Lade Inhalt...

Mobile Learning in der unternehmensinternen Weiterbildung

Anforderungen & State-of-the-Art

Masterarbeit 2011 100 Seiten

Informatik - Wirtschaftsinformatik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Mobile Computing
2.2 Mobile Endgeräte
2.2.1 Klassifikation
2.2.2 Übertragungstechniken
2.2.3 Mobile Betriebssysteme
2.3 Weiterbildung im Unternehmen
2.3.1 Klassische Formen der Weiterbildung
2.3.2 Technische Unterstützung der Weiterbildung
2.3.2.1 Electronic Learning
2.3.2.2 Mobile Learning

3 Mobile Learning unter pädagogischer Perspektive
3.1 Bildungsarten der Medienpädagogik
3.1.1 Medienkunde
3.1.2 Medienerziehung
3.1.3 Mediendidaktik
3.2 Klassifikation und Anforderungen mobiler Lehr-Lern-Situationen
3.2.1 Virtueller Vortrag
3.2.2 Virtuelles Seminar
3.2.3 Selbstlernen
3.3 Pädagogische Anforderungen an Mobile Learning
3.3.1 Lernziele
3.3.2 Lerntheorien
3.3.3 Bedingungen des Lernens und Lehrens

4 Mobile Learning im Unternehmen
4.1 Rahmenbedingungen des Einsatzes mobiler Endgeräte und Anwendungen innerhalb des M-Learning
4.1.1 Limitationen mobiler Endgeräte
4.1.2 Heterogenität mobiler Endgeräte
4.1.3 Mobilität, Einsatzort und -zeit mobiler Endgeräte
4.1.4 Wirtschaftlichkeit mobiler (Lern-)Anwendungen
4.2 Analyse des Einsatzes mobiler Endgeräte und Anwendungen im M-Learning .
4.2.1 Kompetenzerwerb als Hauptziel des M-Learning
4.2.2 Analyse des Einsatzes mobiler Endgeräte und Anwendungen in mobilen Lehr-Lern-Situationen
4.2.2.1 Einsatz im mobilen virtuellen Vortrag
4.2.2.2 Einsatz im mobilen virtuellen Seminar
4.2.2.3 Einsatz mobiler Endgeräte beim Selbstlernen
4.2.3 Güte der Umsetzung
4.3 Zusammenfassung der Analyse

5 State of the Art
5.1 Mobile Learning - Prozessbezogenes Informieren und Lernen in wechselnden Arbeitsumgebungen
5.1.1 Verbundpartner und ihre Teilprojekte
5.1.1.1 Teilprojekt „Daimler AG"
5.1.1.2 Teilprojekt „IAG"
5.1.1.3 Teilprojekt „handylearn"
5.1.2 Projektablauf
5.1.3 Zusammenfassung der Projektergebnisse
5.1.4 Einordnung der Teilprojekte in mediendidaktische Lehr-Lern-Situationen
5.2 MOBIlearn Projekt
5.2.1 Beschreibung der Teilprojekte
5.2.1.1 Teilprojekt „Museum"
5.2.1.2 Teilprojekt „First Aid"
5.2.2 Projektablauf
5.2.3 Zusammenfassung der Projektergebnisse
5.2.4 Einordnung der Teilprojekte in mediendidaktische Lehr-Lern-Situationen
5.3 Stand der Literatur

6 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Klassifikation mobiler Endgeräte

Abbildung 2: Upward Performance-Spirale

Abbildung 3: Formen der betrieblichen Weiterbildung

Abbildung 4: Einordnung des M-Learning in die Pädagogik

Abbildung 5: Pädagogische Prozesse im Mobile Learning

Abbildung 6: Stückkostendegression digitaler Güter

Abbildung 7: BMBF-Projekt: Aufgabenbereiche der Verbundpartner

Abbildung 8: Teilprojekt IAG: Prototyp der Lernanwendung

Abbildung 9: Teilprojekt handylearn: Prototyp der Lernanwendung

Abbildung 10: Teilprojekt Museum: Anwendungsbeispiel

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Betriebssysteme mobiler Endgeräte

Tabelle 2: Formale Einordnung der Bildungsformen

Tabelle 3: Charakteristika von E-Learning und M-Learning

Tabelle 4: Vergleich der Anforderungen mediengestützter Lehr-Lern-Situationen

Tabelle 5: Erreichbarkeit von Lernzielen in mediengestützten Lehr-Lern-Situationen

Tabelle 6: Checkliste der Bedingungen erfolgreichen Lernens

Tabelle 7: Aspekte zur Analyse mobiler Lehr-Lern-Situationen

Tabelle 8: Unternehmenseinfluss auf Erfolg von M-Learning

Tabelle 9: Zusammenfassung der Analyse mobiler Lehr-Lern-Situationen

Tabelle 10: Projektphasen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Universal Mobile Telecommunications Service Wireless Application Protocol Web based Trainings Wireless Local Area Network

„Whenever you are asked if you can do a job, tell 'em, 'Certainly I can!'
Then get busy and find out how to do it."

Theodore Roosevelt (1858-1919)

1 Einleitung

Mobile Endgeräte sind mittlerweile so weit verbreitet, dass statistisch gesehen jeder Deutsche mindestens ein Handy hat (vgl. BITKOM 2007, S. 11). Ebenso ha­ben sich die technischen Möglichkeiten dieser Endgeräte in den letzten Jahren stark verbessert, sodass eine vielseitige Anwendung der mobilen Endgeräte mög­lich ist (vgl. Roth 2005, S. 1). Sie sind nicht mehr nur auf Telefonate und das Schreiben von Kurzmitteilungen beschränkt, sondern erlauben auch die Nutzung von Kameras, Musikabspielfunktionen, Spielen sowie dem mobilen Internet und weiteren mobilen Anwendungen. Dennoch gibt es Bereiche des Lebens, wo mo­bile Endgeräte bislang eher gering vertreten sind. Dazu gehört auch der spätes­tens seit PISA für die Bundesregierung wichtige Bereich der Bildung.

E-Learning an PCs ist heutzutage vielen Menschen geläufig und hat in den priva­ten und beruflichen Alltag Einzug gehalten (vgl. Neumann & Schulz 2010). Jedoch sitzt etwa nur die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung täglich vor einem PC (vgl. Shepherd 2001) und diese verbringt wiederum die Hälfte der Arbeitszeit außer­halb ihres Arbeitsplatzes (Yuen & Yuen 2009). Zudem arbeiten immer mehr Mit­arbeiter an mehreren Arbeitsplätzen oder sind in global verteilten Teams tätig (vgl. Gröhbiel & Pimmer 2008a). Besonders für Unternehmen ist es daher eine große Herausforderung gerade diese Mitarbeiter in der betrieblichen Weiterbil­dung zu schulen.

