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Der Zustand des internationalen Systems

Internationale Beziehungen

Essay 2006 8 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: USA

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung, Standortbestimmung und hinführende Problematisierung

2. Der allmächtige Hegemon: Die unipolare Weltordnung kurz skizziert und begründet
2.1 Die neue Unübersichtlichkeit: Der Trend zur Multipolarität und dessen Folgen – erklärt aus Sicht des Neorealismus
2.2 Die Welt als Risikogemeinschaft: Was bedeutet der Zustand der Multipolarität für die Stabilität des internationalen Systems aus Sicht des Neorealismus?
2.3. Kritische Ergänzungen zum Gedankengerüst Neorealismus und zur prognostizierten Entwicklung insgesamt

3. Die interessenbedingte Multipolarität und Schwächung der USA: Zusammenfassung und Fazit

1. Einführung, Standortbestimmung und hinführende Problematisierung

Nach Ende des Kalten Krieges 1989/1990 fragmentierte sich das klar bipolare System - mit den zwei Machtblöcken USA und Sowjetunion plus deren Verbündete – zu einem multipolaren System, indem besonders in Europa alte Konflikte wiederaufbrachen. Doch 16 Jahre später hat das internationalen System einen erneuten Wandel erfahren: Das System ist durch die ausgebaute Vormachtstellung der USA quasi-unipolar geworden.

Im Folgenden wird zunächst diese neue Ordnung des internationalen Systems anhand der erläutert. Einen Schwerpunkt bildet anschließend die Erklärung, was die prognostizierte Entwicklung aus Sicht des Neorealismus bedeutet, sowie ein Versuch einer Vorhersage für die Folgen dieser Ordnung, besonders im Hinblick auf die Stabilität für das internationale Machtgefüge; sowie kritische Ergänzungen zu der Theorie des Neorealismus sowie zur prognostizierten Entwicklung insgesamt.

2. Der allmächtige Hegemon: Die unipolare Weltordnung kurz skizziert und begründet

In letzter Zeit gab es multidimensionale Entwicklungen und Faktoren, die die Hegemonialstellung der USA begünstigen:

Im derzeitigen internationalen System gibt es keine übergeordnete Instanz im Sinn einer Weltregierung oder einer von allen Staaten akzeptierten Instution. Diese kann es nach dem Verständnis des Neorealismus auch gar nicht geben, da alle Staaten, die die Handelnden im internationalen System sind, nach größtmöglicher Sicherheit streben, und zwar in erster Linie für sich allein, deshalb müssen Institutionen machtpolitisch scheitern, da Staaten sich aus Angst weigern, Souveränität abzugeben.

Aus diesem Grund ist es logisch, dass supranationalen Insititionen wie UN, NATO, EU, OSZE, etc. keine wirkliche Bedeutung zukommt. Die Handlungsfähigkeit der Institutionen ist unterschiedlich, jedoch können sie insgesamt keinen Gegenpol zum Gewaltmonopol der USA bilden: Einerseits, weil die USA selbst in einigen Institutionen maßgebend sind und die Spielregeln bestimmen (Bsp.: Verweigerung der Anerkennung des internationalen Strafgerichtshofes), oder die USA diesen keinen ausreichenden Handlungsspielraum zugestehen wollen (Bsp.: Finanzierung der UNO – Budgetgröße wie New Yorker Feuerwehr), oder das die Mitgliedesstaaten der Institutionen sich uneinig sind (Bsp.: Vetorecht im Sicherheitsrat, EU-Verfassung ), oder dass Institutionen mit sich selbst beschäftigt sind (Bsp.: Probleme innerhalb der EU).

Außerdem sind viele Staaten nicht nur innerhalb von Institutionen, sondern auch durch innenpolitische Probleme abgelenkt: Zum Beispiel durch innerstaatliche Konflikte, wirtschaftliche Krisen oder Strukturprobleme, die zu Armut und damit zu Handlungsunfähigkeit führen. Als Beispiele kurz der derzeitiger Zustand möglicher Gegenspieler: Russland ist wirtschaftlich sehr schwach und hat mit ethnischen Konflikten wie in Tschetschenien zu kämpfen; in der EU gibt es zusätzlich zu den oben genannten Entwicklungen divergiergierende Interessenlagen; die GASP und ESVP sind kaum in Erscheinung getreten, auch beim Balkankonflikt konnte die EU keinen erfolgreichen Einfluss ausüben.

