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Der Klimawandel als Chance für ökologische Produktinnovation

Bachelorarbeit 2009 55 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Nachhaltige Innovationen als notwendiges Resultat der industriellen Entwicklung im 20. Jahrhundert

2 Das Themengebiet der Innovation und dessen Bedeutung im Bezug auf Umwelt und Ökologie 2.1 Betrachtung wichtiger Innovationsarten und -prozesse 2.1.1 Zum Verständnis der Innovation 2.1.2 Unterscheidung wichtiger Innovationsarten 2.1.3 Phasen des Innovationsprozesses 2.2 Nachhaltige Innovation als wichtige Voraussetzung für ökologisches Wirtschaften 2.2.1 Zu den Begriffen Umwelt, Ökologie und Ökosystem 2.2.2 Die Rolle von Umweltinnovationen für Wirtschaft und Umwelt 2.3 Instrumente eines nachhaltigen Innovationsmanagements 2.3.1 Zielbildung undAlternativenfindung 2.3.2 Instrumente der Bewertung und Kontrolle

3 Dieglobale Erwärmung alsTreiber ökologischer Innovationen 3.1 Der Klimawandel und seine Konsequenzen im Bezug auf nachhaltiges Wirtschaften 3.1.1 Soziale und gesellschaftliche Implikationen 3.1.2 Kosten und wirtschaftliche Folgen 3.1.3 Nachhaltige Innovationen als elementare Komponente einer klimaschonenden Ökonomie 3.2 Die globale Erwärmung als Anstoß für neues Denken und Handeln 3.2.1 Ursachen und Entstehung ökologischer Innovationen 3.2.2 Anreize und Hemmnisse 3.2.3 Notwendigkeit neuer Produkt- und Innovationsstrategien

4 Ökologische Innovationen im 21. Jahrhundert 4.1 Erneuerbare Energien als wichtiger Bestandteil für nachhaltiges Wirtschaften 4.1.1 Regenerative Energien als Lösung des globalen Klimaproblems ? ...31 4.1.2 Beeinflussung ökologischer Innovationen durch staatliche Förderprogramme 4.2 Märkte und Technologien der Zukunft 4.2.1 China und Indien: Eine differenzierte Betrachtung im Bereich der ökologischen Innovationen 4.2.2 Innovationspotentiale der Geothermie- sowie der Photovoltaik- technik 4.2.3 Neue Transport- und Verkehrstechnik zur Verminderung des weltweiten C02 Ausstoßes

5 Zukünftige Auswirkungen und Anforderungen des Klimawandels auf ökologische Produktinnovationen

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Phasenmodell eines Innovationsvorhabens

Abbildung 2: WHO Schätzung der Toten, verursacht durch den Klimawandel, für das Jahr 2000

Abbildung 3: Entwicklung der Patente in der BRD 1974 - 2004: Solarenergie

Abbildung 4: Strategischer Kontrollprozess

Abbildung 5: U.S F&E Ausgaben im Energiesektor

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Nachhaltige Innovationen als notwendiges Resultat der industriellen Entwicklung im 20. Jahrhundert

Das auf unzähligen Innovationen basierende wirtschaftliche Wachstum des 20. Jahr­hunderts ermöglichte den in den Industriestaaten lebenden Menschen eine Erhöhung ihres Lebensstandards. Mit dieser Entwicklung verbunden sind allerdings auch durch die Industrie verursachte Schäden an der Umwelt. Insbesondere der voranschreitende Klimawandel wird in diesem Zusammenhang ökologische, ökonomische und soziale Folgen negativer Art mit sich bringen. Um die zu befürchtenden Auswirkungen mög­lichst gering zu halten, bedarf es im 21. Jahrhundert nachhaltiger Innovationen, die anders als in der Vergangenheit darauf ausgerichtet sind ein klimaschonendes Wirt­schaften zu ermöglichen. Möchte man solche Innovationen realisieren, ist es notwen­dig ökonomische, gesellschaftliche und politische Aspekte zu berücksichtigen.

Im Rahmen dieser Arbeit soll verdeutlicht werden, dass sowohl das Problem des glo­balen Klimawandels, als auch die sich daraus ergebenden Folgen nur mit Hilfe von ökologischen Produktinnovationen gelöst werden können. Dabei ist es wichtig zu ver­stehen, warum nachhaltige Innovationen von elementarer Bedeutung sind und welche Einflussfaktoren zur Umsetzung entsprechender Innovationen hilfreich bzw. hinderlich sein können. In Folge dessen gilt es zu untersuchen inwieweit der Klimawandel selbst einen Einflussfaktor darstellt und welche anderen Faktoren in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielen.