Ein zu Beginn des 21. Jahrhunderts gewachsener Forschungsbereich beschäftigt sich mit genau dieser Problematik, wie Lernen im mobilen Kontext mit Hilfe mo­biler Endgeräte ermöglicht werden kann. Diese Arbeit greift diesen Forschungs­bereich auf und gibt eine Antwort auf folgende Forschungsfragen im Kontext der innerbetrieblichen Weiterbildung:

F1: Wie kann Mobile Learning effektiv und effizient im Unternehmen ein­

gesetzt werden? F2: Welche Ansätze von Mobile Learning in der unternehmensinternen Weiterbildung gibt es bereits in der Praxis?

Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die pädagogischen Anforderungen und ihre Umsetzung im Mobile Learning gelegt.

Kapitel 2 befasst sich mit den Grundlagen des Mobile Learning (M-Learning). Da­bei wird der Begriff im Kontext des Mobile Computing eingeordnet, der Begriff des mobilen Endgeräts eingegrenzt, mobile Endgeräte klassifiziert und ihre grundlegenden technischen Eigenschaften erläutert. Anschließend folgt eine Begriffsbestimmung der Weiterbildung im Unternehmen, welche klassischen Formen sie annehmen kann und inwieweit Weiterbildung mithilfe von Technolo­gie unterstützt werden kann. In diesem Zusammenhang werden allgemein die Begriffe Electronic Learning (E-Learning) und Mobile Learning herausgestellt und voneinander abgegrenzt.

Kapitel 3 befasst sich mit dem Thema Mobile Learning aus der Sicht der Pädago­gik. Es ordnet das Mobile Learning innerhalb der Medienpädagogik ein, zeigt auf, zu welcher Bildungsart M-Learning gehört und klassifiziert grundlegend Formen elektronisch unterstützter Lehr-Lern-Situationen. Dabei wird der Fokus auf sicht­bare Ausprägungen der Lehr-Lern-Situationen gelegt. Weiterhin wird konkreti­siert, welche Ziele Lernen verfolgen kann, welche Kompetenzen[1] damit erworben werden können und wie Lernen im Inneren des Menschen, nach außen hin un­sichtbar, abläuft. Abschließend werden Kriterien herausgearbeitet, unter wel­chen Bedingungen Lernen erfolgreich und effizient ist.

Kapitel 4 untersucht das M-Learning konkret unter dem Aspekt der innerbetrieb­lichen Weiterbildung im Unternehmen. Dabei entsteht durch Fusion der allge­meinen unternehmensinternen Weiterbildung mit den spezifischen Eigenschaf­ten mobiler Endgeräte, unter Berücksichtigung der pädagogischen Rahmenbe­dingungen, das M-Learning im Unternehmenskontext. Dazu werden die für das M-Learning relevanten technischen Eigenschaften mobiler Endgeräte nochmals aufgegriffen, die Bedeutung der Heterogenität in diesem Zusammenhang erläu­tert, die Wirtschaftlichkeit mobiler (Lern-)Anwendungen untersucht und Einsatz­ort und -zeit mobiler Endgeräte im M-Learning-Kontext eingegrenzt. Anschlie­ßend folgt die Analyse des Einsatzes mobiler Endgeräte und Anwendungen in den in Kapitel 3 klassifizierten Lehr-Lern-Situationen unter Beachtung der päda­gogischen Anforderungen und der herausgestellten Rahmenbedingungen des Einsatzes mobiler Endgeräte und Anwendungen innerhalb des M-Learning.

Kapitel 5 befasst sich mit dem aktuellen Forschungsstand im Bereich des Mobile Learning und zeigt auf welche Ansätze des M-Learning bereits in der Praxis exis­tieren. Dabei wird sowohl ein laufendes, als auch ein bereits abgeschlossenes Projekt beschrieben und eine Zuordnung zu den mobilen Lehr-Lern-Situationen vorgenommen.

In Kapitel 6 wird eine Schlussbetrachtung des Themas vorgenommen und eine zusammenfassende Antwort auf die eingangs genannten Forschungsfragen ge­geben.

2 Grundlagen

2.1 Mobile Computing

In der heutigen Gesellschaft ist Mobilität, und damit auch im Bereich des Mobil­funks die räumliche Bewegung eines Nutzers mit seinem mobilen Endgerät (vgl. Kaspar 2006, S. 43), unabkömmlich. So werden heutzutage u. a. Mobiltelefone, Notebooks und ähnliche sogenannte mobile Endgeräte dazu eingesetzt, jederzeit überall erreichbar zu sein, aber auch um unterwegs zu arbeiten zu. Diese Mobili­tät wurde erst im Zuge des technischen Fortschritts durch kleinere und leistungs­fähigere mobile Endgeräte, sowie den Ausbau der Mobilkommunikationsnetze ermöglicht. Das Forschungsfeld Mobile Computing greift dieses auf und befasst sich einerseits mit den Systemen der Mobilkommunikation, andererseits aber auch mit den dazu notwendigen mobilen Endgeräten und ihren Anwendungen (vgl. Roth 2005, S. 1).

Der Begriff des Mobile Computing kann nicht eindeutig von anderen Begriffen dieses Bereichs abgegrenzt werden, da diese oftmals ähnliche Konzepte darstel­len (vgl. Roth 2005, S. 2; Fuchß 2009, S. 13ff). So lassen sich in der Literatur in diesem Zusammenhang auch häufig die Begriffe Ubiquitous („allgegenwärtiges") Computing, Pervasive („durchdringendes") Computing und Nomadic Computing finden. Ubiquitous Computing wurde 1991 von Mark Weiser eingeführt und er­läutert, welche Bedeutung der Computer im Alltag des Menschen einnimmt und wie er diesen beeinflusst (vgl. Weiser 1991). Pervasive Computing ist eher tech­nikorientiert und stellt die Frage der technischen Umsetzung der Durchdringung („pervasion") des Alltags durch das Computing in den Vordergrund (vgl. Fuchß 2009, S. 14). Nomadic Computing legt seinen Schwerpunkt auf die Mobilität des Nutzers mit seinem mobilen Endgerät. Hier geht es eher um den Systemgedan­ken: die Unterstützung der mobilen Nutzer mit Infrastruktur und Systemen, un­abhängig von Ort und Zeit (vgl. Fuchß 2009, S. 17f).

