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Wie erleben Kinder und Eltern die Hilfeplanung?

Hausarbeit 2011 16 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Hilfeplanung
2.1 Begrifferklärung
2.2 Rechtliche Grundlagen
2.2.1 Hilfeplanung
2.2.2 Beteiligung der Eltern und Kinder

3. Hilfeplanung aus Sicht der Eltern
3.1 Der erster Kontakt
3.2 Gestaltung der Zusammenarbeit
3.3 Erfahrungen im Hilfeplangespräch

4. Hilfeplanung aus Sicht der Kinder

5. Hilfeplangespräche mit unterschiedlicher Beteiligung
5.1 Aushandlungsorientiertes Hilfeplangespräch
5.2 Problemorientiertes Hilfeplangespräch

6. Zusammenwirkung mehrerer Fachkräfte

7. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Silke Pies und Christian Schrapper formulierten in einem Vortrag zum Thema Fachlichkeit im Hilfeprozess auf der AGJ-Fachtagung am 5.-6.12.2002 in Erfurt die folgenden Thesen: „Hil­feplanprozesse werden von Kindern und Eltern vor allem als eine Machtdemonstration der professionellen Helfer erlebt, hier wird gezeigt, wer die Probleme definiert und über Hilferes­sourcen verfügt. Die Profis belohnen „Einsicht“ und Wohlverhalten, sie bestrafen Wider­spruch und Verweigerung. Was der „ Vernetzung “ der Profis dient, schadet im Zweifelsfalle immer den Kindern, meist auch den Eltern: Kindern wird häufig nicht verständlich, worum es überhaupt in der Hilfeplanung geht, was mit ihnen geschehen soll und welche Rolle und Perspektive sie im Prozess der Hilfegestaltung haben. Eltern erleben sich einem Wechselbad von Entmündigung bei der Problemdefinition und Ansprüchlichkeit bei den geforderten Mit­wirkungspflichten ausgesetzt, sie sollen zu wenig und zu viel zugleich“

In Bezug auf die Thesen wird in dieser vorliegenden Arbeit dargestellt welche Erfahrungen die Eltern und Kinder mit der Hilfeplanung gemacht haben und was es an positiven und nega­tiven Aspekten zu sagen gibt. Vor diesem Hintergrund werden zu diesen Thesen Positionen angenommen.

Zuerst wird der Begriff der Hilfeplanung erklärt und die rechtlichen Grundlagen der Hilfepla­nung als auch der Mitwirkung der Kinder und Eltern dargestellt. Hier sollte hervorgehoben werden, was der Gesetzgeber sich unter dieser Mitwirkung vorgestellt hat. Im weiteren Teil wird dargestellt, wie Eltern und Kinder die Hilfeplanung erleben. Hier wird direkt untersucht in wie weit die Thesen von Pies/Schrapper sich da wiederfinden. Im nächsten Teil werden 2 Typen von Hilfeplangesprächen vorgestellt. Hier wird geprüft, ob die Thesen auch bei unter­schiedlichen Vorgehenswesen Bestätigung finden. Im letzten Punkt wird auf das Zusammen­wirken von Fachkräften eingegangen und dessen Auswirkung auf die Eltern und Kinder. Zum Schluss werden die wichtigsten Aussagen zu den Thesen noch Mal zusammengefasst.

2. Die Hilfeplanung

2.1 Begrifferklärung

Der Hilfeplan ist eine Vereinbarung zwischen der Jugendhilfe und den Eltern bzw. Personen­berechtigten in welcher die Gewährung der Hilfe zur Erziehung besprochen und festgehalten wird. In einer engen Kooperation zwischen den Eltern, Kindern und den Fachkräften der so­zialen Dienste wird im Hilfeplan eine Form der Hilfe besprochen, die geeignet sein soll, die Entwicklung des Kindes nachhaltig zu unterstützen. Aus diesem Grund ist die Verständigung über die angestrebten Ziele und die konkreten Handlungsschritte ein zentrales Element der Hilfeplanung. Im Hilfeplanprozess sollen 2 Elemente dringend berücksichtigt werden: 1) Die Kooperation zwischen den Eltern/Kinder und der fallzuständigen Fachkraft. Hier ist die Auf­gabe der Fachkraft das Hilfeverständnis der Eltern aus deren biografischen Kontext zu verste­hen. Nur so kann die Fachkraft ihre eigenen Vorstellungen den Betroffenen angemessen ver­mitteln. 2) Die Zusammenarbeit zwischen den Professionellen. Vor den unterschiedlichen fachlichen Hintergründen können besser verschiedene Ressourcen eingebracht werden und so wird dafür gesorgt, dass der Betroffene den Hilfeprozess aktiv mitgestalten kann und diesen besser akzeptiert (vgl. Wörterbuch Soziale Arbeit).

