Lade Inhalt...

Adipositas - eine Krankheit mit kostspieligen Folgen: Konzepte und Probleme der gängigen Therapieansätze

Projektarbeit 2012 44 Seiten

VWL - Gesundheitsökonomie

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund: Krankheitsbild – Adipositas
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Aktuelle epidemiologische Daten zur Adipositas
2.3 Mögliche Folgen der Adipositas-Erkrankung
2.4 Die häufigste Folgeerkrankung von Adipositas: Diabetes mellitus Typ 2

3. Neue Therapieperspektive bei der Adipositas: bariatrische Chirurgie
3.1 Operationsverfahren der bariatrischen Chirurgie
3.1.1 Magenband
3.1.2 Roux-en-Y-Magenbypass
3.1.3 Schlauchmagen-Operation
3.1.4 Biliopankreatische Diversion mit Duodenalswitch
3.2 Kosteneffektivität der bariatrischen Chirurgie
3.2.1 Kosteneffektivität der bariatrischen Chirurgie bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und BMI ≥ 35 kg/m²
3.2.2 Kosteneffektivität der bariatrischen Chirurgie bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und BMI < 35 kg/m²
3.3 Operative Komplikationen der bariatrischen Chirurgie

4. Medikamentöse Therapie der Adipositas
4.1 Medizinische Wirksamkeit und Kosteneffektivität von Orlistat (Xenical ®)
4.2 Anwendung und unerwünschte Wirkungen von Sibutramin (Reductil ®)

5. Diskussion und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen in Europa; adaptiert nach Eurostat (2007).

Abbildung 2: Geschlechtsspezifische Prävalenz des diagnostizierten Diabetes, nach Altersgruppen (n= 21.262).

Abbildung 3: Magenband

Abbildung 4: Roux-en-Y-Magenbypass

Abbildung 5: Schlauchmagen

Abbildung 6: Biliopankreatische Diversion mit Duodenalswitch

Abbildung 7: Metabolische Auswirkungen einer einjährigen Behandlung mit Orlistat bei adipösen Patienten mit Typ 2 Diabetes

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Gewichtsklassifikation bei Erwachsenen anhand des BMI (nach WHO,2000).

Tabelle 2: Adipositasgrade bei Erwachsenen anhand des BMI: Prävalenz in Deutschland (2006), Deutsche Bevölkerung 18 - 80 Jahre (64,26 Mio.)

Tabelle 3: Kalkulation der stationären/teilstationären Kosten im Fälle der Adipositas-Eingriffe erster Wahl

Tabelle 4: Kumulierte Kosten pro Patient über fünf Jahre einschließlich der Kosten der Therapie, Kosten für Komplikationen und Kosten des vorherrschenden Diabetes Typ 2

Tabelle 5: Übersicht über die Zusammenhänge des Körpergewichts (BMI) mit dem Risiko für Begleiterkrankungen

Tabelle 6: Einkaufskosten der Apotheken auf Basis der in Deutschland zugelassenen Adipositas-Medikamente Orlistat und Sibutramin

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Adipositas und Übergewicht entwickeln sich fortlaufend zu einem ernstzu nehmenden, gesundheitlichen Problem der Bevölkerung weltweit. Dabei sind die steigenden Behandlungskosten der Folgeerkrankungen von adipösen Patienten vor dem Hintergrund der sonst knappen Ressourcen der internationalen Gesundheitssysteme nicht zu vernachlässigen.

LautProf. Dr. Günter Neubauer, Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomie in München, machen die Behandlungskosten für die Folgeerkrankungen von Adipositasin Deutschland einen Anteil von ca. 10 %der gesamten Gesundheitskosten aus. Demnach könnendieseKostenmit insgesamt 17 Milliarden Euro geschätzt werden [9].