Das Ziel von Mobile Computing hingegen ist, „den Benutzer und dessen Anwen­dungen mit effektiven rechnerunterstützten Konzepten, Verfahren und Lösungen zu versorgen, die es ihm ermöglichen, in einem heterogenen Umfeld mit stets unsicherer Verbindungslage (private) Daten und Informationen zu lesen und zu bearbeiten, und dies unabhängig von Ort und Zeit" (Fuchß 2009, S. 17). Demzu­folge kann Mobile Computing als Disziplin verstanden werden, welche die Reali­sation der drei oben genannten Konzepte (Allgegenwärtigkeit, Durchdringung, Mobilität) ermöglicht (vgl. ebenda).

2.2 Mobile Endgeräte

Mobile Endgeräte ermöglichen es ihren Nutzern, „Dienste über ein drahtloses Netzwerk oder lokal verfügbare mobile Anwendungen[2] zu nutzen" (Roth 2005, S. 387). Um dies zu gewährleisten, müssen mobile Endgeräte drei zentrale Anforderungen erfüllen (vgl. Turowski & Pousttchi 2004, S. 57):

1. Nutzung einer eigenen vom Stromnetz unabhängigen Stromversorgung,
2. geringe Größe für leichte Portabilität,
3. Nutzung einer mobilen Datenübertragung.

Lehner (2003) nennt weitere wichtige Eigenschaften mobiler Endgeräte, wie z. B. die Ortsunabhängigkeit, die Erreichbarkeit, die sofortige Verfügbarkeit, die Loka- lisierbarkeit und die Personalisierung (vgl. Lehner 2003, S. 11).

2.2.1 Klassifikation

Je nach Bauart, Einsatzbereich und technischen Eigenschaften lassen sich mobile Endgeräte klassifizieren. Roth (2005) schlägt eine Vierteilung mobiler Endgeräte vor und unterscheidet dabei in Mobile Standardcomputer wie z. B. Laptops oder Netbooks, in mobilen Gegenständen fest installierte Bordcomputer wie sie bspw. in PKWs verwendet werden, Handhelds und bspw. in Kleidung eingearbeitete Wearables.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Klassifikation mobiler Endgeräte (in Anlehnung an Roth 2005, S. 389)

Ein anderer Markt wurde dabei von Roth nicht berücksichtigt, der der sogenann­ten Webpads/ Tablets. Es handelt sich dabei um Endgeräte, die in erster Linie dafür konzipiert sind, dem Benutzer einen mobilen Zugang zum Internet und damit auch zum World Wide Web (WWW) zu ermöglichen (vgl. Walker 2002). Dazu gehören bspw. Webpads, CE Tablets, Pen Tablets und Tablet PCs, die ge­genüber Handhelds zwar mehr Funktionsmöglichkeiten bieten, jedoch durch ihre Größe teilweise auch den mobilen Standardcomputern zuordenbar sind. Wie Abbildung 1 zeigt, ist die Einordnung dieser Geräte daher nicht immer eindeutig möglich. Beispiele für diese Geräteklassen sind das 2010 erschienene iPad von Apple oder das 2011 erwartete Nokia Sparrow (vgl. Meixner 2010; Schwichtenberg 2009).

In Anbetracht des Themas Mobile Learning werden in dieser Arbeit schwer­punktmäßig Handhelds betrachtet, wobei Webpads und Tablets aufgrund ihrer hybriden Art nur punktuell berücksichtigt werden. Andere mobile Endgeräte werden nicht betrachtet und daher auch nur Handhelds inkl. Webpads und Tab­lets nachfolgend erläutert. Mit Verweis auf Kapitel 2.3.2.2 wird dies dadurch be­gründet, dass weder mobile Standardcomputer (trotz ihrer Bezeichnung „mo­bil"), noch Bordcomputer oder Wearables den Anforderungen an zeitliche und örtliche Flexibilität sowie mobile Kommunikation entsprechen.

Neben der Übertragung von Sprache erlauben heutige Mobiltelefone (anders: Handys) auch die Übertragung von Daten, beispielsweise in Form von Kurznach­richten (SMS, Short Message Service) oder durch eine Verbindung mit dem In­ternet. Weiterhin dienen sie oftmals auch als Abspielgerät für Audio- und Video­dateien, Kamera und Terminplaner. Sie verfügen über ein spezielles Handybe- triebssystem (vgl. Kapitel 2.2.3) und eine Telefontastatur[3]. Auch ist ein Datenaus­tausch mit PC oder anderen Handys über zahlreiche Schnittstellen (vgl. Kapitel 2.2.2) möglich.

Der PDA (Personal Digital Assistant) ist ein mit einem Touchscreen und/ oder einer Tastatur ausgestattetes Gerät, das hauptsächlich als Organizer, also z. B. zur Terminplanung oder zur E-Mail-Verwaltung, genutzt wird. Das Display ist größer als das eines Mobiltelefons, was die Darstellung mehrerer Elemente er­laubt. Die Bedienung eines Touchscreens erfolgt entweder mit einem speziellen Stift, mit dessen Hilfe auch Handschrifteingaben vorgenommen werden können (vgl. Roth 2005, S. 392), oder mit dem Finger durch Berührung des Displays. Die Tastatur ist ausklappbar oder „on-screen" und ähnelt einer PC-Tastatur. Ebenso wie Mobiltelefone verfügt ein PDA über Kommunikationsschnittstellen, um einen Datenabgleich mit einem Computer zu ermöglichen. PDAs nutzen ein PC­ähnliches Betriebssystem (vgl. Turowski & Pousttchi 2004, S. 65f).

Das Smartphone vereint die Vorteile beider genannten Geräte und trägt daher zur gesteigerten Mobilität bei. Es wird als ein Gerät definiert, das hauptsächlich als Mobiltelefon genutzt wird, jedoch auch über ein PDA-ähnliches Betriebssys­tem verfügt (vgl. ebenda, S. 69). Weiterhin verfügen Smartphones über ausrei­chend Speicherplatz, um zusätzliche Anwendungen installieren zu können und erlauben die Nutzung der Telefonfunktionalität auch in weiteren installierten Programmen (vgl. Fuchß 2009, S. 20). Smartphones verdrängen heutzutage nor­male Mobiltelefone und PDAs vom Markt. Als Vorreiter gilt hier das iPhone von Apple, das die Bedienung u. a. über einen Touchscreen bekannt gemacht hat.