Auf dem Themengebiet der Innovation gewinnt der ökologische Aspekt eine zuneh­mende Bedeutung. Innovationsarten und -prozesse werden dabei um die Komponente der Nachhaltigkeit ergänzt. Im Ergebnis ist eine verstärkte Integration von Umweltin­novationen in betriebliche Geschäftsmodelle zu beobachten, weshalb auch Instru­mente des Innovationsmanagements ökologisch ausgerichtet sein müssen. Soziale und wirtschaftliche Kosten der globalen Erwärmung beschleunigen die Entstehung dafür notwendiger Prozesse und Strategien. Als Ergebnis ökologischer Innovations­bemühungen sind neue Technologien im Bereich der regenerativen Energien zu nen­nen, die in vielfältiger Art und Weise weltweit gefördert werden. So könnten z. B. durch zukünftige Innovationen Geothermie- oder Photovoltaikanlagen zu einem wichtigen Bestandteil der globalen Energieversorgung werden. Des Weiteren erscheint es not­wendig auch in der Verkehrs- und Transportindustrie weiterhin nach ökologischen In­novationen zu suchen.

2 Das Themengebiet der Innovation und dessen Be­deutung im Bezug auf Umwelt und Ökologie

Da im Rahmen dieser Arbeit der Klimawandel und dessen Auswirkungen auf Innova­tionen untersucht werden, gilt es in diesem Kapitel zunächst einmal wichtige Begriffe wie „Innovation“ und „Umwelt“ zu definieren. Des Weiteren werden Innovationsarten und -prozesse sowie die Instrumente des Innovationsmanagements sowohl aus all­gemeiner, als auch aus ökologischer Sicht dargestellt. Dabei zeigt sich, dass sich öko­nomische und ökologische Zielsetzungen keineswegs gegenseitig ausschließen, son­dern vielmehr dazu in der Lage sind sich zu ergänzen.

2.1 Betrachtung wichtiger Innovationsarten und -prozesse

Beschäftigt man sich mit dem Bereich der Innovation, ist es zunächst einmal notwendig den Innovationsbegriff zu definieren. Dabei werden der Innovation entsprechende Akti­vitäten und Merkmale zugeordnet.

Nach einer erfolgreichen Eingrenzung des Innovationsbegriffs gilt es des Weiteren zwi­schen Produkt- ,Prozess- , Sozial- und Strukturinnovationen zu differenzieren, wobei insbesondere zwischen Produkt- und Prozessinnovationen ein enger Zusammenhang besteht. Zudem kann ein Innovationsprozess in Abschnitte, sogenannte Innovations­phasen, untergliedert werden. In der Literatur sind dazu eine Vielzahl von Theorien zu finden,[1] wobei im Rahmen dieser Arbeit ein Phasenmodell untersucht wird, dass be­sonders gut dafür geeignet scheint nachhaltige Aspekte zu integrieren.

2.1.1 Zum Verständnis der Innovation

In der Literatur herrscht Konsens darüber, dass es sich bei Innovation (Griechisch „In­novare“ - erneuern, neues machen) um etwas Neues handeln muss, dennoch konnte man sich bislang auf keine einheitliche Definition des Innovationsbegriffs ver­ständigen.[2]

Größtenteils beziehen sich Arbeiten zur unternehmerischen Innovationstätigkeit auf ein Innovationsverständnis, das basierend auf der „Schumpeterschen Idee“, die Aktivitäten der Entwicklung (Invention), der Markteinführung (Innovation) und der allgemeinen Ausbreitung (Diffusion) miteinschließt. Bereits beim Merkmal der Neuheit herrscht Un­einigkeit darüber, was als neu gelten kann. Als Maßstab kann z. B. die technische Er­findungshöhe im Rahmen eines Patentverfahrens gelten. Hierbei kann man in Bezug auf Verfahren oder Produkte dann von einer Innovation sprechen, wenn eine techni­sche Weiterentwicklung realisiert worden ist. Des Weiteren wird oftmals davon ausge­gangen, dass Innovationen wirtschaftlichen Erfolg zur Bedingung haben müssen.[3]

