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Informelle Kompetenzen erfassen

Ausarbeitung 2010 20 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Informelles Lernen und andere Lernformen

Kompetenzen

Messung

Messverfahren

Der ProfilPASS

Möglichkeiten in Deutschland
1. Probestudium
2. Externenprüfung
3. Bildungspässe
4. Arbeitszeugnisse
5. Beurteilungsverfahren/ Assessment Center
6. Projekt Familienkompetenzen/ Kompetenzbilanz

Das Schweizerische Qualifikationshandbuch

Norwegen- Realkompetanse Projekt

Literaturverzeichnis

Einleitung

Seit Mitte der 90’er Jahre des 20. Jahrhunderts hat das informelle Lernen, die daraus resultierenden Kompetenzen und deren Anerkennung sehr an Bedeutung gewonnen. Als Indikator dafür wird unter anderem der technologische, wirtschaftliche sowie arbeitsorganisatorische Strukturwandel der entwickelten Industrieländer genannt. Dieser hat unter anderem zur Folge, dass einmal erworbene berufliche Erfahrungen, Wissensbestände und Qualifikationen schneller veralten.[1] Spätestens mit dem „Memorandum über lebenslanges Lernen“ aus dem Jahr 2000, das durch den europäischen Rat und dem EU-Bildungsministerrat zur Erweiterung des Bildungsraumes in der EU beschlossen wurde, ist die Neubewertung des Lernens eine der zentralen Botschaften.

Nicht zuletzt fordert die hohe Arbeitslosigkeit in der EU und insbesondere in Deutschland neue Möglichkeiten, den Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern oder individuell passende Umschulungen und Weiterbildungen ermitteln und realisieren zu können. Einer Statistik aus dem Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit zufolge konnte auch im Februar 2005 die Grenze der 5 Millionen nicht unterschritten werden.[2] Neue Maßnahmen sind folglich notwendig, die unter anderem die Anerkennung und Zertifizierung informeller Kompetenzen beinhaltet, um die Arbeitsmarkttauglichkeit eines jeden Bürgers zu sichern und deren individuellen Kompetenzen zu erfassen. Diese Kompetenzbilanz könnte dann sinnvoll bei der Arbeitssuche eingesetzt werden. Gesellschaftliche Anerkennung stellt ebenfalls einen positiven Aspekt der Kompetenzbilanz dar.

National sowie international wurden verschiedene Messverfahren und –methoden entwickelt, um informelle Kompetenzen erfassen zu können und diese messbar zu machen. Im Folgenden werden einige ausgewählte Verfahren aufgeführt, die sich sowohl im deutschen als auch im europäischen Raum etabliert haben.

1. Informelles Lernen und andere Lernformen

Der größte Teil der menschlichen Lernprozesse geschieht beiläufig und vorwiegend unbewusst, ob im Alltag oder im Berufsleben. Davon abzugrenzen sind allerdings jene Lernprozesse, die ziel- und zweckgerichtet verlaufen. Diese Form des Lernens wird auch als „intentional“ tituliert und vollzieht sich in eigens zu ihrem Zwecke gestalteten und geplanten Lernarrangements. In Hinblick darauf werden drei Formen von Lernen unterschieden: informelles, non-formales und formales Lernen. Informelles Lernen „bezeichnet ein Lernen, das aus alltäglichen Aktivitäten (...) erwächst“[3]. Dies kann in der Familie, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis aber auch in gewöhnlichen Alltagssituationen geschehen. Informelles Lernen kann sich zum einen gesteuert und bewusst vollziehen und somit zum Kompetenzerwerb führen. Zum anderen ist auch ein implizites Lernen, also ohne eigentliche Lernabsicht, möglich, welches sich unbewusst und ganz nebenbei vollzieht. Es wird somit aufgrund von bestimmten Erfahrungen gelernt, welches eine formelle Zertifizierung unmöglich macht. Das informelle Lernen wird häufig dem non-formalen Lernen gleichgesetzt und überwiegend als Terminus in der Kompetenzentwicklung und -erfassung gebraucht, da noch keine trennscharfen Begrifflichkeiten existieren.

