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Kirchgemeinde im Sozialraum

Voraussetzungen für professionelle Gemeindediakonie

Masterarbeit 2012 71 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Begriffliche Einordnung
1.1 Sozialraum
1.2 Kirchgemeinde
1.3 Diakonie/Gemeindediakonie

2. Die Rolle der Gemeindediakonie
2.1 Diakonie in der Gesellschaft
2.2 J.H.Wicherns Gutachten über den Diakonat
2.2.1 Grundgedanken
2.2.2 Wirkungsgeschichte
2.3 Gemeindediakonie als Brücke zwischen Kirchgemeinde und Sozialraum
2.3.1 Überblick über weitere Konzeptionen von Gemeindediakonie
2.3.2 Thesen zur Gemeindediakonie
2.3.3 „Professionelle“ Gemeindediakonie

3. Voraussetzungen professioneller Gemeindediakonie
3.1 Wie ist der Status Quo?
3.2 Wer trägt die Gemeindediakonie mit welchen Erwartungen?
3.3 Wie kann die Gemeindediakonie ausgestaltet werden?
3.3.1 Dimensionen der Gemeindediakonie
Intuitive Nachbarschaftshilfe
Gesteuerte/aktivierende Gemeindediakonie
Inklusionsarbeit 44 Politische Gemeindediakonie
Fachlich professionelle Einrichtung
Bearbeitung aktueller Themen
Avantgarde
Kooperation und Vernetzung mit anderen Sozialraumakteuren
3.3.2 Formen der Gemeindediakonie
3.4 Welche Akteure braucht professionelle Gemeindediakonie?
Intuitiver Gemeindediakonie-Mitarbeiter
Expliziter Gemeindediakonie-Mitarbeiter
Impliziter Gemeindediakonie-Mitarbeiter
Kooperierender Gemeindediakonie-Mitarbeiter

4. Resümee und Ausblick

5. Literaturverzeichnis

6. Abbildungsverzeichnis

0. Einleitung

Stellen sie sich vor, sie sind Mitglied eines Kirchenvorstandes in einer kleinstädtischen Kirchgemeinde. … Stellen sie sich vor, ihr Antrieb besteht darin, die Kirchgemeinde nach innen als Heimat zu prägen und nach außen als festen Bestandteil in der Stadt zu etablieren. … Stellen sie sich vor, dass sie und auch die Gemeindeglieder mit der kirchgemeindlichen Arbeit wie sie zurzeit geschieht recht zufrieden sind. Aber dennoch merken sie, dass ihnen persönlich und auch im Blick auf die Arbeit der Kirchgemeinde etwas fehlt – sie wissen nur noch nicht, was genau es sein könnte. … Stellen sie sich vor, dass plötzlich die Stadt auf die Kirchgemeinde zu geht und fragt, ob diese Träger eines sozialpädagogischen Projekts werden will. … Sie finden heraus, dass eines ihrer Kirchengebäude inmitten eines sogenannten sozialen Brennpunktes liegt. Sie denken: Das könnte es sein; das ist vielleicht das Fehlende! … Stellen sie sich vor, sie denken diese Gedanken nicht allein und die Kirchgemeinde wird zum Träger eines offenen Treffs. … Stellen sie sich vor, dass Fördermittel fließen, dass die Stadt als Partnerin mit einspringt und dass tatsächlich ein Sozialarbeiter eingestellt wird, Ehrenamtliche – sie eingeschlossen – engagieren sich. Das Projekt läuft an! … Und stellen sie sich vor, dass ihnen schon kurze Zeit später ein treues Gemeindemitglied nach einem Gottesdienst sagt: „Wissen sie, ihr soziales Projekt ist ja gut und schön, aber die Leute, die da kommen, habe ich noch nie hier im Gottesdienst gesehen.“[1] … … …

In dieser Gemeindesituation[2] zeigt sich m.E. die Schwierigkeit gemeindediakonischen Handelns innerhalb der Kirchgemeinde:

Kirchgemeinden sind mit Menschen im Kontakt und erfahren so deren unterschiedlichen Lebenslagen. Zudem besitzen sie die große Chance über ihre Kirchgemeindegrenzen hinaus in den Sozialraum als Treffpunkt und mehr noch als Mitgestalter und Aktivator zu wirken. Schwierig ist dabei, dass verschiedene Erwartungen und Verständnisse der Ausgestaltung und Zielstellung von Gemeindediakonie innerhalb der Kirchgemeinde aufeinanderprallen.

