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Ethik der islamischen Finanzwirtschaft

Hausarbeit 2010 18 Seiten

Soziologie - Wirtschaft und Industrie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einflihrung in den Islam
2.1 Die fünf Saulen des Islams
2.2 STarfa
2.3 Koran
2.4 Hadit
2.5 Rechtsschulen

3 Was ist Wirtschaftsethik
3.1 Die islamische Wirtschaftsethik

4 Prinzipien der islamischen Finanzwirtschaft
4.1 CTarar
4.2 Maisir
4.3 Riba
4.4 al Mudaraba - Prinzip
4.5 al-Musharaka - Prinzip
4.6 al- Murabaha - Prinzip

5 Die Ethik der islamischen Finanzwirtschaft
5.1 Ziele der islamischen Wirtschaftsethik

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Zusammenhang mit der aktuellen Finanzkrise, beschaftigen sich immer mehr westliche Intellektuelle aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen mit dem islamischen Wirtschaftssystem, welches von der Krise nicht in dem MaJ3e angeschlagen zu sein schein^ wie die westliche Wirtschaft. Einige islamische Banken waren zwar auch durch Verluste auf dem Immobilien- und Aktienmarkt betroffen, konnten jedoch ohne staatliche- oder fremde Kapitalhilfe auskommen.[1] Loretta Napoleoni (Wirtschaftswissenschaftlerin, Autorin, und Joumalistin) und Claudia Segre (Abteilungsleiterin einer Bank in Mailand) befurworteten in Ihrem Artikel, „Dalla finanza islamica proposte e idee per l’Occidente in crisi“, welches in der Zeitung des Vatikans, „L'Osservatore Romano“ erschien, offentlich das svarfa- konforme Wirtschaften. Sie sehen die Gründe der Finanzkrise/im Nichtvorhandensein von ethischen Richtlinien, welche in der S^arfa zu finden seien.

Was ist s^arTa-konformes Wirtschaften? Wie wird es im Bereich der Finanzwirtschaft angewendet? Es sind Verhaltensregeln bei wirtschaftlichen Handlungen, welche angelent an die Religion des)islams ist?

2008 hielt das Institut der deutschen Wirtschaft ein Forum ab, welches als Tagungsthema „die Finanzmarktkrise und Fehlverhalten der Eliten“c/behandelte. Als Gründe fur die Entwicklungen auf den Finanzmarkten nannten die Experten vor allem fehlendes Vertrauen, Unehrlichkeit/Verschleierung, falsche Anreize fur die Finanzmarktakteure.[2] In der islamischen Finanzwirtschaft sind jene Regeln, welche seit 1500 Jahren angewendet wurden, enthalten. Diese Hausarbeit behandelt die Ethik der islamischen Finanzwirtschaft.

Bevor ich in meiner Hausarbeit die Ethik der islamischen Finanzwirtschaft behandle, mochte ich als ^aHer Erstes die wichtigsten Elemente des Islams darstellen. Die Vorstellung der Religion soli dazu verstehen- helfen zu verstehen, auf welchen Fundamental die islamische Wirtschaftsethik aufgebaut ist. Ich mochte so einen Teil der Lebenswelt darstellen, in der diese Ethik existiert. Danach werde ich auf die Haupt- Verbote und Gebote eingehen, worauf dann die islamischen Finanzprinzipien fuBen. Anhand der darauf folgenden Prinzipien mochte ich die ethischen Fundamente der islamischen Finanzwirtschaft herausarbeiten.

2 Einfuhrung in den Islam

Islam bedeutet „die Hingabe an Gott“. Der Islam entstand im heutigen Saudi-Arabien. Muhammed, welcher um 570 n.Chr. in Mekka geboren wurde, gilt als Stifter und Prophet dieser Religion. Er überbrachte den Menschen die Worte Gottes. Muhammed war sehr früh ein Waise und wurde von dem Bruder seines Vaters groBgezogen. Als erwachsener Mann wurde er zum erfolgreichen Karawanenhandler und heiratete seine Arbeit^geberin Ffgdiga. Im Alter von 40 Jahren,-s' soil Muhammed seine asten Offenbarungen erhalten haben.[3]

2.1 Die ftinf Saulen des Islams

Der Koran weist 5 jiauptpflichten fur jeden Muslimen auf, welche die 5 Saulen des Islams genannt werden.

