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Die Unsterblichkeit der Seele - Ciceros Platonrezeption im Vergleich mit dem christlichen Seelenverständnis im NT und bei Tertullian

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 16 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Unsterblichkeit der Seele - verbindender Kernpunkt der Religionen

2. Die Linderung der Todesfurcht durch den Verweis auf die Unsterblichkeit der Seele in Tusc. 1

3. Unsterblichkeit der Seele im Christlichen Verständnis
3.1 Aussagen des Neuen Testaments
3.2 Tertullians Verständnis von der Seele und seine Position zum Platonismus
3.2.1 Die Unsterblichkeit der Seele nach Tertullian
3.2.2 Auseinandersetzung Tertullians mit der Platonischen Lehre über die Seele
3.3.2.1 Ablehnung der Vorstellung von der Seelenwanderung
3.2.2.2 Gegen die Lehre von der Unkörperlichkeit der Seele
3.2.2.3 Widerlegung der anamnesis - Lehre

4. Zusammenfassendes Ergebnis

5. Literatur

1. Unsterblichkeit der Seele - verbindender Kernpunkt der Religionen

Was kommt nach dem Tod? Wie geht es weiter mit dem Menschen, nachdem er gestorben ist? Geht es überhaupt weiter? Wohl kaum eine andere Frage des Menschen blieb über die Zeiten so aktuell und beschäftigte zu allen Zeiten Denker wie einfache Menschen. Es ist eine wahrlich existenzielle Frage des menschlichen Lebens, vor der sich keiner verschließen kann. "Dass der Körper den Tod nicht überlebt, scheint augenfällig belegt, wenn man vor dem Leichnam oder am Grab eines Verstorbenen steht"[1]. Die meisten Leute glauben an ein Leben nach dem Tode[2]. Verschiedene philosophische Strömungen und religiöse Systeme entwickelten ihre je eigenen Vorstellungen vom Sein oder eben auch vom Nichts nach dem Ende des irdischen Lebens. Ein einflussreicher Wegbereiter für ein Weiterleben nach dem Tode war Platon, der berühmte griechische Philosoph. In seinem Dialog Phaidon beschreibt er durch den Mund des Sokrates wie in keinem anderen Werk das Schicksal der Seele nach dem physischen Tod und tritt für deren Unsterblichkeit ein[3]. Auch das Christentum lehrt ein Weiterleben nach dem Tod in der Vorstellung von der Auferstehung der Toten am jüngsten Tag. Zwei unterschiedliche Konzepte, die im Folgenden hinsichtlich ihrer Kompatibilität, die ja oft geradezu augenfällig schien[4], untersucht werden sollen. Ausgangspunkt soll die Argumentation für die Unsterblichkeit der Seele sein, wie sie Cicero als Platonrezipient im ersten Buch der Tusculanae Disputationes, darlegt.

2. Die Linderung der Todesfurcht durch den Verweis auf die Unsterblichkeit der Seele in Tusc. 1

Im ersten von fünf Bücher der Tusculanae Disputationes beschäftigt sich Cicero im Gespräch mit seinem Schüler mit der Frage der Todesfurcht und wie diese den Menschen zu nehmen sei. Zunächst erfolgt, wie in jedem der fünf Bücher, eine dialektische Einleitung. Die These des Schülers lautet malum mihi videtur esse mors. Und zwar sowohl für die Verstorbenen als auch für die noch Lebenden, die in ewiger Furcht vor dem Tode leben müssen (1,9). Diese These widerlegt Cicero in 2 Schritten:

Zum einen könnten Tote keine Empfindung haben, da sie nicht mehr existieren, folglich können sie nicht unglücklich sein (si igitur non sunt, nihil possunt esse; ita ne miseri quidem sunt; 1,12). Zum Anderen sind daraus folgend auch Lebende nicht unglücklich, da sie den Tod nicht zu fürchten brauchen (1,16). Deshalb ist der Tod kein Übel, sondern ein Gut. Im Folgenden werden verschiedene Lehren über den Tod und die Seele dargelegt (1,18-25). Im ersten Hauptteil schließt sich dann zunächst die Argumentation für die Unsterblichkeit der Seele in verschiedenen Beweisen an.

Erst ab Kapitel 50 erfolgt der eigentliche Unsterblichkeitsbeweis. Hier begegnet uns zunächst der Beweis aus dem Phaidros (245C), den er, wie Cicero an dieser Stelle selbst erwähnt[5], bereits im sechsten Buch von De re publica verwendet hatte. Er lautet wie folgt: Quod semper movetur, aeternum est; inanimum est enim omne, quod pulsu agitatur externo; quod autem est animal, id motu cietur interiore et suo; nam haec est propria natura animi atque vis. quae si est una ex omnibus quae se ipsa [semper] moveat, neque nata certe est et aeterna est. (Was sich immer bewegt, ist ewig. Unbeseelt nämlich ist alles, was durch äußeren Antrieb bewegt wird; was aber beseelt ist, das wird von eigenem inneren Antrieb bewegt; denn das ist die Eigenheit der Natur der Seele und ihre Kraft; wenn die die einzige von allem ist, was sich selbst bewegt, dann ist sie sicher nicht entstanden und folglich ewig.)