Unter dem Titel „Kirchgemeinde im Sozialraum. Voraussetzungen für professionelle Gemeindediakonie“ wird das Verhältnis von „Kirchgemeinde“ und „Sozialraum“ und die Rolle der „Gemeindediakonie“ darin betrachtet und eine Einordnung der unterschiedlichen Verständnisse versucht.

Es geht um die Beantwortung der Frage: Wie kann die Kirchgemeinde professionell im Sozialraum agieren? Dabei ist im Bezug auf „professionell“ die Außenwirkung von Gemeindediakonie im Sozialraum ebenso in den Blick zu nehmen wie deren Wirkung in die Kirchgemeinde hinein. Leitend für die vorliegende Arbeit ist dabei die These:[3]

Kirchgemeinden sind Akteure im Sozialraum. Sie schöpfen aber mit der bisherigen Praxis von Gemeindediakonie nicht (immer) ihr volles Potential an Ressourcen und Chancen für sich und den Sozialraum aus. Professionelle Gemeindediakonie hingegen versteht es, das je eigene Potential und Profil der Kirchgemeinde passend für den je eigenen Sozialraum zu nutzen.

An der Leitfrage und der grundlegenden These wird deutlich, dass das Ziel der vorliegenden Arbeit nicht darin besteht, einen (weiteren) Beitrag zum Warum von kirchgemeindlicher Sozialer Arbeit zu leisten,[4] sondern vielmehr ist meine leitende Intention zu überlegen, Wie ein solches gemeindediakonisches Engagement professionell i.S. von passend aussehen kann. Dabei erhebt sie keinesfalls den Anspruch, einen abschließenden Konzeptentwurf von (professioneller) Gemeindediakonie bzw. kirchgemeindlichen Engagements aufzustellen, sondern soll im Gegenteil dazu anregen, bisherige gemeindediakonische Aktivitäten als solche zu erkennen, zu würdigen und im Blick auf den Sozialraum weiter zu fragen, was darüber hinaus von der Kirchgemeinde[5] geleistet werden kann.

Das erste Kapitel stellt zunächst eine begriffliche Einordnung der Konstrukte „Sozialraum“, „Kirchgemeinde“ und „Diakonie“ dar. Auf dieser aufbauend wird im zweiten Kapitel die Rolle der „Gemeindediakonie“ innerhalb des Verhältnisses von „Sozialraum“ und „Kirchgemeinde“ betrachtet. Diese Verhältnisbestimmung dient als Grundlage für die Bearbeitung der Voraussetzungen professioneller Gemeindediakonie im dritten Kapitel. Dabei wird u.a. aus den verschiedenen Aspekten gemeindediakonischen Handelns eine Matrix gebildet, mit deren Hilfe die je eigene Gemeindediakonie in den je eigenen Kirchgemeinden und Sozialräumen abgebildet werden kann. Das vierte Kapitel bündelt die Erkenntnisse der Arbeit und zeigt weiterführende Gedanken und Fragen auf.

1. Begriffliche Einordnung

Die in der Einleitung aufgestellte These postuliert ein Verhältnis von Kirchgemeinde und Sozialraum, in welchem die Kirchgemeinde die Akteurin und der Sozialraum der Ort ihres Wirkens ist. Auch die Leitfrage bezieht sich auf eine aktive Kirchgemeinde in ihrem Umfeld. Um diese Verhältnisbestimmung zu überprüfen, bedarf es zunächst einer begrifflichen Einordnung von „Kirchgemeinde“ und „Sozialraum“. Drüber hinaus wird von „Gemeindediakonie“ bzw. „Diakonie“ gesprochen, welche ebenfalls einer Begriffsklärung bedürfen.

1.1 Sozialraum

Zur Einordnung des Begriffes „Sozialraum“ ist es m.E. sinnvoll, neben der Sozialraumorientierung weitere sozialtheoretische Überlegungen mit einer ähnlichen Denkrichtung einzubeziehen. Nachfolgende Betrachtung schließt also neben der Sozialraumorientierung, auch die Lebensweltorientierung, die Gemeinwesenarbeit und den systemischen Denk- und Deutungsansatz mit ein.

