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Spezielle Sakramentenlehre - 2. Firmung – das Sakrament der christlichen Sendung und Reife

Skript 2008 24 Seiten

Theologie - Systematische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Theologische Grundlagen der Firmung

2. Geschichtliche Entwicklung des Firmsakramentes

3. Firmung als eigenständiges, von Christus eingesetztes Sakrament
a. Firmung als eigenständiges Sakrament
i. Biblische Grundlage
ii. Tradition
iii. Lehramt
b. Einsetzung der Firmung durch Christus

4. Form und Materie der Firmung
a. Form der Firmung
b. Materie der Firmung

5. Wirkungen und Pflichtmäßigkeit der Firmung
a. Wirkungen der Firmung
b. Pflichtmäßigkeit der Firmung

6. Spender der Firmung

7. Empfänger der Firmung

8. Konfirmation und Firmung

1. Theologische Grundlagen der Firmung

1. Der Unterscheidung zwischen Firmung und Taufe liegt die theologische Unterscheidung zwischen Pfingsten und Ostern zugrunde. Erst die Sendung des Heiligen Geistes befähigte die Jünger dazu, in alle Welt zu gehen und Christus zu bezeugen. Da der Heilige Geist diejenige Person der Hl. Dreifaltigkeit ist, welche seit der Himmelfahrt Christi in der Welt und der Kirche wirkend anwesend ist, so benötigt ein getaufter Christ, der auch in der Welt wirkt, einen besonderen Beistand des Hl. Geistes.[1]

a. Schon in der Apostelgeschichte wird von einer Aussendung des Hl. Geistes berichtet, welche notwendig und von der Taufe unabhängig ist (Apg 8,15 f.; 10,44; 10,47; 19,2 u.a.).

b. In den Paulusbriefen findet sich eine Pneumatologie, welche auf der paulinischen Tauftheologie fußt und welche auf die besondere Rolle des Hl. Geistes bei der Verwirklichung von übernatürlichen Tugenden verweist. Das ist bei Tugenden, welche durch die Erfüllung des mosaischen Gesetzes alleine unerreichbar sind (z. B. Röm 8, 1-38; Gal 5, 16-26).

c. Im Ps.-Melchiades- Brief werden die Wirkungen von Taufe und Firmung wie folgt beschrieben:

„Durch die Taufe werden wir geboren zu neuem Leben [...] und […] reingewaschen; durch die Firmung werden wir gestärkt zum Kampf, gekräftigt; die Firmung rüstet uns und bestellt uns für die Kämpfe des irdischen Lebens“ (Decr. Grat. III d 5 c 2: PL 187, 1855 f. )

d. Man kann in Analogie zum natürlichen Leben sagen, dass, so wie die Taufe das Leben schenkt, so macht die Firmung dazu fähig das übernatürliche Leben weiterzuvermitteln, also es zu „zeugen“. Jeder Christ ist dazu berufen, sei er Frau oder Mann, ein „Vater in Christus“ zu werden. Die Bezeichnung „Vater in Christus“ (vgl. 1 Kor 4,15) meint jemanden, der das christliche Leben durch die Weitergabe der Lehre und das Vorbild des eigenen Lebens bei einem Ungläubigen initiiert und gleichsam den Glauben „zeugt“. Dabei wird der ehemals Ungläubige, als der „Gezeugte“, im Schoße der Mutter-Kirche getragen und geboren, bevor er/sie dazu fähig wird sich selbst zeugend zu betätigen (1 Joh 2,13-14).

e. Da die Weitergabe des Glaubens die Vervollkommnung des eigenen Glaubenslebens und eine geistig-persönliche Reife verlangt, so nimmt die Kirche an, dass die Firmung der Taufe die perfectio schenkt und die Christen somit zur Reifung (aetas perfecta: Thomas, S. Th. III q 72 a 1) führt.

2. Eine weitere Unterscheidung zwischen Taufe und Firmung ist auf die Unterscheidung zwischen Charis (Gnade) und Charisma (Begnadigung für Andere) zurückzuführen. Da ein getaufter Christ zu einem Glied im Mystischen Leib Christi – der Kirche - wird, so hat er in dieser Rolle bestimmte Aufgaben innerhalb dieser Kirche zu erfüllen.[2]

a. Die Charismen (1 Kor 12,12-31), sind im Gegensatz zu den Früchten des Hl. Geistes (Gal 5,22-23) oder den Sieben Gaben des Hl. Geistes keine Zeichen der persönlichen Heiligkeit, sondern sie werden den einzelnen Menschen für den Dienst an der Gemeinschaft der Kirche gegeben.[3]

b. Eine Analogie zu den Charismen ist im atl. Pneuma zu sehen, welche den Menschen als „Gotteskraft“ die Befähigung zu verschiedenen Diensten gibt (Ri 14,14; vgl. 6, 35; 1 Sm 11,6f; Num 11,17; Ex 31,2-11; Is 11,1 ff; 61,1 ff.)

