Lade Inhalt...

Wort- und Begrifffeld Übersetzen / Dolmetschen / Translation

Seminararbeit 2004 54 Seiten

Dolmetschen / Übersetzen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Etymologische Abgrenzung der Begriffe Übersetzen, Dolmetschen, Translation
1.1 Das Begriffspaar Übersetzen/Dolmetschen
1.1.1 Im Altertum
1.1.1.1 Bei den Ägyptern
1.1.1.2 Bei den Griechen
1.1.1.3 Bei den Mitanni
l.1.1.4 Bei den Römern
1.1.2 Im Mittelalter
1.1.3 In der Neuzeit
1.2 Der Begriff Translation

2. Semantische Abgrenzung der Begriffe Übersetzen-Dolmetschen- Translation
2.1 Frühere Vorstellungen
2.1.1 Cicero
2.1.2 Hieronymus
2.1.3 Luther \
2.2 Schleiermachers Vorstellungen
2.3 Grimms Vorstellungen
2.4 Die ersten Versuche des 20. Jahrhunderts
2.4.1 Otto Monien
2.4.12 Kade

3. Die einzelnen Einfuhrungswerke
3.1 Güttinger, Fritz (1963): Zielsprache. Theorie und Technik des Übersetzens
3.2 Mounin, Georges (1967): Die Übersetzung. Geschichte, Theorie, Anwendung
3.3 Wilss. Wolfram (1977): Übersetzungswissenschaft. Probleme und Methoden
3.4 Ko 11er, Werner ( 1979): Einführung in die Übersetzungswissenschaft
3.5 Reiß, Katharina/Vermeer, Hans J. (1984): Grundlegung einer allgemeinen Translationstheorie
3.6 Snell-Homby, Mary (1988): Übersetzungswissenschaft. Eine Neuorientierung
3.6.1 Mary Snell-Homby und Mia Vannerem
3.6.2 Albrecht Neubert
3.6.3 Fritz Paepcke und Radegundis Stolze
3.6.4 Hans G. Honig und Paul Kußmaul
3.6.5 Juan C. Sager
3.6.6 Justa Holz-Mänttäri
3.7 Ammann, Margret (1989): Grundlagen der modernen Translationstheorie - Ein Leitfaden für Studierende
3.8 Nord, Christiane (1993): Einführung in das funktionale Übersetzen. Am Beispiel von Titeln und Überschriften
3.9 Macheiner, Judith (1995): Übersetzen. Ein Vademecum
3.10 Snell-Homby, Mary/Kadric, Mira (Hg.) (1995): Grundfragen der Übersetzungswissenschaft. Wiener Vorlesungen von Katharina Reiß
3.11 Gerzymisch-Arbogast, Heidrun/Mudersbach, Waus (1998): Methoden des wissenschaftlichen Übersetzens
3.12 Knauer, Gabriele (1998): Grundkurs Übersetzungswissenschaft Französisch
3.13 Snell-Homby, Mary u.a. (Hg.) (1998): Handbuch Translation
3.13.1 Peter A Schmitt «
3.13.2 Roland Freihoff
3.13.3 Franz Pöchhacker
3.13.4 Sigmund Kvam
3.14 Kautz, Ulrich (2000): Handbuch Didaktik des Übersetzern und Dolmetschern
3.15 Prunč, Erich (2001): Einführung in die Translationswissenschaft. Band 1: Orientienmgsrahmen
3.16 Best, Joanna/Kalina, Sylvia (Hg.) (2002): Übersetzen und Dolmetschen. Eine Orientierungshilfe
3.16.1 Sylvia Kalina
3.16.2 Heinrich P. Kelz
3.16.3 Gabriele Mack
3.16.4 Hcidrun Gerzymisch-Arbogast
3.17 Salevsky, Heidemarie (2002): Translationswissenschaft. Ein Kompendium

4. Schlussbemerkungen

5. Bibliographie

Wort-/Begriffsfeld

Übersetzen/Dolmetschen/Translation

0. Einleitung

Seit Jahrtausenden wird übersetzt und gedolmetscbt. Immer wieder haben Wissenschaftler im Zusammenhang damit die Frage aufgeworfen, was darunter zu verstehen ist. Die Antworten sind äußerst vielfältig, oft auch widersprüchlich. Verschiedene Ansichten ergeben sich vor allem auch deshalb, weil die Thematik von jeweils anderen wissenschaftlichen Standpunkten aus betrachtet wird und weil Schwerpunkte nicht immer gleich gesetzt werden.

