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Ava Gardner - Die "Königin von Hollywood"

Fachbuch 2012 45 Seiten

Kunst - Fotografie und Film

Leseprobe

Ernst Probst

Ava Gardner

Die „Königin von Hollywood“

Mit den Attributen „Venus des 20. Jahrhunderts“, „schönste Frau der Welt“ und „Königin von Hollywood“ feierte man in den 1940-er und 1950-er Jahren die amerikanische Schauspielerin Ava Gardner (1922–1990). In den meisten ihrer Filme trat sie als Sexgöttin auf, besaß jedoch – wie einige ihrer Streifen bewiesen – auch Talent für anspruchsvollere Rollen. Ihre unglücklichen Ehen, Liebesaffären und exzentrischen Ausschweifungen erregten fast noch mehr Aufsehen als ihre künstlerische Arbeit.

Ava Lavinia Gardner kam an Heiligabend, 24. Dezember 1922, als jüngstes der sieben Kinder von Jonas Bailey Gardner und seiner Ehefrau Mary Elizabeth Gardner, geborene Baker, im Tabakfarmerdorf Grabtown nahe Smithfield (North Carolina) zur Welt. Die Eltern hatten 1902 geheiratet. Ihr Vater war ein römisch-katholischer Ire, nahm seinen Glauben aber nicht so wichtig wie seine Ehefrau und lächelte angeblich selten. Ihre Mutter, genannt „Molly“, hatte schottische Vorfahren, war eine strenggläubige Baptistin und setzte durch, dass ihre Kinder nach ihrer Religion erzogen wurden. Das einzige Buch, das die Familie Gardner besaß, war die Bibel.

Die Eltern von Ava betrieben ein Kolonialwarengeschäft sowie eine gepachtete kleine

Tabak- und Baumwollfarm. Vor Ava waren zwei Söhne und vier Töchter geboren worden. Der älteste Sohn kam 1920 im Kindesalter bei einem tragischen Unfall mit Dynamit ums Leben. Dynamit wurde damals zum Entfernen von Felsen und Baumstümpfen auf der Farm verwendet. Die Familie von Ava lebte in ärmlichen Verhältnissen, führte aber bis zur großen Wirtschaftskrise ein glückliches Leben.

Der Vater verlor die gepachtete Farm, als Ava noch klein war. Danach betätigte er sich als Arbeiter in einem Sägewerk, verdiente aber nicht so viel, dass er seine große Familie allein ernähren konnte. Die Mutter trug als Köchin und Dienstmädchen sowie als Hausmeisterin an einer Schule zum Lebensunterhalt bei.

Als Ava 13 Jahre alt war, zog ihre Familie nach New Port (Virginia) um. Weil der Vater und die Mutter auch dort keine besser bezahlten Jobs fanden, verbesserte sich die finanzielle Lage der Familie Gardner nicht. Während ihrer Teenagerzeit wurde Ava von ihrer Mutter nicht aufgeklärt.

Äußerst unangenehm empfand Ava ihre Taufe in New Port. Diese erfolgte während ihrer Pubertät vor den Augen vieler Gläubiger in einem betonierten Wasserbecken hinter der Kanzel der Kirche. Nachdem Ava unter Wasser getaucht wurde und wieder hochkam, offenbarte der Stoff ihres Kleides deutlich ihren Körper. Es erschien ihr so, als ob tausend geschockte Augen sie anstarrten. Deswegen fühlte sie sich gedemütigt, schämte sich furchtbar und hasste die Religion dafür, auf diese Weise präsentiert zu werden.

Ein weiterer Umzug erfolgte nach Rock Ridge, eine Vorstadt von Wilson (North Carolina). Durch den Tod des Vaters im Jahre 1938 wurde die Lage der Familie Gardner nicht besser. Ava schloss in Rock Ridge die Schule ab. Mit finanzieller Unterstützung ihres Bruders Jack besuchte sie ab Sommer 1940 ein Jahr lang das „Atlantic Christian College“ in Wilson, um sich zur Sekretärin ausbilden zu lassen.

Im Alter von 17 Jahren bekam Ava Gardner nach einem Tanz mit einem Jungen, den sie sehr mochte, in der Silvesternacht gegen etwa ein Uhr morgens einen sanften Kuss, den sie erwiderte. Dabei standen beide im Licht der Veranda jenes Hauses, in dem die Mutter wohnte. Nach gefühlten zwei Sekunden stürzte Avas Mutter wie ein Stier aus der Haustür auf die Küssenden zu. Sie jagte den jungen Mann zu seinem Auto, rannte dann zu Ava zurück und schrie diese an, es sei eine Schande, wie könne sie nur so etwas tun.

Nach der Ausbildung am „Atlantic Christian College“ in Wilson zog Ava Gardner zu einer ihrer Schwestern nach New York City. Eigentlich wollte Ava zunächst Sekretärin werden. Dazu kam es aber nicht, weil ihr Schwager Larry Tart, der als Porträtfotograf arbeitete, einige Aufnahmen von der dunkelhaarigen und langbeinigen Schönheit machte, die er einem

Hollywood-Produzenten vorlegte. 1941 unterschrieb Ava einen Vertrag beim Filmstudio „Metro-Goldwyn-Mayer“ („MGM“).

In vielen ihrer frühen noch mehr oder weniger unbedeutenden Streifen, in denen Ava Gardner zu sehen war, wurde diese noch nicht im Abspann erwähnt. Angefangen von „Fancy Answers“ (1941) bis zu „Blonde Fever“ (1944). Im Alter von 20 Jahren trauerte Ava um ihre Mutter, die 1943 nach langem Kampf gegen Brustkrebs starb.