Das Webpad ist ein portables Endgerät, welches ursprünglich speziell für die Nutzung des Internets konstruiert wurde. Durch seine geringe Größe und Ge­wicht prägte es den Begriff „Pocket Web" und bietet durch unterschiedliche Schnittstellen, wie z. B. LAN oder WLAN dem Benutzer die Möglichkeit Inhalte des WWW aufzurufen, aber auch lokale Programme über Browser-plug-ins zu nutzen. Die Interaktion mit dem Benutzer findet über einen Standardbrowser statt, der über einen Touchscreen per Stift oder Finger bedient wird (Walker 2002). Bedingt durch den technischen Fortschritt und die wachsende Produkt­vielfalt verfügen Webpads heutzutage über immer mehr Funktionen und techni­sche Neuerungen. Dadurch sind sie kaum noch von Tablets zu unterscheiden und so werden beide Begriffe im allgemeinen Sprachgebrauch teilweise synonym verwendet.

In Ihrer ursprünglichen Form bilden Tablets einen Kompromiss zwischen Smart­phone und Netbook. Ihre Bedienung erfolgt ähnlich der PDAs und Smartphones per Touchscreen, wobei das Display der Tablets deutlich größer ist. Das iPad als Beispiel besitzt mit 9,7'' ein Display, dass dem eines Netbooks ebenbürtig ist und wiegt auf der anderen Seite 0,73 kg (vgl. Apple Inc. 2010a), während Netbooks auch bereits die 1 kg-Marke unterschritten haben (vgl. Notebookcheck 2010). Dennoch sind Tablets den Netbooks leistungsmäßig deutlich unterlegen (vgl. Meixner 2010) und können teilweise lediglich durch ihre intuitive Bedienung, die Vielfalt der Übertragungsmöglichkeiten (GSM, UMTS inkl. HDSPA) und Features wie die GPS-Ortung (Global Positioning System) gegenüber Netbooks punkten (vgl. Apple Inc. 2010a). Tablets bieten dem Benutzer sowohl die Möglichkeit im Internet zu surfen, als auch lokale Programme aufzurufen. Jedoch verfügen nicht alle sogenannten Tablets über dieselben technischen Ausstattungen, sodass sie teilweise kaum von Webpads zu unterscheiden sind.

Durch die Dreiteilung der Handheld-Arten und unter Berücksichtigung der Web­pads/ Tablets wirkt die Vielfalt der mobilen Endgeräte bereits relativ komplex. Erweitert wird sie jedoch noch durch die verschiedenen erhältlichen Modelle, ihre vorhandenen Schnittstellen und ihre eingesetzten Betriebssysteme und Software.

2.2.2 Übertragungstechniken

Mobile Endgeräte[4] besitzen die Möglichkeit der Datenübertragung untereinan­der oder zu anderen nicht mobilen Endgeräten. Dazu existieren mehrere Über­tragungswege mit unterschiedlichen Reichweiten, Übertragungsgeschwindigkei­ten und Kosten. Dabei wird unterschieden in Übertragungen über das Mobil­funknetz mit globaler Reichweite wie GSM und GPRS, mit ihren jeweiligen Erwei­terungen UMTS bzw. HDSPA/ HSPA+, sowie in Übertragungen innerhalb lokaler Netze bspw. via WLAN oder Bluetooth.

GSM ist ein Standard für Mobilfunknetze und steht für „Global System for Mobi­le Communication" (vgl. Kaspar 2006, S. 48f). Es ist in Deutschland nahezu flä­chendeckend verfügbar. GSM nutzt Übertragungsraten von maximal 13 kBit/s für Sprache und 9,6 KBit/s für Daten, arbeitet jedoch leitungsbasiert. Übertragene Daten resultieren aus der Nutzung von SMS oder des WAP (Wireless Application Protocol) für die Darstellung von WWW-Inhalten. Aufgrund der niedrigen Daten­übertragungsraten wurden Erweiterungen eingeführt, die höhere Raten bereit­stellen. GPRS (General Packet Radio Service) bspw. erlaubt theoretische Übertra­gungsraten von 171,2 kBit/s und arbeitet paketbasiert (vgl. ebenda, S. 50). Im Gegensatz zu der leitungsbasierten Übermittlung fallen hier nur Kosten an, wenn tatsächlich Daten übertragen werden, auch wenn das mobile Endgerät dauerhaft im Netz eingebucht ist („always on").

UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) stellt eine Weiterentwick­lung von GSM dar und wurde geschaffen, um noch höhere Datenübertragungsra­ten zu gewährleisten, die der heutigen Mediennutzung gerecht werden (vgl. ebenda). Bei einer anfänglichen Datenrate von 384 kBit/s bedeutete dies zwar eine deutliche Verbesserung gegenüber GPRS, jedoch war dies immer noch nicht vergleichbar mit Datenraten, wie sie per PC via DSL erreicht werden konnten. Durch die Erweiterung des UMTS durch HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) und eine schnellere Übertragungstechnik kann UMTS momentan eine Datenrate von bis zu 7,2 MBit/s in Ballungszentren erreichen. Es ist jedoch nicht flächendeckend verfügbar (vgl. Nexus Media 2009). In naher Zukunft soll sich die Übertragungsrate durch die Erweiterung HSPA+ (High Speed Packet Access) mit 28-64 MBit/s sogar vervielfachen (vgl. T-Online 2010) und damit die bereits ver­altete GPRS-Technik langfristig verdrängen. Durch die hohe Übertragungsrate der HDSPA-Technik (High Speed Downlink Speed Packet Access) ist die Nutzung des Internets über das mobile Endgerät sowie die Installation mobiler Anwen­dungen jetzt schon bequem möglich. Typischerweise fallen bei der Datenüber­tragung auch Gebühren für die Netznutzung an. Diese variieren jedoch nach Ver­tragstyp oder entfallen ganz, falls eine Flatrate gebucht wurde.