2.2 Rechtliche Grundlagen

2.2.1 Hilfeplanung

Die Grundlage für den Hilfeplan stellt der § 36 SGB VIII, der folgendes besagt: (1) ,, Der Personensorgeberechtigte und das Kind oder der Jugendliche sind vor der Entscheidung über die Inanspruchnahme einer Hilfe und vor einer notwendigen Änderung von Art und Umfang der Hilfe zu beraten und auf die möglichen Folgen für die Entwicklung des Kindes oder des Jugendlichenhinzuweisen. (...)“

(2) ,, Die Entscheidung über die im Einzelfall angezeigte Hilfeart soll, wenn Hilfe voraussich­tlich für längere Zeit zu leisten ist, im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte getroffen wer­den. Als Grundlage für die Ausgestaltung der Hilfe sollen sie zusammen mit dem Personen­sorgeberechtigten und dem Kind oder dem Jugendlichen einen Hilfeplan aufstellen, der Fest­stellungen über den Bedarf, die zu gewährende Art der Hilfe, sowie die notwendigen Leistun­gen enthält; sie sollen regelmäßig prüfen, ob die gewählte Hilfeart weiterhin geeignet und notwendig ist. (...)“

Die Entscheidung „über die im Einzelfall angezeigte Hilfeart“ im Zusammenwirken von be­troffenen Kindern oder Jugendlichen, den Personensorgeberechtigten und den Fachkräften des Jugendamtes, besagt der Kerngedanke dieses Paragraphen. Hier werden Anforderungen an ein Verfahren zur Prüfung, Konkretisierung und Vereinbarung sozialrechtlicher Leistungsansprü­che bestimmt, wobei nur das Verfahren der Prüfung und Entscheidungsfindung geregelt ist (vgl. Pies, Schrapper, 2003, S. 55).

Im direkten Zusammenhang zu § 36 SGB VIII muss § 27 SGB VIII gesehen werden, weil ,, der Gesetzgeber für die Ausfüllung der Begriffe in § 27 SGB VIII mit der Vorschrift des § 36 SGB VIII eine Regelung geschaffen hat, die den Entscheidungsvorgang verpflichtend struktu­riert und damit in mehrfacher Hinsicht qualifiziert.“ (Schminke, 1994, S.32)

2.2.2 Beteiligung der Eltern und Kinder

Mitwirkung der Eltern, die ebenfalls im § 36 SBG VIII geregelt ist, zählt als Qualitätskrite­rium für die Hilfeplanung. In der Arbeitshilfe zur Hilfeplanung wird erklärt, dass der Hilfeer­folg wesentlich davon abhängig ist, wie hoch die Bereitschaft der Mitwirkung und die Akzep­tanz der Hilfe auf der Seite der Herkunftsfamilie und der Kinder und Jugendlichen angelegt ist. Dafür ist eine frühe und umfassende Beteiligung der Minderjährigen und Personensorge­berechtigten eine Grundlage für eine qualifizierte Hilfeentscheidung durch das Jugendamt, für die Entscheidung der Hilfeempfänger über die Inanspruchnahme der Hilfe und für eine erfolg­reiche Durchführung der Hilfe (vgl. Arbeitshilfe, Arbeitsblatt 1, S. 6)

Die Mitwirkungsrechte konkretisieren sich in den Vorschriften der SGB VIII:

§ 5 definiert das Wunsch- und Wahlrecht,

§ 8 regelt die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen,

§ 9 konkretisiert die Grundrichtung der Erziehung, sowie Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen, wobei die wachsende Fähigkeit und wachsendes Bedürfnis des Kindes oder Ju­gendlichen zu selbstständigen, verantwortungsbewussten Handeln, wichtig ist.