Im Rahmen der vorliegendenProjektarbeit werden die Konzepte und Probleme verschiedener Therapieansätze zurAdipositasbehandlung und deren möglicher Einfluss auf die Remission des Diabetes Typ 2 erläutert und diskutiert. In Kapitel 2 wird einleitend das primäre Krankheitsbildvon Adipositas beschrieben.Außerdem werden in diesem Kapitel aktuelle epidemiologische Datendargestellt.Nach einer kurzen Systematisierung der relevantengesundheitlichen Folgen der Adipositas-Erkrankung geht der Autor auf die häufigste Begleiterkrankung von Adipositas-Diabetes mellitus Typ 2ein und gibt einen Überblick deren klinischen Kennzahlen. In Kapitel 3 werdendie Indikationen und Therapieverfahren der bariatrischen Chirurgie detailliert beschrieben. In Kapitel 4 erläutert der Autor die gängigen medikamentösen Therapiemöglichkeiten, um diese anschließend in Kapitel 5 den operativen Eingriffen gegenüberzustellen und die Verfahransunterschiede zu diskutieren. Die Vor- und Nachteile operativer Eingriffewerden zudem in Kapitel 5 anhand der Ergebnisse einer Umfrage von Spezialisten der bariatrischen Chirurgie aus verschiedenen Häusern empirisch herausgearbeitet. Das Forschungsziel dieser Arbeit ist stets, einen möglichen Zusammenhang zwischen den ausgewählten operativen Eingriffen und der Remission des Diabetes Typ 2 festzustellen. Die Forschungshypotese lautet, dass die operativen bariatrischen Eingriffemit deutlichen Genesungschancen für adipösen Patienten mit Diabetes Typ 2 einhergehen. Außerdem werden in dieser Arbeit die Dimensionen der Kostenbelastung resultierendaus der Adipositasbehandlung für das deutsche Gesundheitswesen beschrieben.

2. Theoretischer Hintergrund: Krankheitsbild – Adipositas

2.1 Begriffsbestimmung

Der Begriff Adipositas ist vom lateinischen Wort „adeps“ abzuleiten und hat sich für die Erkrankung der übermäßigen Fettspeicherung etabliert [23]. Dabei handelt es sich um eine übermäßige Vermehrung bzw. Bildung von Fettgewebe mit dessen generalisierten Speicherung. Als Folge kommt es zu einer Veränderung der Körperzusammensetzung und des Energiestoffwechsels , d.h.die Fettmasse steigt absolut und relativ gegenüber der fettfreien Körpermaßean [22].

Der Body Mass Index (BMI), welcher zu Beginn der 70er Jahre des 19. Jahrhundertsvom belgischen Wissenschaftler Lambert Adolphe Jaques Quetelet (1796-1874) eingeführt wurde, stellt die gängigste Methode zur Klassifizierung von Adipositas dar. Der Index berechnet sich als ein Quotient aus dem Körpergewicht und dem Quadrat der Körpergröße [16].

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an [21] S.14.

Gemäß der BMI - Klassifikation können Unter-, Normal- und Übergewicht sowie Adipositas Grad I bis III unterscheiden werden [22]. Demnach sind die Personen mit einem BMI über 25 kg/m²„übergewichtig“, ab einem BMI von 30 kg/m² kann von Adipositas gesprochenwerden [16] (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1: Gewichtsklassifikation bei Erwachsenen anhand des BMI (nach WHO,2000).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an [22] S. 14.

2.2 Aktuelle epidemiologische Daten zur Adipositas

Die dramatische Zunahme der Adipositasfälle in den westlichen Industrieländern hat sich in den letzten Jahren zu einem wachsenden medizinischen und sozioökonomischen Problem entwickelt [24].

Wie die International Association for the Study of Obesity im Jahr 2007berichtete, seien 75 % der Männer und 59 % der Frauen im Alter zwischen 25 und 69 Jahren in Deutschland übergewichtig oder sogar adipös [13].

Die nationale Verzehrstudie II, die im Jahr 2006 im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass über 2,6 Millionen Erwachsene (Altersgruppe 18-80Jahre) in Deutschland einen BMI von 35-39,9 kg/m² haben. Weitere 960.000 Erwachsene haben laut den Studienergebnissen einen BMI von über 40kg/m² (siehe Tabelle 2). Demnachkommt Deutschland im europäischen Vergleich eineder Spitzenpositionzu [10].

Tabelle 2: Adipositasgrade bei Erwachsenen anhand des BMI: Prävalenz in Deutschland (2006), Deutsche Bevölkerung 18-80 Jahre (64,26 Mio.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Max-Rubner-Institut 2008.

