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Das Thema Tod im Alten Testament

Hausarbeit 2010 13 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit thematisiert den Tod innerhalb des Alten Testaments, welches zusammen mit dem Neuen Testament die Bibel bildet. Das Alte Testament trägt die archai- schen, israelischen Vorstellungen des Glaubens, die starken Kultureinflüssen ausgesetzt wor- den sind. Allerdings kann auf die Entstehung und die Einflüsse an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden.1 Das Thema Tod im Alten Testament stellt einen wichtigen Gegenstand der Theologie dar.2 Aber auch für Nicht-Theologen ist die Auseinandersetzung mit dem Tod zu allen Zeiten von Interesse, weil jeder Mensch einmal sterben wird. Trotz dieser Tatsache des Todes eines Jeden sind die Vorstellungen über den Tod (zeit-)spezifisch. So hat das Alte Testament ebenso wie andere Bereiche, Kulturen oder Religionen seine spezifischen Todes- vorstellungen. Sie haben als Glaubensgrundlage weitreichende Konsequenzen auf das Leben der Menschen. Spannend ist insbesondere, wie Gläubige ohne das Neue Testament, d.h. ohne den Auferstehungsgedanken und den gegenwärtig vorherrschenden Vorstellungen über ein Paradies, dennoch den Glauben an Gott bewahren können.3 Das Alte Testament liefert bezüg- lich des Todes eine Fülle an Material, da mit dem Tod nicht nur der Prozess des Sterbens ge- fasst werden kann, sondern die Vorstellungen weit bis in das Leben hineinreichen. Aus die- sem Grund ist ein Rückbezug zum Leben an einigen Stellen unabdingbar.4 Gleichzeitig be- deutet dies aber auch, dass innerhalb dieser Hausarbeit nicht der Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden kann, sondern lediglich wichtige Grundzüge der Todesvorstellungen im Al- ten Testament dargelegt werden können. Dennoch soll die Möglichkeit bestehen sich darüber hinaus intensiver mit einzelnen Aspekten auseinander setzen zu können. Diesbezüglich wer- den weiterführende Literaturhinweise in Klammern zur Verfügung gestellt. Ebenso kann auch nicht der gesamte Aufbau des Alten Testaments vorgestellt werden, sodass lediglich die, für die Thematik Tod relevanten Stellen aufgeführt werden. Diese sind unter anderem die Bücher Mose: Genesis, Exodus und Deuteronomium. Ebenso tragen aber auch die Psalme (14, 16, 39, 40, 49, 73, 88, 90, 115, 139), das Lehrbuch Kohelet und die Weisheiten Todesvorstellungen in sich. Die Geschichtsbücher: 1. und 2. Samuel/Könige, die Makkabäer und das Lehrbuch Hiob sind ebenso tragend. Auch die Prophetenbücher Jesaja, Jeremia, Ezechiel und das Da- nielbuch liefern relevante Informationen zu der Thematik Tod.

Der Hauptteil dieser Arbeit beginnt mit einer grundlegenden Begriffbestimmung des Todes, an welche die Ausführungen zum Ursprung des Todes und auch die Frage nach dem Einfluss Gottes auf den Tod anknüpfen. Hierbei handelt es sich um fundamentale Aspekte des Todes, die notwendig sind, um das Nachfolgende verstehen zu können. Der nächste Punkt: Die Prä- senz des Todes knüpft an die letzte Frage an, in dem aufgezeigt wird, wie der alttestamentli- che Mensch den Tod empfindet. Diese Vorstellungen finden ihre Erklärung in den anschlie- ßend aufgeführten Konzeptionen des Totenreiches. Hier wird das bis dahin Erwähnte noch einmal aufgegriffen. Das Totenreich stellt im Anschluss ebenso die Überleitung zu den dar- auffolgenden Aspekten dar. Diese sind der unnatürliche Tod und der Umgang mit dem Leich- nam. Der unnatürliche Tod findet in Anbetracht dessen, dass es sich hierbei um ein gegenwär- tig höchst aktuelles Thema handelt, seine Berechtigung zur Aufnahme in diese Arbeit. Überall in den Medien zeigen sich Suizidfälle mit steigender Tendenz. Damit wären die grundsätzli- chen Todesvorstellungen des Alten Testaments zwar aufgezeigt, trotzdem bildet den Ab- schluss aber ein anderer Zug, die apokalyptischen Anklänge, um zu gewähren, dass diese Per- spektive offen gehalten wird. Dieser Aspekt geht dann in ein Resümee über.