Die Mitwirkung der Eltern trägt für eine angemessene und realistische Hilfeplanung bei, und hast auch für eine wirksame Durchführung große Bedeutung, denn in der Ausgestaltung der Hilfeplanung müssen die Vorstellungen, Sichtweisen und Interessen der Betroffenen und Be­teiligten ausdrücklich berücksichtigt werden. Die Sicherstellung der Mitwirkung aller Betei­ligten hat das Jugendamt zur zentralen sozialpädagogischen Aufgabe. Dadurch liegt das Hil­feplanverfahren in fachlichen Händen (vgl. Arbeitshilfe, Arbeitsblatt 1, S. 7)

Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist im § 8 SGB VIII insoweit geregelt, dass Kinder und Jugendliche das Recht haben, an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffent­lichen Jugendhilfe beteiligt zu seinjedoch mit der Einschränkung, dass diese Beteiligung sich nach ihrem Entwicklungsstand richten. Weiterhin sollen siejedoch auf alle Recht im Verwaltungsverfahren sowie im Verfahren vor dem Familiengericht, Vormundschaftsgericht und Verwaltungsgericht in geeigneter Weise hingewiesen werden.

Bekräftigt wird die Beteiligung der Kinder und Jugendlichen durch den Rechtsanspruch, wel­chen das Gesetz ihnen gibt. Sie haben nach § 8 Abs. 2 das Recht sich in allen Angelegenhei­ten der Erziehung und Entwicklung an das Jugendamt zu wenden.

Merchel meint zu diesem Thema, dass die Notwendigkeit der Beteiligung der Kinder und Jugendlichen daraus folgt, weil sie Koproduzenten der Dienstleistung „Hilfe zur Erziehung“ sind und dass ohne ihre Mitwirkung eine effektive Hilfe nicht gestaltet werden kann. Begrün­den kann man es damit, dass Kinder und Jugendliche durch die Inanspruchnahme der Dienst­leistungen eine Rückmeldung über die selbige in verschiedenen Formen geben und somit ge- schlussfolgert werden kann, ob die angebotene Hilfe effektiv ist oder nicht. Denn nur Hilfe, die von Jugendlichen akzeptiert und von ihnen mitgestaltet wird, kann erfolgreich verlaufen.

Die Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen ist ein wichtiger Bestandteil im Verlauf der Hilfeplanung (vgl. Merchel, 1998, S. 59).

3. Hilfeplanung aus Sicht der Eltern

3.1 Der erster Kontakt

Die Eltern berichteten, das Bild vom Jugendamt war bis zum ersten Kontakt mit der Behörde nicht immer positiv. Die Aussagen der Eltern geben Hinweise darauf, dass sie das Jugendamt eher als eine Behörde gesehen haben, die in ihr Leben eingreift und die Kontrolle über sie und die Kinder übernehmen will. Vielen Eltern war auch nicht klar, welche Qualifikationen die Mitarbeiter des Jugendamtes haben (vgl. Kriener, Lengemann, 2003, S. 112).

In den Fällen, in welchen die Kinder stationär untergebracht wurden, haben die Eltern Angst, die Kinder fühlen sich abgeschoben. Solche Situation ist für die Eltern schwierig. Sie haben Angst als Versager da zu stehen und für die Probleme der Kinder die alleinige Verantwortung zu tragen. Nach Meinung der Eltern werden diese besondere Belastungen, welchen die Eltern ausgesetzt sind, zu wenig gesehen. Hier suchen sich die Eltern oft Gesprächspartner in Freu­de- und Verwandtenkreisen, um überhaupt darüber sprechen zu können (vgl. Kriener, Lenge­mann, 2003, S.113f)

Daraus lässt sich ableiten, dass die Eltern zur Anfang der Hilfe viele Unsicherheiten haben, die nicht direkt sichtbar waren und geklärt wurden. Auch die Angst ein Versager zu sein, trägt dazu bei, dass die Eltern sich zum Anfang der Hilfe eher unwohl fühlen.

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Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656147244
ISBN (Buch)
9783656147961
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190209
Institution / Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
Schlagworte
HIlfeplangespräch SGB VIII

Autor

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