Es lässt sich darüber hinaus zwischen subjektiven und objektiven Neuheiten bzw. In­novationen unterscheiden. Von einer subjektiven Neuheit spricht man immer dann, wenn ein Produkt oder Prozess einer Person oder Institution neu erscheint. Objektive Neuerungen liegen hingegen immer bei erstmaliger Nutzung vor, wobei häufig von ei­ner Markt- oder Weltneuheit gesprochen wird.[4] Aufgrund des Neuigkeitsgrades eines Innovationsvorhabens werden sowohl die Unsicherheit, als auch das daraus resultie­rende Risiko im Sinne einer Verlustgefahr beeinflusst. Das Innovationsmerkmal der „Komplexität“ korreliert positiv mit diesen Zusammenhängen.[5] Betrachtet man das Merkmal des Neuigkeitsgehalts, so kann der Grad der Neuheit von geringfügigen Ver­änderungen an bestehenden Objekten bis hin zu fundamentalen Neuerungen variieren. Die Unsicherheit und somit die Gefahr des Scheiterns von innovativen Ideen ist eng mit dem Neuigkeitsgrad verbunden. Ein hoher Neuigkeitsgrad hat in aller Regel unsichere Prognosen bzgl. Ergebnissen von Innovationsprozessen zur Folge. Unsicherheit be­zeichnet hierbei die Möglichkeit, dass ein Objekt einen von mehreren Zuständen an­nehmen kann und dabei weder subjektive noch objektive Wahrscheinlichkeiten ange­geben werden können. Während Unsicherheit das Ergebnis unvollkommener Informa­tion darstellt, bezeichnet Risiko die Gefahr des Misslingens als Folge dieser Unsicher­heit.

Innovationsprozesse sind häufig komplex und dynamisch, wobei sich Komplexität durch die Anzahl der Elemente, sowie der Art und Menge der Beziehungen zwischen den Systemelementen, dem System und seiner Umwelt auszeichnet. Entscheidungen im Zusammenhang mit Innovationen sind in aller Regel komplex, da Strukturen und Komponenten solcher Entscheidungen häufig unklar oder unbekannt sind. Aufgrund der bereits erläuterten Merkmale - Neuigkeitsgehalt, Unsicherheit, Risiko und Komple­xität - sind Konflikte bei Innovationsaufgaben die Folge. Konflikte müssen allerdings keinesfalls ausschließlich negative Folgen besitzen, vielmehr stellen sie auch die Aus­gangsbasis für neue Ideen und Veränderungen dar.[6]

Betrachtet man neben den betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zusätzlich das Wachstum von Volkswirtschaften und die Sicherung des gesellschaftlichen Wohl- standes, so wird deutlich, dass Innovationen auch volkswirtschaftlich von elementarer Bedeutung sind. So bezeichnete Josef Schumpeter schon zu Beginn des 20. Jahrhun­derts die Entstehung neuer Konstellationen als mögliche Variante, sich dem Wettbe­werb zu entziehen. Mittlerweile ist gerade der Wettbewerb um die Generierung von Innovation in zahlreichen Branchen zur dominierenden Wettbewerbsart geworden. Dies gilt sowohl für einzelne Unternehmen, als auch für Wirtschaftsregionen und ganze Volkswirtschaften. Als Ursache für diese Entwicklung sind sowohl die Sättigungser­scheinungen in den hochindustrialisierten Staaten, als auch der zunehmende Wettbe­werb durch das wirtschaftliche Wachstum ehemals weniger stark entwickelter Länder aufzuführen.[7] Eng mit dieser Betrachtung verbunden ist eine von Joseph Schumpeter in den 1930ern entwickelte Theorie, mit deren Hilfe man in der Lage ist langfristige makroökonomische Zyklen zu prognostizieren.[8] Diese Arbeit zeigt den Zusammenhang zwischen unternehmerischer Entdeckung und wirtschaftlichem Fortschritt in Form von fünf Wellen der industriellen Innovationen auf.[9] Demnach besitzen die Wellen eine ab­nehmende Frequenz, was darauf schließen lässt, dass sich die Innovationsprozesse beschleunigen.[10]

2.1.2 Unterscheidung wichtiger Innovationsarten

Wie bereits erörtert bedeutet Innovation ein Problem neu oder verbessert lösen zu können. Die Problemlösung bezieht sich vor allem auf Produkte, Dienstleistungen, Prozesse, Strukturen und Sozialsysteme:

- Produktinnovationen sind Produkte, die für das betrachtete Unternehmen neu sind. Neben materiellen Sachleistungen sind hierbei auch immaterielle Dienst­leistungen praxisrelevant.[11] Es handelt sich also meist um Neuerungen bei den absatzfähigen Leistungen eines Unternehmens. Diese Leistungen müssen sich zum einen unternehmensintern und zum anderen am Markt durchsetzen, wes­halb Produktinnovationen, verglichen mit Prozessinnovationen, oftmals größere Durchsetzungsprobleme mit sich bringen.[12] Beispiele für Produktinnovationen sind etwa ein neuer handlicher Musik Player, wie der iPod oder ein neuartiges Mobiltelefon, wie das iPhone.[13]