Daher versuche ich zuerst, die drei Begriffe anhand ihrer Etymologie und historischen Entwicklung zu klären. Danach sollen die drei Termini gegeneinander abgegrenzt und so genau wie möglich definiert werden.

In diesem Zusammenhang möchte ich aufecigen, wie die einzelnen Autorinnen der Einführungen das Wort- und Begriffsfeid IJbersetzen-Dolmetschen-Translation behandeln, und vergleichen, inwiefern sie darauf eingehen, wie man die drei Begriffe in der Vergangenheit und in der Gegenwart definiert, gegeneinander abgrenzt und mit welchen Vorstellungen die betreffenden Wissenschaftler diese Termini verbinden.

1. Etymologische Abgrenzung der Begriffe Übersetzen, Dolmetschen. Translation

1.1 Das Begriffspaar Übersetzen/Dolmetschen

1.1.1 Im Altertum

1.1.1.1 Bei den Ägyptern

Die Dolmetschertätigkeit wird bereits ausgeübt, bevor es Übersetzungen gibt. Der Begriff Dolmetschen ist bis in die Zeit der ägyptischen Hochkultur zurückverfolgbar.[1]

Dabei werden die Dragomanen - fremdsprachlich geschulte Diplomaten -, welche bei der Verständigung verschiedensprachiger Völker mitgcholfen haben, erwähnt. Diese Karawanenführer und Geschäftsunterhändler sorgen auch für die Vermittlung zwischen Mensch- und Gölterwelt.[2]

1.1.1.2 Bei den Griechen

Auch Hermes hat eine ähnliche Funktion gehabt, weswegen er als Dolmetscher gilt.[3] Der Begriff Hermeneutik (siehe S. 27) wird von Hermes abgeleitet, da er „den

Menschen den Götterwillen immer verschlüsselt, also interpretationsbedürftig gebracht hat.“[4]

1.1.1.3 BeidenMirarmi

Beim kleinasiatischen Volk der Mitanni lassen sich bereits 1500 vor Christus Dolmetscher (talami) nachweisen.[5]

1.1.1.4 Bei den Römern

Bei den Römern spielen Dolmetscher sowohl im Heer als auch im Handel eine große Rolle und haben auch eine prophetische Funktion inne. Im Lateinischen verwendet man das Wort mierpres (interpretar!) sowohl für das mündliche als auch für das schriftliche Übersetzen. Der Begriff wird von inter-partes oder inter-pretium hergeleitet.

Erst mit Ende der Latinität kommt es schließlich zu einer ersten Unterscheidung zwischen mündlichem und schriftlichem Übersetzen.[6]

1.1.2 Im Mittelalter

Im Mittelalter wird der Unterschied zwischen mündlichem und schriftlichem Übersetzen zuerst einmal in den romanischen Sprachen klarer definiert. Die Wurzel des arabischen [urgumän/targöman/tardschüman und des aramäischen iargum, welche beide vom assyrischen ragamu (=sprechen) kommen, bleibt im Italienischen dragomanno oder turcimanno erhalten,[7]

Letzteres findet sich seit dem 12. Jahrhundert im französischen truchement wieder, welches fUr mündliches Übersetzen verwendet wird und sich immer stärker vom translateur (dem schriftlichen Übersetzer) entfernt. Der französische Terminus translater (das italienische ¡rabiatare) geht ins Englische über und wird zu translate.[8]

1.1.3 In der Neuzeit

An der Schwelle der Neuzeit wird das mündliche Übersetzen mit inter-pres (frz. interprète, it. interprete) und das schriftliche Übersetzen mit tra-duco und trans-fero (Partizip Perfekt: trans-latus) bezeichnet, was laut Mounin die „Vorstellung, daß man etwas überführt, daß man den Übergang von einer Sprache in eine andere vollzieht, daß man eine Aussage aus einer Sprache in eine andere transportier[9], verdeutlicht.

