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Eine Unterrichtskonzeption zum Thema Schah-Besuch in Deutschland und Tod von Benno Ohnesorg

Ein Teil der Unterrichtsreihe „Die 68er-Bewegung" in der Sekundarstufe II

von Stefan Westkemper (Autor) Laura Schmitz (Autor)

Hausarbeit 2011 20 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte der Zeitung
2.1 Das 16. und 17. Jahrhundert
2.2 Das 18. Jahrhundert
2.3 Das Zeitalter der Massenpresse

3. Die Zeitung als Quelle im Geschichtsunterricht
3.1 Definition und Funktion einer Zeitung
3.2 Historischer „Wert“ einer Zeitung für den Unterricht
3.3 Multiperspektivische Einsichten

4. Die "Bild-Zeitung"
4.1 Charakteristika der "Bild-Zeitung"
4.2 Marktanteile und Leserschaft

5. Die Zeitung als Quelle im Geschichtsunterricht in der Sek. II
5.1 Thematischer Überblick
5.2 Unterrichtsvorschlag 1
5.3 Unterrichtsvorschlag 2

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Fall zu Guttenberg hat erneut gezeigt, dass „die Medien“ in der heutigen Zeit immer noch große Macht haben, um politische und gesellschaftliche Debatten zu beeinflussen. Bereits bei den früheren politischen Auseinandersetzungen und bei der 68er-Bewegung im Besonderen konnte man dies beobachten, wie die nachfolgenden Unterrichtsbeispiele darlegen werden. Das Thema der hier geplanten fiktiven Unterrichtsreihe lautet Die 68er-Bewegung in den Massenmedien, unter besonderer Betrachtung des Schah-Besuchs 1967 und des Todes von Benno Ohnesorg. Das für den Geschichtsunterricht gewählte Medium ist die (Tages-)Zeitung, die sich besonders gut für den Einsatz im Unterricht eignet, weil sie einerseits einen konkreten Bezug zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler[1] darstellt, ihnen andererseits nicht als historische Quelle bewusst ist, Zeitungen viele Bereiche und Themenfelder des gesellschaftlichen Lebens abdeckten und weil Zeitungen Abwechslung zu den üblichen Medien und Quellen im Geschichtsunterricht bieten. Gerade weil Medien heutzutage als quasi vierte Macht im Staat fungieren, kann man durch die Behandlung dieser im Unterricht Medienkompetenz bei den SuS fördern und sie so in die Lage versetzen sich kritisch mit Medien, ihren Inhalten und Absichten auseinander zu setzen. Diese Arbeit geht zunächst der geschichtliche Entwicklung des Mediums Zeitung von den Anfängen im 16. Jahrhundert bis zur modernen Massenpresse nach. Im Anschluss daran soll auf die Bedeutung der Zeitung als Quelle im Geschichtsunterricht eingegangen werden und aufgrund ihrer herausragenden Stellung am deutschen Zeitungsmarkt werden kurz einige wichtige Merkmale der „Bild-Zeitung“ erläutert. Danach wird die Zeitung als Quelle für den Geschichtsunterricht in der Sekundarstufe II für das Thema Die 68er- Bewegung in den Massenmedien behandelt. Dazu werden, neben einem thematischen Überblick, zwei Vorschläge zum konkreten Einsatz der Zeitung als historische Quelle in der Schule vorgestellt.

2. Geschichte der Zeitung

Wenn man Zeitungen als Quellen für den Unterricht verwendet, ist es für die SuS sicherlich interessant, nicht nur etwas über das historische Ereignis zu erfahren, das sie als Unterrichtsthema behandeln, sondern auch über die Geschichte der Zeitung und deren Bedeutung und Verwendung als historische Quelle. Verschiedene Ansätze sind hier denkbar und je nach der zur Verfügung stehenden Zeit und dem Unterrichtsthema individuell von der Lehrperson auszuwählen.