a. Das Glaubensbekenntnis, auf Arabisch „saha’"da“. Mit dem Ablegen des Zeugnisses (Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt auBer Gott, und Mohammed ist der Gesandte Gottes) tritt der Zeuge in den Islam ein.[4] Der Glaubige hat nicht nur an Gott zu glauben, sondem auch an die Engel, die heiligen Schriften, seinen Propheten und defrl Tag des jüngsten Gerichts.[5]
b. Das Gebet, „salat“, ist die zweite Saule des Islams. Der Muslime betet funfmal am Tag als Ausdruck seiner Huldigung gegen über seinem Schopfer. In den Gesten des Gebets drückt der Betende seine Hingabe an Gott aus. Die Gebetsrichtung ist dabei stets Mekka.[6]
c. Das Fasten im islamischen Monat Ramadan heiBt auf Arabisch ,.saum“. Gefastet wird vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Die Pflicht zum Fasten betrifft jeden Muslimen, welcher alt genug ist und sowohl korperlich als auch geistig gesund ist.[7]
d. Die gesetzliche Abgabe, „zakat“ ist eine Art von Sozialsteuer. Wer Vermogen besitzt muss diese (von Gott gewollte) Steuer entrichten, welche darrn den Mittellosen, Bettlem und Waisen zu Gute kommt.[8]
e. Ungefahr zwei Monate nach Ramadan beginnt die Wallfahrt nach Mekka. Ziel dieser Pilgerfahrt ist die Ka’aba, ein würfelahnliches Gebaude. Die Wallfahrt geht auf den ausdrucklichen Befehl des Korans.[9]

2.2 STaiTa

Die Sarfa ist das islamische Gesetzt und bedeutet „Weg zur Wasserstelle". Sie setzt sich aus dem Koran, der Sunna, dem Konsens der Rechtsgelehrten einer Gemeinde und sekundaren Quellen des Rechts zusammen.[10]

Muslimische Gelehrte teilen die San" a in 5 Kategorien ein: Glaube, Moral, Frommigkeit, zwischenmenschliche Handlungen und Strafen."[11] Der Islam ist somit eine Religion, welche samtliche Lebensbereiche umfasst. Er enthalt nicht nur von ethischen Normen gepragte Grundsatze und Vorschriften flir die private Lebensfuhrung des einzelnen, sondem auch eine ganze Fülle ebenfalls moralisch- ethisch bestimmter Ver- und Gebote fur das offentliche, wirtschaftliche und soziale Leben.[12]

2.3 Koran

Der Koran ist die bedeutendste Theophanie im Islam und die primare Quelle fur das islamische Recht. Der Koran ist in 114 Kapiteln unterteilt, welche Suren genannt werden. Er ist nicht chronologisch geordnet. Von der aktuellen Koranforschung ausgehend kann man sagen, dass die kurzen Suren von Muhammed in Mekka empfangen wurden. Diese sind vielmehr theologischer Natur. Die Suren, welche in Medina offenbart wurden, beinhalten vomehmlich politische, soziale, gesellschaftliche und rechtliche Themen.[13]

2.4 Hadit

Für Muslime und fur das islamische Recht ist nach dem Koran die Sunna eine weitere Orientierung. Sunna bedeutet “Weg“, hier ist der Weg des Propheten gemeint. Seine Taten und Aussagen zu bestimmten Begebenheiten dienen als vorbildlicl^ und somit als Richtlinie zur Entscheidungsfindung. Der Koran bezeichnet den Propheten Muhammed als Vorbild und Beispiel fur die Glaubigen (Sure 33,4).[14] Die Sammlung der Sunna nennt man Hadit.

2.5 Rechtsschulen

Es gibt im sunnitischen Islam 4 Rechtsschulen, welche sich durchgesetzt haben. Sie unterscheiden in der Art und Weise der Auslegung von Sunna und Koran. Ab dem Jahre 750 nach der westlichen Zeitrechnung, bildeten sich diese Rechtsschulen. Sie erstellten juristische Werke, welche die rechtlichen Richtlinien des Islam^! in Bezug auf die religiosen Pflichten unc^ das Familienrecht, das Erb-, Eigentums- und Vertragsrecht, das Straf- und Prozessrecht, das Verwaltungsrecht, sowie die Fuhrung des Krieges behandelten. Die Rechtsschulen erkennen, gegenseitig, die jeweilige Legitimitat des anderen an.[15] Aufgrund dieser unterschiedüchen Auslegung von Sunna und Koran, sind die Rechtsschulen sich nicht in eineigen Fragen uneinig. So z.B. im Falle des Ribas (Zinsen/Wucher). Darauf werde ich spater eingehen. Desweiteren gibt Rechtsschulen im schütischen Islam.

3 Was ist Wirtschaftsethik

Gegenstand der Wirtschaftsethik ist die Anwendung ethischer Prinzipien auf den Bereich wirtschaftlichen Handelns. Zentrale Werte sind dabei Humanitat, Solidarity und Verantwortung.[16] Diese Definition ist westlichen Ursprungs.

3.1 Die islamische Wirtschaftethik

Im Islam wird Wirtschaft weder als abstrakt, noch als vom Menschen und seinem Gewissen losgelost angesehen. „ Alles Wirtschaften ist menschliche Entscheidung und damit dem C^ittengesetzt unterstellt“.[17] Deswegen basiert das islamische Wirtschaftssystem auf die S'ari’ ‘a, dem islamischen Recht. Die islamische Rechtswissenschaft (fiqh) hat aus der Sari" a fiber Jahrhunderte eine Anzahl wirtschaftsrechtlicher Normen abgeleitet.

