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Backwardation und Contango auf Commodity-Märkten

Seminararbeit 2011 29 Seiten

BWL - Controlling

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Kassa- und Terminpreise und deren Auswirkungen auf Commodity-Märkte

B. Commodity-Futures und Commodity-Forwards: Unterschiede und Gemeinsamkeiten
B.1 Basis: Gründe für Positivität bzw. Negativität
B.2 Basisrisiko: Unterschiedliche Volatilität bei Kassa- und Futurekursen?

C. Backwardation und Contango als Chartformation
C.1 Normal Backwardation und Normal Contango: Risikoprämie als Anreiz für Spekulanten
C.2 Aktuelle Beispiele für Contango und Backwardation
C.3 Kritik: Normal Backwardation tatsächlich normal?

D. Die Convenience Yield als Erklärungsgröße in der „Theory of Storage“ Physischer Besitz als Ertragschance
D.1 Cost of Carry: Grund für die Basis
D.2 Lagerbestände:
D.3 Substituierbarkeit

E. Ertragschancen durch Futures
E.1 Rollen
E.2 Arbitrage
E.3 Hedging

F. Commodity-Futures und ihre Verwendung in der Zukunft

Literaturverzeichnis

A. Einleitung: Kassa- und Terminpreise und deren Auswirkungen auf Commodity-Märkte

Schon seit jeher ist es der Wunsch der Menschen sich vor Risiken so gut es geht zu schützen. In einer Welt, in der Weltwirtschafts- und Finanzkrisen immer wieder das Wirtschaftsgeschehen der Länder erschüttern, ist eine Absicherung ein wertvolles Gut. Gleichzeitig ist es der Wunsch der Menschen profitable Geschäfte abzuwickeln, dabei gehen sie nicht selten größte Risiken ein. Es geht nun darum, einerseits den Menschen, die sich nach Sicherheit sehnen, eine Möglichkeit zu bieten, diese zu erhalten und andererseits denen, die am größtmöglichen Profit interessiert sind, eine ertragreiche Anlagemöglichkeit zu bieten.

Spekulanten wären deshalb gut bei Commodity-Futures-Geschäften aufgehoben. Commodities sind Rohstoffe, nachwachsend (Soft Commodities) oder auch durch Bergbau gefördert, die untereinander relativ gut substituierbar sind und aufgrund dessen der Markt für diese Commodities sehr transparent ist. Die meisten Commodity-Futures-Geschäfte werden auch von Spekulanten genutzt, um damit Profit zu machen, lediglich bei drei Prozent dieser Geschäfte wird die Ware tat- sächlich geliefert.

Diese Futures-Geschäfte sind Kontrakte, die darauf abzielen, die Ware erst in der Zukunft zu erhalten und zu bezahlen. Bei Vertragsabschluss wird dabei ein Preis festgesetzt, der für den Fälligkeitstag anhand einer Forwardkurve erwartet werden kann. Dieser Preis wird Terminpreis genannt, da er auch erst am Fälligkeitstag zu bezahlen ist. Der Zweck dieser Futures-Geschäfte liegt nun darin, erstens den Produzenten eine Absicherung anzubieten, z. B. die sichere Abnahme einer gewissen Menge an Weizen im Oktober, und zweitens den Spekulanten einen Anreiz zu geben, sich an diesen Geschäften zu beteiligen, da Ertragschancen auf sie warten.

Alle Commodities können nun aber auch gehandelt werden, ohne, dass ein Fu- tures-Kontrakt abgeschlossen werden muss, nämlich am Kassamarkt. An diesem

Kassamarkt wickelt man das Geschäft innerhalb einer kurzen First ab und zahlt auch den am Vertragsabschlusstag gültigen Kassamarktpreis. Jedoch ist der Fu- tures-Markt, aus den oben genannten Gründen, meist die attraktivere Variante. Be- sonders, wenn sich der Futures- und der Kassamarkt-preis unterscheiden, da dann Arbitragegeschäfte möglich sind. Bei diesem Unterschied von Kassa- und Futures-Preisen spielen die Backwardation und das Contango eine wesentliche Rolle.

In dieser Seminararbeit wird ein Überblick über die verschiedenen Theorien zu den Ursachen für eine Backwardation und ein Contango gegeben. Dabei werden diese Theorien verbal erläutert, aber auch anhand von Abbildungen erklärt, die für das Verständnis der jeweiligen Theorie hilfreich sind.

In Kapitel B wird ein Überblick über die zwei Arten des Abschlusses von Com- modity-Geschäften gegeben, nämlich das Forward und das Future. Dabei wird auch auf den Begriff Basis und das damit verbundene Basisrisiko eingegangen.