2.1 Das 16. und 17. Jahrhundert

Im 16. Jahrhundert entstanden die ersten Einblattdrucke und Flugschriften[2], die, wie der Name bereits nahelegt, einblättrige, großformatige Schriften bzw. Drucke waren, und die seit der Erfindung des Buchdrucks hergestellt wurden. Für das Jahr 1588 sind die ersten wiederkehrenden Drucke belegt. Es handelte sich bei diesen um die sogenannten Messrelationen. Sie erschienen zunächst halbjährlich, um dann im weiteren Verlauf des 16. und 17. Jahrhunderts immer häufiger zu erscheinen, so dass aus diesen dann die ersten Monatsschriften und schließlich Wochenblätter entstanden; beispielsweise die Straßburger Relation (1609) oder der Wolfenbütteler Aviso.[3] Aufgrund des ursprünglichen Namens kann direkt auf den Umstand der Entstehung und auf die Funktion dieser (Mess -) Relationen geschlossen werden. Sie erschienen nämlich im Umfeld größerer Handelsmessen/-märkte und enthielten daher hauptsächlich für die Händler und Kaufleute wichtige Informationen, wie z.B. Rohstoffpreise, Wechselkurse oder andere Wirtschaftsnachrichten. Die enorme Wichtigkeit dieser Art von Schriften lässt sich an der Tatsache ablesen, dass es um das Jahr 1648 bereits ca. 107 verschiedene Messrelationen gab.[4] Für den deutschsprachigen Raum ist die erste Tageszeitung für das Jahr 1650 belegt. Die Einkommende Zeitungen[5] aus Leipzig erschien zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Mal pro Woche und ist somit als wirkliche Tageszeitung zu bezeichnen. Vor 1650 erschien sie noch nicht täglich und kann deshalb nicht als wirkliche (Tages-)Zeitung bezeichnet werden, trotz der Tatsache, dass sie 1635 bereits vier Mal wöchentlich erschien.[6] Thematisch beinhaltete sie vor allem politische und militärische Ereignisse, weniger wirtschaftliche. Bemerkenswert war jedoch, dass die Zeitung bereits über ein Korrespondentennetz in vielen Hauptstädten Europas verfügte, über die sie ihre Nachrichten bezog. Zum Höhepunkt des Dreißigjährigen Krieges gab es im deutschsprachigen Raum ca. 60 verschiedene Zeitungen.[7] Bedingt durch die hohen Kosten einer Zeitung aufgrund der aufwändigen Herstellung wurden diese meist von Gemeinschaften (Klöster, Ämter, Universitäten) bezogen (Gemeinschaftsabonnement) und von mehreren Menschen täglich gelesen. Man geht von ungefähr zehn Lesern pro Exemplar aus.[8]

2.2 Das 18. Jahrhundert

Im Zeitalter der Aufklärung wandelte sich die Funktion der Zeitungen. Bedingt durch technologische Verbesserungen in der Drucktechnik bzw. Produktion erhöhten sich Anzahl, Auflage und Erscheinungsfolge, was jedoch nicht unbedingt dazu führte, dass Zeitungen einer wesentlich größeren Anzahl Menschen zugänglich wurden. Sie blieben wegen des immer noch teuren Abonnements einerseits und einer geringen Alphabetisierungsrate der Bevölkerung andererseits ein Produkt gehobener Schichten.[9] Die Funktion der Zeitung änderte sich jedoch. Anstelle von wirtschafts oder politischen Nachrichten ging es bei den Aufklärungszeitschriften um die Bildung und Erziehung der Leser, weshalb sie auch „moralische Wochenschriften “ oder „Intelligenzblätter “ genannt wurden.[10] Dennoch wurden auch diese Zeitungen und Zeitschriften gemeinschaftlich gelesen, und zwar in den Kaffeehäusern, Tischgesellschaften und Lesezirkeln jener Zeit. Sie wurden dort nicht nur gelesen, sondern auch diskutiert, was zu der gleichzeitigen Herausbildung einer politischen Öffentlichkeit bzw. Sphäre führte, wie Jürgen Habermas ausführlich erläutert.[11] Das Kaffeehaus wurde zu einem Ort öffentlicher Meinungsbildung. Im Zuge der Französischen Revolution 1789 entstand die moderne Meinungspresse in Europa.[12] Durch den Demokratisierungsprozess sollten neue, breite Schichten der Bevölkerung an diesem teilhaben, was in der Konsequenz deren Information bedingte. Des Weiteren beflügelt die eingeführte Pressefreiheit das Entstehen neuer Zeitungen; jedoch wurde diese von Napoleon kurz darauf wieder eingeschränkt.