- Prozessinnovationen werden häufig auch als Verfahrensinnovationen be­zeichnet. Ziel dieser Innovationsart ist es Unternehmensprozesse neuzu­gestalten und damit gleichzeitig zu verbessern. Daraus resultieren insbeson­dere Effektivitäts- und Effizienzsteigerungen im gesamten Leistungserstel­lungsprozess.[14] Prozessinnovationen sind eng mit Produktinnovationen verbun­den. Gerade bei der Neuerung von Prozessen werden Modifikationen beste­hender, sowie die Gestaltung neuer Faktorkombinationen vorgenommen.[15] Pro­zessinnovationen können eine notwendige Bedingung dafür sein, dass neue oder kostengünstigere Produkte produziert werden können. Hierbei können, je nach Situation, die Einführung neuer Technologien für Teilprozesse, die Ab­stimmung von Prozessabläufen oder die Integration von Teilprozessen inner­halb und außerhalb des Unternehmens als mögliche Ziele genannt werden.[16] Beispiele für Prozessinnovationen sind etwa die Entwicklung neuer Wege zur Produktion alternativer, pflanzlicher Treibstoffe, wie bspw. Zucker oder Korn, statt konventioneller Antriebsarten.[17]

- Sozialinnovationen unterstützen die Erfüllung sozialer Mitarbeiterziele inner­halb eines Unternehmens, wie die Verbesserung des Unfallschutzes und der Arbeitszufriedenheit.[18] Diese Innovationsart betrifft den Humanbereich innerhalb des soziotechnischen Unternehmenssystems. Im Fokus steht dabei sowohl die Leistungsfähigkeit, als auch die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter zu ver­bessern.[19] Als mögliche Instrumente sind hier bspw. Weiterbildungsmaß­nahmen, leistungsabhängige Entlohnungssysteme oder die Optimierung von Arbeitsbedingungen zu nennen.[20] Betrachtet man den Inhalt von Sozialinnova­tionen, so sind Abgrenzungsschwierigkeiten zur organisatorischen Innovation zu erkennen.[21]

- Eng verbunden mit Produkt-, Prozess und Sozialinnovationen sind Struktur­innovationen, aus denen eine Verbesserung der Aufbau- und Ablauforganisa­tion folgt.[22] Ziel der organisatorischen Innovation ist es, Betriebsstrukturen an neue Gegebenheiten anzupassen. Denkbare Ansätze sind der Abbau von Hie- rarchien, die Bildung von Informationsnetzwerken oder die Unterstützung von Teamarbeit durch die Implementierung von Qualitäts- und Innovationszirkeln.[23]

Nachdem nun die einzelnen Innovationsarten erläutert wurden, werden wir den Innova­tionsbegriff im Folgenden ausschließlich auf Produktinnovationen begrenzen, da diese im Kontext der Themen Nachhaltigkeit und Ökologie eine besonders wichtige Rolle spielen.

2.1.3 Phasen des Innovationsprozesses

Bei der Beschreibung unternehmerischer Innovationstätigkeit ist in der Literatur oftmals eine prozessorientierte Betrachtungsweise vorzufinden. Durch diese Sichtweise wird ein vereinfachtes Bild über den zeitlichen Ablauf von Innovationen aufgezeigt, die einer Folge von logischen und teilweise auch zeitlich zusammenhängenden Phasen zu­geordnet werden können. Dabei beziehen sich einzelne Aktivitäten und Entscheidun­gen auf entsprechende Phasen,[24] die zu einem optimalen Ablauf des Gesamt­prozesses beitragen sollen. In der Realität sich teilweise oder ganz überschneidende Verläufe und die zwischen den Prozessschritten nur schwer darzustellenden Wieder­holungsschleifen bzw. Rückkopplungen bleiben dabei größtenteils unberücksichtigt. Zudem gilt es als problematisch einzelne Phasen exakt voneinander abzugrenzen. Ein wesentlicher Vorteil einer prozessualen Betrachtung ist hingegen der Umstand, dass die Bedeutung verschiedener Faktoren mit Hilfe des Phasenschemas für den Innovati­onsprozess veranschaulicht werden kann. Es ist allerdings zu beachten, dass sowohl der Komplexität als auch der Interdependenzen eines Innovationsprozesses durch ein solches Phasenmodell nur ansatzweise Rechnung getragen werden kann.[25]

Im Folgenden betrachten wir ein Phasenmodell, welches die Phasen der Initiative, Problemdefinition, Zielbildung, Alternativenfindung, Bewertung, Entscheidung, Imple­mentierung und Kontrolle umfasst. Die Themenschwerpunkte Zielbildung, Bewertung, Alternativenfindung und Kontrolle unterliegen, unter dem Gesichtspunkt der Nachhal­tigkeit von Innovationen, in Kapitel 2.3 einer differenzierteren Betrachtung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Pölzl (2002), S. 74.