Kapitel C beschäftigt sich daraufhin ausgiebig mit den Ursachen für Backwardation und Contango, angelehnt an die Überlegungen von John Maynard Keynes (1930). Hierbei wird insbesondere die Normal Backwardation untersucht.

In Kapitel D werden andere Ursachen für die Backwardation und das Contango vorgestellt. Im diesem Rahmen wird dabei die Theory of Storage und die damit verbundene Convenience Yield und die Cost of Carry vorgestellt.

Kapitel E wird einen Überblick über die allgemeinen Ertragschancen von Futures geben und dabei auch nochmals diejenigen vorstellen, die für die Ertragschancen bei Commodity-Geschäften eine wesentliche Rolle spielen.

In Kapitel F werden die in dieser Seminararbeit vorgestellten Theorien erneut zusammengetragen, dabei ein Fazit gezogen und ein Ausblick für die zukünftigen Geschäfte mit Commodities gegeben.

B. Commodity-Futures und Commodity-Forwards: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Commodities können, wie gleich dargestellt, sowohl an der Börse, als auch ohne Mithilfe der Börse gehandelt werden. Werden Commodities an einer Börse gehan- delt, spricht man von Commodity Futures. Futures sind dadurch gekennzeichnet, dass sie unbedingt und standardisiert sind und ihr Fälligkeitstag in der Zukunft liegt. Standardisiert bedeutet hier, dass alle Vertragseigenschaften zu Vertrags- schluss festgelegt sind. Dazu zählen eine definierte Menge einer Commodity (Underlying), eine festgelegte Qualität, der Ort, an dem die Abnahme stattfindet und vor allen Dingen ein festgelegter Preis. Dieser Preis ist der Futures-Preis be- ziehungsweise Terminpreis. Da die Terminkontrakte standardisiert sind, können sie an der Börse gehandelt werden. Unbedingt sind Futures, da sie an keine Be- dingungen geknüpft sind. Hinzu kommt, dass eine Clearingstelle zwischenge- schaltet ist, die sicher stellt, dass die Kontrakte ausgeführt werden. Deshalb be- steht bei Futures kein Erfüllungsrisiko. Man kann sogar als Spekulant an den Preisveränderungen der zugrunde liegenden Basiswerte1 profitieren.

Somit sind Future-Kontrakte reine Differenzgeschäfte. Der Basiswert wird nicht tatsächlich gekauft, sondern es ist eine Marge erforderlich, um eventuelle Verluste decken zu können. Dies ist eine Anzahlung, auch Sicherheitsleistung genannt, welche variabel ist.2 Sie beträgt nur einen Bruchteil des zugrunde liegenden Wer- tes des Geschäfts. Möchte man sich gegen fallende Preise absichern, geht man eine Short-Position ein (Verkauf). Möchte man sich hingegen gegen steigende Preise absichern, geht man eine Long-Position ein (Kauf).3 Üblicherweise erfolgt auch keine Lieferung der Ware, da Terminkontrakte hauptsächlich von Speku- lanten genutzt werden, die ihren Vertrag kurz vor Fälligkeit glattstellen und somit nicht am physischen Besitz der Ware interessiert sind. Dabei wird ein Gegenge- schäft zwecks einer Deckung abgeschlossen, somit entziehen sich die Vertrags- parteien beim Weiterverkauf ihrer Terminkontrakte von den jeweiligen Pflichten.

„Der Kurs eines Futures unterliegt der freien Preisbildung aus Angebot und Nach- frage an der Terminbörse. Er bewegt sich im Allgemeinen synchron zum tages- aktuellen Preis auf dem Kassamarkt des Underlying-Kurses“1. Wenn nun aber der Futures-Preis und der Kassapreis weit auseinanderliegen, kommt es zu Arbitrage- geschäften.

Commodity-Forwards sind im Gegenzug Terminkontrakte, die außerhalb der Börse gehandelt werden (over-the-counter), aber auch unbedingt sind. Sie werden zum Fälligkeitstermin immer erfüllt. Jedoch ist man beim Vertragsabschluss flexibler als bei den Futures, da die Clearingstelle entfällt, welche alles penibel kontrolliert. Man unterscheidet weiterhin bei der Fälligkeit zwischen Zahlung und Lieferung und Barausgleich. „Beim Barausgleich findet bei Fälligkeit des Ge- schäfts eine Zahlung statt, die der Differenz zwischen vereinbartem Terminpreis und bei dem Fälligkeit aktuellen Marktpreis des Commodity entspricht.“2 Hinge- gen wird bei Zahlung und Lieferung tatsächlich der Basiswert zum vereinbarten Preis bei Fälligkeit bezahlt und die Ware zugestellt.