Lokale Netze wie das WLAN (Wireless Local Area Network) sind im Gegensatz zum Mobilfunknetz grundsätzlich kostenlos. Hier besteht die Möglichkeit sich mit einem fest installierten Router per Funk zu verbinden und Daten innerhalb der Reichweite des Netzwerks auszutauschen. Die WLAN-Schnittstelle greift dabei auf einen Access-Point (Router) zu, der den Clients im Empfangsbereich eine Verbindung mit dem Internet ermöglichen, aber auch eine Brücke zu anderen (stationären) Netzen darstellen kann (vgl. Kaspar 2006, S. 47). Aktuelle WLAN- Standards gewährleisten eine Übertragungsrate von bis zu 300 MBit/s. Kosten der Nutzung entstehen lediglich, wenn es sich bei dem Access-Point um einen kostenpflichtigen Hotspot handelt.

Bluetooth ist ein Funknetz für den Nahbereich (10 bis maximal 100 Meter) und wurde ursprünglich als „Kabelersatz" entwickelt (vgl. ebenda, S. 57). Die maxima­le Datenübertragungsrate beträgt zurzeit 3 Mbit/s. Bluetooth wird u. a. genutzt, um Peripheriegeräte, wie Tastaturen und Mäuse, aber auch mobile Endgeräte auf einfache Weise mit einem Computer zu verbinden. Neben der Peripheriean­bindung können auch Bluetooth-Hotspots aufgebaut werden, die einem Blue- tooth-fähigen Endgerät Zugriff auf situationsspezifische Inhalte gewähren. Ein Anwendungsbeispiel dafür ist die Nutzung von Hotspots auf Konzerten. Mit ei­nem mobilen Endgerät können so Zusatzinformationen zum Künstler angefordert werden (vgl. Alby 2008, S. 57).

2.2.3 Mobile Betriebssysteme

Fundamentale Funktionen mobiler Endgeräte, wie u. a. die Vermittlung zwischen Anwendungsprogrammen und dem Nutzer bzw. der Hardware, werden von dem Betriebssystem (OS, Operating System) realisiert (vgl. Mertens et al. 2005, S. 22). Für mobile Endgeräte existiert eine Vielzahl von Betriebssystemen (siehe Tabelle 1), so dass in dieser Systemlandschaft keine homogene Unterstützung und Kommunikation mit Anwendungsprogrammen gewährleistet werden kann.

Betriebssysteme für mobile Endgeräte müssen an die technischen Beschränkun­gen der Endgeräte angepasst sein (vgl. Roth 2005, S. 395f) und umgekehrt ist die Nutzung bestimmter Funktionen nur auf Betriebssystemen möglich, die diese unterstützen. So spielt die Bildschirmgröße und deren Auflösung für die Gestal­tung der Benutzeroberfläche eine große Rolle. Auch ist es schwierig und bislang noch bei keinem Betriebssystem möglich, mehrere geöffnete Fenster gleichzeitig auf dem kleinen Bildschirm darzustellen. Ein weiterer Faktor ist die Interaktions­rate. Nutzer von mobilen Endgeräten erwarten, dass die gewählte Anwendung sofort verfügbar ist und sie nicht mehrere Sekunden zum Start benötigt. Auch die verschiedenen Eingabemöglichkeiten (Touchscreen, Zahlenblock- oder QWERTZ- Tastatur) müssen bei der Betriebs- und Anwendungssystementwicklung bedacht werden, so dass die Software mit verschiedenen Eingabemöglichkeiten umgehen können muss. Da die mobilen Endgeräte meist mit Akkumulatorstrom versorgt werden, ist die Energieversorgung beschränkt. Software sollte daher möglichst energiesparend sein. Schließlich ist auch die verminderte Rechenleistung und Speichergröße der mobilen Endgeräte mit ressourcenschonende Software zu berücksichtigen (vgl. Savill-Smith & Kent 2003, S. 24ff).

In der folgenden Tabelle werden kurz verschiedene Betriebssysteme mobiler Endgeräte vorgestellt, welche momentan weit verbreitet sind oder neuere Bedi­enkonzepte verfolgen (vgl. AdMob 2009, S. 4; Kremp 2009). Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben. Die Klassifizierung erfolgt in Abhängigkeit der Gerätehersteller.

Geräteherstellerabhängig (nur auf eigenen Geräten lauffähi Wurde ursprünglich für PDAs entwickelt und war das erste Betriebssystem, wel­ches Push-Mail unterstützte (vgl. Alby 2008, S. 108). Mittlerweile wird es auch auf Blackberry-eigenen Smartphones eingesetzt. Es kann (je nach Modell) über einen Touchscreen und per Spracheingabe gesteuert werden. Unterstützte An­wendungen werden in Java oder .Net geschrieben (vgl. RIM 2010).

Wurde von Apple speziell für das eigene Smartphone (iPhone) und den iPod Touch entwickelt und basiert auf Apples Betriebssystem Mac OS. Es unterstützt Multitouch, Sprachsteuerung und die Nutzung von Bewegungssensoren. Anwen­dungen müssen in Objective-C oder neuerdings auch in C# oder .NET realisiert werden (vgl. Apple Inc. 2010b; MonoTouch 2010).

Geräteherstellerunabhängig (auch auf fremden Geräten lauffähi Von Google und weiteren Soft- und Hardware-Herstellern geschaffene Linux­basiertes Open-Source-Betriebssystem für mobile Endgeräte (vgl. Alby 2008, S. 113). Android kann je nach Herstellerbelieben für mobile Endgeräte angepasst werden. Es unterstützt Multitasking und Sprachsteuerung, ist aller­dings aufgrund der relativ neuen Marktpräsenz bisher auf wenigen mobilen Endgeräten zu finden. Anwendungen werden in Java (vgl. Google Inc. 2010) geschrieben und sind über eine Online-Plattform zu erwerben.

Als Nachfolger des Palm OS löste webOS 2009 dieses als Betriebssystem der Palm-PDAs ab (vgl. Parthesius 2010). Es basiert auf Linux (vgl. Kalenda & Widmann 2009) und beherrscht Multitouch, Sprachsteuerung, Multitasking und unterstützt Bewegungssensoren. Anwendungen können mit HTML, CSS, Ja­vaScript und neuerdings auch in C und C++ erstellt werden (vgl. Palm Inc. 2010).

Dieses Open-Source-Betriebssystem, ursprünglich nur für PDAs gedacht, wurde von Beginn an mit Telefonie-Funktionen ausgestattet (vgl. Roth 2005, S. 416ff). Es verwendet ein Dateisystem und beherrscht Multitasking. Flash Lite-, Python-, JavaME- und C++-Anwendungen werden unterstützt (vgl. König 2007). Mobile Endgeräte mit Symbian OS sind weit verbreitet, da viele Hersteller dieses Be­triebssystem nutzen (vgl. Barczok & Opitz 2009).