Gemäß dieses Modells bildet die Initiative den Ausgangspunkt eines Innovationspro­zesses. Die Initiative kann als Prozess bezeichnet werden, der vor den Prozessen der Lösungssuche und der Entscheidung steht. Hierbei wird entweder ein Problem konkret erstmals wahrgenommen oder es werden neue Chancen und Möglichkeiten eröffnet. Zum Ende dieses Prozesses wird entweder beschlossen, die Initiative nicht weiter zu verfolgen oder aber den Innovationsprozess fortzusetzen.[26]

Bei der Problemdefinition ist die nochmalige Kennzeichnung der Initiative, als auch die Entscheidung Ressourcen zur Bewältigung eines bereits erkannten Problems be­reitzustellen, als Ausgangspunkt zu sehen.[27] In diesem Kontext gilt es die drei Teilpha­sen der Problemerkenntnis, der Problemanalyse und der Problemformulierung zu diffe­renzieren.[28]

Betrachtet man darüber hinaus komplexe Entscheidungssituationen, wie z. B. im Falle von umweltorientierten, technologischen Innovationen, so wird deutlich, dass meist eine Notwendigkeit darin besteht, eine Vielzahl von Zielen und Aspekten zu berück­sichtigen.[29] Ziele können bspw. sachlicher, sozialer, formaler oder ökologischer Art sein. Es wird ersichtlich, dass zu Beginn festgelegte Ziele nicht während des gesamten Entscheidungsprozesses unverändert bleiben. Zielbildung ist also in aller Regel kein punktueller Akt, sondern ein parallel zur Problemlösung verlaufender Prozess.[30]

Die anschließende Alternativenfindung beinhaltet sowohl die Suche, als auch die Formulierung von Alternativen zur spezifischen Problemlösung.[31] Dabei wird in aller Regel eine Handlungsalternative zur weiteren Verfolgung bzgl. des Entscheidungs­und Durchsetzungsprozesses ausgewählt. Die Phasen der Alternativenfindung be­schränken sich auf die „Alternativsuche“ und die „Alternativentwicklung“.[32]

Bevor nun eine endgültige Entscheidung zu treffen ist, gilt es die verschiedenen Alter­nativen zu bewerten (Bewertung). Hierunter ist das Transformieren verschieden di­mensionierter Größen in eine einheitliche Wertrangfolge zu verstehen. Bewertungs­verfahren spielen in dieser Phase des Innovationsprozesses eine wesentliche Rolle.

Sind nun alle Phasen durchlaufen (wobei der gesamte Prozess innerhalb jeder Phase auch abgebrochen werden kann), ist nach Abschluss der Alternativenbewertung eine Entscheidungs- bzw. Entschlussfassung zu treffen, welche wesentlich von der zu­grunde liegenden Problemstruktur beeinflusst wird.[33] Abschließend ist die Implemen­tierung und Überprüfung der Innovation als unerlässlich anzusehen.[34]

Ein weiteres Phasenmodell, welches mit dem hier erläuterten Modell einige Ähnlich­keiten aufweist, ist das Modell nach Vahs/Burmester.[35] Dabei ist besonders erwäh­nenswert, dass dieses Modell in besonderem Maße die Integration des Innovati­onscontrollings innerhalb des Innovationsprozesses berücksichtigt[36].

2.2 Nachhaltige Innovation als wichtige Voraussetzung für ökologisches Wirtschaften

Der Klimawandel ist eng mit den Begriffen „Umwelt“, „Ökologie“ und „Ökosystem“ ver­bunden, weshalb diese einer genaueren Betrachtung unterzogen werden sollten.

Spricht man von „Ökologie“, so wird zwischen Ökosphäre und Ökosystem unterschie­den. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die jeweilige Belastbarkeit und Re­generationsfähigkeit.

Ähnlich wie im Falle der Innovationsphasen unterliegt auch die Abgrenzung des Be­griffs der „Umweltinnovation“ in der Literatur verschiedenen Ansätzen. Dabei kann der Begriff enger oder weiter gefasst sein.[37] Die Bedeutung, die nachhaltige Innovationen mittlerweile in Wirtschaft und Gesellschaft besitzen, wird auch durch das zunehmend politische Engagement innerhalb dieses Bereichs deutlich.

