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Das katholische Selbstverständnis zur apostolischen Nachfolge in Joseph Ratzingers "Episkopat, Primat, successio apostolica"

Essay 2011 6 Seiten

Theologie - Praktische Theologie

Leseprobe

„Nachfolgen ist Festhalten des apostolischen Wortes, wie Überlieferung das Fortbestehen bevollmächtigter Zeugen bedeutet.“2

Josef A. Ratzinger befasst sich in seinem Aufsatz „Primat, Episkopat und successio apostolica“ mit der Frage nach der Legitimität der apostolischen Nachfolge außerhalb der römisch-katholischen Kirche und stellt dabei deutlich heraus, dass nur die „sedes apostolica“, die direkte apostolische Nachfolge der von den Aposteln begründeten Bischofsitze und die Bindung an den Papst als „apostolicus primatus“ ein Erfassen des lebendigen Wortes und die wahre Kommuniongemeinschaft ermögliche. Aber wie begründet er diesen Anspruch und was bedeutet diese Haltung für die Ökumene?

Josef Aloisius Ratzinger (seit dem Beginn seines Pontifikats: Benedikt der XVI) wurde am 16. April 1927 in Marktl in Oberbayern geboren und wuchs in einem tief religiösen Umfeld auf.

Seine Eltern schickten ihn auf das Chiemgau-Gymnasium, während dieser Zeit lebt er in dem katholischen Internat „Studienseminar St. Michael“ in Traunstein, wo er auf den Beruf des Priesters vorbereitet wurde. Ratzinger legte 1946 sein Abitur ab und studierte bis 1951 katholische Theologie und Philosophie an der Philosophisch-theologischen Hochschule Freising, promovierte 1953 zum Doktor der Theologie und habilitierte 1957 an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Ratzingers akademische Laufbahn beginnt 1958 mit einer Professur für Fundamentaltheologie und Dogmatik an der Philosoph-theologischen Hochschule in Freising. Von 1959-63 hatte er den Lehrstuhl für Fundamentaltheologie in Bonn inne und folgte 1963 dem Ruf der Münsterer Westfälischen- Wilhelms- Universität. Von 1966-69 lehrte er dann an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Eberhard –Karls- Universität in Tübingen. Danach wechselte er an die Universität in Regensburg, an der er auch nach seiner Ernennung zum Erzbischof im Jahre 1977 unterrichtete.

Ratzingers kirchlicher Werdegang begann 1951 mit der Priesterweihe in Freising. Während des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) schrieb er die Reden für den Kölner Erzbischof Kardinal Frings und wirkte als dessen Berater. Die Ergebnisse dieser Tätigkeit brachten ihm in der Kirche großes Ansehen und Ratzinger wurde 1976 zum päpstlichen Ehrenprälaten und 1977 zum Erzbischof und Kardinal ernannt. Im November 1981 wurde Ratzinger dann vom Papst Johannes Paul II zum Präfekten der Kongregation der Glaubenslehre ernannt. Dieses Amt hatte er bis zu seiner Wahl zum Papst im April 2005 inne.

Ratzingers Haltung zur Ökumene belegen die beiden Schriften „Dominus Iesus“ aus dem Jahre 2000 und eine zweite Schrift der Glaubenskongregation aus dem Jahre 2007, in der die Einzigartigkeit und der Alleinige Heilsweg der römisch-katholischen Kirche bekräftigt wird. Demnach handelt es sich bei den orthodoxen Kirchen des Ostens um „Teilkirchen“, da sie zwar auf die direkte apostolische Nachfolge verweisen können, ihnen aber durch ihre Spaltung vom Papst und somit dem „apostolicus primatus“ die vollkommene Nachfolge apostolischen Autorität fehle.

Die protestantischen Kirchen hingegen können auf keine apostolischer Nachfolgetradition verweisen und bilden damit keine Kirche im direkten Sinne, sondern nur „kirchliche Gemeinschaften“.

Im Laufe seiner kirchlichen Amts- und seiner Lehrtätigkeit veröffentlichte Joseph Ratzinger über sechshundert Schriften. Eine davon ist der Aufsatz „Primat, Episkopat und successio apostolica“, das Essay wurde erstmals im Jahre 1961 veröffentlicht und lässt sich in vier Teile unterteilen. Nach eine kurzen Einleitung, in der Ratzinger die Paradoxie der religionsstatistischen Bezeichnung römisch-katholisch darlegt, welche, wie das Adjektiv „katholisch“ definiere, welt-um-fassend bedeutet und mit dem Zusatz „römisch“ eine beschränkende Funktion erhalte und so die Traurigkeit der christlichen Spaltungen bezeuge, folgen drei Kapitel und eine Schlussbetrachtung.

Im ersten Kapitel seines Textes stellt Ratzinger, ausgehend von der Frage nach der Lehre der römisch-katholischen Kirche, fest, dass dem Papst die absolute Gewalt über die gesamte Kirche obliege und ihm in seinem Amt als obersten Bischof Unfehlbarkeit zukomme. „Der Primat des Papstes wird vom Vatikanischen Konzil als „apostolicus primatus“, der Römische Stuhl als „sedes apostolica“ bezeichnet. Die Folge aus dem Gesagten für das Gebiet der Lehre ist, daß dem Papst als Amtsperson Unfehlbarkeit zukommt, so daß seine Kathedralentscheidungen „ex sese“ und nicht erst kraft nachfolgender Bestätigung der Kirche irreformabel sind.“3 Auch sei es Teil der römisch-katholischen Lehre das die wahre Teilhabe an der Abendmahlsgemeinschaft, als zweite Säule der kirchlichen Struktur, nur durch die Bindung an den Papst möglich sei.

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Details

Seiten
6
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656158486
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191140
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Religionswissenschaft
Note
Schlagworte
Ratzinger

Autor

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Titel: Das katholische Selbstverständnis zur apostolischen Nachfolge in Joseph Ratzingers "Episkopat, Primat, successio apostolica"