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Grace Kelly - Der Star, der den Traumprinzen heiratete

Fachbuch 2012 57 Seiten

Kunst - Fotografie und Film

Leseprobe

Ein Star des Kinos der 1950-er Jahre war die amerikanische Filmschauspielerin Grace Kelly (1929–1982). Von August 1950 bis März 1956 wirkte sie in elf Filmen mit. Die Traumhochzeit der stillen Schönheit mit Fürst Rainier III. (1923–2005) von Monaco bildete 1956 den Höhepunkt einer märchenhaften Karriere. Danach führte sie 26 Jahre lang als Prinzessin Gracia Patricia ein untadeliges Dasein als Fürstin, ehe sie bei einem tragischen Verkehrsunfall in Monaco ihr Leben verlor.

Grace Patricia Kelly erblickte am 12. November 1929 im „Hahnemann Medical College“ in Philadelphia (Pennsylvania) das Licht der Welt. Sie war das dritte von vier Kindern des amerikanischen Bauunternehmers und Millionärs John Brendan Kelly senior (1889– 1960), genannt Jack, und dessen Ehefrau Margaret Katherine (1899–1990), geborene Majer. Am 1. Dezember 1929 erfolgte ihre Taufe in der „St. Bridget’s Roman Catholic Church“.

Jack Kelly, der Vater von Grace, hatte irische Vorfahren. Sein Vater John Henry Kelly war Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Grafschaft Mayo in Irland nach Rutland im US-Bundesstaat Vermont ausgewandert und hatte zehn Kinder, unter denen Jack das zweitjüngste war. Jack fing sein Berufsleben als Maurer an und machte mit geliehenem Geld einen kleinen Betrieb zum großen Baukonzern. Mit seiner Firma „Kelly for Brockwork“ machte er in den 1920-er Jahren einen Millionenumsatz. Als junger Mann war er Ruderer, gewann nationale Titel und bei den „Olympischen Sommerspielen“ von 1920 und 1924 insgesamt drei Goldmedaillen.

Die Großmutter mütterlicherseits von Grace hieß Margaretha Berg und wurde als Tochter eines Sattlermeisters in Heppenheim an der Bergstraße (Hessen) geboren. Im Alter von 20 Jahren wanderte sie in die USA aus. Dort heiratete sie 1886 den aus Immenstaad am Bodensee stammenden Gutsbesitzersohn Carl Majer. Die Tochter des Paares namens Margaret brachte Grace zur Welt.

Jack Kelly und Margaret Majer haben sich 1914 in einem Schwimmverein kennen gelernt, für den letztere damals erfolgreich startete. Anfang der 1920-er Jahre erwarb sie ein Diplom als Sportlehrerin und unterrichtete als erste weibliche Dozentin für Leibesübungen an der „University of Pennsylvania“. Zeitweise arbeitete sie als Fotomodell. Nach dem Übertritt zum katholischen Glauben heiratete sie Jack Kelly am 30. Januar 1924.

Die drei Geschwister von Grace hießen Margaret Katherine (1925–1991), genannt Peggy, John Brendan junior (1927–1985), genannt Kell, und Elizabeth Anne (1933–2009), genannt Lizanne. Alle drei gehörten während ihrer Schulzeit zu den besten Sportlern/innen.

Ab 1927 wohnte die Familie Kelly in einer von ihrem Bauunternehmen errichteten Villa mit 17 Zimmern im Stadtteil East Falls von Philadelphia. Grace kam kurze Zeit nach dem „Schwarzen Donnerstag“ (24. Oktober 1929) zur Welt, der die als „Great Depression“ bezeichnete schwere Wirtschaftskrise in den USA auslöste. Von dieser Krise waren die Kellys kaum betroffen. Jack hatte sein Vermögen konservativ angelegt. Seine Villa in East Falls und das Urlaubsdomizil in Ocean City waren nicht von Hypotheken belastet. Die Familie Kelly konnte sich Bedienstete leisten, die sich um Haushalt und Garten kümmerten.

Über ihren Vater erzählte Grace später, dieser sei sehr sanft gewesen und habe im Gegensatz zu ihrer Mutter die Kinder nie geschlagen oder ausgeschimpft. Doch wenn der Autorität verkörpernde Vater etwas gesagt habe, hätten ihm die Kinder sofort gefolgt. Ihre Mutter soll sich sehr prinzipientreu, distanziert und zuweilen gefühlskalt verhalten haben. In ihrer frühen Kindheit war die sensible und introvertierte Grace anfällig für Krankheiten und wenig an den sportlichen Ambitionen ihres Vaters interessiert. Erst mit zunehmendem Alter erzielte sie in Sportarten wie Tennis, Schwimmen und Hockey gute Leistungen und nahm Ballettunterricht. Auch ihr Ehrgeiz in privater und beruflicher Hinsicht wuchs später.