2.2.1 Zu den Begriffen Umwelt, Ökologie und Ökosystem

Die uns umgebende, natürliche Umwelt ist inzwischen nicht mehr als freies Gut anzu­sehen, da Umwelteinwirkungen durch den Menschen oftmals durch gesetzliche Rege­lungen bzw. durch die Verknappung der natürlichen Ressourcen beeinflusst werden. Die natürliche Umwelt stellt zum einen natürliche Ressourcen bereit, die teilweise nur langfristig oder überhaupt nicht regenerierbar sind, zum anderen dient sie als Medium zum Auffangen von Rückständen aus Konsum und Produktion. Es herrscht weitestge­hend Konsens darüber, dass der Umweltzustand sowohl unsere als auch die Lebens­qualität zukünftiger Generationen in starkem Maße beeinflusst. Des Weiteren kann Umweltschutz aus der ökonomischen Perspektive in aller Regel nur mit einer relativen Umweltschonung gleichzusetzen sein. Denn jede Herstellung eines Produkts ist durch den Verbrauch von Ressourcen und die Erzeugung von Emissionen gekennzeichnet. Dies ist auch für nachhaltige, innovative Technologien zutreffend.[38] Bspw. werden auch zur Produktion von Photovoltaikanlagen Ressourcen wie Silizium benötigt und ver­braucht. Nimmt man nun an, dass der zur Produktion benötigte Energiebedarf eben­falls aus erneuerbaren Energien[39] stammt, so entstehen zumindest insoweit Emissio­nen, als das alte unbrauchbare Photovoltaikanlagen nach Gebrauch entsorgt werden müssen. Zudem entsteht durch ihre Anbringung auf Freilandanlagen ein Eingriff in die natürliche Umwelt. Dieses Beispiel verdeutlicht uns, dass auch klimafreundliche Inno­vationen Einfluss auf die natürliche Umwelt haben.

Eng verbunden mit der natürlichen Umwelt ist der Begriff der Ökologie. So kann „Öko­logie als die Disziplin, die sich mit der Ökonomie der Natur beschäftigt“,[40] aufgefasst werden. Ökologie beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Mensch, Natur, Gesellschaft und Technik. Je nachdem ob die Erde insgesamt oder nur eine bestimmte Region be­trachtet wird, kann zwischen der Ökosphäre (globale Betrachtung) und dem Ökosys­tem (regionale Betrachtung) unterschieden werden.[41] Das Ökosystem ist als Wirkungs­gefüge von Lebewesen und deren anorganischer Umwelt zu sehen, die sowohl mitei­nander, als auch mit ihrer Umwelt in energetischem, stofflichen und informatorischen Wechselbeziehungen stehen. Dabei sind Ökosysteme keineswegs als starr oder nicht veränderlich anzusehen, vielmehr bestehen in Ökosystemen dynamische Entwick­lungsverläufe zwischen einzelnen Systemkomponenten.[42] Ökosysteme sind, als offene Systeme in besonderem Maße, von Eingriffen betroffen. In diesem Zusammenhang sind bspw. Bachbegradigungen und Stoffeinträge wie Abwasser zu nennen. Bezogen auf die Ökosphäre ist vor allem der weltweit steigende C02 (Kohlenstoffdioxid) Aus­stoß[43] von großer Relevanz. Trotz solcher Eingriffe ist oftmals, zumindest langfristig, eine Regeneration möglich. Beispiele hierfür sind die Fähigkeiten zur biologischen Selbstreinigung von Böden, Gewässern oder auch der Luft.[44] Diesbezüglich ist die Be­lastbarkeit eines Ökosystems von Bedeutung ,dass diejenige Intensität eines Störfak­tors angibt, bis zu dem gerade noch eine bleibende Schadenswirkung kompensiert werden kann. Als Ergebnis dieser Belastbarkeit empfiehlt es sich entsprechende Grenzwerte der Belastung zum Schutz des Ökosystems und der Ökosphäre festzu­legen.[45]

2.2.2 Die Rolle von Umweltinnovationen für Wirtschaft und Umwelt

Die Definition des Begriffs „Umweltinnovation“ wird in der Literatur viel diskutiert. So wird in einer engeren Begriffsabgrenzung die Intention zur Umweltentlastung voraus­gesetzt, während in einem weiter gefassten Verständnis vor allem die Verminderung der anthropogenen Übernutzung der Umwelt als Hauptvoraussetzung gesehen wird.[46] In jedem Fall sind Innovationen mit positiven und/oder negativen Auswirkungen im Hinblick auf das Ökosystem verbunden. Im Falle positiver Auswirkungen bezeichnet man die Innovation in aller Regel als ökologisch.[47] Weitgehender Konsens herrscht auch darüber, dass ökologische Innovationen eine Teilmenge aus der Grundgesamt­heit aller Innovationen darstellen. Nachhaltige Innovationen beinhalten dabei neben einer ökologischen insbesondere auch ökonomische, soziale und institutionelle Per­spektiven. Betrachtet man Umweltinnovationen, so gilt es auch die sich aus den jewei- ligen Perspektiven ergebenden Konsequenzen zu berücksichtigen.[48] Daraus resultie­rend sind oftmals zahlreiche Interdependenzen zu beobachten. Bspw. haben ökologi­sche Innovationen im Bereich der erneuerbaren Energien, zumindest langfristig, Aus­wirkungen auf die Nachfrage nach Öl und somit auf die gesamte Ökonomie.