Sozialraum

Die Orientierung am Sozialraum kommt aus einer eher sozialpolitischen Blickrichtung. Der Begriff Sozialraum umfasst dabei mehrere Ebenen:

Zum einen beschreibt der individuelle Sozialraum „[…] die räumliche Dimension der Lebenswelt.“[6] Damit sind nicht nur der Wohnort, sondern auch Interaktions- und Kommunikationsstrukturen gemeint.[7] Des Weiteren bildet eine Vielzahl von sich überschneidenden individuellen Sozialräumen den territorialen Sozialraum. Sinnvoll ist dieses Konstrukt „[…] als Finanzierungs- und Steuerungsdimension im Sinne einer Bezugsgröße für die Konzentration von Personal und Leistungen und finanziellen Ressourcen.“[8] Innerhalb dieser territorialen Sozialräume gibt es wiederum verschiedene Dimensionen. So kann ein einzelner Stadtteil ebenso wie eine ganze Stadt, eine Region oder ein Land als ein territorialer Sozialraum angesehen werden. Je größer – i.S. von umfassender – dabei der territoriale Sozialraum definiert wird, umso mehr verliert sich dabei der Bezug zum individuellen Sozialraum.

Der „Sozialraum“ beschreibt also weniger eine Methode der Einzelfallhilfe, als mehr eine politische Grundhaltung mit dem Ziel einer verstärkten „[…] Kontextualisierung des Falles […]“,[9] mit dem Fokus des Aufbaus eines unterstützenden Lebensumfeldes. Die Orientierung am Sozialraum umfasst dabei mehr als die Verantwortungsübernahme für den Sozialraum, sondern beinhaltet nach O.Fehren:

„[…] die ambitionierte Bewegung, die fachliche Ziele einer Lebenswelt- und Adressatenorientierung, einer Stärken- und Ressourcenlogik nachhaltig und wirkungsvoll in der Praxis zu implementieren, indem diese fachlichen Standards mithilfe veränderter Steuerungskonzepte und neuer ökonomischer Anreizsysteme auch durch entsprechende Managementstrukturen der Sozialen Dienste abgestützt werden.“[10]

Die Orientierung am Sozialraum findet seinen Ausgangspunkt nach W.Hinte[11] beim Adressaten, ist zielgruppenübergreifend und aktivierend angelegt und bezieht sozialräumliche (Vernetzung verschiedener sozialer Dienste vor Ort) und individuelle Ressourcen (im Adressaten) in die Bearbeitung der Problemlage ein.

Lebenswelt

Ein ähnliches Konzept stellt das von H.Thiersch geprägte Verständnis der Orientierung an der Lebenswelt dar, welches nach den Lebensverhältnissen und -welten der Menschen fragt und auf die vorhandenen Ressourcen und Bedarfe schaut. Dabei wird mit Lebenswelt „[…] heute überwiegend die alltägliche Wirklichkeitserfahrung eines verlässlichen, soziale Sicherheit und Erwartbarkeit bietenden primären Handlungszusammenhangs (Familie, Nachbarschaft, Gemeinwesen, bestimmte Gruppen, soziokulturelle Milieus usw.) bezeichnet.“[12]

In der Sozialen Arbeit ist die Lebensweltorientierung eine weitverbreitete Grundhaltung.[13] Die Menschen sind dabei selbst die Experten ihrer Lebenswelt und Soziale Arbeit bietet lediglich „[…] Hilfestellung zur Bearbeitung sozialer Konflikte […]“[14] bzw. „[…] kann nur Aushandlungsprozesse über Lösungen anstreben, die der Eigensinnigkeit der Erfahrungen der AdressatInnen gerecht werden […].“[15]

Das Lebensweltkonzept ist vordergründig geprägt vom Blick auf den Einzelfall bzw. auf diesen ausgerichtet. Der Mensch wird in seiner persönlichen Lebenswelt, seiner Interaktion und seinen Beziehungen wahrgenommen. Sein Lebensumfeld bietet dabei Ressourcen zur Unterstützung bei Problemlagen an. Hinzu kommt aber auch der Aufbau eines unterstützenden Lebensumfeldes.