Non-formale Bildung, die zweite Lernform, findet in einem institutionellen Rahmen statt, in der die Bildungsaktivitäten geplant und organisiert werden, eine Zertifizierung ist allerdings nicht möglich.[4]

Eine weitere Lernform ist das formelle Lernen, „ein von Bildungsinstitutionen veranstaltetes, planmäßiges strukturiertes Lernen, das zu anerkannten Abschlüssen und Zertifikaten führt.“[5] Diese Lernform ist von allen bekannten Lernformen die gesellschaftlich anerkannteste und wird in Bildung und Beruf zum Beispiel bevorzugt als Kriterium eines Bewerbungsverfahrens eingesetzt.

Aufgrund seiner sehr komplexen Umwelt stehen jedem Individuum grob vier Lernbereiche gegenüber. Der erste Lernbereich ergibt sich durch Lernprozesse in Institutionen und Organisationen, z.B. Schulen, Hochschulen, Weiterbildungseinrichtungen etc. und wird als Institutionelles und organisationales Lernen bezeichnet. Der formelle Lernprozess dominiert hier eindeutig. Lernen für den Arbeitsprozess und im Arbeitsprozess nennt sich der zweite Lernbereich, in dem in Form von Projektgruppen, Coachings, Trainings jenseits des formelles Lernprozesses (weiter-) gebildet wird. Hier steht ganz klar der „Learning by doing“-Effekt im Vordergrund (informelles Lernen). Einen weiteren Lernbereich stellt das Lernen im sozialen Umfeld dar. Hier wird durch die informelle Lernform von Familie, Freunden, Vereinen usw. gelernt. Durch das Zeitalter des Internets und unsere moderne Lebenswelt wird das Lernen im Netz und mit Multimedia zu einem weiteren Lernbereich des Individuums. Hierbei wird das Medium zu einem Lernort und gleichzeitig auch zum Lernmittler. Durch die Vielseitigkeit des Lernbereiches kann keine der Lernformen dominieren, denn alle Lernformen sind hierbei von Wichtigkeit.[6]

2. Kompetenzen

Kompetenz ist einer der meist diskutierten Zielbegriffe der Aus- und Weiterbildung.[7] Unter Kompetenzen werden Weinberg zufolge „alle Fähigkeiten, Wissensbestände und Denkmethoden verstanden, die ein Mensch in seinem Leben erwirbt und betätigt“.[8] Hierbei wird noch der Begriff der beruflichen Kompetenz unterschieden. Bei den beruflichen Kompetenzen handelt es sich um diejenigen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissensbestände, die den Menschen in seiner beruflichen Tätigkeit sowohl in vertrauten als auch neuartigen Situationen handlungs- und reaktionsfähig machen. Dies bedeutet also die Fähigkeit des Menschen, in der Arbeitssituation effektiv mit seiner Umwelt zu interagieren oder sogar die Kapazität einer Person, Aufgaben in einem bestimmten Bereich zu bewältigen. Wird der Kompetenzbegriff dem formalisierten Qualifikationsprofil, welches mit Prüfungen den formalen Abschluss von Bildungsgängen dokumentiert, gegenübergestellt, so wird klar, dass Kompetenz über das „was ein Mensch wirklich kann und weiß“ definiert wird[9]. Durch diese Definition wird deutlich, dass Wissen und Können nicht nur in formalisierten Ausbildungssituationen erworben wird. Menschen eignen sich vorwiegend auf informellem Wege wichtige Kenntnisse und Fähigkeiten an.

