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Entwicklungsperspektiven für die Länder des südlichen Afrika und Chancen durch den Baumwollanbau

Essay 2012 19 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die wirtschaftliche Entwicklung in Ländern der Subsahara-Region
1.1 Entwicklungsziele und tatsächliche Entwicklung
1.2 Hindernisse und Herausforderungen für die wirtschaftliche Entwicklung
1.3 Allgemeine Entwicklungsstrategien

2 Chancen durch den nachhaltigen Baumwollanbau
2.1 Durchführbarkeit des nachhaltigen Baumwollanbaus in der Subsahara-Region
2.2 Die Bedeutung internationaler Initiativen

3 Notwendige Rahmenbedingungen und politische Voraussetzungen
3.1 Die WTO und der Abbau von Baumwoll-Subventionen
3.2 Entwicklung geeigneter Strategien

Literaturverzeichnis

Entwicklungsperspektiven für die Länder des südlichen Afrika und Chan- cen durch den Baumwollanbau

1. Die wirtschaftliche Entwicklung in Ländern der Subsahara-Region

1.1 Entwicklungsziele und tatsächliche Entwicklung

Im Rahmen der 55. UN-Generalversammlung im Jahre 2000 definierten 189 Mitgliedstaaten eine Reihe von Zielsetzungen in Hinblick auf die Entwicklung in der Dritten Welt, die bis zum Jahr 2015 erreicht werden sollten1. Als wichtigste Eckpunkte dieser so genannten Millenniums-Ziele können die folgenden genannt werden2 :

- Reduzierung des Anteils der Menschen, die in extremer Armut und Hunger leben, auf die Hälfte
- Generelle Durchsetzung der Grundschulbildung
- Gleichberechtigung der Frauen, Schaffung gleicher Voraussetzungen in der höheren Bildung
- Reduzierung der Sterblichkeitsrate von Kindern unter 5 Jahren um zwei Drittel
- Reduzierung der Sterblichkeitsrate unter Müttern um drei Viertel
- Verhinderung der weiteren Ausbreitung und Zurückdrängen von Aids, Malaria und anderen bedrohlicher Krankheiten
- Integration der Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung in die Politik und Pro- gramme der Länder, Schutz bzw. Zurückgewinnung der Umweltressourcen, Reduzie- rung des Anteils von Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und grundle- gender medizinischer Versorgung um die Hälfte und Verbesserung der Lebensbedin- gungen von mindestens 100 Millionen Slumbewohnern (bis 2020).
- Bildung einer globalen Partnerschaft für Entwicklung

Die Weltwirtschaftskrise und die daraus folgenden Arbeitslosenzahlen und Rückgänge bei Ausgaben im sozialen Bereich haben die Fortschritte auf dem Weg zu den Millenniumszielen im Jahr 2009 deutlich gebremst. Schätzungen der Vereinten Nationen kommen zu dem Er- gebnis, dass als Folge der weltweiten Krise zwischen 47 und 84 Millionen Menschen mehr in extremer Armut verbleiben oder zusätzlich in Armut geraten3. Während aus globaler Sicht dennoch die Chance besteht, die Ziele im geplanten Zeitrahmen zu erreichen, gehen die Ver- einten Nationen davon aus, dass sie in der Subsahara-Region Afrikas nicht mehr erreicht wer- den können4.

Dabei haben auch Hilfsprogramme und Maßnahmen im Rahmen der internationalen Entwicklungshilfe keine entsprechenden Fortschritte in der Entwicklung gebracht. Der MIT fordert daher, in der Entwicklungszusammenarbeit künftig verstärkt auf wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem afrikanischen Kontinent zu setzen5.

1.2 Hindernisse und Herausforderungen für die wirtschaftliche Entwicklung

Die Entwicklung in weiten Teilen Afrikas wurde bis Mitte des 20. Jahrhunderts stark vom Kolonialismus geprägt. Infolge dessen sind viele afrikanische Länder bis heute von den unter- schiedlichen Auffassungen von Kolonialisierung der verschiedenen Kolonialmächte geprägt6. Die ehemalige Kolonialisierung ist auch eine der Ursachen für die zahlreichen Problemlagen in Afrika, die untereinander enge Wechselwirkungen aufweisen. Die spezielle, problemati- sche Situation Afrikas ergibt sich dabei aus einer hohen Armutsquote, aus Infrastrukturdefizi- ten in den Bereichen Energie, Wasser, Verkehr und Transport, aus fehlenden Qualitäts-, Si- cherheits- und Umweltstandards, aus einem Mangel an verlässlichen Rechtsgrundlagen, dem Fehlen gefestigter Demokratiestrukturen, Korruption, zunehmender Desertifikation, einem weit verbreiteten Analphabetismus und generell vergleichsweise niedrigen Bildungsniveau sowie einem rapiden Bevölkerungswachstum7.

