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Konvergenz im deutschen Rundfunk

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk zwischen Grundversorgung und Kommerzialisierung

Hausarbeit 2011 13 Seiten

Medien / Kommunikation - Rundfunk und Unterhaltung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk
2.1 Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vor 1933
2.2 Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vor 1945
2.3 Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nach 1945
2.4 Struktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
2.5 Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

3. Der private Rundfunk
3.1 Die Entwicklung des privaten Rundfunks
3.2 Die Struktur des privaten Rundfunks
3.3 Die Finanzierung des privaten Rundfunks

4. Grundversorgung und Konvergenz
4.1 Grundversorgung
4.2 Konvergenz

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Jeder Haushalt in Deutschland, der einen Fernseher, ein Radio, einen Computer oder auch nur ein internetlähiges Handy besitzt, muss monatlich Gebühren dafür zahlen. Gebühren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, den man theoretisch mit diesen Geräten nutzen kann. Dabei spielt es keine Rolle ob man selbst wirklich öffentlich-rechtliche Sender guckt oder hört. Um diese Gebühren kommt man nicht herum.

Ursprünglich als eine Art Grundversorgung gedacht, muss sich der öffentlich­rechtliche Rundfunk heute auf dem freien Markt behaupten. Obwohl er durch Gebühren finanziert wird, glauben die Verantwortlichen mit den privaten, kommerziellen Sendern, konkurrieren zu müssen. Im dualen Rundfunksystem ist ein Wettbewerb um Zuschauerreichweite und Werbegelder entstanden, in dem der öffentlich-rechtliche Rundfunk schon allein durch die ihm auferlegten Beschränkungen kaum bestehen kann. Dennoch kommerzialisiert er sich selbst und weicht immer weiter von seiner eigentlichen Aufgabe, der Grundversorgung, ab. Die Konvergenz von Privatem und öffentlich-rechtlichem Rundfunk wirft unweigerlich die Frage auf, ob eine Finanzierung durch Gebühren, also die Quintessenz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks überhaupt noch gerechtfertigt ist. Braucht man einen durch Gebühren finanzierten Rundfunk, wenn privat finanzierte Sender diese Aufgabe genauso gut erfüllen können? Und vor allem: Sollte man einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch Gebühren finanzieren, der sich immer mehr wie ein privater Rundfunk verhält?

Diese Hausarbeit soll zunächst klären was der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist, was der private Rundfunk ist, was deren Aufgaben sind, und wie sie sie erfüllen. Schließlich wer von beiden in der Lage ist die Grundversorgung von Information und Bildung, Unterhaltung und Kultur, für die Bevölkerung bereitzustellen.

2. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk

2.1 Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vor 1933

Der Rundfunk in Deutschland war seit früher Zeit in staatlicher Hand. Schon 1922 wurde in einer Sitzung der Ministerialbürokratie eine Sendekonzession an die Deutsche Stunde vergeben, im Grunde eine Abteilung des Auswärtigen Amtes und unter dem Einfluss der Reichspost. Eine zweite Konzession ging an die Drahtloser Dienst AG (DRADAG) unter dem Einfluss des Innenministeriums. Unter diesem Einfluss gründeten sich dann neun regionale Rundfunkgesellschaften, aus technischen, sowie politischen Gründen. Auch die Regionalisierung sollte weiter ein Merkmal der Entwicklung des Rundfunks in Deutschland bleiben. Die Aufgabe des Rundfunks war schon damals die eines „hoheitlichen, parteipolitisch neutralen Medium[s] zum Wohle der Allgemeinheit“ (Donsbach/Wilke 2009: 598).

2.2 Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vor 1945

Im Dritten Reich wurde der Rundfunk verstaatlicht und zentralisiert und von den Nationalsozialisten zu einem Instrument für Propaganda gemacht. Die Reichweite wurde durch den Bau des billigen Volksempfängers enorm gesteigert. Geprägt durch völlige staatliche Kontrolle von Personal und Programm wurde ab 1940 nur noch ein Einheitsprogramm gesendet und schließlich am 7. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation bekannt gegeben. (Vgl. Donsbach/Wilke 2009: 598f)

2.3 Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nach 1945

Nach dem Krieg war den Siegermächten und Besatzern daran gelegen, ein Rundfunksystem wieder auf zu bauen, um zunächst die Kontrolle über die politische und wirtschaftliche Lage in den besetzten Gebieten zu gewinnen. In der Amerikanischen Zone gingen Radio Frankfurt, Stuttgart, München und Bremen auf Sendung, unter der Kontrolle der einzelnen Länder. In der britischen Zone der Nordwestdeutsche Rundfunk, sowie in der französischen Zone der Südwestfunk wurden zentral über Verordnungen der Militärregierung eingeführt. Strukturell orientierte man sich an der Organisationsform des britischen öffentlich­rechtlichen Rundfunks, da diese am Geeignetsten schien. Für das kommerzielle amerikanische Modell fehlte es an technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen, das Französische war zu staatlich und zentralistisch und hätte leicht missbraucht werden können. Der Einfluss des Amerikanischen Modells beschränkte sich auf die Dezentralisierung und somit wurde die Durchführung und Organisation des Rundfunks Aufgabe der Länder. Weiterhin wurde das Gebot der Freiheit des Rundfunks, ohne direkte oder indirekte Einflussnahme durch den Staat oder einzelne Interessensgruppen, im Grundgesetz geregelt. (Vgl. Donsbach/Mathes 1997: 483ff)