2. Geschichtliche Entwicklung des Firmsakramentes

1. Während in der Apostelgeschichte Taufe als Wassertaufe (Apg 10,47; 19,5-6) und Firmung als „Geistgabe durch Handauflegung“ (z. B Apg 6,6; 8,17; Heb 6,2) klar unterschieden werden, wurden in der Alten Kirche diese beiden Sakramente, als Teile der christlichen Initiation, miteinander verbunden. In der Ostkirche hingegen werden sie weiterhin zusammen gespendet.[4]

a. Erst im 12 Jhd. fing man im Westen an, die Firmung nicht Kindern zusammen mit der Taufe, sondern jungen Menschen „in den Jahren der Unterscheidung“ (zwischen 7. und 12. Lebensjahr) zu spenden.

b. Seit dieser Differenzierung ist im Westen der Bischof der eigentliche Spender der Firmung.

c. Das maßgebliche äußere Zeichen des Firmsakraments im Westen bleibt bis ins 12 Jhd. der in der Apostelgeschichte genannte Ritus der Handauflegung, (impositio manuum) durch den Bischof (Ps.-Cyprian, De rebapt. c 10: PL 3,1194; CSEL 3,3; Cyprian, Ep. 73,9: CSEL 3,784; Tertullian, De baptismo 7 f.: CChr I 282 f; Hippolyt, n. 21: Botte 52; Ambrosiaster , Quaest. Ex Novo Test. 93: PL 35, 2287).

Hugo von St. Viktor: “Mit dieser Chrisamsalbung unter Handauflegung wird der Christ auf der Stirne gezeichnet.” (De sacram. II p 6: PL 176.460)

d. Im Osten hingegen steht die Myronsalbung im Mittelpunkt und drängt die Handauflegung zurück (Origines, De princ. I 3,2: GCS 22,49; Kyrill v. Jerusalem, Cat. XVI 26, XXI 1-7: PG 33,956, 1088-1093). Im Westen tritt die Myronsalbung unter Innozenz I. (402-417) neben der Handauflegung auf, wobei die Letztere im 12 Jh. ganz verschwindet und durch die Salbung mit consignatio (Bezeichnung der Stirn mit dem Kreuzzeichen) substituiert wird. Innozenz III. lehrt, dass diese consignatio mit Chrisam die Handauflegung ersetzt (Mohlberg, Liber Sacr., Fontes IV, Rom 1960, 75; Mansi 23,579; ebenso Decretum pro Armeniis D 697 – DS 1318; Nr 553).

e. Im Ritus dieses Sakraments bleiben die allgemeine Handausstreckung und das Gebet des Bischofs um den Hl. Geist zu Beginn der Firmung lange Zeit erhalten. Erst das Rituale Romanum des Pius XI. (1925) bringt wieder einen Hinweis auf die individuelle Handauflegung bei der Firmung. Im neueren Firmritus „Divinae consortium naturae“ des Paul VI. erfolgt zuerst die Handausstreckung des Bischofs zur Herabrufung des Geistes über alle Firmlinge, gefolgt von der individuellen Handauflegung und der consignatio (vgl. Gotteslob 51,1-52,5).

3. Firmung als eigenständiges, von Christus eingesetztes Sakrament

a. Firmung als eigenständiges Sakrament

i. Biblische Grundlagen

1. Wie bereits erwähnt, werden schon in der Apostelgeschichte die Wassertaufe und die Handauflegung, welche mit der Bitte um den Hl. Geist verbunden ist, unterschieden.[5]
a. Als maßgeblich sind dabei die Stellen Apg 8,14-18; Apg 19,1-27 und Apg 10,44-48 zu nennen. An all diesen Stellen wird gesagt, dass der Christ „die Gabe des Hl. Geistes“ empfangen müsse, um in vollem Sinne des Wortes Christ zu sein.
b. Mit der Gabe des Hl. Geistes wird schon beim Pfingstereignis (Apg 2,4) „das Reden in Sprachen“, d.h. das Sprachengebet oder Sprachenprophetie verbunden, welche auch heute in der charismatischen Bewegung vorkommen, wie auch andere Charismen.
c. Da der Heilige Geist eine Art Fortsetzung und Steigerung der Tätigkeit Christi in der Welt darstellt (vgl. Joh 12:14), braucht der Christ, welcher ein alter Christus – anderer Christus - zu sein hat, ein „Ereignis“, in welchem er gezielt den Hl. Geist empfängt, der, in der Bibel, als das „Unterpfand des endgültigen Heiles“ (2 Kor 1,22; 5,5; Eph 1,13 f.) bezeichnet wird. Dieser Ausdruck will besagen, dass erst ein „geistgetaufter“ Christ zu einem vollwertigen Christen wird und als solcher das volle und endgültige Heil anstreben kann, da er mit aller möglichen göttlichen Hilfe ausgestattet ist.
d. Sogar in den protestantischen Freikirchen, welche die Firmung nicht als ein eigenständiges Sakrament anerkennen, wird die „Taufe mit dem Heiligen Geist“ oder die „Geisttaufe“ praktiziert, bei welcher um eine spezielle, von der Taufe unabhängige Sendung des Hl. Geistes für die betreffende Person gebeten und gebetet wird. Nicht selten werden dabei verschiedene Charismen, wie sie von Paulus in 1 Kor 12 beschrieben werden, in Empfang genommen. Die Taufe mit dem Heiligen Geist, wie sie in der katholischen Charismatischen Bewegung praktiziert wird, sieht in dieser Praxis das Wiederaufleben der Firmung, im Sinne der reviviscentia sacramentorum.[6]