Während viele ärmere Länder in Asien oder auch Südamerika in den vergangenen Dekaden große Fortschritte in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung vorweisen konnten, scheint die Ent- wicklung im Afrika südlich der Sahara mehr oder weniger zu stagnieren. Obwohl allgemein- gültige Analysen für die verschiedenen Länder Afrikas problematisch sind8, gibt es zwei grundsätzliche Erklärungsansätze für die Schwierigkeiten vieler afrikanischer Länder, ihre wirtschaftliche Entwicklung voranzubringen: Bei der Geographie-Hypothese steht die Bedeu- tung geographischer Charakteristika im Vordergrund, während die Institutionen-Hypothese insbesondere die Qualität des institutionellen Rahmens als Ursache von Entwicklungsprozes- sen bzw. -defiziten betont9. Für die Subsahara-Region Afrikas können als Entwicklungs- hemmnisse aus Sicht der Geographiehypothese Faktoren wie besondere klimatische Bedin- gungen, welche die Landwirtschaft erschweren (geringe Bodenfruchtbarkeit, hohe Verbrei- tung von Krankheitserregern und Parasiten, extreme Klimaschwankungen) sowie die beson- dere geographische Lage und topographischen Charakteristika (große Zahl an Binnenstaaten, in der Relation zur Landmasse vergleichsweise geringe Küstenlänge, ein Mangel an schiffba- ren Flüssen, dünne Besiedelung außerhalb der Ballungsgebiete) genannt werden. Aber auch der relative Reichtum an natürlichen Ressourcen stellt für viele Länder Afrikas eher ein Prob- lem dar, weil er tendenziell den Industriesektor verdrängt, während die Erträge bei der breite Masse der Bevölkerung (u.a. aufgrund von Korruption) in der Regel kaum ankommen („Dutch Disease“, „Resource Curse“)10.

Auch die Institutionen-Hypothese basiert auf den geographischen Besonderheiten Afrikas, wobei jedoch der Fokus auf die historische Entwicklung gerichtet ist. Demnach konnten die Europäer aufgrund der vorteilhaften Rahmenbedingungen durch einen frühen Übergang zu einer Agrargesellschaft mit einer hohen Produktivität des Landwirtschaftssektors eine nicht- landwirtschaftliche Schicht bilden und einen Entwicklungsvorsprung in technischer und mili- tärischer Hinsicht erlangen, der ihnen auch die Kolonialisierung des afrikanischen Kontinents ermöglichte. Afrika hingegen ist seit jeher aufgrund der niedrigen Bevölkerungsdichte und des relativen Landüberschusses durch die Dominanz extensiver Formen landwirtschaftlicher Produktion gekennzeichnet. In der Kolonialzeit, so die Argumentation, wurden die afrikani- schen Gebiete aufgrund der ungünstigen klimatischen Bedingungen in erster Linie als Instru- ment der Ausbeutung (Rentenabschöpfung) betrachtet, und dieser rentenorientierte Regierungsstil wurde von den afrikanischen Eliten nach Erlangung der Unabhängigkeit weitestgehend übernommen11. Eine besonders problematische Folge der Kolonialisierung sind dabei die von den Kolonialmächten willkürlich gezogenen Grenzen, die nach Ende der Kolonialzeit Staaten zurückließen, die kaum historische und politische Legitimität aufweisen:

„ [Es handelt sich] bei den meisten afrikanischen L ä ndern um Staaten mit schwa cher Regulierungskapazit ä t und erheblichem innerstaatlichen Konfliktpotential, was die politischen Eliten dazu veranlasst (oder sogar zwingt), sich die Unterst ü tzung wichtiger gesellschaftlicher oder ethnischer Gruppen durch die selektive Umverteilung von Ressourcen zu erkaufen. Diese Schw ä che von Staaten mit geringer historischer Legitimit ä t hat sicherlich eine gro ß e Rolle bei den vielen in ternen politisch-milit ä rischen Konflikten gespielt, die [ … ] manche Regionen ö ko nomisch um Jahrzehnte zur ü ckgeworfen haben. “ 12