Windows Mobile basiert auf Windows CE, welches wiederum ein Derivat der Windows-Betriebssysteme ist (vgl. Turowski & Pousttchi 2004, S. 67). Es war ursprünglich für PDAs konzipiert und wird auf Geräten unterschiedlicher Herstel­ler betrieben (vgl. Internet Nachrichten Agentur 2007). Die aktuelle Version wurde speziell für Touchscreens überarbeitet. Die Anwendungsentwicklung basiert auf dem .NET Compact Framework und Visual C++, aber auch Java­Anwendungen werden unterstützt (vgl. Prengel 2009).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Betriebssysteme mobiler Endgeräte

Aus der Tabelle wird die Vielfalt der existierenden Betriebssysteme für mobile Endgeräte und die unterstützten Programmiersprachen ersichtlich, in denen Programme und Applikationen realisiert werden können.

2.3 Weiterbildung im Unternehmen

Viele Berufe erfordern eine mehrjährige Berufsausbildung. Die Berufsausbildung allein reicht jedoch mittlerweile nicht mehr aus um den wachsenden Anforde­rungen des Arbeitsalltags zu genügen. „Mit der Schulausbildung und Berufsaus- bildung allein wird das Arbeitsleben nicht mehr zu bewältigen sein" (Brosi 2010, S. 7).

Neue Technologien und moderne Formen der Arbeitsorganisation stellen stei­gende Anforderungen an Qualifikation und Flexibilität der Mitarbeiter. So erfor­dert der Einsatz aktueller Technologien und die große Anzahl von Produktreihen und Derivaten eine kontinuierliche Anpassung der Qualifikation jedes einzelnen Mitarbeiters (vgl. Omert 2010). Unter Berücksichtigung einer fortschreitenden Globalisierung ist besonders bei international ähnlichem Technologiestandard das Kompetenzniveau[5] des eingesetzten Personals nicht selten entscheidend im Produktwettbewerb (vgl. Lacher 2010, S. 17) und somit ausschlaggebend für das langfristige Fortbestehen des Unternehmens. Daher ist es zu Zeiten eines wach­senden Qualifizierungsbedarfs nicht verwunderlich, dass deutsche Unternehmen jährlich ca. 17 Mio. Euro ist die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter inves­tieren (vgl. Eckert 2001).

Weiterbildung entwickelt sich damit zu einem wichtigen Teil einer zukunftsorien­tierten Unternehmensstrategie mit dem Hauptziel eine volle berufliche Hand­lungsfähigkeit dauerhaft zu gewährleisten. Kompetente und motivierte Mitarbei­ter werden so zu einer der wichtigsten Ressourcen des Unternehmens. Die Hauptbeteiligten einer Weiterbildung im Unternehmen verfolgen mit dem Ange­bot und der Nutzung dieser Maßnahme unterschiedliche Ziele. Nach Jung (1997) sind die fünf stärksten direkten Ziele eines Unternehmens

- die Ausnutzung aller Leistungspotentiale der Mitarbeiter,
- die Steigerung der Reaktion und Flexibilität bei neuen Aufgaben,
- der fachgerechte Einsatz der Mitarbeiter entsprechend ihrer Qualifikati­on,
- die Einleitung von Selbstlernprozessen bei steigenden Anforderungen und
- die Steigerung der Eigenverantwortung (vgl. Jung 1997).

Damit sind in erster Linie wettbewerbsrelevante Ergebnisse das Ziel der Weiter­bildungsmaßnahmen für ein Unternehmen. Dem gegenüber stehen die, ebenfalls von Jung definierten, fünf stärksten direkten Ziele der Mitarbeiter:

- Klarheit über die berufliche Entwicklung,
- Flexibler Einsatz und Ausprobieren was zur Person passt,
- Fertigkeitsnahe Förderung,
- Erreichen von beruflichen und sozialen Zielen und Erhalt von Anerken­nung, sowie
- Steigerung der Lebenszufriedenheit (ebenda).

Obwohl Unternehmen und Mitarbeiter unterschiedliche Ziele verfolgen wird bei genauer Betrachtung deutlich, dass diese Ziele sich nicht gegenseitig ausschlie­ßen, sondern im Gegenteil einander unterstützen und teilweise sogar bedingen. Abbildung 2 zeigt in Umkehrung der von Pfeffer entwickelten „Downward Per­formance-Spirale" (Pfeffer 1996) eine „Upward Performance-Spirale" und ver­deutlicht damit einerseits die gemeinsam einhergehenden Ziele von Mitarbeiter und Unternehmen, andererseits den positiven Zusammenhang zwischen Weiter­bildung und Unternehmenserfolg.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Upward Performance-Spirale

Investitionen in die Weiterbildung führen mittelfristig zu positivem individuellen Verhalten der Mitarbeiter bspw. durch wachsende Fähigkeiten und Fertigkeiten, sowie steigende Motivation. Dies führt wiederum zu Leistungssteigerung seitens der Mitarbeiter und damit zu mehr Produktivität und höherem Gewinn. Daraus resultiert schließlich wieder die Möglichkeit weiteres Kapital in Weiterbildungs­maßnahmen zu investieren, wodurch ein positiver aufwärtsgerichteter („Up­ward") Kreislauf entsteht. In vielen Unternehmen, wie bspw. der AUDI AG, ge­nießt die Aus- und Weiterbildung daher oberste Priorität (vgl. Omert 2010, S. 11).

Somit profitieren nicht nur die Unternehmen direkt von den Weiterbildungs­maßnahmen, auch die Mitarbeiter erzielen einen positiven Nutzen. Sie steigern ihren Wert auf dem Arbeitsmarkt, schaffen eine Grundlage zur Zuweisung höhe­rer Kompetenzen am Arbeitsplatz und erarbeiten sich berufliche Aufstiegsmög­lichkeiten. Brosi beschreibt, dass gerade in Krisenzeiten die berufliche Weiterbil­dung bei den Arbeitnehmern hoch im Kurs steht (vgl. Brosi 2010, S. 7). Sie dient der Sicherung des Arbeitsplatzes und der Bindung des Mitarbeiters an das Un­ternehmen durch die Bildung betriebsspezifischer Kompetenzen und einer bes­seren Anpassung der Person an ihre Funktion (Person-Funktions-Passung). Eine solche Mitarbeiterbindung ist wiederum für das Unternehmen vorteilhaft, da mit Hilfe der Weiterbildung Fach- und Führungskräfte im Unternehmen ausgebildet werden, die anschließend dem Unternehmen einen positiven Beitrag zur Wert­schöpfung bringen. Auch wird die Mitarbeiterfluktuation minimiert und führt gemeinsam mit der optimierten Person-Funktions-Passung zu einer Steigerung der Mitarbeiterproduktivität im Unternehmen (vgl. Buchhester 2003, S. 27). So­mit entsteht für alle Beteiligten eine „win-win-Situation" und in beiden Fällen können sowohl direkte als auch daraus resultierende indirekte Ziele erreicht werden.