Da sich die Seele also selbst bewegt (quod autem est animal, id motu cietur interiore, 1,54) , muss sie folglich neque nata et aeterna sein.

Im folgenden Abschnitt, der als der zweite Unsterblichkeitsbeweis bezeichnet wird[6], erläutert Cicero inesse in animis hominum divina quaedam (1,56). Diese göttlichen Eigenschaften unterscheiden Menschen vom Tier und von Pflanzen[7]. Zunächst verweist er auf die Erinnerung (memoria). Zugrunde liegt hier die Anamnesislehre Platons, die er im Phaidon (72e-77d) darlegt: Hiernach ist das Lernen nichts anderes als Wiedererinnerung (discere nihil aliud [...] nisi recordari 1,57). Die Seele schaut vor dem Eintritt in den menschlichen Körper die ewigen Ideen und erinnert sich dann, wenn sie im Körper ist, wieder an diese, wenn sie ihnen im Laufe des Lebens begegnet. In einem weiteren Schritt kommt nun "die Kraft des Gedächtnisses"[8] in den Blick. Eine so gewaltige und unerschöpfliche Kraft wie das menschliche Gedächtnis sie besitzt, kann nicht aus der Erde entstanden sein (terrane tibi hoc nebuloso et caliginoso caelo aut sata aut concreta videtur tanta vis memoriae? 1,60).

Der Blick richtet sich auf die memoria[m] infinita[m] rerum innumerabilium (1,57) als derartig unfassbare Eigenschaft, dass sie nur durch Teilhabe der Seele an einer vis divina (1,65) erklärt werden kann. Die Fähigkeit zur Invention kann "nicht einmal bei einem Gott als größer vorgestellt werden"[9]. Die größte Fähigkeit der Seele ist aber die zur Philosophie selbst.

3. Unsterblichkeit der Seele im christlichen Verständnis

Für die Christen bildet der Auferstehungsglaube "Mitte und Fundament der christlichen Botschaft"[10]. Ohne Auferstehung wäre der Glaube sinnlos, schreibt Paulus den Korinthern[11], die ihre Probleme mit dieser Vorstellung haben, vor allem wohl auch, weil sie aus einem hellenistisch-philosophischen Hintergrund kommen. Dies wirft auch für uns die Frage auf, inwiefern man die platonischen Vorstellungen mit denen des (frühen) Christentums in Einklang bringen kann. Fragen wir mit Cullman[12], ob "der urchristliche Auferstehungsglaube wirklich unvereinbar" mit der Vorstellung der Unsterblichkeit der Seele ist. Exemplarisch hierfür sollen Texte des Neuen Testaments und Tertullians untersucht werden.

[...]


[1] Brüntrup, Godehard u.a.: Auferstehung des Leibes - Unsterblichkeit der Seele. Stuttgart 2010, S. 7.

[2] Vgl. Inwangen, Peter van: "Ich erwarte die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt". In: Brüntrup (wie Anm. 1), S.209.

[3] Zehnpfennig, Barbara (Hg.): Platon - Phaidon. Hamburg 22008.

[4] Cullmann, Oscar: Unsterblichkeit der Seele oder Auferstehung der Toten? Berlin 31964, S.19ff.

[5] "a me autem posita est in sexto libro de re publica" (53,2).

[6] Pohlenz, Max: Ciceronis Tusculanarum disputationum libri V . Leipzig 1912, S.81.

[7] Vgl. Kirfel, Ernst Alfred: M. Tullius Cicero Tusculanae Disputationes - Gespräche in Tusculum. Übersetzt und herausgegeben von A.E.K. Stuttgart 2008, S.494.

[8] Ebd., S. 495.

[9] Koch, Berhard: Philosophie als Medizin für die Seele. Stuttgart 2007, S.145.

[10] Brüntrup (wie Anm. 1), S.7.

[11] eiv ga.r nekroi. ouvk evgei,rontai( ouvde. Cristo.j evgh,gertai\ eiv de. Cristo.j ouvk evgh,gertai( matai,a h` pi,stij u`mw/n( e;ti evste. evn tai/j a`marti,aij u`mw/n (1Kor 15, 16f.)

[12] Cullmann (wie Anm. 2), S.19.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656249733
ISBN (Buch)
9783656250098
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190862
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Institut für Klassische Philologie
Note
1,3
Schlagworte
unsterblichkeit seele ciceros platonrezeption vergleich seelenverständnis tertullian

Autor

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Titel: Die Unsterblichkeit der Seele - Ciceros Platonrezeption im Vergleich mit dem christlichen Seelenverständnis im NT und bei Tertullian