Zusammenfassend stellt G.Frank fest:

„In einer Zeit zunehmenden Zerfalls der Lebenswelt, d.h. insbesondere auch der Auflösung primärer sozialer Hilfeerwartungen und -beziehungen, stellt sich […] die Aufgabe, noch funktionierende soziale Zusammenhänge der Lebenswelt durch Aktivierung vorhandener Ressourcen zu entwickeln, zu stützen oder durch geeignete Hilfeangebote zu ergänzen. […] Eine wichtige Folge lebensweltorientierter Ansätze in der sozialen Arbeit findet sich demgemäß in einer Kritik der Bürokratisierung und Professionalisierung sozialer Dienstleistungsorganisationen und in einer Kritik der zunehmenden Methodisierung und Spezialisierung beruflichen Handelns. […] Prävention, Alltagsnähe, Integration, Partizipation und Dezentralisierung gelten als die tragenden Prinzipien lebensweltorientierter sozialer Arbeit […].“[16]

Gemeinwesenarbeit

Hauptaugenmerk der Gemeinwesenarbeit liegt darauf, „[…] die Lebenssituation im Gemeinwesen zu verbessern statt erzieherisch oder therapeutisch auf Einzelpersonen einzuwirken.“[17] Der Einzelfall ist somit nur indirekt Zielrichtung sozialarbeiterischen Handelns. Eine verbesserte Lebensumwelt wirkt sich aber direkt auf die darin lebenden Menschen und deren Problemlagen aus. M.Galuske definiert den Fokus „[…] nicht im Individuum bzw. einer Kleingruppe, sondern in einem großflächigeren sozialen Netzwerk […].“[18] Dieses Netzwerk ergibt sich bspw. aus territorialen Aspekten (Nachbarschaft, Viertel, Ortschaft), aus bestimmten Merkmalen, wie z.B. Ethnie, Alter, Geschlecht oder es umfasst bestimmte Bedarfe (bspw. Probleme mit dem Wohnen, der Bildung).

Dieser Territorialfokus spiegelt sich auch in den Dimensionen nach A.Götzelmann wider:[19]

Die rechtlich-politische Dimension beschreibt die Gemeinwesenarbeit in einer größeren territorialen Verwaltungseinheit, wie beispielsweise einer Region oder einem Landkreis. Die räumlich-geografische Dimension umfasst die Gemeinwesenarbeit in einer eingegrenzten territorialen Verwaltungseinheit, wie z.B. einem Stadtteil oder Dorf. Die soziale oder funktionale Dimension zielt auf eine Gemeinschaft bzw. Gruppe von Menschen oder in der Terminologie M.Galuskes: ein soziales Netzwerk.

Dagegen teilt H.Steinkamp die Gemeinwesenarbeit in drei Bereiche ein:[20]

Die wohlfahrtsstaatliche Gemeinwesenarbeit hat zum Ziel die Ressourcen und verschiedenen Hilfsmaßnahmen zu koordinieren bzw. zu ergänzen, um Benachteiligungen und Ausgrenzungen zu minimieren bzw. zu verhindern. Die sozialintegrative Gemeinwesenarbeit zielt auf die Aktivierung der Betroffenen. Dieses sollen befähigt werden ihre Bedürfnisse, bspw. durch Kampagnen oder Initiativen, auszudrücken und eventuell selbst zu stillen. In der konfliktorientierten Gemeinwesenarbeit liegt der Fokus auf die Veränderung der Machtstrukturen in den Stadtteilen bzw. größeren Verwaltungseinheiten. Dazu gehört das Öffentlichmachen und öffentliche Anklagen bis hin zu Streiks bzw. Blockaden.

