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Aufwachsen in einer außerfamiliären Umgebung – Aspekte des Bindungsverhältnisses in Kinderheimen

Seminararbeit 2012 15 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Pädagogische Institution Kinderheim

2.1 Pädagogische Institutionen

2.2 Träger und Finanzierung

2.3 Rechtliche Grundlagen

3. Bindungsbedürfnis von Kindern
3.1 Bindungstheoretische Grundlagen
3.2 Bindungsverhältnisse in Kinderheimen

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wurden „knapp 52.800 junge Menschen [...] Ende 2007 in Heimen und anderen Wohnformen betreut.“[1] Aufgrund dieser Zahlen und dem Interesse an den damit verbundenen Faktoren konzentriert sich die vorliegende Arbeit auf Aspekte des kindlichen Bindungsverhältnisses in Kinderheimen, also einem Aspekt des Aufwachsens in einer außerfamiliären Umgebung.

In einem ersten Schritt wird der Frage nachgegangen, was eine pädagogische Institution darstellt und aus welchen Gründen ein Kinderheim einer solchen Einrichtung zugeordnet werden kann. Desweiteren wird erläutert, auf welchen rechtlichen Grundlagen ein Kinderheim basiert und durch welche Organe es finanziert und gefördert wird.

Im weiteren Verlauf der Untersuchung werden auf die Bindungsbedürfnisse von Kindern eingegangen, die in einer außerfamiliären Umgebung aufwachsen. Wenn in diesem Zusammenhang über „Familie“ gesprochen wird ist anzumerken, dass sich hierbei „Familie“ nicht über die Rechtsform oder den Verwandtschaftsgrad definiert. Vielmehr ist eine Gruppe von Personen im Fokus, in der eine strukturierte, eher kontinuierliche Rollenverteilung und ein orientierendes Wir-Gefühl besteht, die zugleich aber auch eine Sozialisations- und Erziehungsfunktion aufweist. Zunächst wird auf die bindungstheoretischen Grundlagen nach John Bowbly und die anschließenden Ausführungen von Mary Ainsworth eingegangen. In einem weiteren Schritt werden Aspekte des Bindungsverhältnisses von Kindern in Kinderheimen herausgearbeitet und im Folgenden kurz bewertet. Zuletzt beendet eine Schlussbetrachtung die vorliegende Arbeit.

2. Pädagogische Institution Kinderheim

2.1 Pädagogische Institutionen

„Pädagogische Institutionen sind [...] allgemein gesagt gesellschaftliche Einrichtungen, die bis zu einem gewissen Grade menschliches Handeln personenunabhängig und damit auf Dauer gestellt regeln, wobei diese Regelungen teilweise rechtlich verankert sind [...] .“[2] Gemeint sei demnach eine gemeinnützige Einrichtung, die sowohl das soziale Handeln als auch das Verhalten von Individuen, aber auch Personengruppen instruiere. Von Bedeutung sei, dass die Mechanismen der Handlungs- und Verhaltensweisen für den/ die Interaktionsteilnehmer klar erkennbar wären. So werde zum Beispiel erwartet, dass in der Schule Deutschunterricht erteilt wird; es wäre demnach für alle Teilnehmenden irritierend, wenn stattdessen Kleidung oder Gemüse verkauft würden. Desweiteren müsse angemerkt werden, dass institutionelle Richtlinien für das pädagogische Geschehen von enormer Bedeutung seien. Natürlich schränkten diese soziales Handeln ein, seien aber unabdingbar für das soziale Miteinander.[3] Dadurch wird klar, dass eine pädagogische Institution nicht nur eine pädagogische Einrichtung ist, sondern dass diese in vielen Punkten rechtlich verfasst und auf eine bestimmte Weise organisatorisch aufgebaut ist.

Pädagogische Institutionen schaffen demnach Raum für pädagogisches Handeln, „indem sie dafür die Mittel, die Gelegenheiten, den rechtlichen Schutz und das nötige öffentliche Ansehen zur Verfügung stellen.“[4] Deutlich wird, dass durch diese sozialen Einrichtungen ein Handlungsspielraum geschaffen, dieser jedoch durch rechtliche Konditionen, aber auch durch die Erwartungen des Trägers (s. Kap. 2.2) der Einrichtung begrenzt wird.

Auch das Kinderheim als solches kann als pädagogische Institution angesehen und eingeordnet werden. Eine solche Einrichtung ist eigens geschaffen und entwickelt, um pädagogisches Handeln und Miteinander anzustreben. Dabei wird eine Unterbringung in einem Kinderheim (Dauer des Aufenthaltes unrelevant) von höheren Jugendhilfeorganen, wie zum Beispiel dem Jugendamt entschieden. Geachtet wird bei solchen Jugendhilfemaßnahmen im besten Falle auf das Wohl des Kindes. Die Gründe für den Weg ins Heim sind dabei vermehrt meist im elterlichen Umfeld des Kindes zu suchen und nicht beim Kind selbst. Das Kinderheim wie wir es heute kennen, stellt also einen Ort dar, in dem Kinder, aber auch Jugendliche auf kurze oder längere Dauer aufwachsen können, wenn die Erziehungssituation innerhalb der Familie nicht mehr tragbar ist. Diese Einrichtung kann Mittel (z.B. pädagogische Fachkräfte) aufweisen, um Kindern und Jugendlichen Schutz zu bieten, sie zu erziehen und in das alltägliche Leben zu integrieren ohne sie dabei aus anderen gewohnten Umfeldern, wie zum Beispiel der Schule, zu reißen. Zudem steht eine pädagogische Institution wie das Kinderheim unter einem rechtlichen Schutz und daher einem staatlichen, aber auch einem gesellschaftlichen Interesse, da sowohl das Handeln innerhalb als auch die Erziehung selbst einerseits im Grundgesetz, aber vor allem eigens im Kinder- und Jugendhilfegesetz festgehalten sind. Dabei versuchen das Kinderheim und deren pädagogisches Personal nicht nur Kinder aus zum Beispiel unstabilen Familienverhältnissen zu erziehen und deren Alltag mit zu gestalten. Sie arbeiten vor allem daraufhin, Kindern und Jugendlichen, die aus ihrem gewohnten familiären Umfeld genommen wurden, Orientierung, Halt und Sicherheit zu bieten. Dabei versuchen sie zu unterstützend, damit Kinder und Jugendliche ihre individuelle Persönlichkeit trotz schwieriger und belastender Umstände entfalten können.