Im folgenden Kapitel werden Methoden der islamischen Finanzwirtschaft vorgestellt. Diese Prinzipien sind im Konsens mit der S'arTa. Darauffolgend werden die ethischen Fundamente dieser Prinzipien erschlossen.

4 Prinzipien der islamischen Finanzwirtschaft

Das islamische Finanzwesen ist dadurch gekennzeichnet, dass es mit der S'arfa im Einklang stehen muss. Eines der grundlegenden Elemente des islamischen Wirtschaftsrechts ist ein ausdruckliches Riba-Verbot (Wucher, manchmal mit Zins ubersetzt). Riba wird als jegliche Form des ethisch ungerechtfertigten Zuwachses an Kapital durch einen von der Performance unabhangig und im Voraus festgelegten Preis fur die Uberlassung von finanziellen Mitteln (Zins) verstanden.[18] Das CTarar - Verbot bezieht sich auf Investitionen mit unsicherem Ausgang! Maisir - Verbot besagt das glückspielahnliche Einsetzen von Kapital verboten ist. Die islamische Rechtswissenschaft leitet daraus die Untersagung fur Spekulation im Finanzmarkt ab. AuBerdem mussen soziale und ethische Verbote beachtet werden. So darf nicht investiert werden in:[19]

- Alkoholherstellung Oder -Vertrieb
- Prostitution oder Pomografie
- die Verarbeitung von oder Handel mit Schweinefleisch

6.1G?arar

Abdullah Ibn Abi Aufa (r) berichtete, dass ein Mann einen Verkaufsstand auf dem Markt erstellte und beim Feilbieten seiner Ware bei Allah schwor, dass er dafur weniger verlange, als was er dafur zahlte, um einen von den Muslimen in seine Verkaufsfalle zu locken. Darauf wurde der folgende Qur’an-Vers (3:77) offenbart: » Wahrlich, diejenigen, welche ihren Bund mit Allah und ihre Eide um einen geringen Preis verkaufen... <<”

Das G'arar - Verbot untersagt Transaktionen, welche mit zu viel Risiko verbunden sind. Desweiteren wird hierdurcfydas Erwirtschaften von Vermogen durch Tauschung und Irrefuhrung verboten. Ein Bericht aus einem Hadit verurteilt jene, welche den Marktpreis manipulieren zu Sündern.

[...]


[1] Leins, Stefan: Mohammed als formidabler Risikomanager, Artikel der Univeritat Zurich, 08.01.2010 http://www.uzh.ch/news/articles/2010/muhammad-als-formidabler-risikomanager.html ,18.05.10 um 22:15

[2] Finanzkrise und Fehlverhalten, Wirtschaft und Ethik, Hrsg.: Institut der deutschen Wi rtschaft Koln, Nr. 3/2008, S. 1.

[3] Bihl, Wolfdieter: Islam, Bohlau Verlag, Ges.m.b.H. und Co.KG, Wien 2003, S. 9.

[4] Vgl. Bihl, Wolfdieter, S. 17.

[5] Vgl. Bihl, Wolfdieter, S. 18.

[6] Vgl. Bihl, Wolfdieter, S. 19.

[7] Vgl. Bihl, Wolfdieter, S. 2Iff.

[8] Vgl. Bihl, Wolfdieter, S. 23.

[9] Vgl. Bihl, Wolfdieter, S. 24ff.

[10] Vgl. Bihl, Wolfdieter, S. 32.

[11] Hughes, Thomas Patrick: Lexikon des Islam, München 2000, Orbis Verlag, S. 231 ff.

[12] Ulrich Encke, Das Spannungsverhaltnis zwischen islamischem Fundamentalismus und Marktwirtschaft. Eine Analyse der Ablaufe in der "islamischen Wirtschaft" des nachrevolutionaren Iran (Diss.), München 1993, S. 27.

[13] Ortag, Peter: Islamische Kultur und Geschichte, Brandenburgische Landeszentrale fur politische Bildung, Potsdam 2006, S. 43-44.

[14] Vgl. Bihl, Wolfdieter, S. 30.

[15] Vgl. Bihl, Wolfdieter, S. 41ff.

[16] Karl Homann: Wirtschaftsethik. In: Lexikon der Wirtschaftsethik, hrg. v. Georges Enderle / Karl Homan / Martin Honecker / Walter Kerber / Horst Steinmann. Herder, Freiburg/Basel/Wien 1993, S. 1287.

[17] al-Garadaui, Yosuf: Favvaid Albunuk Hia Alriba Almuharam (die Zinsen der anken und der Riba sind identisch); Dar Alsahwa; Kairo 1981, S. 105 ff.

[18] Iqbal, Zamir: Islamic Financial Systems. In: Finance & Development. Nr.6, 1997, S.43

[19] http://www.finanz-lexikon.de/islamic%20banking_2501.html 04.08.10 07:26

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656151791
ISBN (Buch)
9783656151944
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190647
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Soziologie - Wirtschaft und Betrieb
Note
1,3
Schlagworte
Finanzmarkt Islamic Banking Finanzkrise Ethik Ethik Banking

Autor

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