2. Begriffsbestimmung ,,tot sein’’ im Alten Testament - Die Bedeutung des Lebens als Voraussetzung für das Todesverständnis

Um die fundamentalen Vorstellungen über den Tod im Alten Testament verstehen zu können, ist zunächst ein Bezug zum Leben unabdingbar, denn der Tod ist untrennbar vom Leben. Im Folgenden wird demnach dargestellt was aus alttestamentlicher Sicht ,,leben’’ und in Folge dessen ,,tot zu sein’’ bedeutet. Im Exodus, dem 2. Buch Moses wird offenbart, dass ein Mensch nur lebt, wenn ihm der von Gott geschenkte Lebensatem eingeflößt worden sei. Somit ist der Odem das Zeichen des Lebens. Als unmittelbare Konsequenz ergebe sich daraus, dass ,,tot zu sein’’ bedeutet, dass dieser Lebensodem fehlt. Im Tod nimmt Gott seinen Lebensodem zurück und wendet sich von seiner Schöpfung ab.5

Ebenso wie der Odem das Leben symbolisiert, ist auch der Bund Gottes, ein Leben in der Gemeinschaft mit Gott ein Merkmal des Lebens. Im Tod hingegen besteht dieser Gottesbund nicht mehr, denn er wird durch den Tod aufgelöst. ,,Denn der Sterbende kehrt nicht heim zu Gott, sondern zurück zum Staub, aus dem er gemacht ist.’’6 7 Dass der Mensch bei seinem Tod wieder in seine Ursprungsmaterie ,,Staub’’übergehen und damit auch der Gottesbund aufgelöst wird, schildert unter anderem Genesis.8 So ist der Verstorbene nach Psalm 14 u. 39 nicht mehr existent. Er ,,ist nicht mehr’’9, was bedeutet, dass er keinen Zugang mehr zum Diesseits hat. Trotzdem besteht aber keine vollständige Existenzlosigkeit.10 Dieser schwer greifbare Zustand des Toten bedarf der Erläuterung und wird deshalb später im Zusammengang mit dem Totenreich noch einmal aufgegriffen werden. Nachdem nun die fundamentalen Gedanken des Todesbegriffs im Alten Testament dargelegt worden sind, soll im Folgenden als ebenso notwendige Grundlage der Ursprung des Todes geklärt werden.

2.1 Der Ursprung des Todes

Bei der Frage nach dem Ursprung des Todes handelt es sich um einen theologisch stark um- strittenen Diskurs, weil das Alte Testament verschiedene Auslegungen zu lassen würde. So kann der Tod als Gottes Wille angesehen werden, denn er schenkt dem Lebensodem nur für eine bestimmte Zeit.11 Die Sterblichkeit gehört demnach zum Wesen des Menschen und ist in Gottes Schöpfungsplan verankert: ,,[...] [D]enn Staub bist du und zum Staube sollst du zu- rückkehren<<.’’12 Die Gegenposition, die den Tod nicht als ursprünglichen Plan Gottes aner- kennt, sieht den Tod als Strafmaßnahme Gottes für die Ursünde Adam und Evas. Bei dieser Sicht kann die Sterblichkeit nicht als dem Wesen des Menschen zugehörig angesehen werden, sondern sie ist erst eine Reaktion, eine Strafe auf menschliches Vergehen.13 Als Begründung kann Genesis herangezogen werden. Der unsterbliche Gott habe nämlich den Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen. Als Konsequenz bedeute dies, dass auch der Mensch eigentlich nicht zum Sterben geschaffen worden sei und der Tod wider Gottes Schöpfungsplan sein müsse.14 Ursprünglich wollte Gott der Menschheit ein ewiges Leben im Paradies einräumen. Aber das Böse, die Sünde rief den Tod hervor und versperrte dieses ewige Leben.15

Zusammengefasst lässt sich dennoch festhalten, dass das Alte Testament im Wesentlichen den Tod als Schicksal und dem Wesen des Menschen zugehörig repräsentiert. Die Gegenthese findet zwar ebenfalls ihr alttestamentliches Fundament, aber sie bedarf immer einer größeren Interpretationsleistung.16

2.2 Der Tod - Die absolute Macht Gottes?

Im Wesentlichen wird die Macht Gottes im Alten Testament auf das Leben beschränkt. Denn Gott ist Gott der Lebendigkeit und kein Gott des Todes. Nach Psalm 88 ,,[sind] die Toten [...] geschieden von seiner Hand.’’17 Der Gottesbund ist im Tode aufgelöst.18 Trotzdem weist das Alte Testament, für welches exemplarisch Exodus aufgeführt werden kann, Stellen auf, die im Gegensatz dazu den Tod als Gottes Macht auslegen.19

Der Tod ist aber nach dem Alten Testament überwiegend eine von Gott gesonderte Einfluss- nahme, sodass der Tod ,,in der Regel [...] keine eigene göttliche Gewalt [...]’’20 ist. Der un- sterbliche Gott ist zwar nicht Herrscher der Welt des Todes, aber trotzdem entscheidet Gott nach Hiob, wann ein Mensch stirbt und sein Leben beendet wird. Gottes Macht ist letztend- lich unermesslich, sodass sich diese auch bis in das Totenreich erstrecken kann.21 So zeigt auch Psalm 139 diese unerschöpfliche Macht Gottes in Form des Zurückholens eines Verstor- benen aus dem Totenreich. Gottes Macht ist demnach der Macht des Todes überlegen.22

Ob der Tod als Macht Gottes ausgelegt werden kann, muss an dieser Stelle offen bleiben. Gewiss ist aber dessen Einfluss auf den Tod enorm, denn nur ,,Gott tötet und macht lebendig (1.Sam 2,6)’’23.