Überhaupt ist es nicht möglich, den SuS die Geschichte der Zeitung näher zu bringen, ohne ausdrücklich auf die Zensur hinzuweisen, die diese immer begleitet hat. Man kann diesbezüglich ebenso von einer Geschichte der Zensur sprechen. Zur Zeit des Deutschen Bundes galten beispielsweise die Karlsbader Beschlüsse, die nicht nur den Vertrieb von Zeitungen reglementierten, sondern auch eine Stempelsteuer erhoben, die das Papier verteuerte. Auch die in der Revolution 1848 erkämpfte Pressefreiheit in Deutschland wurde kurz darauf wieder eingeschränkt. Erst 1874 gab es dann ein einheitliches Reichspressegesetz, das den Aufstieg der Massenpresse ermöglichte.[13]

2.3 Das Zeitalter der Massenpresse

Als Zeitalter der Massenpresse gelten das 19. und 20. Jahrhundert. Seit dem 19. Jahrhundert war es nicht nur möglich in großem Stil zu produzieren, sondern die Kosten konnten u.a. durch technischen Fortschritt drastisch gesenkt werden. Ein weiterer Grund war eine neue, über das Anzeigengeschäft mitfinanzierte Finanzierung der Zeitungen, was die Verkaufskosten niedrig hielt.[14] An der Tatsache, dass zumeist eine urbane Leserschaft angesprochen wurde, änderte sich zu Beginn der 19. Jahrhunderts jedoch noch nichts. Neue Vertriebsmöglichkeiten kamen allerdings zu dem klassischen Abonnement hinzu, wie z.B. der Einzel- oder Straßenverkauf. In Verbindung mit der immer weiter fortschreitenden Industrialisierung veränderten sich auch die Zeitungen. Sie wurden überregionaler, da der Ausbau des Schienennetzes eine schnellere Übermittlung von Nachrichten ermöglichte sowie große Gebiete er- und angeschlossen wurden.[15] Zwar zeigt das Beispiel der Leipziger Einkommende Zeitungen, dass es auch zuvor eine „europäische“ Berichterstattung gegeben hatte, diese jedoch bei weitem nicht so aktuell gewesen war. Für den deutschsprachigen Raum gilt, dass die Weimarer Republik die Blütezeit der (Zeitungs-)Presse darstellte[16], und zwar nicht nur in Bezug auf die Pressefreiheit, sondern auch auf die Politisierung weiter Teile der urbanen Bevölkerung. Ab dem 19. Jahrhundert war es auch möglich, Bilder in Zeitungen abzudrucken, was zum Entstehen der ersten illustrierten Zeitungen, wie z.B. der Leipziger Illustrierte [n] (1843), führte. Die Berliner Illustrierte aus dem Jahr 1891 war dann das erste illustrierte Massenblatt auf dem deutschen Markt.[17] Zu Beginn waren diese bedingt durch den aufwendigeren Druck allerdings um einiges teurer als Tageszeitungen.

[...]


[1] Im Folgenden abgekürzt als: SuS

[2] Michael Sauer: „Allen denen gar nuetzlich und lustig zu lesen“ Zeitung als Quelle, in: Geschichte lernen, H. 124 (2008), S. 2-10, S. 3. (im Folgenden zitiert als Sauer: Zeitung.)

[3] Vgl. Sauer: Zeitung, S. 3.

[4] Konrad Dussel: Deutsche Tagespresse im 19. und 20. Jahrhundert. Münster 2004, S. 10. (im Folgenden zitiert als Dussel: Tagespresse)

[5] Dussel: Tagespresse, S. 13.

[6] Dussel: Tagespresse, S. 13.

[7] Dussel: Tagespresse, S. 13.

[8] Nachzulesen sind die Zahlen bei Dussel: Tagespresse, S. 15.

[9] Sauer: Zeitung, S. 4.

[10] Sauer: Zeitung, S. 3f.

[11] Vgl. Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft, Frankfurt a.M. 11990.

[12] Sauer: Zeitung, S. 4.

[13] Vgl. Sauer: Zeitung, S. 4.

[14] Dies ist ein Grund warum u.a. die „Bild-Zeitung“ früher so billig war.

[15] Sauer: Zeitung, S. 4. Der Ausbau des Telegraphennetzes trug ebenso dazu bei.

[16] Sauer: Zeitung, S. 4.

[17] Sauer: Zeitung, S. 5. Vgl. dazu auch Dussel: Tagespresse, S. 69.

Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656154525
ISBN (Buch)
9783656415657
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190839
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
eine unterrichtskonzeption thema schah-besuch deutschland benno ohnesorg sekundarstufe teil unterrichtsreihe

Autoren

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