Kurzsichtigkeit zwang Grace dazu, ab etwa dem zwölften Lebensjahr eine Brille zu tragen. Ihre Schüchternheit hielt man in ihrem Umfeld anfangs irrtümlich für Arroganz. Tatsächlich gehörten Willensstärke und diplomatisches Geschick zu ihrem Charakter. Zeitweise zog sie sich in eine Fantasiewelt zurück und lebte ihre künstlerischen Neigungen mit heimischem Puppenspiel und Dichten poetischer Verse aus.

Bereits in der Kindheit von Grace wurde ihre Vorliebe für die Schauspielerei offenkundig. Zusammen mit ihrer älteren Schwester „Peggy“ spielte sie im Alter von zwölf Jahren am Theater der „Old Academy Players“ unweit von East Falls.

Von 1934 bis 1943 besuchte Grace die von katholischen Ordensschwestern geführte „Ravenhill Academy of the Assumption“ in Philadelphia. Dort wirkte sie beim alljährlichen Krippenspiel mit. Danach wechselte sie an die staatliche „Stevens High School“ im Stadtteil Germantown. Als Teenager war der zwei Jahre ältere Harper Davis, der mit ihrem Bruder auf eine benachbarte Schule ging und 1946 schwer erkrankte, ihr Freund. Im Mai 1946 verließ Grace die „Stevens High School“. Unter ihrem Foto im Jahrbuch war prophetisch zu lesen, sie würde höchstwahrscheinlich Bühnen- oder Filmstar.

Anschließend bemühte sich Grace Kelly um eine Aufnahme an der renommierten dramatischen Fakultät des „Bennington College“ in Vermont. Doch sie genügte den hohen Anforderungen nicht und wurde nicht zugelassen. Danach bewarb sie sich gegen den Willen ihrer Eltern um eine Aufnahme an der namhaften Schauspielschule „American Academy of Dramatic Arts“ in New York City. Beim Vorsprechen überzeugte sie mit einem Auszug aus dem von ihrem berühmten Onkel George Kelly (1887–1974) geschriebenen Bühnenstück „The Torch-Bearers“ den Sekretär des Verwaltungsrates, Emile Diestel. Im gefiel ihre Bühnenpräsenz und ihr Gespür für Dramatik.

Grace Kelly studierte von 1947 bis 1949 an der „American Academy of Dramatic Arts“. Dort verbesserte sie mit intensiven Stimmübungen ihre Aussprache. Wegen einer seit Kindertagen chronischen Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) hatte sie eine nasale Sprechweise. Damals wohnte sie im ausschließlich für Frauen zugelassenen und von konservativen Verhaltensregeln geprägten „Barbizon Hotel for Women“.

Dank der Vermittlung durch einen Studienkollegen bekam Grace Kelly 1948 einen Termin bei einem Fotografen, der Titelbilder für das Magazin „Redbook“ machte. Für ihre ersten Bemühungen als Fotomodell erhielt sie einen Stundenlohn von 7,50 US-Dollar. Bald steigerte sich ihre Gage auf 25 US-Dollar pro Stunde. Später eroberte sie auch die Titelseiten weiterer Illustrierten wie „Cosmopolitan“ und „Ladie’s Home Journal“. Außerdem hatte sie Werbeauftritte für Schreibmaschinen, Waschmittel, Zigaretten und Bier. Schon nach einem Jahr galt sie mit wöchentlichen Einnahmen von rund 400 US-Dollar als eines der am besten bezahlten Models in New York City.

Im zweiten Semester an der „American Academy of Dramatic Arts“ hatte Grace Kelly eine Affäre mit dem elf Jahre älteren Schauspiellehrer und Theaterregisseur Don Richardson (1918–1996), der damals kurz vor der Scheidung stand. Er inszenierte die Komödie „The Philadelphia Story“, mit der Grace 1949 ihre Ab-schlussprüfung absolvierte. Auf Druck ihrer Eltern musste Grace die Beziehung mit Richardson beenden, blieb aber mit ihm befreundet.

Zu Beginn ihrer künstlerischen Karriere spielte Grace Kelly mittlere Rollen an Sommertheatern, unter anderem im „Bucks County Playhouse“ in New Hope. 1949 schaffte sie den Sprung an den New Yorker Broadway. Dort trat sie in dem Theaterstück „Fadren“ („Vater“) des schwedischen Dichters August Strindberg (1849–1912) auf. Nach 69 Vorstellungen und mäßigem Erfolg beim Publikum wurde dieses Stück abgesetzt. Damals hatte Grace mehrere Affären. Einer ihrer Verehrer war der pakistanische Prinz Aly Khan.

Zu Beginn der 1950-er Jahre wurde die Filmindustrie in Hollywood dank der Bemühungen der Theateragentin Edith Van Cleve (1894–1985) auf die Theaterschauspielerin Grace Kelly aufmerksam. Es kam zu Probeaufnahmen beim Regisseur Gregory Ratoff (1897–1960), die aber zunächst noch keine Rolle im späteren Film „Taxi“ nach sich zogen.