Ein Resultat des Diskurses, der den Ursprung des Todes betrifft, d.h. ob der Tod dem Wesen des Menschen zugehörig ist oder nicht, ist ebenso die Frage, ob der Tod als Strafe Gottes an- gesehen werden kann. Die Antwort darauf ist bedingterweise ebenso theologisch umstritten, weil er an den zuvor dargestellten Diskurs anknüpft und einhergeht. Spezifisch geht es um die Frage, ob das Alte Testament von einem ,,Tun-Ergehen Zusammenhang’’24 ausgeht und der Tod somit als Strafe Gotte gedeutet werden könne. ( Diskurs Kaiser, Otto/Lohse, Eduard: Tod und Leben. Stuttgart, Berlin, K ö ln, Mainz 1977. (Kohlhammer- Taschenb ü cher; Bd. 1001: Bibl. Konfrontationen), S. 7-80.) Dieser ,,Tun- Er- gehen Zusammenhang’’ wird im Gesetz Moses dargelegt und zeigt auf, dass Gott nur Denje- nigen mit einem langen und erfüllten Leben beschenkt, der nach seinem Willen agiert. (Dtn 30). Umgekehrt bedeute dies, dass der Untreue gegenüber Gott mit dem Tode bestraft wer- de.25 So unterstützt Jesaja zum Beispiel die These des ,,Tun-Ergehen Zusammenhangs’’. Der Betende erkennt hier die Selbstverschuldung seines Todes an, da er ihn aufgrund eines Ver- gehens verdient habe

[...]


1 vgl. Dietrich, Walter/Vollenweider, Samuel: Tod II. In: Müller, Gerhard (Hrsg.): Theologische Realenzy­klopädie. Berlin 2002. Bd. 33, S. 582-600. Hier: S. 582.

2 vgl. Jüngel, Eberhard: Tod. In: Schulz, Hans Jürgen (Hrsg.): Themen der Theologie. Stuttgart/Berlin 1971. Bd. 8, S. 78-103. Hier: S. 78.

3 vgl. Kaiser, Otto/Lohse, Eduard: Tod und Leben. Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1977. (Kohlhammer- Ta­schenbücher; Bd. 1001: Bibl. Konfrontationen), S. 7-80. Hier: S. 6.

4 vgl. Dingermann, F.: Tod. In: Rahner, Karl/Höfer, Josef (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. Mün­chen/Rom 1965. 2., völlig neu bearbeitete Auflage. Bd. 10, S. 218f. Hier: S. 218f.

5 vgl. GrafReventlow, Henning: Tod und Leben im Alten Testament. In: Binder, G./Effe, B. (Hrsg.): Tod und Jenseits im Altertum. Trier 1991. (BAC Bd. 6), S. 9-20. Hier: S. 9f.

6 Jüngel, Eberhard: Tod, S. 98.

7 vgl. ebd.

8 vgl. Dingermann, F.: Tod, S. 218.

9 Art. Tod. In: Lêon-Dufour, Xavier (Hrsg.): Wörterbuch zur biblischen Botschaft, Freiburg/Basel/Wien 21981, [zuerst Paris 1962], S. 659-667. Hier: S. 660.

10 vgl. ebd.

11 vgl. Art. Tod. In: Lexikon des Mittelalters. München 1997. Bd. 8, S. 822-824. Hier: S. 822f.

12 Kaiser, Otto/Lohse, Eduard: Tod und Leben, S. 16.

13 vgl. ebd.

14 vgl. Kaiser, Otto/Lohse, Eduard: Tod und Leben, S. 8f.

15 vgl. Art. Tod. In: Lêon-Dufour, Xavier (Hrsg.): Wörterbuch zur biblischen Botschaft, S. 661.

16 vgl. Kaiser, Otto/Lohse, Eduard: Tod und Leben, S. 23f.

17 Jüngel, Eberhard: Tod, S. 92.

18 vgl. ebd.

19 vgl. Dietrich, Walter/Vollenweider, Samuel: Tod II, S. 594.

20 ebd., S. 583.

21 vgl. Kaiser, Otto/Lohse, Eduard: Tod und Leben, S. 52.

22 vgl. Dietrich, Walter/Vollenweider, Samuel: Tod II, S. 583-590.

23 Jüngel, Eberhard: Tod, S.92.

24 Kaiser, Otto/Lohse, Eduard: Tod und Leben, S. 11.

25 vgl. ebd., S. 11f.

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656153344
ISBN (Buch)
9783656153597
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190712
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,0
Schlagworte
Tod Altes Testament Religion Mittelalter Mediävistik Bibel Apokalypse

Autor

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