In den romanischen Sprachen kommen neue Wörter auf - beispielsweise im Französischen traduire, im Italienischen tradurre - und sogar im Deutschen übersetzen oder übertragen, was auf die semantische Komponente der Wörter traduco und transféra zurückzufuhren ist, wie Mounin erklärt.'[10] Diese Unterscheidung zwischen mündlichem und schriftlichem Übersetzen bleibt nun bis in die Gegenwart auch im Deutschen erhalten.

1.2 Der Begriff Translation

Der Begriff Translation wird vom lateinischen translatio abgeleitet, was''mit Übertragung, Versetzung, Verpflanzung übersetzbar ist."[11]

Vermeer hat Prunč persönlich mitgeteilt, dass translatieren 1456 bei Thüring von Ringoltingen und translatze 1461 bei Niklas von Wyle aufzufinden seien. Prunč

selbst erklärt, dass Translation vom humanistischen Arzt Heinrich Steinhöwel (1412­1483) zum ersten Mal für „Übersetzung“ verwendet wird, denn über dessen Äsop- Übersetzung heißt es „in der nüwen translation usz kriechisch in latin“. Im 16. Jahrhundert sei dann bei einigen anderen Autoren dieser Begriff auch noch anzutreffen. Danach allerdings sei er nur noch in Wörterbüchern als Synonym für vertolmetschung und Übersetzung zu finden.[12]

2. Semantische Abgrenzung der Begriffe Übersetzen Dolmetsch en-Translation

Geht man von der Annahme aus, dass es sich bei den drei Begriffen um eine „Übertragung“ handelt, dann stellt sich automatisch die Frage, wie diese erfolgt und welche Vorstellungen diesbezüglich mit den drei Termini verbunden sind.

2.1 Frühere Vorstellungen

Sowohl Cicero als auch Hieronymus und Luther sind bei der Begründung und Verteidigung ihres Übersetzens stets mit dem Widerspruch zwischen wörtlichem (treuem) und freiem (sinngemäßem) Übersetzen konfrontiert gewesen.[13]

2.1.1 Cicero

Cicero unterscheidet zwei Vorstellungen von Übersetzen: ut interpres (bloßer Übersetzer, der Wort für Wort das Original wiedergibt) und ut orator (Schriftsteller, der die Aussage des Originals erhält, aber umformuliert).[14]

2.1.2 Hieronymus

Hieronymus schließt sich übersetzungsstrategisch an Cicero an und wird zum Verfechter des sinnorientierten Übersetzens, denn die wörtliche Übersetzung überdecke oft den Sinngehalt. Für ihn gilt allerdings eine Ausnahme, nämlich die Übersetzung der Heiligen Schrift, bei der „die Wortfolge ein Mysterium ist“’[15].

2.1.3 Luther

Luther hält seine Überlegung zum Übersetzen im „Sendbrief vom Dolmetschen“ und in den „Summarien über die Psalmen und Ursachen des Dolmetschens“ fest. Während Hieronymus bei biblischen Texten an der wörtlichen Übersetzung festhält, entwickelt der Reformator Luther „eine adressatenspezifische Konzeption der Bibelübersetzung“[16]. Seine freie, eindeutschende Übersetzung der Bibel war für den Mann auf der Straße gedacht.[17]

