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Der politische Skandal am Beispiel Margot Käßmann

Seminararbeit 2011 18 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Was ist ein Skandal?

3. Entstehung und Verlauf von Skandalen

4. Funktion von Skandalen

5. Bedeutung der Medien

6. Der politische Skandal am Beispiel Margot Käßmann

7. Fazit

8. Quellen

1. Einleitung

„Wer den großen Skandal betrachtet, empfindet Vergnügen und Schauder; wer ihn betreibt, braucht Nerven und altert rascher; wer ihn erleidet, der wird verwandelt; wer ihn übersteht, bleibt gezeichnet“ (Schütze)[1]

Skandale, welche laut ihrer Begrifflichkeit ein öffentliches Ärgernis darstellen, sind neben Verstößen gegen gesellschaftlich gewachsene Moralvorstellungen auch, und damit in ihrer wichtigsten Aufgabe, vor allem Gesetz- bzw. Normverletzungen. Durch den globalen technischen Fortschritt haben zunehmend mehr Menschen Zugang zu den unterschiedlichen Medien, was bedeutet, dass auch immer mehr Menschen Skandale wahrnehmen können.

Aufgrund täglicher Medienberichterstattung erreichen uns neue Normverletzungen seitens meist in der Öffentlichkeit stehender Personen. Jedoch in ihrer Omnipräsenz und damit einhergehend auch für die Gesellschaft bedeutendste sind die politischen Skandale. Es ist interessant, welche Faktoren eine Rolle bei der Entstehung spielen und ob der Aufbau und Verlauf immer ähnlich bleibt.

Zuerst werde ich eine kurze Definition des Begriffes Skandal geben. Im einleitenden Zitat von Schütze wird die unterschiedliche Wahrnehmung eines Skandals durch die Beteiligten deutlich, welche ich im darauf folgenden Punkt „Entstehung und Verlauf von Skandalen“ näher erläutern werde. Im Zuge meiner Literaturrecherche bin ich auf den Soziologen Niklas Luhmann gestoßen, der den Handlungsablauf öffentlicher Diskussionen in fünf Phasen erläutert. Ein Modell, welches sich gut auf den Handlungsablauf von Skandalen übertragen lässt.[2]

Im nächsten Teil werde ich auf die Funktionen von Skandalen und die Bedeutung der Medien für diese eingehen. Nicht jeder Skandal wird zum gesellschaftlichen Ereignis, es ist abhängig von der Art und jeweiligen Schwere der Normverletzung, ob ein gesellschaftliches Interesse geweckt werden kann und wie sich der Skandalierte verhält. Im letzten Teil meiner Arbeit möchte ich am Fall der ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann aufzeigen, ob die Eigenschaften wie Entstehung, Dynamik und Funktion eines Skandals gegeben sind, ob sich

Luhmanns Modell übertragen lässt und man hier zuletzt tatsächlich von einem politischen Skandal sprechen kann.

2. Was ist ein Skandal?

„Ein Skandal ist ein Missstand, der nach einhelliger Ansicht der Urteilenden bedeutend ist, vermeidbar gewesen wäre, durch schuldhaftes Verhalten hervorgerufen wurde und deshalb allgemein Empörung hervorruft.“ (Kepplinger)[3]

Der Begriff Skandal leitet sich von dem altgriechischen Wort „scándalon“ ab und ist mit dem Stellhölzchen einer Tierfalle zu vergleichen – wird sie berührt, schnappt sie zu.[4] Skandale sind nicht erst seit dem 20.Jahrhundert aktuell, bereits in der Bibel findet man den Begriff und kennzeichnet hier das Fehlverhalten eines Sünders, dem dieses zum Verhängnis wird.

Skandal in seiner heutigen Bedeutung ist gleichzusetzen mit einem an die Öffentlichkeit getretenes Ärgernis und einer damit einhergehenden Erregung für das breite Publikum. Sie können nahezu in jedem gesellschaftlichen Bereich erscheinen, jedoch besitzen sie ihr größtes Potenzial innerhalb der Politik, denn hier lösen sie die intensivsten Reaktionen aus und ziehen nicht all zu selten folgenschwere Konsequenzen nach sich, nicht zuletzt weil Skandale vor allem auf das Image und die soziale Integration des betroffenen abzielt.[5]

3. Entstehung und Verlauf von Skandalen

Im Folgenden werde ich einen Überblick geben, wie ein Skandal aufgebaut ist. Eine an die Öffentlichkeit geratende Normverletzung muss sich nicht zwingend zu einem Skandal entwickeln, es gibt auch „keine klaren, übergeordneten Regeln“[6] woran man festlegen kann, welche Ereignisse sich zu Skandalen entwickeln, dafür bedarf es die Ausführung einer Reihe von verschiedenen Aspekten.