3. Messung

Die Kompetenzbilanz legt das Hauptaugenmerk auf den Situations- und Kontextbezug von Kompetenz mit Blick auf den Erwerb von Kompetenz. Dabei ist die Kombination aus Erfassung von Lernposition / Lernort und zugeordneter Wissenposition, also die Art des Wissenszuwachses, erheblich. Hierbei ist wichtig zu erwähnen, dass Kompetenzen lernbar aber nicht lehrbar sind – ihre Erwerbsform daher immer informell ist. Durch das breite Arsenal von Instrumenten und Methoden der Kompetenzmessung kann keine Systematik von Kompetenzmessungen abgeleitet werden. Möglich ist lediglich die Vorstellung einer groben Klassifikation, die durch Rosenstiel und Erpenbeck entwickelt wurde. Die beiden Wissenschaftler gehen von zentralen Fragen nach den Eigenschaften von Personen und deren Einfluss auf Prozesse oder nach individuellen Dispositionen des Menschen, die befähigen, unterschiedliche Suchstrategien auszuführen, aus. Um den Fragen auf den Grund gehen zu können, unterscheiden Erpenbeck und Rosenstiel zuerst zwischen Kompetenztypen und deren individuelle Präferenz von fachlich-methodischen, personalen, aktivitätsbezogenen und fachlich-kommunikativen Kompetenzen. Im Zuge dessen können Kompetenzklassen charakterisiert werden, welche sich auf die bereits erwähnten personale, aktivitäts- und umsetzungsorientierte, fachlich-methodische und sozial-kommunikative Kompetenzen beziehen. Als weiterer Schritt werden Kompetenzgruppen erstellt und gemessen, z.B. Persönlichkeitseigenschaften, Tätigkeitscharakteristika und soziokulturelle Kommunikationsvoraussetzungen. Die Berücksichtigung der Kompetenzentwicklung im Kontext der Zeitspanne bildet einen weiteren Klassifikationspunkt und kann in Form von Zeitreihen mit sehr unterschiedlichen Zeitspannen analysiert werden. Die Kompetenzbeobachtung wird kritisch betrachtet, da sie ein Problem der Kompetenzmessung darstellt. Die –vom Beobachter- geforderte aber schwer einzuhaltende Objektivität könnten die Messung erheblich beeinträchtigen, da allein das Verständnis von Kompetenz Messunterschiede hervorbringt. Die Kompetenzforschung kann sowohl qualitativ als auch quantitativ ausgeführt werden. Generell stößt eine wissenschaftliche Erfassung und Messung von Kompetenzen auf erhebliche

[...]


[1] Bretschneider, M. / Preißer, R.: Sichtbarmachung und Anerkennung von informellem Lernen im Rahmen der individuellen Erstellung von Weiterbildungspässen. In: REPORT, Literatur- & Forschungsreport. 4/2003

[2] Vgl. www.pub.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/000100/html/monat/200502.pdf Abgerufen am 29.03.2010

[3] Björnavold, Jens: Lernen sichtbar machen. Thessaloniki: Cedefop. 2001.

[4] Gnahs, Dieter: Zertifizierung informell erworbener Kompetenzen. 2003. S. 90.

[5] Dohmen, G.: Das lebenslange Lernen. Bonn: BMBF. 1996.

[6] Erpenbeck, John: Modelle und Konzepte zur Erfassung non-formell und informell erworbener beruflicher Kompetenzen in Deutschland. 2003. S. 28-34.

[7] Clement, Ute & Arnold, Rolf (Hrsg.): Kompetenzentwicklung in der beruflichen Bildung. Opladen:Leska+Budrich. 2002. S. 29

[8] Weinberg, J.: Kompetenzlernen. In: Quem Bulletin. H.1, 1996, S. 3

[9] ebd.

Details

Seiten
20
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656152217
ISBN (Buch)
9783656152965
Dateigröße
681 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190711
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,7
Schlagworte
informelle kompetenzen

Autor

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Titel: Informelle Kompetenzen erfassen