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Überblick und praktischer Zugang zu den Methoden der Objektiven Hermeneutik von Ulrich Oevermann

Hausarbeit 2009 24 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 DIE OBJEKTIVE HERMENEUTIK- EIN ERSTER ÜBERBLICK

3 METHODOLOGIE
3. 1 DIE DRITTE WELT OBJEKTIVER SINNSTRUKTUREN
3. 2 SOZIALES HANDELN
3. 3 FALL, REKONSTRUKTION UND DER STRUKTURBEGRIFF
3. 4 FALLREKONSTRUKTION ALS SEQUENZANALYSE
3. 5 LATENTE SINNSTRUKTUREN

4 DIE PRINZIPIEN DER TEXTINTERPRETATION
4. 1 DIE KONTEXTFREIHEIT
4. 2 DAS WÖRTLICHKEITSPRINZIP
4. 3 DIE SEQUENTIALITÄT
4. 4 DIE EXTENSIVITÄT
4. 5 DIE SPARSAMKEIT

5 LESEARTEN UND FALLSTRUKTUR
5. 1 DIE KONSTRUKTION VON LESEARTEN
5. 2 DIE FALLREKONSTRUKTION
5. 3 DIE AUSDEHNUNG DER STRUKTURGENERALISIERUNG

6 SCHLUSSWORT

7 LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Methoden qualitativer Forschung“, werde ich mich mit dem Verfahren der Objektiven Hermeneutik, in Form einer Hausarbeit, auseinandersetzen.

Dabei habe ich mich, bei der zur Auswahl stehenden Themen, für diese Methode entschieden, weil sie relativ aktuell von Ulrich Oevermann her- ausgebildet worden ist und so eine große Bandbreite an Primär- und Se- kundär Literatur, zum Teil in der Bibliothek der Universität Kassel, zur Ver- fügung steht. Des Weiteren sehe ich einen Bezug zu meinem Studiengang der Sozialen Arbeit in den Anfängen der Entwicklung der Methode, im Sinne von Soziologie und Familientherapie (siehe dazu z. B. Oevermanns bedeutendste objektiv- hermeneutische Interpretation zur Supervision1 ). Ziel der Ausarbeitung soll sein, einen Überblick sowie einen praktischen Zugang zu der Methodologie und den Methoden der Objektiven Herme- neutik herzustellen.

Als erstes soll es einen knappen Überblick zum Verfahren und dessen Begründer geben. Im nächsten Kapitel wird näher auf die Methodologie der Objektiven Hermeneutik eingegangen. Diese umfasst die dritte Welt der objektiven Sinnstrukturen, das soziale Handeln, den Fall, die Rekon- struktion und den Strukturbegriff. Es folgt die Fallrekonstruktion als Se- quenzanalyse sowie die latenten Sinnstrukturen. Als Punkt vier werden die Methoden bzw. die Prinzipien der Textinterpretation vorgestellt. Zu diesen zählen die Kontextfreiheit, das Wörtlichkeitsprinzip, die Sequentialität, die Extensivität wie auch die Sparsamkeit. Zum Schluss ist außerdem die Konstruktion von Lesearten, die Fallrekonstruktion und die Strukturgenera- lisierung näher zu betrachten. Im Anschluss folgt resümierend ein Fazit, indem das Prinzip der Objektiven Hermeneutik nochmals kurz zusammengefasst wird.

2 Die Objektive Hermeneutik- Ein erster Überblick

Das Prinzip der Objektiven Hermeneutik wurde anfänglich im Zusammen- hang von familientherapeutischen sowie sozialisationssoziologischer Er- forschungen von Ulrich Oevermann2 und dessen Mitarbeitern hervorge- bracht. Außerdem gehört diese Methode der empirischen Sozialforschung zur Rekonstruktionslogik (vgl. http://qsf.e-learning.imb-uni- augsburg.de/node/778; 01. 03. 2010).

Die Methode der Objektiven Hermeneutik soll bei der Analyse bzw. Inter- pretation von Interaktionsprotokollen in der Sozialisationsforschung ange- wendet werden. Wieso Objektiv? Weil dieses Prinzip die Rekonstruierung der objektiven Bedeutungsstrukturen (vgl. Reichertz 1986, S. 154f.) einer Äußerung oder Handlung, also die objektive Bedeutung oder die latente Sinnstruktur sichern soll. Im Mittelpunkt steht dabei die Einarbeitung von Gedankenexperimenten, bei welchen alle Möglichkeiten, vom Fall unab- hängig, voneinander herausgebildet werden sowie im Anschluss wird der konkrete Fall, zur Ermittlung des korrekten Sinngehalts, mit berücksichtigt.

Später wird durch das Vergleichen der verschiedenen Fälle probiert, Ableitungen zu allgemein gültigen Strukturmerkmalen zu finden. Anfänglich bezog sich das Einsatzfeld der Objektiven Hermeneutik hauptsächlich auf die Nutzbarmachung protokollierter Interviews zu familiensoziologischen Studien, aber mit der Zeit wurde dieses Verfahren auf die Gebiete Kunstwerk sowie Foto erweitert. Wegen der hochwertigen Methode, wird es ausschließlich für geringe Mengen an Materialausschnitten oder mit großem Einsatz von Ressourcen benutzt.