2.2 Schleiermachers Vorstellung

Schleiermacher hat in seiner Abhandlung „Ober die verschiedenen Methoden des Übersetzens" eine Reibe übersetzungswissenschaftlicher Einsichten geprägt, die bis in die Gegenwart herein wirken. Wilss und Salevsky weisen daraufhin, dass der Begriff Übersetzungswissenschaft vermutlich von Schleiermacher geprägt worden ist.[18] Schleiermacher fordert 1814 eindringlich eine eigene wissenschaftliche Disziplin, welche sich mit Problemen des Übersetzens und Dolmetschens beschäftigen solle, indem er schreibt: „ [...] so gewiß es eine Aiterthumswissenschaft gibt, so gewiß muß es auch eine Uebersetzungswissenschaft geben."[19] Schleiermacher ist der erste, der konsequent zwischen Übersetzen und Dolmetschen unterschieden hat.[20] Dem Dolmetscher weist Schleiermacher die Gebiete des Geschäftslebens zu, während der Übersetzer sich mit Wissenschaft und Kunst andere Kräfte und Geschikklichkeiten zu seiner Arbeit bringen und in einem anderen Sinne mit seinem Schriftsteller und dessen Sprache bekannt sein ais der Dolmetscher.“

Für das eigentliche Übersetzen, das Übersetzen im Bereich der Kunst und Wissenschaften, gibt es seiner Ansicht nach nur zwei Methoden: Den Leser zum Schriftsteller hin zu bewegen oder den Schriftsteller zum Leser.

Er entscheidet sich dabei für das verfremdende Übersetzen, bei dem die Übersetzung nicht wie das Original wirken, sondern fremde Gefühle und Gedanken wiedergeben soll.[21]

2.3 Grimms Vorstellung

Grimm schreibt in seinem Wörterbuch zum Wort Translation folgende Bedeutungen: ,,1) Erhebung von eim orí zum andern, als man etwa mit der verstorbnen heyligen cörper gethon' [...] ‘Verlegung, Versetzung‘ [...] die folge der translation des ganzen Sonnensystems im weltraume A.V. HUMBOLDT kosm. 1, 150; zumal nach dem Vorgang des mlat. häufig verwendet als staatsrechtlicher begriff [...] Versetzung eines bischofes auf ein anderes bistum [...] auch eine auflösung, eine suspension, nur eine translation (des konzils von Trient) wäre höchst gefährlich gewesen [...]

2) daneben in älterer zeit speziell ' Verdolmetschung' [...] ‘Übersetzung‘ [...] anfänglich sogar mit eingedeutschter form: in der ersten translatze dieses buches von befasst.[22] Schleiermacher vermerkt gleichzeitig, dass dies der bisherigen Tradition einer Unterteilung nach Mündlichkeit und Schriftlichkeit nicht widerspreche, da die Kunst und Wissenschaft sich vorwiegend der Schrift bedienen, im Geschäftsleben das mündliche Verhandeln jedoch überwiege. Damit beginnt er das eigentliche Übersetzen, welches er an „wissenschaftliche oder künstlerische Erzeugnisse“[23] bindet, dem mechanischen Übersetzen (von pragmatischen Texten) entgegenzustellen.[24]

Schleiermacher begründet die Unterscheidung so: Im Geschaftsleben befasse man sich mit möglichst genauen, fast mathematisch oder geometrisch festgelegten „Gegenständen“, weswegen die Übertragung auch mechanisch, bei nur mäßigen Sprachkenntnissen verrichtet werden könne (wodurch seine geringere Einschätzung der Arbeit des Dolmetschers zum Ausdruck kommt). „Je weniger in der Urschrift der Verfasser selbst heraustrat, je) mehr er lediglich als auffassendes Organ des Gegenstandes handelte und der Ordnung des Raumes und der Zeit nachging, um desto mehr kommt es bei der Uebertragung auf ein bloßes Dolmetschen an.“2* ,Jc mehr hingegen des Verfassers eigentümliche Art zu sehen und zu verbinden in der Darstellung vorgewaltet hat, je mehr er irgend einer frei gewählten oder durch den Eindrukk bestimmten Ordnung gefolgt ist, desto mehr spielt schon seine Arbeit in das höhere Gebiet der Kunst hinüber, und auch der Uebersetzer muß dann schon Euriolo und Lucrezia NICLAS V. WYLE translat. [...] dazu translatieren, vb., ‘übersetzen, in eine andere spräche bringen1 [...] LESSING [...] ähnlich HERDER [...] statt des üblicheren transferieren“ (GRIMM/GRIMM 1935, Sp. 1239-1240).“[25] Jakob Grimms Auffassung von Übersetzen wird aus einem Bild, das er selbst gibt, deutlich: „übersétzen ist ¿¿ersetzen, traducere navem. wer nun zur seefart aufgelegt, ein schif bemannen und mit vollem segcl an das gestade jenseits fuhren kann, musz dennoch landen, wo andrer boden ist und andre luft streicht.“[26]

