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Rita Hayworth - Die "Venus des Atomzeitalters"

Fachbuch 2012 43 Seiten

Kunst - Fotografie und Film

Leseprobe

Ernst Probst

Rita Hayworth

Die „Venus des Atomzeitalters“

Hollywoods Liebesgöttin“ der 1940-er Jahre war die amerikanische Filmschauspielerin und Tänzerin Rita Hayworth (1918–1987), geborene Margarita Carmen Cansino. Ihren Ruf als Inbegriff der Sinnlichkeit verdankte sie ihrem offenen Lächeln, ihren blitzenden Augen und ihrer Figur. In Wirklichkeit litt sie unter extremer Scheu und mangelndem Selbstbewusstsein, was sie durch enorme Disziplin, harte Arbeit und großen Ehrgeiz zu überwinden versuchte.

Margarita Carmen Cansino wurde am 17. Oktober 1918 als erstes Kind eines Künstlerpaares im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren. Ihr aus Spanien stammender Vater Eduardo Cansino (1895–1968) arbeitete erfolgreich als Tänzer. Ihre aus England eingewanderte Mutter trug den Mädchennamen Volga Hayworth und hatte als Showgirl gearbeitet. Margarita war die Cousine von Ginger Rogers (1911–1995) und Pilar Cansino. Auf Wunsch ihres Vaters erhielt Margarita bereits als Vierjährige täglich Unterricht im Ballett-, Stepp- und spanischem Tanz.

1927 zog die Familie Cansino nach Los Angeles (Kalifornien), wo Margaritas Vater als Tanzlehrer und Choreograph für die Filmstudios in Hollywood arbeitete. Das Mädchen ging in Los Angeles zur Schule und nahm Schauspiel- und Tanzunterricht. Als Margarita zwölf Jahre alt war, gab ihr Vater an, sie sei schon 14, um sie von der Schule nehmen und als seine Tanzpartnerin in Theatern und Clubs auftreten lassen zu können. Die Beiden nannten sich „The Dancing Cansinos“. Damals überwachte der Vater jeden ihrer Schritte.

Laut einer Legende soll der bekannte „Margarita Cocktail“ in den 1930-er Jahren nach Margarita Carmen Cansino benannt worden sein. Damals tanzte sie in einem Nachtclub in Tijuana (Mexiko).

Dank ihrer ungewöhnlichen Schönheit fiel die knapp 17-jährige Margarita Carmen Cansino in Agua Caliente (Mexiko) dem Produktionschef des amerikanischen Filmstudios „20th Century Fox“ auf. Er lud sie zu Probeaufnahmen nach Hollywood ein, bei denen sie überzeugte. Anschließend gab man ihr eine Nebenrolle in dem Streifen „Dante’s Inferno“ („Das Schiff des Satans“, 1935). Darin spielte sie unter dem abgekürzten Namen „Rita Cansino“ an der Seite von Spencer Tracy (1900–1967) eine Tänzerin. Danach erhielt sie einen kurzfristigen Vertrag.

Unter dem Namen „Rita Cansino“ spielte sie zehn Nebenrollen. Unter anderem verkörperte sie eine geheimnisvolle orientalische Dienerin in dem Kriminalfilm „Charlie Chan in Egypt“ („Charlie Chan in Ägypten“, 1935). Darin klärte der damals beliebte chinesische Meisterdetektiv „Charlie Chan“ einen Mord auf.

Weil dem Filmproduzenten Harry Cohn (1891–1958) von „Columbia“ ihr Name Cansino nicht gefiel, trat „Rita Cansino“ in dem Film „Criminals of the Air“ (1937) erstmals unter dem Künstlernamen „Rita Hayworth“ auf. Dieses Pseudonym beruhte auf dem Mädchennamen ihrer Mutter Volga Hayworth.

1937 heiratete Margarita Cansino den texanischen Ölmagnaten Edward C. Judson, der sie managte. Im Mai 1942 wurde sie von ihm geschieden.

Von 1939 bis 1948 hörte man Rita Hayworth in zahlreichen Radioshows der USA. Einen der ersten Auftritte dieser Art hatte sie am 29. Mai 1939 in der Folge „Only Angels Have Wings“ von „The Lux Radio Theatre“, wo sie mehrfach mitwirkte.

Zur ersten herausragenden Rolle auf der Kinoleinwand kam Rita Hayworth durch einen Vertrag mit dem Filmstudio „Columbia“, für das sie in der Fliegerkomödie „Only Angels Have Wings“ („Nur Engel haben Flügel“, 1939) des amerikanischen Regisseurs Howard Hawks (1896–1977) mitwirkte. In diesem Streifen spielte Cary Grant (1904–1986) die Hauptrolle des raubeinigen Chefs einer Fluglinie, die Post über die Anden transportiert. Rita mimte seine ehemalige Freundin, die immer noch eine Schwäche für ihn hat.

1941 sah man Rita Hayworth zusammen mit Tyrone Power (1913–1958) in „Blood and Sand“ („König der Toreros“) und mit Fred Astaire (1899–1987) in „You’ll Never Get Rich“ („Reich wirst du nie“). 1942 folgte „You Were Never Lovelier“ („Du warst nie berückender“) mit Fred Astaire. Ursprünglich war Rita die erste Wahl für die weibliche Hauptrolle des Kultfilms „Casablanca“ (1942), aber sie musste wegen anderer Projekte absagen.