Die Grundvoraussetzung bildet die öffentliche Diskreditierung eines Fehltritts, überwiegend seitens der Medien. Wird dem Normverstoß genug Beachtung durch die Gesellschaft gegeben, werden überwiegend negative Empfindungen bei ihr ausgelöst. Diese Emotionen bilden die größte Relevanz, denn weder die eventuelle Unzufriedenheit einzelner Politiker oder anderer Akteure, noch die bloße Veröffentlichung seitens der Medien sind ausreichend. Erst wenn das Interesse an dem Eklat die Allgemeinheit der Bevölkerung erreicht, kann sich tatsächlich ein Skandal entwickeln. Damit einhergehend ist eine weitere wichtige Vorraussetzung die Klärung der Schuldfrage, nämlich ob sich die Normverletzung hätte vermeiden lassen können und aus welchen Gründen sie begangen wurde.

Diese verschiedenen Aspekte werden nach dem Soziologen Sighard Neckel in drei Kategorien zusammengefasst und als Skandal –Triade bezeichnet. Diese setzt sich zusammen aus den Skandalierern, den Skandalierten und den Skandalrezipient.[7]

Die Gesamtheit der Medien bilden die Skandalierer. Sie sind dafür verantwortlich den eventuell vermeidbaren Normverstoß an die Öffentlichkeit zu bringen. Der Skandalierte ist die Person, die für den Regelverstoß verantwortlich ist. Die Gesellschaft, in der ein Interesse zum Geschehen geweckt wird und womöglich daraus ein Skandal entstehen lassen kann, bildet die dritte Gruppe, die Skandalrezipienten. Dieses ist ein dynamischer Prozess, da jeder Akteur bzw. Akteurgruppe auf die Handlungen des anderen reagiert.[8]

Entwickelt sich aus einem Normverstoß ein Skandal, gleicht der Verlauf einer Dramaturgie, vergleichbar mit der eines Theaterstücks.

Der Soziologe Niklas Luhmann veranschaulicht den Handlungsablauf öffentlicher Diskussionen von Themen in fünf Phasen, welche er als Themenkarriere bezeichnet. Diese lassen sich auch auf die Entwicklung eines Skandals übertragen.[9] Den Zeitpunkt als die Normverletzung stattfindet bezeichnet er als latente Phase. In der zweiten Phase, die Durchbruchsphase, werden Medien wie Rundfunk, Fernsehen oder Zeitungen aktiv und tragen den Missstand an die Öffentlichkeit. Jetzt hat die Gesellschaft die Möglichkeit sich eine eigene Meinung zu bilden. Besteht ein Interesse der Öffentlichkeit kommt es zum Skandal. In dieser Popularitätsphase versucht sich der Skandalierte zu rechtfertigen.

In der vierten Phase spricht man vom Kulminationspunkt. Der Druck seitens der Öffentlichkeit erreicht ihren Höhepunkt und das „Opfer“ muss nun mit personellen Konsequenzen rechnen.

Die letzte Phase ist nach Luhmann die Ermüdungsphase. Es folgen Entschuldigungen und Rechtfertigungen, aber eben auch beispielsweise Folgen wie Rücktritt oder Gesetzesänderungen. Die Begrifflichkeit an sich verdeutlicht bereits, dass das Interesse der Öffentlichkeit an dem Ereignis sich deutlich verringert und der Unmut und die Verdrossenheit schwinden.[10]

Ein zeitlicher Rahmen lässt sich für den Skandalverlauf nicht setzen. Er ist abhängig von der Schwere des Normbruchs, dem Interesse der Öffentlichkeit und die Geschwindigkeit, mit der sich die personellen Konsequenzen entwickeln.

[...]


[1] Zitiert nach: Reichenbach, R.; Breit, H., 2005, S.13

[2] Vgl. Bulkow, K.; Petersen, C., 2011, S.12

[3] Kepplinger, Hans M., 2002, S.81

[4] Vgl. Burkhard, S., 2005

[5] Vgl. Pundt, C., 2008, S.217

[6] Pundt, C., 2008, S.211

[7] Vgl. Neckel, S.; Ebbighausen, R., 1989, S.58

[8] Vgl. Bulkow, K.; Petersen, C., 2011, S.12

[9] Vgl. Ebenda

[10] Vgl. Rhomberg, M., 2008, S.113

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656155980
ISBN (Buch)
9783656156161
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191033
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Note
Schlagworte
politik skandale margot käßmann politisches system medien kirche

Autor

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