Bei der Vorgehensweise wird als erstes eine zentrale Frage bestimmt. Danach wird eine grobe Analyse vorgenommen, welche sich mit dem Problem und dem Rahmen der Handlung auseinandersetzt, also das Er- arbeiten von Material in Form von Protokollen, z. B Interviews oder Grup- pendiskussionen. Als Knotenpunkt folgt dann die sequentielle Feinanaly- se, wobei die Dokumente auseinandergegliedert sowie nacheinander ana- lysiert werden. Dabei werden eventuelle wie auch reale Inhalte stufenwei- se gegenübergestellt. Zum Schluss müssen in der Strukturgeneralisierung die Fälle, mit der am Anfang formulierten Frage und mit Hilfe von zusätzli- chen Unterlagen, verglichen werden (vgl. http://qsf.e-learning.imb-uni- augsburg.de/node/778; 01 .03. 2010). „Im Folgenden das Ablaufmodell der objektiven Hermeneutik nach Mayring (2002, S. 125):“ (http://qsf.e- learning.imb-uni-augsburg.de/node/778; 01. 03. 2010)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Methodologie

Die Regelgeleitetheit sozialen Handelns und die darin beinhalte Sinnstruk- turiertheit von sozialen Entwicklungen wie auch Generalisierungen, sind die Vorraussetzung für Oevermanns Konzeptualisierung der sozialen Wirklichkeit sowie die theoretische Grundlage der Methodologie einer strukturalen Objektiven Hermeneutik. Die objektive Sinnstruktur von Tätig- keiten ist die Bedingung für die Alltagspraxis und demzufolge als metho- disch kontrollierte, hermeneutische Wiederherstellung sozialer Handlun- gen zu sehen.

Die Analyse von Strukturen und Regeln einer interessierenden Hand- lungspraxis ist die Vorraussetzung für das Erkenntnisinteresse rekonstruk- tiver Sozialwissenschaften. Das sozialwissenschaftliche Wiederherstellen von Regeln wie auch Grundsätzen der Strukturierung gesellschaftlicher Handlungen sind erforderlich, um über diese sozialen Regeln und Handlungen verfügen zu können (vgl. Sutter 1994, S. 23f.).

Ein wesentliches Problem der hermeneutisch- rekonstruktiven Methodolo- gie, ist die Frage: „Wie lässt sich sozialisatorisch erworbenes Wissen, um geltende Regeln der Sozialität und des sozialen Handelns im Interpretati- onsprozess, methodisch kontrolliert sichern?“ (Sutter 1994, S. 24) Die Verfahren der Objektiven Hermeneutik streben sozio- historische Ty- penbildungen und Objekttheorien an. In der Methodologie wird deutlich, dass durch sie, Besonderes auf dem Hintergrund des Allgemeinen wie- derhergestellt werden kann.

[...]


1 Oevermann, Ulrich. Struktureigenschaften supervisorischer Praxis. Exemplarische Se- quenzanalyse des Sitzungsprotokolls der Supervision eines psychoanalytisch orientierten Therapie- Teams im Methodenmodell der objektiven Hermeneutik. In: Bardé, Benjamin; Dankwart, Mattke (Hrsg.) (1993). Therapeutische Teams (1. Auflage). Göttingen: Van- denhoeck und Ruprecht.

2 „Ulrich Oevermann (geb. 1940) ist Begründer der objektiven Hermeneutik. Er war zu- nächst am Max- Planck- Institut für Bildungsforschung in Berlin tätig und ist heute Profes- sor für Soziologie an der Johann Wolfgang Goethe- Universität in Frankfurt am Main. Dort hat er einen Lehrstuhl am Institut für Sozialisationsforschung und Sozialpsychologie. Prof. Dr. Ulrich Oevermann ist Vorsitzender des Vorstands des Instituts für hermeneuti- sche Sozial- und Kulturforschungen e. V. Er hat im Rahmen seiner sozialisations- theoretischen und familiensoziologischen Forschungen die Methodologie der objektiven Hermeneutik seit 1969 entwickelt und sich seit seiner Berufung nach Frankfurt auf eine Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt Sozialpsychologie (1970) darum bemüht diese Methodologie und die aus ihr ableitbaren Verfahren auf möglichst vielen Gegens- tandsgebieten zu erproben und mit möglichst vielen Datentypen aus den Sozial- Kultur- und Geisteswissenschaften zu konfrontieren. Dieser Prozess kann seit ca. 1994 als ab- geschlossen gelten. Seitdem hat er sich intensiv um eine Umsetzung dieser Methodolo- gie in die Praxis d. h. in die klinische Soziologie und Sozioanalyse bemüht. Seine wich- tigsten Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte sind neben der Familiensoziologie und So- zialisationsforschung, die Theorie der Professionalisierung, die Rekonstruktion von Deu- tungsmustern und Habituskonstruktionen, die Sprach- und Wissenssoziologie sowie die Soziologie der Religiosität.“ (http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Ulrich_Oevermann.html, 01. 03. 2010)

Details

Seiten
24
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656152552
ISBN (Buch)
9783656152873
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190504
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1,3
Schlagworte
überblick zugang methoden objektiven hermeneutik ulrich oevermann

Autor

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