Oftmals werden ökologische Innovationen als Voraussetzung für nachhaltiges Wirt­schaften gesehen. Wobei unter nachhaltigem Wirtschaften vor allem eine Erhaltung bzw. Verbesserung ökonomischer und sozialer Lebensbedingungen unter der gleich­zeitigen Sicherung natürlicher Lebensgrundlagen verstanden werden kann.[49] Es wird deutlich, dass Umweltinnovationen nicht nur Grundlage dafür sind Schaden an der Umwelt zu vermeiden, sondern auch zu einer Verbesserung der Umweltqualität füh­ren,[50] da sie in aller Regel umweltschädliche Technologien ersetzen. Nachhaltige Inno­vationen dienen in jedem Fall dem Schutz der Umwelt, gleichgültig ob diese Inno­vationen auch unter anderen, z. B. ökonomischen Gesichtspunkten vorteilhaft wären.[51] Dennoch kann ein ökologischer Effekt, der aus nachhaltigen Innovationen resultiert, nur bei einem entsprechenden Markterfolg des Produkts erzielt werden. Wichtige Vor­aussetzungen für die Marktverbreitung von Innovationen sind dabei die Komponenten des neu entstehenden Kundennutzens und der Kosten.[52] Um dies zu veranschaulichen scheint es sinnvoll eine am Markt erfolgreiche Umweltinnovation, wie die der LED (Lichtemittierende Diode) Technologie, näher zu betrachten:

Hochleistungs- LEDs generieren gegenüber gewöhnlichen Glühbirnen Vorteile in Energieeffizienz, Lebenszeit und Materialeinsatz und verbessern damit die Umwelt­qualität. Neben der ökologischen Vorteilhaftigkeit wird der Konsument zudem durch die Komponenten der Kosteneinsparung, der höheren Leistungsfähigkeit und der überle­genen Flexibilität positiv für die Innovation sensibilisiert.[53] LED Produkte sind sowohl marktfähig als auch klimafreundlich, weshalb aus ihrer Entwicklung eine verbesserte Umweltqualität folgt.

Das Themengebiet der Umweltinnovation gewinnt auch in der Umweltpolitik zuneh­mend an Bedeutung. Hierbei stehen insbesondere die Unterstützung beim Technolo­gietransfer bzw. bei der Markteinführung, Internalisierungs- und Qualifizierungsmaß­nahmen sowie die Unterstützung von KMUs (kleinen und mittleren Unternehmen) im Mittelpunkt. In diesem Zusammenhang versucht der Gesetzgeber innovationsfreund­liche Rahmenbedingungen, marktwirtschaftliche Anreize und gesetzliche Regelungen zu schaffen. Im Rahmen dieser Bemühungen konzipierte das BMBF (Bundesministe­rium für Bildung und Forschung) in Zusammenarbeit mit dem BMU (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit) den „Masterplan Umwelttechnolo­gien“,[54] aus dem hervorgeht, dass die Zielfelder Energieeffizienz, Energieerzeugung, Materialeffizienz, nachhaltige Wasserwirtschaft, nachhaltige Mobilität und Kreislaufwirt­schaft gefördert werden sollen.[55]

2.3 Instrumente eines nachhaltigen Innovationsmanagements

Gilt es eine Innovation zu realisieren, so sind innerhalb der einzelnen Innovations­phasen unterschiedliche Instrumente anzuwenden. Im Folgenden sollen vor allem die Phasen der Zielbildung, Alternativenfindung und der Bewertung untersucht werden, da hier verstärkt nachhaltige Aspekte integriert werden können.

2.3.1 Zielbildung und Alternativenfindung

Innovationen orientieren sich an problemspezifischen, wirtschaftlichen, sozialen, tech­nischen und ökologischen Zielen. Diese Vielzahl von Zielen leitet sich einerseits aus den übergeordneten Unternehmenszielen, andererseits aus den Anforderungen des betrieblichen Umfelds ab.[56] Dabei sind Ziele normative Aussagen, die einen gewünsch­ten, anzustrebenden und zukünftigen Zustand der Realität beschreiben. Sie setzen sich aus den Elementen Zielobjekt, Zielfunktion und zeitlicher Bezug zusammen.[57] Im Rahmen verschiedener Ziele stellt umweltorientiertes Handeln dabei nie ein originäres Wesensmerkmal einer Unternehmung dar. Ökologisches Handeln ist immer auch im Kontext zu ökonomischen, wettbewerbsstrategischen sowie gesellschaftlichem Han­deln zu sehen. Das Umweltmanagement und seine Ziele sind entsprechend als Ele­ment eines unternehmerischen Zielsystems zu verstehen, welches in Abhängigkeit zu anderen Zielen des Systems steht.[58]