Im September 1943 schloss die damals 24-jährige Rita Hayworth ihre zweite Ehe mit dem Filmschauspieler und -regisseur Orson Welles (1915–1985), die bis Dezember 1948 hielt. Von ihm stammt die 1944 geborene Tochter Rebecca Welles. Ebenfalls 1944 sah man Rita in „Cover Girl“ („Es tanzt die Göttin“) mit Gene Kelly (1912–1996).

Der Film „Gilda“ (1946) des aus Ungarn stammenden amerikanischen Regisseurs Charles Vidor (1900–1959) begründete den Ruf von Rita Hayworth als „Hollywoods Liebesgöttin“. Darin mimte sie eine New Yorker Tänzerin, die mit provokativer Sinnlichkeit, erotischer Schönheit und professionellem Tanztalent ihren früheren Mann – dargestellt von Glenn Ford (1916–2006) – zurückgewinnen und mit ihm ein ruhiges Ehe- und Familienleben aufbauen wollte.

Zu den Filmen von Rita Hayworth aus den 1940-er Jahren gehörten außerdem „The Strawberry Blonde“ („Schönste der Stadt“, 1941), „My Gal Sal“ („Die Königin vom Broadway“, 1942), „Tonight and Every Night“ („Music Box Girls“, 1945), „Down to Earth“ („Eine Göttin auf Erden“, 1947) und „The Lady from Shanghai“ („Die Lady von Shanghai“, 1947).

Im US-Magazin „LIFE“ vom 11. August 1941 erschien das wohl berühmteste Pin-up-Foto von Rita Hayworth. Neben einer Aufnahme von Betty Grable (1916–1973) gilt das erwähnte Bild der Hayworth als beliebtestes Pin-up amerikanischer Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Auf diesem Foto präsentiert sich Rita in einem seidenen, spitzenbesetzten Negligé in aufreizender Pose kniend auf ihrem Bett . Jene Aufnahme wurde 1946 auf eine Atombombe geklebt, welche die Amerikaner auf dem Bikini-Atoll testeten. Angeblich war die Hayworth deswegen am Boden zerstört. „LIFE“ bezeichnete Rita Hayworth 1947 als „Liebesgöttin von Amerika“ und widmete ihr und dem Film „Down to Earth“ einen langen Leitartikel. In diesem Streifen mimte sie eine Göttin, die zur Erde kommt. Während der 1940-er Jahre schmückte Rita viermal das Titelbild von „LIFE“. Ebenso häufig wurde bis dahin nur US-Präsident Franklin D. Roosevelt (1882–1945) auf dem Cover von „LIFE“ abgebildet. Insgesamt sah man Rita fünfmal auf dem Titel von „LIFE“.

Schlecht kam dagegen der Kriminalfilm „The Lady from Shanghai“ bei Kritikern und Kinopublikum an. Darin war Rita Hayworth als reiche und böse Elsa Bannister mit blonder Kurzhaarfrisur zu sehen. In dieser Rolle verstrickte sie den in sie verliebten Seemann Michael O’Hara (verkörpert von Orson Welles) in ein Netz aus Intrigen und Affären. Dieser Streifen wurde zunächst ein Riesenflop und entwickelte sich erst lange nach der Aufführung zum Filmklassiker.

Jahrelang war Rita Hayworth als Cover- und Pin-up-Girl das Idol vieler amerikanischer Soldaten. Man nannte sie „Miss Dynamit“ und „Die Venus des Atomzeitalters“.

Im Mai 1949 schloss Rita Hayworth vor dem kommunistischen Bürgermeister von Vallauris bei Cannes in Südfrankreich ihre dritte Ehe mit dem Playboy Prinz Ali Khan (1911–1960), dem Sohn von Aga Khan III. (1877–1957), dem geistlichen Oberhaupt der Ismaeliten. Sieben Monate später kam 1949 die Tochter Prinzessin Jasmin zur Welt. Während dieser Ehe wurde die Filmkarriere der Hayworth zeitweise unterbrochen. Sie war bei „Columbia“ in Ungnade gefallen, weil sie es abgelehnt hatte, in dem Western „Lorna Hanson“ mitzuwirken, der letzten Endes aber nie gedreht wurde. Es entstand lediglich ein Dokumentarfilm über die Flitterwochen von Rita mit ihrem damaligen Ehemann. 1951 kam es zur Trennung und 1953 zur Scheidung des Paares.

1952 sah man Rita Hayworth in „Affair in Trinidad“ wieder im Kino und danach in der Bibelverfilmung „Salome“ (1953) sowie in dem Dirnen-Drama „Miss Sadie Thompson“ („Fegefeuer“, 1953).

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Details

Seiten
43
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656159032
ISBN (Buch)
9783656159216
Dateigröße
2.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191139
Note
Schlagworte
Rita Hayworth Rita Cansino Film Filmschauspielerin Schauspielerin Frauenbiografien Biografien

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Titel: Rita Hayworth - Die "Venus des Atomzeitalters"