B.1 Basis: Gründe für Positivität bzw. Negativität

Um Terminkontrakte verstehen zu können, sollte man ein Verständnis des Begriffes Basis haben. Die Basis wird folgendermaßen definiert:

B = S - F (1)

soll heißen, um die Basis berechnen zu können, muss vom aktuellen Kassa- marktpreis der zukünftige Futures-Preis abgezogen werden. Meistens sind Kassa- Preis und Futures-Preis eben nicht gleich hoch. So entstehen Differenzen, die so- wohl positiv, als auch negativ sein können. Sind sie positiv, liegt der derzeitige Kassapreis über dem Futures-Preis, sind sie negativ, liegt der Kassapreis unter dem Futures-Preis. Wird nun ein Terminkontrakt eingegangen, zahlt man nicht den Barpreis sondern einen um die Basis erhöhten bzw. verminderten Preis.1 Am Begriff „Basis“ kann man erkennen, dass sich der Terminmarktpreis am Kassa- preis orientieren muss. Während der Laufzeit des Kontraktes, wird der Futures- Preis oft über dem Kassapreis liegen, was zu einer negativen Basis führt.2 Jedoch nähert sich der Futures-Preis, je näher er dem Fälligkeitsdatum kommt, dem Kassapreis an und ist am Fälligkeitstag gleich dem Kassapreis, was zu einer Basis von Null führt.

Liegt der Futures-Preis nun über dem Kassapreis, dann liegt das in den meisten Fällen an den Kosten für die Lagerhaltung, Kosten für eine Versicherung und an Opportunitätskosten. In Kapitel D.1 wird auf diese „cost of carry“ näher ein- gegangen.

Liegt hingegen der Futures-Preis unter dem Kassapreis, handelt es sich oftmals um den Vorteil, die Commodity selbst aufzubewahren, was unter dem Begriff „Convenience Yield“ zusammengefasst wird, auf den in Kapitel D. eingegangen wird.

B.2 Basisrisiko:

Unterschiedliche Volatilität bei Kassa- und Futurekursen?

Das Basisrisiko „bezeichnet das Risiko, welches durch eine Preisentwicklung am Kassa- und Terminmarkt entstehen kann, die in Richtung und/oder Ausmaß unterschiedlich verläuft.“3

Kassapreise und Futures-Preise können sich unterschiedlich zueinander entwickeln, was zur Folge hat, dass sich die Basis während der Laufzeit ändert. Unter Umständen entwickelt sich die Basis aber unvorhergesehen. Allgemein ist aber anzunehmen, dass sich der Futures-Preis und der Kassamarkt- Preis parallel entwickeln, da bei beiden die Bestimmungsgründe dieselben sind. Deshalb wird sich das Basisrisiko in Grenzen halten, sodass Hedging profitabel wird.1

Die folgende Graphik stellt die Entwicklung der Basis für Futures- und Kassakurse dar, die unterschiedlich volatil waren. Dies verdeutlicht, dass sich die Basis während der Laufzeit des Kontraktes ändern kann, was ein Risiko darstellt. In diesem Fall war die Basis während der Laufzeit negativ und bei Fälligkeit null.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb 1: Basiseffekt von Futures. Quelle: http://www.godmode-trader.de/nachricht/Wie- funktioniert-Hedging-mit-Futures-im-Detail- Die-Bedeutung-der-Basis,a807507.html.

C. Backwardation und Contango als Chartformation

Beide Begriffe spielen an Warenterminmärkten eine wichtige Rolle. Dabei sind sie so alt, wie die der Warenterminmarkt selbst. Sie beschreiben den Kursverlauf von Rohstoffen, wobei der Unterschied zwischen dem aktuellen Spotpreis und dem Futurepreis des jeweiligen Gutes der zentrale Aspekt ist. Backwardation beschreibt die Marktsituation, bei der der Futurespreis (Ft) unterhalb des aktuellen Spotpreises (St) notiert, es liegt eine inverse Kurve vor.

[...]


1 Basis und Basisrisiko werden in den folgenden Kapiteln näher erläutert.

2 Vgl. http://boersenlexikon.faz.net/future.htm

3 Vgl. http://www.boersennews.de/lexikon/begriff/forward/448

1 http://de.wikipedia.org/wiki/Future

2 http://help.sap.com/erp2005_ehp_03/helpdata/DE/47/060c700d5e2ecbe10000000a11466f/cont ent.htm

1 Vgl. http://www.deifin.de/fuhedge1.htm

2 Vgl. http://www.godmode-trader.de/wissen/index.php/Futures:Futures-Preis_und_Basis

3 http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/basis-risiko/basis-risiko.htm

1 Vgl. http://www.deifin.de/fuhedge1a.htm

Details

Seiten
29
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656160021
ISBN (Buch)
9783656160984
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191234
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim – Financial Management
Note
2,3
Schlagworte
backwardation contango commodity-märkten

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