In Großbritannien liegt die Prävalenzrate von Adipositas bei über 20 %. In Deutschland sind dagegen etwa 58 % aller Erwachsenen übergewichtig, weshalb sich das Land bezogen auf die Adipositasquoteeuropaweit auf dem zweiten Platz befindet. Im Gegensatz dazu ist in den Niederlanden, Frankreich, Norwegenein deutlich geringerer Anteil der Bevölkerung von der Fettleibigkeit betroffen (siehe Abbildung 1) [3].Dennoch hat sich die Adipositas-Erkrankung in Europa zu einem vordringlichen Gesundheitsproblem entwickelt. Die Adipositasprävalenz im europäischen Raum weist eine dramatische Entwicklungauf und hat sich innerhalb der letzten Jahre verdreifacht.Die Tendenz bleibt weiterhin steigend.Im Jahr 2010 lag der Anteil an übergewichtigen Erwachsenen bei 21 %, was etwa 150 Millionen Menschen ausmacht.Darüber hinaus leiden 10 % der Kinder (ca. 30 Millionen) an Adipositas [17].

Abbildung 1: Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen in Europa; adaptiert nach Eurostat (2007).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an [3] S. 35.

DieWeltgesundheitsorganisation (WHO) prognostiziert einen weiteren Anstieg der Prävalenzzahlen für den internationalen Raum.Demnach sei es in 2015 mit ca. 2,3 Milliarden Erwachsenen mit Übergewicht und mit mehr als 700 Millionen Erwachsenen mit Adipostas zu rechnen[10].

Entsprechend der Angaben des Statistischen Bundesamtes sei eine Zunahme der Krankheitskosten im Zusammenhang mit Adipositas in Deutschland festzustellen. Bereits im Jahresvergleich zwischen 2006 und 2008 stiegen die Gesundheitsausgaben für die Behandlung der Folgeerkrankungen von Adipositas um 86 Millionen Euro an [17].

2.3 Mögliche Folgen der Adipositas-Erkrankung

Übergewichtige und insbesondere adipöse Patienten haben ein hohes Risiko für die Entwicklung verschiedener Begleit- und Folgekrankheiten. Dazu zählen z.B. Hypertonie, koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Gallenblasenleiden, bestimmte Tumorarten sowie Diabetes mellitus Typ 2[20]. Besonders bei dem Typ-2-Diabetes ist die Prävalenz in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Diabetes - Patienten, die unter einem starken Übergewicht leiden, haben nicht nur kosmetische, sondern auch enorme gesundheitliche Probleme[11]. Das Auftreten eines metabolischen Syndroms ist eine Vorstufe des Diabetes mellitus Typ 2. Unter dem Begriff des metabolischen Syndroms ist eine Insulinresistenz bzw. Hyperinsulinämie zu verstehen. Diese Erkrankung entsteht aufgrund der Komorbiditätvon Diabetes mellitus Typ 2 bzw. der gestörten Glukosetoleranz, Dyslipidämie, stammbetonten Adipositas und der arteriellen Hypertonie [16].Bei einer ausgeprägten Adipositas erhöht sich auch die Gesamtmortalität [11].

Aufgrund der genannten, schwerwiegendenFolgen soll die Adipositas vor allem aus gesundheitsökonomischer Sicht neubewertet werden.

2.4 Die häufigste Folgeerkrankung von Adipositas: Diabetes mellitus Typ 2

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)ist die weltweit am häufigsten auftretende Stoffwechselerkrankung. Ein Großteil aller Diabetiker(80-90 %) leidet an Diabetes mellitus Typ 2. Meist manifestiert sich die Erkrankung im höheren Lebensalter. Überdies wirken mehrere Faktoren zusammen: genetische Veranlagung, Bewegungsmangel sowie Fehlernährung. Als Folgen sind eine verminderte Wirkung sowie eine verminderte Ausschüttung von Insulin zu benennen. Die „Gesundheit in Deutschland aktuell(GEDA)-Studie“ aus dem Jahr 2009, die auf den Daten eines telefonischen Gesundheitssurveys basiert, hat ergeben, dass bei insgesamt 8,8 % aller Erwachsenen, wovon 9,3 % der Frauen und 8,2 % der Männer im erwachsenen Alter betroffen sind, bereits ein Diabetes diagnostiziertwurde. Laut den Ergebnissen dieser Studie leiden insgesamt 5,98 Millionen Erwachsener an Diabetes. Weiterhin sind die ermittelten Ergebnisse auf mögliche Unterschiede aufgrund von Alterund/oder Geschlecht der Befragten untersucht worden. Bei Frauen und Männern im Alter zwischen 40 und 49 Jahren liegt die Prävalenz des Diabetes unter 5 %. Die Prävalenzzahlen steigen in Relation zum Alter signifikant an. Demnach ist bei Erwachsenen der Altersgruppe der 50-bis 59-Jährigen bereits jede elfte Person von Diabetes betroffen. In der Gruppe der 60-bis 69-Jährigenleidet jede siebte Personund ab dem 70. Lebensjahr sogar jede fünfte Person an Diabetes (siehe Abbildung 2) [12].