Gilt es nun die Zielbildung umweltorientierter Innovationsprozesse zu unterstützen, sind bspw. das Zielbaumverfahren, das Relevanzbaumverfahren oder Umweltkenn­zahlen von Bedeutung. Das Zielbaumverfahren dient insbesondere der Aufgliederung und Systematisierung von Zielen in Teilziele und Aufgaben im Rahmen der Zielerfül-

[...]


[1] Vgl. Pölzl (2002), S. 70.

[2] Vgl. Pölzl (2002), S. 15.

[3] Vgl. Bahner (2001), S. 4.

[4] Vgl. Pölzl (2002), S. 17.

[5] Vgl. Schwarz (1999), S. 13f.

[6] Vgl. Pölzl (2002), S. 17f.

[7] Vgl. Hübner (2002), S. 3.

[8] Vgl. Maxwell (2009), S. 1.

[9] Schaubild zu dieser Theorie im Anhang (Abbildung 1 ).

[10] Vgl. Maxwell (2009), S. 2.

[11] Vgl. Vahs/Burmester (2005), S. 73.

[12] Vgl. Hauschildt (2004), S. 12.

[13] Vgl. Maxwell (2009), S. 9.

[14] Vgl. Vahs/Burmester (2005), S. 76.

[15] Vgl. Hauschildt (2004), S.11.

[16] Vgl. Schwarz (1999), S. 16.

[17] Vgl. Maxwell (2009), S. 9.

[18] Vgl. Vahs/Burmester (2005), S. 79.

[19] Vgl. Thom (1980), S. 37 f.

[20] Vgl. Olfert (2005), S. 175 f.

[21] Vgl. Schwarz (1999), S. 17.

[22] Vgl. Becker (2008), S. 18.

[23] Vgl. Pleschak/Sabisch (1996), S. 264.

[24] Vgl. Bahner (2001), S. 5.

[25] Vgl. Bahner (2001), S. 6.

[26] Vgl. Hauschildt (2004), S. 291 ff.

[27] Vgl. Hauschildt (2004), S. 321 ff.

[28] Vgl. Pfohl (1977), S. 93.

[29] Vgl. Schwarz (1999), S. 145.

[30] Vgl. Hauschildt (2004), S. 350.

[31] Vgl. Mag (1995), S. 66.

[32] Vgl. Hauschildt (2004), S. 377.

[33] Vgl. Pölzl (2002), S. 92.

[34] Vgl. Schwarz (1999), S. 153.

[35] Schaubild des Modells im Anhang (Abbildung 2).

[36] Vgl. Becker (2008), S.93.

[37] Vgl. Konrad/Nil (2001), S. 36.

[38] Vgl. Schmidt (1991), S. 25.

[39] Erneuerbare Energiequellen (auch regenerative Energiequellen genannt), sind Energiequellen durch deren Nutzung ihr Vorrat nicht vermindert wird.

[40] Hübner (2002), S. 181.

[41] Vgl. Hübner (2002), S. 181 f.

[42] Vgl. Breidenbach (1999), S. 46.

[43] Vgl. Bahner (2001), S. 9.

[44] Vgl. Breidenbach (1999), S. 47.

[45] Vgl. Bick (1998), S. 46.

[46] Vgl. Konrad/Nil (2001), S. 36.

[47] Vgl. Schulz u. a. (2001), S. 142.

[48] Vgl. Horbach (2005), S. 3.

[49] Vgl. Jörissen u. a. (1999), S. 4.

[50] Vgl. Rennings u. a. (2005), S. 6.

[51] Vgl. Klemmer/Lehr/Löbbe (1999), S. 29.

[52] Vgl. Horbach (2005), S. 3.

[53] Vgl. Coates, Brian (2009).

[54] Erschienen am 12.11.2008.

[55] Genaueres Nachzulesen im „Masterplan Umwelttechnologien“ (2008) des BMBF/BMU.

[56] Vgl. Vahs/Burmester (2005), S. 60.

[57] Vgl. Hauschildt (2004), S. 346 f.

[58] Vgl. Bahner (2001), S. 55.

Details

Seiten
55
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656155171
ISBN (Buch)
9783656155843
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190636
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim – Institut für Betriebswirtschaftslehre
Note
1,7
Schlagworte
klimawandel chance produktinnovation

Autor

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Titel: Der Klimawandel als Chance für ökologische Produktinnovation