ii. Tradition

1. Die kirchliche Tradition, welche sich aus der Tradition der Apostel herausgebildet hatte, erwähnt schon früh, dass nach der Taufe, sowie nach der Salbung, welche, als zur Taufe gehörend, am ganzen Körper vollzogen wurde, eine zweite „geweihte Salbung“ folgte, welche mit Handauflegung und Anrufung des Hl. Geistes verbunden war.[7]
a. Diese Reihenfolge wird bei den folgenden Autoren der Westkirche erwähnt:
(1) Tertullian, De bapt. 7 f: CChr I 282 f.
(2) Hippolyt (†235), Traditio (n.21. [Botte 52]). Er erwähnt: Handauflegung, Salbung und consignatio.
(3) Ambrosiaster (IV/V Jhd.) (Quaest. de Novo Test. 93: PL 35,2287f) und Cyprian (Ep. 73,9 [CSEL3,784]) sprechen von Handauflegung und Besiegelung.
(4) Ambrosius (†397) stellt der Taufe (fons) die Firmung, das spirituale signaculum, als perfectio gegenüber (De myst. I 7,42; De sacr. III 2,8: PL 16,402 f; 434).
(5) Dieselbe Gegenüberstellung ist bei Hieronymus (†419) (Dial. Contr. Lucif. 8 f: PL 23,163 ff), Leo I (Serm. 24,6: PL 54,207) und Isidor von Sevilla (†636) (De eccl. off. II 26 f: PL 83,823-826) zu finden.
b. Ostkirche: In der Ostkirche wird zwischen der Myronsalbung und der Taufsalbung unterschieden.
(1) Kyrill von Jerusalem (†387) sieht das Myron als ein Symbol des Hl. Geistes an, durch welches die Täuflinge Christusse (xristoi¢) geworden sind (Cat. Myst. 3,1f: PG 33,1087f.).
(2) Ps.-Dionysius Areopagita bemerkt, dass die Salbung mit dem geweihten Myron “die Vollendung der göttlichen Geburt ist und den Vollendeten mit dem göttliches Pneuma vereinigt“ (De eccl. hier. C 2, §8: PG 3,404).

2. Im Mittelalter war die Firmlehre von Hugo von St. Viktor (†1141) (De sacram. II p 7 c 1-6: PL 176,459-462) und Petrus Lombardus (†1160) (Sent. IV d 7) maßgeblich, welche später von Thomas (IIIa q 72 a. 1-12) übernommen und weiterentwickelt wurde. In der Zeit der Kontrreformation befasste sich Bellarmin (†1621) (Op. Om., ed. J. Fèvre, Paris 1873; Frankfurt 1965, Bd. 3, S. 588-618) eingehend mit dem Firmsakrament.

[...]


[1] Nach Auer, Kleine katholische Dogmatik, Bd. VII: Die Sakramente der Kicher, Regensburg: Pustet 19792, S. 82-84; vgl. Courth, Die Sakramente. Ein Lehrbuch für Studium und Praxis der Theologie, Herder: Freiburg 1995, S. 125-128.

[2] Auer, S. 85.

[3] Bei den sieben Gaben des Heiligen Geistes, welche auf Jes 11, 1.2 zurückgehen, handelt es sich um: 1. Weisheit (sapientia), 2. Einsicht (intellectus), 3. Rat (consilium), 4. Stärke (fortitudo), 5. Erkenntnis (scientia), 6. Frömmigkeit (pietas) und 7. Gottesfurcht (timor Dei). Mehr dazu unter: http://www.kathpedia.com/index.php?title=Gaben_des_Heiligen_Geistes

[4] Auer, S. 84-88.

[5] Auer, 89-90.

[6] Zum Begriff der reviviscentia sacramentorum siehe Klibengajtis, Allgemeine Sakramentenlehre der katholischen Kirche. Eine Hinführung zu den Sakramenten der Kirche, München: Grin 2012, S. 20.

[7] Auer, 90-91.

Details

Seiten
24
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656159896
ISBN (Buch)
9783656160366
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191309
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
Schlagworte
Katholische Kirche Firmung Geisttaufe Konfirmation Spezielle Sakramentenlehre

Autor

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