2.4 Die ersten Versuche des 20. Jahrhunderts 2.4.1 Otto Moniert

Nur Salevsky erwähnt Moniert, der davon ausgeht, dass viele im deutschen Sprachraum Dolmetscher und Dolmetschen nicht genau definieren können. Monien weist auf die verwirrenden umgangssprachlichen Erklärungen für Dolmetscher hin: Dolmetscher werden als Fremdsprachler bezeichnet (dabei könnte man sie mit Teilnehmern an Sprachkursen etc. verwechseln) oder als Sprachkenner (wobei nicht näher bestimmt wird, über welche Kenntnisse von Sprachen sie verfügen müssen). Der Ausdruck Sprachvermittler wäre passender, erinnere aber seiner Meinung nach zu stark an den Sprachlehrer. Den Begriff Dolmetscher würde er als „Ehrentitel“[27] für einen „fremdsprachlichen Meister“[28] reservieren.

Monien wünscht sich einen Oberbegriff nach dem Muster der romanischen Sprachen (interpres) und schlägt Sprachmittler vor. Dem Dolmetscher folgt in der hierarchischen Aufzählung der Übersetzer, der mit dem geschriebenen Text umgeht, und ihm der Sprachkundige. Alle drei haben eine mittelnde Funktion, sind daher Sprachmittler.[35]

2.4.2 Otto Kade

Kurze Zeit später hat Kade die erste translationswissenschaftliche Abgrenzung von Übersetzen und Dolmetschen als Teile der Translation versucht.[29] Seine Aussagen über die drei Begriffe sind von einem beträchtlichen Teil der Autoren wie Koller[30], Prune[31], Knauer[32], Reiß/Vermeer[33] und Salevsky[34] angeführt worden.

In seiner Schrift „Zufall und Gesetzmäßigkeit in der Übersetzung“ betont Otto Kade die Wichtigkeit genauer Begriffsdefinitionen in der Wissenschaft.

Er stellt fest, dass die Begriffe Übersetzen, Übersetzer, Übersetzung mehrdeutig verwendet werden. So ist eine Übersetzung häufig das Prodiikt des Übersetzens und des Dolmetschens. Es wird also der Begriff Übersetzen auch ftlr Dolmetschen verwendet. Kade geht ein Oberbegriff fur Übersetzen und Dolmetschen ab, weshalb er den Begriff Translation vorschlägt.

Kade unterscheidet zwei Arten der Translation: Translation im engeren Sinn (schriftliches und mündliches Übertragen eines Ausgangstextes in einen anderssprachigen Zicltext) und Translation im weiteren Sinn (welche auch andere Elemente der zweisprachigen Kommunikation beinhaltet).34 Kade definiert 1968 Translation als „Prozeß (Vorgang), der mit der (akustisch­phonetischen oder optisch-graphischen) Aufnahme des AS-Textes beginnt und mit der (motorisch-phonetischen oder graphischen) Wiedergabe des ZS-TexJes endet und dessen wichtigsten Bestandteil der Kodierungswechsel, d.h, die Umschlüsselung eines gegebenen Textes aus dem Kode AS in den Kode ZS, bildet.“[35] Übersetzen bedeutet für ihn „die Translation eines fixierten und demzufolge permanent dargebotenen bzw. beliebig oft wiederholbaren Textes der Ausgangsprache in einen jederzeit kontrollierbaren und wiederholt korngierbaren Text der Zielsprache.“[36] '

Dolmetschen ist tur Kade „die Translation eines einmalig (in der Regel mündlich) dargebotenen Textes der Ausgangssprache in einen nur bedingt kontrollierbaren und infolge Zeitmangels kaum korrigierbaren Text der Zielsprache,“[37] Für ihn sind also bereits andere Kriterien als Mündlichkeit und Schriftlichkeit allein maßgebend, nämlich die Wiederholbarkeit des Ausgangstextes und die Korrigierbarkeit des Zieltextes.