2.2 Träger und Finanzierung

Jede pädagogische Institution hat einen Träger, der im Rahmen der gemeingültigen rechtlichen Auflagen die Verantwortung für die Einrichtung und deren pädagogisches Handeln vor Ort übernimmt. Wie schon erwähnt, wird der Handlungsspielraum bezüglich der Erziehung der Kinder und Jugendlichen in einem Kinderheim durch die Erwartungen des Trägers geprägt. Die Aussichten der unterschiedlichen Träger „zum Beispiel religiöser Art, können nicht nur dem pädagogischen Handeln Vorgaben machen [...] , sondern auch für die persönliche Lebensführung“[5] Verantwortung tragen. So kann ein Träger der jeweiligen Einrichtung darüber entscheiden, welche Dinge die Kinder und Jugendlichen besonders lernen sollen und welche eher zu vernachlässigen sind. Dabei können zum Beispiel unterschiedliche Ziele gesetzt werden, die die Erziehung, aber auch den Umgang innerhalb der Gruppen regeln. Diese könnten zum Beispiel auf dem Grundgesetz basieren, wie zum Beispiel die Unantastbarkeit der menschlichen Würde oder die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Dabei ist anzumerken, dass es nicht den einen Träger gibt, sondern sowohl staatliche als auch kirchliche Organe die „Kontrolle“ über Kinderheime haben und daher auch die Vorsätze der verschiedenen Heime auseinander gehen, wie zum Beispiel die Erziehung der Kinder und Jugendlichen auf den christlichen Glauben gestützt und/ oder aber den fairen Umgang untereinander lernen durch sportliche Aktivitäten. Auf welche Art und Weise Kinder und Jugendliche erzogen und geleitet werden, hängt demnach immer auch in großen Teilen von den Vorgaben und Erwartungen des Trägers ab.

Um auf die Finanzierung einer pädagogischen Institution eingehen zu können, muss zuerst in kurzen Zügen erläutert werden, welche Akteure es in der Kinder- und Jugendhilfe gibt. Dabei ist anzumerken, dass Jugendhilfe im Wesentlichen eine kommunale Aufgabe“[6] ist. So verpflichte das SGB VIII die Kommunen, eine sozialpädagogische Dienststelle wie das Jugendamt einzurichten. Das Jugendamt stelle die zentrale Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und Familien dar. Dieses bestehe aus einer Verwaltung, in der sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um die Aufgabenfelder der öffentlichen Jugendhilfe bemühen. Zudem bestehe das Jugendamt aus dem Jugendhilfeausschuss, der über die kommunalen Themen der Jugendpolitik entscheide. Doch auch der Bund habe einen Zuständigkeitsbereich. So unterstütze das Bundesjugendministerium beispielsweise Aktivitäten und Initiativen der Kinder- und Jugendhilfe deutschlandweit. Desweiteren unterliege es den einzelnen Bundesländern, den rechtlichen Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe durch eigene Landesgesetze zu erweitern. Außerdem stehe der kommunalen Jugendhilfe das jeweilige Landesjugendamt zur Seite, um diese durch Fortbildung und Beratung zu verfeinern.[7]

Durch die oben dargestellten Akteure der Kinder- und Jugendhilfe wird deutlich, dass „öffentliche Mittel für Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe [...] zu 84,7% von den Kommunen (Städte, Gemeinden und Kreisen) aufgebracht“[8] [werden]. Dies bedeutet, dass die örtlichen Jugendämter den Großteil der Förder- und Unterstützungsmittel für die „eigene“ Kinder- und Jugendhilfe zahlen, sie jedoch von den Landesjugendämtern und den obersten Bundesbehörden finanziell unterstützt werden. Im Jahr 2007 wurden ungefähr 22,8 Milliarden Euro in die Kinder- und Jugendhilfe investiert, wobei Tageseinrichtungen für Kinder und die Hilfen zur Erziehung die finanziell größten Aufgabenfelder darstellten.[9]

[...]


[1] Hrsg.: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; Kinder- und Jugendhilfe, S. 16

[2] Hermann Giesecke, Pädagogik als Beruf, S. 50

[3] Hermann Giesecke, Pädagogik als Beruf, S. 50 ff.

[4] Hermann Giesecke, Pädagogik als Beruf, S. 53

[5] Hermann Giesecke, Pädagogik als Beruf, S. 54

[6] Hrsg.: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; Kinder- und Jugendhilfe, S. 44

[7] Hrsg.: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; Kinder- und Jugendhilfe, S. 44 ff.

[8] http://www.kinder-jugendhilfe.info/wai1/showcontent.asp?ThemaID=4700 (Stand 02/2012)

[9] http://www.kinder-jugendhilfe.info/wai1/showcontent.asp?ThemaID=4485 (Stand 02/2012)

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656147770
ISBN (Buch)
9783656147367
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190254
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
Schlagworte
aufwachsen umgebung aspekte bindungsverhältnisses kinderheimen

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