2.3.1 Klassische Formen der Weiterbildung

Die betriebliche Weiterbildung wird in der Literatur nicht von allen Autoren gleichermaßen abgegrenzt. Nach Buchhester (2003, S. 39) zeichnet sie sich „durch das Streben nach neuen Entwicklungen und ein vertieftes Verständnis für

Zusammenhänge aus" und ist als Fortsetzung des Lernens nach der ersten Bil­dungsphase definiert. Damit ist die betriebliche Weiterbildung direkt hinter der schulischen Aus- und Fortbildung eingegliedert. In Abgrenzung zur Aus- und Fortbildung handelt es sich bei der Weiterbildung um „das organisierte Einarbei­ten in angrenzende oder neue Aufgabengebiete am Arbeitsplatz sowie Förde­rungsmaßnahmen, die der Vermittlung neuer Fachkenntnisse, der Entwicklung der Persönlichkeit sowie der Schulung von Führungskräften und des Führungs­nachwuchses dienen" (Scholz 2000, S. 541). Dem gegenüber sieht Hummel die betriebliche Weiterbildung von der Nachwuchsförderung und Führungskräfte­entwicklung separiert (vgl. Hummel 2001, S. 12). Mobile Learning im Unterneh­men sowohl im Bereich der Schulung von Fachkräften als auch Nachwuchs- und Führungskräften eingesetzt werden kann (vgl. Kapitel 2.3.2.2). Unter betriebli­cher Weiterbildung werden in dieser Arbeit somit als alle Maßnahmen verstan­den, die vom Unternehmen initiiert werden, um die Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der eigenen Mitarbeiter zu fördern und zu verbessern.

Weiterbildung im Unternehmen kann unterschiedliche Formen annehmen. Zu­nächst sind die Bildungsmaßnahmen nach fünf Dimensionen zu gliedern, dem Zeitpunkt, der räumlichen und inhaltlichen Nähe zum Arbeitsplatz, der Teilneh­mer sowie der Formalität.

Die erste Dimension erfasst den Zeitpunkt der Bildungsmaßnahme, während die zweite Dimension nach der räumlichen Nähe zum Arbeitsplatz, und damit auch zum unmittelbaren Wertschöpfungsprozess differenziert. Welche zeitlichen und räumlichen Dimensionen die betriebliche Weiterbildung innerhalb ihrer Definiti­on annehmen kann, zeigt Abbildung 3 in Anlehnung an Jung (1997).

Die dritte Dimension differenziert bezüglich des Inhalts der Bildungsmaßnahmen. Je nach Hierarchiestufe bedeutet Weiterbildung eine Beschäftigung mit unter­schiedlichen Inhalten, da Mitarbeiter unterschiedlicher Hierarchieebenen diffe­rente Vorbildungen und Erfahrungen aufweisen und für die Ausübung ihrer Tä­tigkeit nur bestimmte Inhalte benötigen[6]. Buchhester beschreibt dabei höhere Fachanforderungen („hard skills") in niedrigeren Hierarchieebenen, während Mitarbeiter höherer Ebenen stärker Verhaltensanforderungen („soft skills") er­füllen müssen (vgl. Buchhester 2003, S. 40) und entsprechend diesen Anforde­rungen geschult werden müssen.

Im Folgenden werden die einzelnen Bildungsformen bezüglich näher erläutert und in Anlehnung an Buchhester eine Eingrenzung der drei zuvor genannten Di­mensionen (Zeit, Raum und Inhalt) vorgenommen.

into the job: Diese Bildungsform umfasst die berufliche Ausbildung im Rahmen einer rein schulischen Ausbildung oder dem Dualen Berufsausbil­dungssystem[7]. Sie geht der betrieblichen Weiterbildung voran. on the job: Unter Weiterbildung „on the job" werden alle Maßnahmen ver­ standen, die unmittelbar am Arbeitsplatz oder im Vollzug der Ar­beit durchgeführt werden um die berufs- und aufgabenspezifi­schen Qualifikationen der Mitarbeiter zu fördern. Die Bildungsin­halte sind daher hierarchisch horizontal ausgerichtet. along the job: Diese Bildungsform betrifft eine Laufbahnbezogene Unterstützung während der gesamten Zeit der Unternehmenszugehörigkeit. Sie ist hierarchisch stark vertikal ausgerichtet. near the job: Die Bezeichnung „near the job" bezeichnet im Rahmen der Wei­terbildung alle Maßnahmen die während der Arbeitszeit in räumli­cher Nähe zum Arbeitsplatz stattfinden, wie bspw. Lernwerkstät­ten. Sie finden unternehmensintern statt und können sowohl hori­zontal als auch vertikal ausgerichtet sein. off the job: Als Weiterbildung „off the job" werden alle Maßnahmen während oder außerhalb der Arbeitszeit verstanden, die außerhalb des Un­ternehmens stattfinden. Sie können sowohl durch interne als auch externe pädagogische Einrichtungen durchgeführt werden und ebenso horizontal wie vertikal ausgerichtete Bildungsinhalte auf­weisen. out of the job: Diese Bildungsform dient lediglich dem Mitarbeiter, welcher dadurch auf den Übergang vom Berufsleben zum Ruhestand vor­bereitet wird. (vgl. Buchhester 2003, S. 42)

Die Bildungsformen „into the job" und „out oft the job" werden aufgrund des fehlenden Bezugs zur betrieblichen Weiterbildung in dieser Arbeit nicht näher betrachtet. Stattdessen wird der Fokus auf die vier Formen der betrieblichen Weiterbildung (on-, along-, near- und off-the-job) gelegt.