Erste Erfolge feierte Ava Gardner als verführerische Femme fatale in „The Killers“ („Rächer der Unterwelt“, 1946) nach einem Roman des amerikanischen Schriftstellers Ernest Hemingway (1899–1961) und in „One touch of Venus“ („Venus macht Seitensprünge“, 1948).

In „Rächer der Unterwelt“ spielte Ava Gardner die Rolle als Kitty Collins, einer Filmfreundin von Burt Lancaster (1913–1994). Dieser Streifen erwies sich als wahrer Kassenknüller. Er gilt als einer der besten US-Filme der so genannten „Schwarzen Serie“.

Für „Venus macht Seitensprünge“ wählte man die 1,68 Meter große Ava Gardner als „ideale Venus“ aus. Ihre Körpermaße kamen – laut dem Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“ – dem klassischen Vorbild am nächsten. Bis auf den größeren Brustumfang war die moderne Venus schlanker als die berühmte antike „Venus von Milo“. Vergleichszahlen zwischen der antiken und der modernen Venus: Hals: 35–32, Brust: 87–91, Taille: 71–61, Hüften: 90–87, Oberschenkel: 51–47,5, Waden: 36,5– 33, Fesseln: 21,5–18,5 Zentimeter.

Ende der 1940-er Jahre machte die „gefeierte Liebesgöttin „Ava Gardner“ der vier Jahre älteren Rita Hayworth (1918–1987) ihren Ruhm als Hollywood-Diva streitig. Dies gelang ihr neben dem erwähnten Streifen „Venus macht Seitensprünge“ in den Filmen „The Great Sinner“ („Der Spieler“, 1949) oder „The Bribe“ („Geheimakte Carlotta“, 1949)

Bereits in den 1950-er Jahren galt Ava Gardner als eine der „Königinnen von Hollywood“. Damals wirkte sie unter anderem mit in „Show Boat“ („Mississippi-Melodie“, 1951), „Pandora and the Flying Dutchman“ („Pandora und der fliegende Holländer“, 1951), „The Snows of Kilimanjaro“ („Schnee am Kilimandscharo“, 1952), „Mogambo“ (1953), „The Barefoot Contessa“ („Die barfüßige Gräfin“, 1954), „Bhowani Junction“ („Knotenpunkt Bhowani“, 1956), „The Sun Also Rises“ („Zwischen Paris und Madrid“, 1957) nach Hemingways „Fiesta“ und „Das letzte Ufer“ (1959).

In dem rührenden Musikfilm „Mississippi-Melodie“ verkörperte Ava Gardner eine mulattische Sängerin, die sich mit einem Weißen einließ und deswegen das „Show Boat“ verlassen musste. In „Schnee am Kilimandscharo“ drehte sie zusammen mit Gregory Peck (1916–2003). Für „Mogambo“ an der Seite von Clark Gable (1901–1960) wurde sie 1953 als beste Hauptdarstellerin für den „Oscar“ nominiert. In „Die barfüßige Gräfin“ brillierte sie neben Humphrey Bogart (18995–1957) in der Titelrolle als selbstzerstörerischer Hollywood-Star Maria Vargas.

Später folgten „55 Days at Peking“ („55 Tage Peking“, 1962), „Seven Days in May“ („Sieben Tage im Mai“, 1963), „The Night of the Iguana“ („Die Nacht des Leguan“, 1965), „The Bible“ („Die Bibel“, 1965), „Mayerling“ (1968), „The Life and Times of Judge Roy Bean“ („Das war Roy Bean“, 1972), „Earthquake“ („Erdbeben“, 1974), „Permission to Kill“ („Vollmacht zum Mord“, 1975), „The Casandra Crossing“ („Treffpunkt Todesbrücke“, 1976), „A Priest in Love“ (1980) und „Regina Roma“ („Regina“, 1986).

In „55 Tage Peking“ über den Boxeraufstand im Juni 1900 in Peking glänzte Ava Gardner als Filmpartner von Charlton Heston (1923–2008). Ihre Rolle als Hotelbesitzerin Maxine Faulk an der Seite von Richard Burton (1925–1984) in „Die Nacht des Leguan“ nach dem Roman des amerikanischen Dramatikers Tennessee Williams (1911–1983) brachte ihr auf dem Festival von San Sebastián (Spanien) den Preis für die beste Darstellerin ein. In „Die Bibel“ spielte sie die Rolle der Sarah und in „Mayerling“ die österreichische Kaiserin Elisabeth („Sissi“). In „Das war Roy Bean“ verkörperte sie die britische Schauspielerin Lilli Langtry (1852–1929), nach welcher der Westernheld Roy Bean (1825–1903) seine in den 1880-er Jahren gegründete Stadt als Langtry bezeichnete.

Während der 1980-er Jahre trat Ava Gardner auch im Fernsehen auf. Man sah sie in den Serien „Falcon Crest“ und „Knots Landing“ sowie in den TV-Filmen „Harem“ und „Maggie“.

Auf der Kinoleinwand mimte Ava Gardner oft starke und verführerische Frauen mit großer erotischer Ausstrahlung. In ihrem Privatleben schien für die „schönste Frau der Welt“, „Venus des 20. Jahrhunderts“, „Königin von Hollywood“ oder den „Schneeglöckchen-Engel“, wie sie von Kritikern genannt wurde, aber nicht immer nur die Sonne.

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Details

Seiten
45
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656162339
ISBN (Buch)
9783656162391
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191338
Note
Schlagworte
Ava Gardner Film Filmschauspielerinnen Schauspielerinnen Frauenbiografien Biografien Filmstars

Autor

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