Abbildung 2: Geschlechtsspezifische Prävalenz des diagnostizierten Diabetes, nach Altersgruppen (n= 21.262).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an [12] S. 2.

3. Neue Therapieperspektive bei der Adipositas: bariatrische Chirurgie

Den neuen S3-Leitlinien liegt die Erkenntnis zugrunde, dass die bariatrische Chirurgie sehr erfolgreich sein kann und oftmals die beste Behandlungsoption bei Patienten mit Diabetes Typ 2 ist. Die Leitlinien verlangen ein interdisziplinäres Expertenteam bestehend aus Internisten, Chirurgen, Psychologen und Ernährungstherapeuten. Die Qualifikationsanforderungen müssen von den Fachgesellschaften festgelegt werden. Zudem befreien die Leitlinien die Adipositaschirurgie von vielen Restriktionen, sie weisen aber gleichzeitig dem Chirurgen eine besondere Verantwortung für den Patienten zu, die weit über die perioperative Phase hinausgeht. Nach diesen Leitlinien kannbei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 bereits bei einem BMI zwischen 30 und 35 kg/m² eine bariatrische Operation im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie erwogen werden [1].

Adipöse Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 können heutzutage von einer chirurgischen Intervention profitieren. Diebariatrische Chirurgie stellt eine effektive Lösung zur Behandlung des krankhaften Übergewichts dar, weil die Eingriffeeine erheblicheGewichtsreduktion ermöglichen. Etwa 60 % der operierten adipösen Patienten haben ihr Gewicht nachhaltig reduziert. 77 % der adipösen Patienten konnten im Zuge der Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2 geheilt werden [11].

Die direkten Kosten eines stationären bzw. teilstationären Aufenthaltsergeben sich insgesamt aus den Operationskosten der ökonomischen Fallpauschale (mit Bezug auf die mittlere Klinikverweildauer) sowie den krankenhausindividuellen Zusatzentgelten.Es ist schwierig herauszufinden, wie viele der Eingriffe von den Belegärzten(teilstationär) oderden Klinikärzten(stationär) vorgenommen werden, deshalb wird davon ausgegangen, dass alle behandelten Patienten eine „mittlere Verweildauer“ gemäß § 1 Abs. 6 der Versorgung zum Fallpauschalensystem für Krankenhäuser (KFPV) von etwa sieben Tagen aufweisen. Hierzuwird die Rahmenvereinbarungeiner stationären Versorgung durch Klinikhaupt- bzw. Belegabteilungenim Diagnosis Related Groups -System (Ziffer K07Z - AndereEingriffe bei Adipositas“)dargestellt. Die Krankenhauserlöse ergeben sich als Produkt aus dem Basisfallpreis und dem jeweiligen DRG-Relativgewicht. Da sich die Basisfallwerte von Klinik zu Klinik unterscheiden, werden hier die bundesdurchschnittlichen Kosten je Behandlungsfall herangezogen. Die anzusetzenden Behandlungskosten betragen daher 3.218 Euro. Weiterhin wird hier ein Durchschnittswert für die Verordnung der „krankenhausindividuellen Entgelte“ angenommen, der sich aus verschiedenen Stichproben bei einzelnen Kliniken ergab . Unter Berücksichtigung der genannten Zusammenhänge ergibt sich folgende Darstellung [7]:

[...]

Details

Seiten
44
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656161516
ISBN (Buch)
9783656161707
Dateigröße
5.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190707
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,3
Schlagworte
adipositas krankheit folgen konzepte probleme therapieansätze

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Adipositas - eine Krankheit mit kostspieligen Folgen: Konzepte und Probleme der gängigen Therapieansätze