1980 fügt er diesen charakterisierenden Merkmalen noch die Fixiertheil hinzu und unterscheidet die Ühemaittlungsbedingungen im Anschluss daran noch mit permanent im Gegensatz zu einmalig oder graphisch im Gegensatz zu phonetisch. Er gibt zudem eine genaue Gegenüberstellung der Darbietungsmögüchkeiten des quellensprachlichen Textes und der Realisierungsart des Zieltextes. Salevsky sicht nur in der zehnten Variante das klassische Dolmetschen vertreten (phonetisch/e initial ige Darbietung des Ausgangstextes und phonetisch/direkt an den Empfänger übermittelter Zieltcxt). Unter der Variante 1 entdeckt sie den klassischen Übersetzungsfall: graphisch/permanente Darstellung des Ausgangstextes und graphische Realisierung des Zieltextes.[38]

[...]


[1] Vgl. Kautz, Ulrich (2000): Handbuch Didaktik des Übersetzens und Dolmetschern. München: indicium 2000. 2. Auflage 2002, S. 29;

Vgl. Kalina, Sylvia: Fragestellungen der Dolmetschwissenschaft. In: Best, Joarna/KaÜDa, Sylvia (Hg.) (2002): Übersetzen und Dolmetschen. Eine Orieraienmgshilfe Tübingen/Basel: Francke, S 30; Vgl Salevsky, Heidemarie (2002): Translationswissenschaft. Ein Kompendium. Frankfurt am Main u.a.: Lang, S. 15

[2] Vgl. ebd.,S. 15;

Vgl. Bowen, Margareta: Geschichte des Dolmetschern. In: Snell-Homby, Mary u.a. (Hg.) (1998): Handbuch Translation. Tübingen: Stauffenburg. 2-, verbesserte Auflage 1999, S. 43

[3] Vgl. Güttinger, Fritz (1963): Zielsprache. Theorie und Technik des Übersetzens. Zürich: Manesse, S. Π;

[5] Vgl. ReìQ, Katharina/Vermeer, Hans J. (1984): Grundlegung einer allgemeinen Translationstheorie. Tübingen: Niemeyer, S. 35;

Vgl. Kluge, Friedrich (1883): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin/New York: Walter de Gruyter. 23., erweiterte Auflage 1999, S. 188

[6] Vgl. Mounin, Georges (1967): Die Übersetzung. Geschichte, Theorie. Anwendung. München: Nymphenburger Verlagshandlung, S. 14f.;

Vgl. Salevsky, Heidemarie (2002): Translationswissenschaß, S. 16 1 Vgl. Mounin, Georg« (1967): Die Übersetzung, S. 23

[8] Vgl. ebd, S. 14f.;

[9] Vgl. Kluge, Friedrich (1883): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, S. 188 0 Mounin. Georges (1967): Die Übersetzung, S. 15

[10] Vgl. ebd., S. 15

[11] Vgl. Knauer, Gabriele (1998): Grundkurs Übersetzungswissenschaft Französisch Stuttgart/ Dûsseldort/Leipzig: Klett, S. 8;

Vgl. Snell-Homby, Mary: Translation. In: Snetl-Homby, Mary u.a. (Hg.) (1998): Handbuch Translation. Tübingen: Stauffenburg. 2., verbesserte Auflage 1999, S. 37

[12] Vgl. Prune, Erich (2001): Einführung in die Transtalionswissenschaft. Band I:

[13] Orientierungsrahmen. Graz: Institut für Translationswissenschaft, S. 9 ,J Vgl. Knauer, Gabriele (1998): Grundkurs Übersetzungswissenschaft Französisch, S. 18; Vgl. Kautz, Ulrich (2000): Handbuch Didaktik des Überselzens und Dolmetschens, S. 31

