vgl. Halm. Die Araber, S.106 und Cleveland/Bunton, Modern Middle East, S.195.

10 Vgl. Cleveland/Bunton, Modern Middle East, S.196 und Khadduri, Anglo-Egyptian controversy, S. 86.

11 Vgl. Cleveland/Bunton, Modern Middle East, S.197.

12 Khadduri, Anglo-Egyptian controversy, S. 87.

13 Vgl. Halm, Die Araber, S. 106-107.

14 Vgl. Abdel-Malek, Ägypten, S.64.

Details

Seiten
21
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656161981
ISBN (Buch)
9783656162216
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191405
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Note
Schlagworte
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