Lade Inhalt...

Sprache als Untersuchungsgegenstand in den Internationalen Beziehungen

Seminararbeit 2005 11 Seiten

Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. SprachphilosophischeKonzeptionenderSprechakttheorie
2.1 AustinsKonzeptionderSprechakttheorie
2.2 Searles Konzeption der Sprechakttheorie

3. Sprache in Onufs Konzeption des Konstruktivismus
3.1 Onufs Kategorisierung von Sprechakten
3.2 Onufs Kategorisierung von Regeln

4. Fazit

1. Einleitung

Wie schon zuvor in der Philosophie, hat sich auch in den Internationalen Beziehungen eine sprachanalytische Wende vollzogen. Diese linguistische Wende ergibt sich aus der Einbeziehung der Sprache in konstruktivistischen Ansätzen. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass die schon existierenden sprachphilosophischen Konzeptionen der Sprechakttheorie als Grundlage, für die Untersuchung der Sprache in den Internationalen Beziehungen, dienen.

Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit liegt in der Bedeutung der Sprache als Untersuchungsgegenstand in den Internationalen Beziehungen für konstruktivistische Ansätze. Es lässt sich hierfür die Behauptung aufstellen, dass Sprache in konstruktivistischen Ansätzen eine zentrale Rolle einnehmen muss. Onuf hat in seinen Ausführungen aufgezeigt wie wichtig der Aspekt der Sprache für Untersuchungen sein kann. Welche Möglichkeiten sich aus Onufs Perspektive eröffnen, mit seiner Einbeziehung der Sprache als Untersuchungsgegenstand, soll in dieser Arbeit beantwortet werden. Durch den Versuch der Beantwortung sollen nicht nur die Möglichkeiten aufgezeigt werden, sondern auch deren Bedeutung für konstruktivistische Ansätze.

Um zu versuchen diese Frage zu beantworten, müssen erst sprachphilosophische Ansätze aufgezeigt werden. Da diese für die Untersuchung der Sprache in konstruktivistischen Ansätzen, als Grundlage dienen. Dies geschieht in Kapitel zwei der Arbeit. Wobei der Schwerpunkt auf den Konzeptionen von Austin und Searle liegt. Da Austins Ausführungen über seine Konzeption als Grundstein dient, welcher von Searle aufgegriffen wird und in seiner Weiterentwicklung die Grundlage für seine Konzeption der Sprechakttheorie bildet. Insbesondere Searls Weiterführungen machen ihn dabei interessant für diese Arbeit, da diese wiederum von Onuf aufgegriffen werden. In Kapitel drei der Arbeit erfolgt die Auseinandersetzung mit Onufs Einbeziehung der Sprache als Untersuchungsgegenstand der Internationalen Beziehungen. Dabei soll seine Adaption der Sprechakttheorien aufgezeigt werden und welche Möglichkeiten sich aus ihr ergeben. Das letzte Kapitel bildet das Fazit, indem die Ergebnisse der Arbeit noch einmal aufgezeigt werden.

Die in dieser Arbeit verwendete Literatur ist als seriös zu bewerten und eventuelle Probleme mit ihr gab es nicht.

2. Sprachphilosophische Konzeptionen derSprechakttheorie

2.1 Austins Konzeption derSprechakttheorie

Im Gegensatz zu Wittgenstein, stellt Austin Bedeutung und Gebrauch von Äußerungen nicht in den Vordergrund seiner Ausführungen. Zur Grundlage seiner Untersuchung macht er die Unterteilung sprachlicher Äußerungen in performative und konstative. Performative Äußerungen sind Äußerungen, die keine Tatsachen oder Fakten beinhalten. Noch können diese wahr oder Falsch sein.[1] Dem gegenüber sind konstative Äußerungen entweder wahr oder falsch. Zur Untersuchung von performativen Äußerungen entwickelte Austin Regeln, an denen sich zeigen sollte, dass die Äußerungen geglückt bzw. verunglückt sind. Er kommt jedoch selbst zum Schluss, dass solche Regeln nicht nur für performative Äußerungen gelten können, sondern auch für konstative Äußerungen. Auch das von ihm entworfene wahr/falsch - Kriterium für konstative Äußerungen, könne auch für performative Äußerungen gelten.[2] Er gesteht selbst ein, dass diese Abstraktion der Unterteilung durch extrem Beispiele hervorgerufen wurde.[3] Auch mit der schwierigen Bestimmung von performativen Äußerungen, mit Hilfe von performativen Verben, ist ein weiterer Grund, warum sich Austin mit einer neuen Grundlage auseinandersetzt.[4] Er entgeht seiner alten Unterteilung, indem er eine neue Möglichkeit der Einteilung aufzeigt, die wiederum für die beiden alten Typen gelten.[5] Austin wendet sich daraufhin der Sprache zu, aus der Perspektive, dass diese beim Gebrauch eine Handlung darstellt. Hierfür nimmt er eine Einteilung des Sprechaktes vor:

Bei einem lokutionären Akt gibt der Sprecher einen Sachverhalt wieder. Der illokutionäre Akt gibt unter anderem einen Sachverhalt wieder und stellt die Funktion des Sprechaktes dar. Das heißt, es geht bei diesem Akt weniger um das Gesagte, sondern vielmehr um die Funktion bzw. Rolle des Sprechaktes. Die dritte Möglichkeit bildet der perlokutionäre Akt. Bei diesem Typ will der Sprecher den Hörer, im jeweiligen Sinne des Kontextes, beeinflussen. Sicherlich stellt diese Einteilung nur einen Versuch dar, wenigsten die wichtigsten Aspekte eines Sprechaktes aufzuzeigen. Diese Einteilung stellt jedoch keine Klassifizierung von verschiedenen Typen der Sprechakte dar, sondern sind mögliche Bestandteile des Aktes selbst. Daraus resultiert auch die Abhängigkeit der verschiedenen Bestandteile untereinander. Denn für einen illokutionären Akt bedarf es einen lokutionären Akt und für einen perlokutionären Akt bedarf es einen illokutionären Akt.[6] Konsequenterweise schließt sich diese Abhängigkeit in umgekehrter Reihenfolge aus, denn für einen lokutionären Akt bedarfes keinen illokutionären Akt um in Erscheinung zu treten. Soweit scheint das von Austin hervorgebrachte Konzept seiner Theorie recht plausibel. Jedoch hat er sich von dem auf Wittgenstein beruhendem Diktum gelöst, dass die Bedeutung aus dem Gebrauch resultiert, indem er den lokutionären Akt die Bedeutung des Sprechaktes zuschreibt.[7] Das würde heißen, dass sich die Bedeutung in allen Fällen aus der Semantik einer Äußerung ergibt. Wie es genau solche Philosophen auffassen, denen Austin wegen dieser strikten Trennung von Bedeutung und Gebrauch den Kampf angesagt hat. Seine Ausführungen stellen somit einen Widerspruch mit seiner eigenen Intention dar. Dass die Bedeutung unabhängig seine kann von der Semantik einer Äußerung, beweisen zum Beispiel Sprechakte der Ironie, Lügen und Übertreibungen. Es lassen sich sicherlich noch andere Sprechakte finden, welche die Annahmen von Austin widerlegen. Da der Vollzug von bestimmten Sprechakten divergieren kann, mit dem von Sprecher hervorgebrachten lokutionären Akt. Nicht der lokutionäre Akt verleiht der Äußerung ihre Bedeutung, sondern erst die jeweilige illokutionäre Rolle bzw. Funktion ermöglicht erst eine Interpretation der Bedeutung.

2.2 Searles Konzeption der Sprechakttheorie

Searle entwickelte in seien Ausführungen die Sprechaktkonzeption von Austin weiter. Eine der wichtigsten Aspekte der Weiterentwicklung bildet seine Kritik an der von Austin getroffenen Unterscheidung der lokutionären und illokutionären Akte. Wie oben schon aufgezeigt, stellt diese Unterscheidung eine gewisse Problematik dar. Searle stellt dieser Unterscheidung eine neue entgegen. Er hebt die Trennung von Lokution und Illokution auf und bringt die Proposition, als einen möglichen Bestandteil des illokutionären Aktes, ins Spiel. Eine Propostion besteht aus zwei weiteren Teilen, der Referenz und der Prädikation.

[...]


[1] Vgl. Bublitz, Siv: Der ‘linguistic tum’ der Philosophie als Paradigma der Sprachwissenschaft. Untersuchungen zur Bedeutungstheorie der linguistischen Pragmatik, Münster/New York 1994, S. 51

[2] Vgl. ebd., S. 53

[3] Vgl. Austin, John L.: Zur Theorie der Sprechakte (How to do things with Words), 2.Aufl., Stuttgart 2002, S.165

[4] Vgl. ebd., S.126

[5] Vgl. Bublitz, S.: a.a.O., S.54

[6] Vgl. Runggaldier, Edmund: Analytische Sprachphilosophie, Stuttgart 1990, S.46

[7] Vgl. Bublitz, S.: a.a.O., S.55

Details

Seiten
11
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783656155478
ISBN (Buch)
9783656156550
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v191022
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Institut für Politikwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Onuf Austin Searle Sprechakttheorie Konstruktivismus

Autor

Zurück

Titel: Sprache als Untersuchungsgegenstand in den Internationalen Beziehungen