[14] VgL Mounin, Georges (1967): Die Übersetzung, S. 24;

[15] Vgl. Reiß, Katharina/Vermeer, Hans J. (1984): Grundlegung einer allgemeinen Translationstheorie, S. 53; '

[16] Vgl. Wilss, Wolfram (1977): Übersetzungswissenschaft. Probleme und Methoden. Stuttgart: KJett, S. 30fr;

[17] Vgl. Hohn, Stefanie: Philologisch-historische Tradition. In: Snell-Homby, Mary u.a. (Hg.) (1998): Handbuch Translation. Tübingen: Stauffenburg. 2., verbesserte Auflage 1999, S. 91;

[18] Vgl. Knauer, Gabriele (1998): Grundkurs Übersetzungswissenschaft Französisch, S. 18

[19] Čemý, Lothar: Zwischen den Zeichen: Zur Geschichte der Übersetzungstheorie. In: Best, Joanna/ Kalina, Sylvia (Hg.) (2002): Übersetzen und Dolmetschen, S. 6;

[20] Vgl. ebd., S. 6;

[21] Vgl. Salevsky, Heidemarie (2002): Translationswissenschaft, S. 290ff.;

[22] Vgl. Wilss, Wolfram (1977): Übersetzungswissenschaft, S. 31fr;

[23] Vgl. Knauer, Gabriele (1998): Grundkurs Übersetzungswissenschaft Französisch, S. 18;

[24] Vgl. Woodsworth, Judith: Geschichte des Übersetzens. In: Snell-Homby, Mary u.a. (Hg.) (1998): Handbuch Translation. Tübingen: Stauffenburg. 2., verbesserte Auflage 1999, S. 39fr;

[25] Vgl. Hohn, Stefanie: Philologisch-historische Tradition. In: Snell-Homby, Mary u.a. (Hg.) (1998): Handbuch Translation, S. 91

[26] Wilss, Wolfram (1977): Übersetzungswissenschaft, S. 32

[27] Vgl. ebd., S. 32;

[28] Vgl. Woodsworth, Judith: Geschichte des Übersetzern. In: Snell·Hornby, Mary u a. (Hg.) (199S): Handbuch Transtation, S. 41; i

[29] Vgl. Hohn, Stefanie: Philologisch-historische Tradition. In: Snell-Homby, Mary u.a. (Hg.) (1998): Handbuch Translation, S. 92;

[30] Vgl. Knauer, Gabriele (1998): Grundkurs Übersetzungswissenschaft Französisch, S. 18;

[31] Vgl. Salevsky, Heidemarie (2002): Translaiionswissenschaft, S. 293fif.;

[32] Vgl Čemý, Lothar: Zwischen den Zeichen: Zur Geschichte der Übersetzungstheorie, ln: Best, Joanna/ Kalina, Sylvia (Hg.) (2002): Übersetzen und Dolmetschen, S. 8;

[33] Vgl. Koller, Werner (1979): Einführung in die Übersetzungswissenschaft. Wiesbaden: Quelle & Meyer. 5., aktualisierte Auflage 1997, S. 39f.;

[34] Vgl Snell-Homby, Mary/Kadric, Mira (Hg.) (1995): Grundfragen der Übersetzungswissenschaft. Wiener Vorlesungen von Katharina Reiß. Wien: WUV, S. 30f;

[35] Vgl. Luther, Martin: Sendbrief vom Dolmetschen In: Störig, Hans Joachim (Hg.) (1963): Das Problem des Übersetzens Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S. 21 und S. 24f.

[36] Vgl. Wilss, Wolfram (1977): Übersetzungswissenschaft, S. 33-36;

[37] Vgl Salevsky, Heidemarie (2002): Translationswissenschaft, S. 57

[38] '° Vgl. Wilss, Wolfram (1977): Übersetzungswissenschaft, S 32,

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Wort- und Begrifffeld Übersetzen / Dolmetschen / Translation