Diese beiden Theorien schließen sich jedoch nicht gegenseitig aus, sie sind vielmehr als sich ergänzende Erklärungsansätze zu betrachten. Daraus ergeben sich die Problemlagen wie die hohe Konflikthäufigkeit, negative Nachbarschaftseffekte und nicht zuletzt auch die hohe Abhängigkeit von der Entwicklungshilfe. Ein weiteres Problemfeld ist die weite Verbreitung von Infektionskrankheiten. Diese Herausforderungen müssen überwunden werden, wenn die Entwicklung in Afrika voranschreiten soll.

1.3 Allgemeine Entwicklungsstrategien

Um die Entwicklungshemmnisse der afrikanischen Länder zu beseitigen, muss zunächst die Entwicklungshilfepolitik der westlichen Welt überdacht werden. Dies beinhaltet eine Abkehr von stetig wachsenden Transferleistungen hin zu einer gezielten Unterstützung eines nachhal- tigen Wirtschaftswachstums in den afrikanischen Volkswirtschaften13. Dabei ist es erforder- lich, eine konkurrenzfähige Unternehmerschaft aufzubauen und marktwirtschaftliche Struktu- ren sowie eine moderne, leistungsfähige Infrastruktur zu schaffen, so dass die weitgehende Abhängigkeit der Länder von Rohstoffexporten überwunden werden kann14.

Den bisherigen Strategien zur Förderung der Entwicklung ist gemeinsam, dass sie weitgehend extern konzipiert und mit erheblichen finanziellen Zuwendungen aus dem Ausland verbunden sind. Demgegenüber stellt die „New Partnership for Africa’s Development“ (NEPAD) eine neue, von afrikanischen Staatsführern selbst initiierte Initiative dar15. Die NEPAD versucht, die in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen in landesspezifische Konzepte einzubinden, wobei die Konzepte der Liberalisierung und Globalisierung unterstützt werden. Allerdings hofft man dabei auf die Unterstützung der Industrienationen, dass sie faire Prozesse ermögli- chen und ihre Märkte für Importe aus Entwicklungsländern weiter öffnen. Dafür verpflichten sich die afrikanischen Staaten im Rahmen der NEPAD-Politik, einen armutsreduzierenden Wachstumsprozess sowie demokratische Strukturen und Prozesse zu fördern, die interne Re- gierungsführung zu verbessern, Korruption zu eliminieren und unabhängige, faire Rechtssys- teme aufzubauen16. Laut NEPAD sind dabei die Landwirtschaft und die ländliche Entwick- lung von entscheidender Bedeutung für die Armutsreduzierung und Ernährungssicherung. Die NEPAD-Initiative wird durch den HIPC-3-Prozess unterstützt, wodurch den Ländern über das Instrument der Entschuldung ein Neuanfang ermöglicht werden soll. Von großer Bedeutung für die Chancen der afrikanischen Länder ist dabei auch die Entwicklung der Preise für Prim- ärgüter.

[...]


1 Vgl. MIT (2009), S. 1

2 Vgl. Arieff et al. (2010), S.6; TCB (2010a), S.31

3 Vgl. United Nations (2011b), S.13

4 Vgl. ebd.

5 Vgl. MIT (2009), S. 1

6 Vgl. MIT (2009), S. 2

7 Vgl. MIT (2009), S. 2

8 Vgl. United Nations (2011a), S.34

9 Vgl. BMZ (2007), S.5

10 Vgl. BMZ (2007), S.6

11 Vgl. BMZ (2007), S.9

12 BMZ (2007), S.10

13 Vgl. MIT (2009), S. 2

14 Vgl. ebd.

15 Vgl. BMZ (2007), S.17

16 Vgl. ebd.

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656147121
ISBN (Buch)
9783656147039
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190324
Institution / Hochschule
Univerzita Komenského v Bratislave
Note
Schlagworte
entwicklungsperspektiven länder afrika chancen baumwollanbau

Autor

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Titel: Entwicklungsperspektiven für die Länder des südlichen Afrika und Chancen durch den Baumwollanbau