Und China muss unter anderem soziale Unterschiede im Land ausgleichen, um Regierungsstabilität zu sichern.

Die USA sind damit realpolitisch betrachtet derzeit eine Weltmacht, die aus den oben genannten Gründen im Moment keinen Gegenspieler hat. Sie betreibt militärisches State Buildung und gestaltet die Welt nach ihren Interessen („Weltpolizei“), die militärisch schwachen Europäer räumen ihnen dann hinterher („Weltsozialarbeiter“, Bsp.: Kosovo, Afghanistan).

Dennoch ist das System als quasi-unipolar zu betrachten: Machtpoltisch herrscht Unipolarität, doch wirtschaftlich gesehen sind die USA abhängig und verwundbar, da das Land über geringe Energieressourcen (Bsp: Öl) verfügt und auch aufgrund der immensen Wirtschaftleistung ständig mehr importieren muss, als es im eigenen Land generieren kann. Doch auch diese Notwendigkeit, der Kampf um Ressourcen, führt zu einem erhöhten Konfliktpotenzial, das anschließend ausführlich dargelegt wird.

2.1 Die neue Unübersichtlichkeit: Der Trend zur Multipolarität und dessen Folgen – erklärt aus Sicht des Neorealismus

Die Theorie des Neorealismus wurde von Kenneth Waltz begründet und entstand 1979. Sie erklärte das Verhalten der Staaten während des Ost-West-Konfliktes und fand auch noch danach lange Beachtung als maßgebliches Gedankengut in der internationalen Politik.

Die Weltordnung der Bi- und der darauffolgenden Multipolarität ist unumstritten, nun wird mittels Neorealismus erläutert, weshalb sich ein Wandel des oben erläuterten Quasi-Unipolarität zur Multipolarität vollzieht.

Im Fall der Unipolarität liegt Folgendes vor: Ein Staat hat einen Vorsprung an Fähigkeiten (capabilities), gegenüber allen anderen Staaten. Diese Fähigkeiten sind vor allem wirtschaftlicher und militärischer Natur; sie ermöglichen es dem Staat, bei seinem Streben nach Sicherheit einen Vorsprung zu verschaffen, da dass internationale System anarchisch ist: kein Staat kann auf eine regulierende Institution mit Gewaltmonopol vertrauen, die Staaten sind so gezwungen, autark zu sein. Doch hier tritt jedoch ein strukturimmanentes Problem auf: Dieser Vorsprung, in diesem Fall der der USA, schafft ein Machtungleichgewicht: Alle Staaten, die hier die alleinige Akteure sind, betreiben Balance-of-Power-Politik, dass heißt, sie versuchen, das Machtungleichgewicht durch balancing auszugleichen, um einen Gegenpol zu bilden.

Die Hegemonialstellung eines Staates zwingt die anderen also, diesen Vorsprung nicht nur auszugleichen, sondern fordert sie heraus, dies noch zu überbieten, da nur dies Sicherheit bietet. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen das internal balancing, durch das Staaten versuchen, die Fähigkeiten einzeln und aus eigener Kraft auszugleichen, oder durch external balancing, indem sich die Schwächeren durch Allianzbildung zusammenschließen, um dem Stärkeren entgegentreten zu können. Das sie sich dem Stärkeren anschließen, um als Nutznießer oder „Parasiten“ fungieren (bandwagoning), ist ausgeschlossen; da sie nicht sicher sein können, ob ihr starker Partner mit seinem Streben nach Macht und Sicherheit sie nicht überfällt. Denn Bündnisse dienen der rationalen Nutzenmaximierung, Solidarität als normativen Wert gibt es nicht. Dieses Verhalten führt zu Bipolarität. Weshalb dieses jedoch angesichts der aktuellen, vor allem der langfristigen politischen Lage wahrscheinlich nicht der Fall sein wird, wird später dargestellt, erst einmal wird aufgezeigt, weshalb ein multipolares System generell mehr Konflikt- und Aggressionspotenzial bietet.

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Details

Seiten
8
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656161110
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191360
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Schlagworte
zustand systems internationale beziehungen

Autor

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