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Vermittlung von Dynamik im Musikunterricht

Konzeptionen im Vergleich

Referat (Ausarbeitung) 2011 11 Seiten

Musik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hintergrund der Vermittlung von Dynamik

3. Gegenüberstellung der Methoden
3.1 Hören und diskutieren
3.2 GraphischeNotation

4. Zusammenfassung

5. Literatur

1. Einleitung

Die Dynamik spielt in der Musik eine entscheidende Schlüsselrolle. Sie bildet und ver­stärkt den emotionalen Gehalt eines Stückes. Dieses wird durch die Dynamik vom Hörer anders wahrgenommen als ohne jegliche dynamische Veränderung, doch muss diese auch durch eine Notenschriftvom Komponisten festgehalten und - für den ausführenden Musiker eindeutig - transkribiert werden. Um ein Werk zu interpretieren und korrekt wiederzugeben, muss der Interpret die Dynamik-Zeichen kennen und ahnen können, was der Komponist mit diesen bezwecken wollte. Zeichen wie crescendo und forte be­zeichnen dennoch mit Worten nicht exakt festhaltbare Eigenschaften. Gerade aus die­sem Grund ist möglicherweise die graphische Form der Notation von Dynamik für Kin­der und Anfänger erfahrungsgemäß leichter zu verstehen.

Allerdings könnte es leicht zu Verständnisfragen kommen, wie: „Warum wird eine laute Note nicht dicker geschrieben, als die leisere?". Wie vermittelt man also gegebene For­men für die Ausdrucksweise von Musik, die von jedem möglicherweise auf eine andere Art und Weise grafisch dargestellt werden würde?

Es gibt verschiedene Ansätze Musiktheorie wie Dynamik zu vermitteln. Ernst Klusen beschreibt, dass Schüler bis zur fünften und sechsten Klasse meist über nicht ausrei­chende Grundkenntnisse im Fach Musik verfügen. Der Lehrer versuche daher das Ver­passte nachzuholen und sei überfordert. Viele Lehrer weichen, laut Klusen an dieser Stelle zum Singen aus, was „allein [...] keine Lösung sein [könne]." (Klusen 1975 : 3). Hierbei könne es sich nur um ein Nachsingen handeln, was unaufhaltsam zu Langeweile bei den Schülern führe. Es ist erschreckend, dass viele Menschen genau diese Erfahrung auch heute noch - 36 Jahre nach Klusens Veröffentlichung - schildern. Offensichtlich fehlt oft die Methodik, mit der Situation umzugehen.

Die körperliche und die Sinneserfahrung sind beim Erlernen von Musiktheorie eine Her­angehensweise, die die Schüler mit der Musik in Berührung bringt und in ein langfristi­ges Verständnis der fühlbaren musikalischen Parameter, wie Rhythmus, resultiert. Ne­ben der Erfahrung der Parameter muss allerdings auch das Verständnis der Zeichen ge­währleistet werden, was einen Transfer von real gehörtem zum Papier voraussetzt und vom Lehrer angeleitet werden muss.

Zwei verschiedene Methoden der Vermittlung von Dynamik werden im Folgenden erläu­tert und auf ihre Durchführbar- und Nachhaltigkeit hinterfragt.

2. Hintergrund der Vermittlung von Dynamik

Musiktheorie wird benötigt, um auf Papier festgehaltene Hörerlebnisse praktisch repro­duzieren zu können. Um den Ursprung der Wirkung bestimmter Motive oder ganzer Stücke zu verstehen, muss der Hörer/Leser/Interpret die Symbole und Anmerkungen des Komponisten verstehen und interpretieren können. Laut Heinz-Christian Schaper rechnet der Komponist bereits beim Erstellen des Stückes mit „dem Anteil des Interpre­ten" (Schaper 2006 : 210). Dieser erhalte die Aufgabe, die Vorstellungen des Komponis­ten, wenn nötig, durch Anpassung an gegebene akustische Verhältnisse zum Leben zu erwecken (vgl. Schaper 2006 : 210). In der Schule sollten die Schüler die Fähigkeit ent­wickeln, mit Interpretationen, wie szenischen Darstellungen oder Orchesteraufführun­gen, aber auch mit Interpretationen von Pop-Songs kritisch umzugehen. Dies ist nur möglich, wenn sie den Notentext oder auch handschriftliche Notizen des Komponisten deuten können.

Wilfried Gruhn spricht bei der Vermittlung von Musik in der Schule von einer „Vermitt­lung und Sicherung des kulturellen Erbes" (Gruhn 2003 : 69). Er behauptet, dass es heu­te keinen verbindlichen Bildungskanon der Musik gibt, da sehr viele Kulturen ineinan­der vermischt werden und Werte durch die Medien und Musikindustrie nicht mehr so einfach festzulegen sind. Davon ausgehend beschreibt Gruhn den Konflikt des Lehrers, entscheiden zu müssen, was den musikalischen Bildungsstandard eines Schülers ausma­chen soll. Die Frage steht hierbei im Raum, ob der Lehrer an einer deutschen Schule sich auf die deutsche Musik, ihre Geschichte und deren Ausübung und Rezeption im Unter­richt beschränken, oder ob er den Lernstoff über modernere Musik vermitteln sollte, die den „kognitiven Strukturen" (Gruhn 2003 : 71) der Hörgewohnheiten der Schüler mehr entgegenkommt.

Die Schüler haben durch viele verschiedene kulturelle Einflüsse ganz andere Hörerfah­rungen, als ältere Generationen (zu denen auch der Lehrer meist gehört) und können unter Umständen die Theorie mit der Klassischen Musik nicht verbinden, da ihnen das Verständnis und die Gewohnheit zur Musik fehlen. So könnte zum Beispiel die Dynamik anhand eines indischen Gesangs oder eines Gamelan erschlossen werden. Viele Möglich­keiten sind gegeben, das allgemeine Verständnis von Dynamik zu vermitteln und gleich­zeitig alle Schüler zu integrieren. Möglicherweise eignet sich für die Vermittlung von Strukturen und musikalischen Parametern eine Musikform, die den Schülern gänzlich unbekannt ist, besonders gut, da sie keine Vorurteile oder Hörgewohnheiten gegenüber der Musikrichtung gebildet haben können.

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Details

Seiten
11
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656148470
ISBN (Buch)
9783656148548
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190459
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Musikwissenschaft und Musikpädagogik
Note
1,7
Schlagworte
vermittlung dynamik musikunterricht vergleich musikalische Parameter konzeptionen

Autor

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Titel: Vermittlung von Dynamik im Musikunterricht