Die vierte Dimension, die Teilnehmer, ergibt sich aus der Unterscheidung von innerbetrieblicher und überbetrieblicher Weiterbildung. Die innerbetriebliche Weiterbildung umfasst nach Buchhester lediglich die Mitarbeiter innerhalb eines Unternehmens, während die überbetriebliche Weiterbildung auch Mitarbeiter fremder Unternehmen einschließen kann (vgl. ebenda). In allen Formen der be­trieblichen Weiterbildung tritt mindestens eine Ausprägung der vierten Dimensi­on abhängig von der zeitlichen, räumlichen und inhaltlichen Dimension auf.

Die fünfte Dimension, die der Formalität, differenziert die Weiterbildung dahin­gehend, ob sie formell oder informell stattfindet (vgl. Tabelle 2). Unter formeller Weiterbildung werden allgemein Ausprägungen der Weiterbildung (Kurse, Semi­nare, Lehrgänge und Fernkurse) verstanden, die unter Anleitung eines Kurslei­ters, Lehrers oder Trainers durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um re­gelmäßig oder unregelmäßig wiederkehrende Veranstaltungen mithilfe traditio­neller pädagogischer Medien[8]. Informelle Weiterbildung beschreibt einen per­manenten oder okkasionellen Bildungsprozess autodidaktischer Art (vgl. Optikur 2010). Es findet dabei keine Einweisung und keine Kontrolle Dritter statt, der Lernende bestimmt den Zeitpunkt, den Ort, die Bildungsform, den Inhalt und die Dauer des Lernprozesses selbst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Formale Einordnung der Bildungsformen

Übliche Ausprägungen der Weiterbildung in klassischen Weiterbildungsveran­staltungen sind bspw. Seminare, Kurse oder Lehrgänge zu Kommunikation, Füh- rungs- und Präsentationstechniken sowie Software-Schulungen und Manage­ment-Trainings. Klassische Präsenzveranstaltungen dieser Art sind arbeitsplatz­fern angelegt und nahmen 2001 noch 95% aller betrieblichen Weiterbildungs­maßnahmen ein (vgl. Eckert 2001). Neben den klassischen Präsenzveranstaltun­gen gibt es weitere arbeitsplatznahe sowie arbeitsplatzferne Ausprägungen der betrieblichen Weiterbildung. Dazu gehören sogenannte „geplante Phasen", bei denen eine Unterweisung durch Vorgesetzte, Spezialisten oder Kollegen erfolgt, planmäßige Job-Rotation oder Austauschprogramme, die Teilnahme an Lern­oder Qualitätszirkeln, Fachmessen, Tagungen, Konferenzen und Workshops oder selbstgesteuertes Lernen durch Fernunterricht (vgl. Moraal et al. 2009).

In der Erhebung über betriebliche Bildung 2005 („3rd Continuing Vocational Training Survey", CVTS3)[9] wurden u. a. auch die oben genannten „anderen Aus­prägungen betrieblicher Weiterbildung"[10] untersucht. 71% aller Unternehmen bieten demzufolge diese anderen Ausprägungen der Weiterbildung an, wobei die mit Abstand wichtigste die geplante Weiterbildung („off the job") durch die Teil­nahme an Tagungen, Konferenzen, Workshops, Fachmessen und Fachvorträgen ist (90%). Die mit 45% zweitwichtigste Art ist das der Bildungsform „on the job" zuzuordnende Lernen durch geplante Ausbildungsphasen am Arbeitsplatz, dicht gefolgt vom Lern- und Qualitätszirkel (40%) (vgl. Salfinger & Sommer-Binder 2007), der durch die Distanz zum Arbeitsplatz eher den Bildungsformen „near the job" oder „off the job" zuzuordnen ist.

2.3.2 Technische Unterstützung der Weiterbildung

Wirtschaftlichkeit und allgemeines Kostenbewusstsein sind im Unternehmens­kontext wichtig, um sich auf dem Markt langfristig behaupten zu können. Auch Kosten für Weiterbildung stehen dabei im Fokus und sind immer wieder zu hin­terfragen. Schließlich verursachen betriebliche Weiterbildungen nicht nur Kosten im Bereich von Honoraren und Seminargebühren, gerade auch die Kosten für die Abstellung der Mitarbeiter zu Präsenzschulungen sowie Reisekosten sind dabei von erheblicher Bedeutung. Eckert spricht in diesem Zusammenhang sogar von explodierenden Schulungskosten bei eng bemessenem Zeitrahmen (vgl. Eckert 2001), da die Opportunitätskosten der Mitarbeiter, daher dass sie währende der Schulungszeit ihrer eigentlichen Arbeit nicht nachgehen können, einen nicht un­erheblichen Teil der gesamten Weiterbildungskosten einnehmen. Auf der Suche nach Optimierungspotentialen in diesem Bereich wird die Unterstützung der Weiterbildung durch technische Neuerungen wie Electronic-Learning (E-Learning) und Mobile-Learning (M-Learning) zunehmend wichtiger. Nachfol­gend sollen beide Formen der technischen Unterstützung kurz erläutert und voneinander abgegrenzt werden.

[...]


[1] Kompetenz ist definiert als „Fähigkeit und Bereitschaft" (Euler & Hahn 2007, S. 132)

[2] Unter mobilen Anwendungen werden nachfolgend Softwareanwendungen verstanden, die auf mobilen Endgeräten ausgeführt werden.

[3] Physisch, mit einem Zahlenblock von 0 bis 9 oder einer QWERTZ-Tastatur

[4] Nachfolgend werden aus Vereinfachungsgründen Handhelds inkl. Webpads/ Tablets als mobile Endgeräte bezeichnet.

[5] Kompetenz: vgl. Kapitel 3.3.1

[6] Z. B. benötigt ein Maurer gewöhnlicherweise keine Controllingkenntnisse für seine Arbeit

[7] Eine Ausbildung im Dualen Berufsausbildungssystem umfasst eine zeitlich in schulisch und be­trieblich gegliederte Ausbildung

[8] Z. B. Buch oder Bild

[9] Erhebung über die betriebliche Bildung in allen 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und Norwegen nach Vorgaben des Europäischen Parlaments und des Rates durch EUROSTAT in Unternehmen mit einer Mindestbeschäftigtenzahl von zehn.

[10] Gemeint sind die Bildungsformen on-, along-, near- und off-the-job

Details

Seiten
100
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656153245
ISBN (Buch)
9783656153290
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190524
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Wirtschaftswissenschaftliches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Mobile Internet Handy Lernen Software Betrieb Weiterbildung Mobile Learning Bildung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Mobile Learning in der unternehmensinternen Weiterbildung