Die Grundlage für einen strukturierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk war also geschaffen und so gründete sich 1950 aus den sechs Landesrundfunkanstalten Bayerischer Rundfunk (BR), Hessischer Rundfunk (HR), Nordwestdeutscher Rundfunk (NWDR), Radio Bremen (RB), Süddeutscher Rundfunk (SDR) und Südwestfunk (SWF) die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, kurz ARD. Ab 1954 produzieren sie ein gemeinsames Hörfunkprogramm, sowie ein im Fernsehvertrag von 1953 vereinbartes, reguläres Fernsehprogramm. (Vgl. Donsbach/Wilke 2009: 600ff)

1961 wurde, als selbständige Anstalt des öffentlichen Rechts und Gegenstück zur ARD, das ZDF gegründet, nach dem gescheiterten Versuch Adenauers, sowie der Freies Fernsehen GmbH einen vom Bund kontrollierten Sender zu etablieren. So wurde das Zweite Deutsche Fernsehen ein zentraler Sender, getragen von allen sechzehn Bundesländern gemeinsam.

So wurde die Nachkriegsgeneration von einem öffentlich-rechtlichen Rundfunk geprägt, was sich stark auf das spätere Medienverhalten und die Ansprüche an die Medien auswirkte.

2.4 Struktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Die Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland sind definiert als gemeinnützige, rechtskräftige Anstalten des öffentlichen Rechts. Durch mehrere Aufsichtsgremien und Selbstverwaltung auf der Grundlage von Landesgesetzen und Staatsverträgen soll gesellschaftliche Kontrolle gewährleistet werden. Strukturell ist die Leitung der Sender in drei Einheiten gegliedert: Den Intendanten, den Fernsehrat und den Verwaltungsrat. Der Intendant nimmt hierbei die zentrale Position mit Leitungs- und Weisungsbefugnis ein und ist theoretisch alleiniger Leiter einer Rundfunkanstalt, zuständig für Programmzusammenstellung, Personalfragen, Kopf von Verwaltung, Technik und Finanzen sowie Vertreter in gerichtlichen und außergerichtlichen Angelegenheiten. (Vgl Stuiber 1998: 715) Der Rundfunkrat, mit seinen von 17 bis 77 Mitgliedern, ist das größte und bedeutendste Organ der Anstalt. Er nimmt eine beratende Position gegenüber dem Intendanten ein und ist dafür zuständig die Interessen der Allgemeinheit im Sinne einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung auf dem Gebiet des Rundfunks möglichst objektiv und Sachlich zu repräsentieren, wobei die Mitglieder nur ihrem Gewissen und dem Gesetz unterworfen sein sollen. (Vgl. Stuiber 1998: 728) Um dies zu gewährleisten besteht er zumeist aus einer Mischung ehrenamtlicher Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Der Verwaltungsrat kümmert sich schließlich um die wirtschaftliche und technische Verwaltung des Senders und hat mit der eigentlichen Programmgestaltung nur indirekt zu tun. Er besteht aus sechs bis fünfzehn Mitgliedern und wird vom Rundfunkrat gewählt, sowie von staatlicher oder innerbetrieblicher Seite besetzt. (Vgl Verheugen 1995: 19ff)

2.5 Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Wie bereits erwähnt finanzieren sich die öffentlich-rechtlichen Sender zum größten Teil durch Rundfunkgebühren von jedem Haushalt in Besitz eines Rundfunkgerätes. Eingezogen werden sie von der Gebühreneinzugszentrale der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, kurz GEZ. Die Höhe der Gebühren wird durch Staatsverträge geregelt, obwohl die Kompetenz der Erhebung bei den jeweiligen Ländern liegt und die Höhe der Gebühren in einem Kooperationsverfahren mit unabhängigen Gremien in Zusammenarbeit mit den Fernsehanstalten festgelegt wird. (Vgl. Donsbach/Mathes 1997: 494) Die Verteilung der Gebühren auf die jeweiligen Anstalten wird nach deren Teilnehmerzahl berechnet. Für die kleineren Anstalten, denen es unmöglich ist daraus ihren Haushalt zu begleichen, gibt es einen Finanzausgleich.

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Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656146452
ISBN (Buch)
9783656146674
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190193
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Kommunikationswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
öffentlich-rechtliche Rundfunk private Rundfunk Entwicklung Struktur Finanzierung Grundversorgung Konvergenz Kommerzialisierung

Autor

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Titel: Konvergenz im deutschen Rundfunk