Zu ihrem Glück war Grace Kelly aber dem Produzenten Sol C. Siegel (1903–1991) durch ihre schauspielerische Leistung in dem am Broadway aufgeführten Theaterstück „Der Vater“ wohltuend aufgefallen. Dies verhalf ihr im August 1950 zu einer kleinen Rolle in dem Filmdrama „Fourteen Hours“ („14 Stunden“, 1951). Darin spielte Grace eine junge Frau namens Louise Ann Fuller, die sich in einem Anwaltsbüro aufhält und angesichts nervenaufregender Ereignisse im gegenüberliegenden Hochhaus die Scheidung von ihrem Ehemann überdenkt. Dieser Kurzauftritt von wenig mehr als zwei Minuten Dauer, der innerhalb von zwei Tagen gedreht worden war, brachte Grace 500 US-Dollar ein.

Im Sommer 1951 trat Grace Kelly unter anderem am Theater „Elitch Gardens“ in Denver (Colorado) auf. Zum dortigen Ensemble gehörte der irischstämmige Schauspieler Gene Lyons (1921–1974, mit dem Grace eine etwa anderthalb Jahre dauernde Affäre hatte, die wegen dessen Alkoholproblem endete.

Ab Juni 1951 wurde Grace Kelly von der Schauspielagentur „MCA“ betreut. „MCA“-Agent Jay Kanter fragte wegen ihr beim Produzenten Stanley Kramer (1913–2001) an, der wegen vieler laufender Filmprojekte ständig junge Schauspieler suchte. Kramer und der Drehbuchautor Carl Foreman (1914–1984) arbeiteten damals an den Vorbereitungen für den Western „High Noon“ („Zwölf Uhr mittags“, 1952) und mussten die zweite weibliche Hauptrolle neben Katy Jurado (1924–2002) besetzen. Beim Vorstellungsgespräch mit dem Regisseur Fred Zinnemann (1907–1997) trat Grace so überzeugend auf, dass man sie trotz ihrer Unerfahrenheit und anfänglicher Bedenken wegen des großen Altersunterschiedes zum männlichen Hauptdarsteller Gary Cooper (1901–1961) engagierte.

In „High Noon“ mimte Grace Kelly die frisch vermählte friedliebende Ehefrau Amy Fowler Kane des Marshals Will Kane. Letzterer hatte vor Jahren einen Mann namens Frank Miller wegen Mordes verurteilt. Nach seiner Begnadigung kehrte Miller mit drei Begleitern in die Kleinstadt Hadleyville zurück. Weil ihn die Einwohner im Stich ließen, stand Will Kane allein Miller und seinen Kumpanen gegenüber. Als Quäkerin lehnte seine Frau jegliche Gewalt aus religiöser Überzeugung ab und verließ ihn nach einem Streit. Doch als der erste Schuss fiel, sprang die Gattin besorgt aus dem abfahrenden Zug. Zum Schluss erschoss sie einen der Banditen und rettete damit ihrem Mann das Leben.

Für den Western „High Noon“ hatte Grace Kelly im Herbst 1951 insgesamt 22 Tage am Set verbracht. Pro Woche Dreharbeit erhielt sie eine Gage von 750 US-Dollar. Bei der Probevorführung äußerte sich Grace selbstkritisch über ihre Arbeit vor der Filmkamera. Ungeachtet ihrer zurückhaltenden Spielweise, die aber recht gut zu ihrer Rolle als Quäker-Braut passte, brachte „High Noon“ ihr den Durchbruch als Filmschauspielerin.

Im Herbst 1952 unterschrieb Grace Kelly einen Siebenjahresvertrag mit „Metro-Goldwyn-Mayer“ („MGM“), der sie zur Mitwirkung in drei Filmen pro Jahr verpflichtete und die Möglichkeit eines Verleihs an andere Studios vorsah. Im Vergleich mit ihren Einnahmen durch den Ganztagsjob als Mannequin erschien ihre anfängliche wöchentliche Filmgage von 750 US-Dollar bescheiden. Doch sie nahm dies wegen der Aussicht auf eine Zusammenarbeit in dem Film Mogambo“ („1953) mit dem Schauspieler Clark Gable (1901–1960) und dem Regisseur John Ford (1894–1973) sowie wegen der exotischen afrikanischen Drehorte in Uganda, Tanganjika und Kenia in Kauf.

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Details

Seiten
57
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656159070
ISBN (Buch)
9783656159377
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190786
Note
Schlagworte
Grace Kelly Fürstin Gracia Patricia Monaco Film Schauspielerin Filmschauspielerin Biografien Frauenbiografien

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Titel: Grace Kelly - Der Star, der den Traumprinzen heiratete