Dabei gelten folgende Grundprinzipien für die Gemeinwesenarbeit:[21]

- Die Problemlagen der Menschen werden „[…] immer im Kontext regionaler Bedarfs- und Bedarfsausgleichsstrukturen wahrgenommen. Gemeinwesenarbeit wendet sich damit tendenziell gegen eine Individualisierung sozialer Probleme und nimmt diese aus einer gesellschaftlichen Perspektive wahr.“[22] Der Einzelfall dient faktisch als Bedarfsanzeige im Lebensumfeld.
- „Gemeinwesenarbeit ist trägerübergreifend, ist orientiert an einer Koordination von und Kooperation zwischen verschiedensten Anbietergruppen sozialer Dienstleitungen innerhalb eines Gemeinwesens.“[23]
- „Gemeinwesenarbeit […] ist methodenintegrativ, d.h. Gemeinwesenarbeit umfasst z.B. immer auch notwendige Formen der Gruppenarbeit, aber auch der Einzelfallhilfe.“[24]
- „Das Ziel der Gemeinwesenarbeit ist die Aktivierung der Bevölkerung innerhalb eines Gemeinwesens, ist die Nutzung der Ressource Gemeinschaft zur Bearbeitung sozialer Problemlagen. […] Will Gemeinwesenarbeit zur Aktivierung der Bevölkerung beitragen, so muss sie notwendig auch Qualifizierungs- und Bildungsprozesse umfassen, die die Individuen über das bereits vorhandene Maß hinaus befähigt, ihre Probleme als Gemeinschaft selbst in die Hand zu nehmen.“[25]

Systemisches Denken

Mit dem systemischen Denken richtet sich der Blick auf die Interaktionen bzw. Beziehungen der verschiedenen oben dargestellten Dimensionen. Dabei wird konstruktivistisch gedacht, d.h. dass die Komplexität der Wirklichkeit gewürdigt wird und jegliche Beschreibung und Deutung nur als Näherungswert an die Wirklichkeit zu verstehen ist – die Wirklichkeit wird quasi subjektiv konstruiert und ein anderer Beobachter wird die gleiche Sache anderes beschreiben und deuten.

Der Mensch wird als soziales Wesen angesehen und tritt unweigerlich aktiv oder auch passiv mit seiner Umwelt in Kontakt und Interaktion.[26] Somit ist er Teil eines Sozialsystems (z.B. Familie, Freund-, Nachbarschaften, Kirchgemeinde). Dabei wirkt er darauf genauso ein, wie es auch auf ihn einwirkt. Das Sozialsystem ist wiederum nur ein Teil eines größeren Systems bspw. eine Stadtteils, einer Ethnie. Dabei bilden viele (ähnliche) Subsysteme ein größeres System aus; dieses ist aber „[…] immer etwas anderes als die Summe seiner Teile, vergleichbar mit einem Kreis, der aus vielen einzelnen Punkten besteht. Durch die Teilsysteme erhält das Gesamtsystem zusätzliche Qualitäten verliehen.“[27]

Die Stärke des systemischen Ansatzes liegt darin, dass er wie die Lebensweltorientierung vom Menschen ausgeht. Dabei gilt das Bewusstsein, dass jegliche Beschreibung von bspw. Problemlagen immer nur ein Näherungswert sein kann. Der Mensch wird also nicht losgelöst von den vielen einfließenden Faktoren betrachtet, sondern diese werden wahr- und ernstgenommen und auf die wechselseitigen Interaktionen bzw. Wirkungen der Sozialsysteme wird eingegangen.

Zwischenresümee

Die oben beschrieben sozialtheoretischen Überlegungen teilen sich in zwei grundlegende Handlungsansätze. Zum einen wird der Einzelfall in den Blick genommen und geschaut welche Faktoren auf ihn einwirken, mit dem Ziel, diese Einwirkungsfaktoren zu optimieren. Auf der anderen Seite wird versucht das Lebensumfeld bzw. den Sozialraum bestmöglich auszustatten, um schnellstmöglich – im besten Falle präventiv – auf vorhandene Bedarfe einwirken zu können. Letztlich ist allen Ansätzen gleich, dass nicht versucht wird, „[…] mit großem Methodenarsenal und pädagogischer Absicht Menschen zu verändern, sondern […], Lebenswelten zu gestalten und Arrangements zu kreieren, die dazu beitragen, dass Menschen auch in prekären Lebenssituationen zurechtkommen.“[28]

Im Folgenden wird der Begriff „Sozialraum“ als Synonym der oben beschriebenen Ansätze in der Bedeutung eines überschaubaren territorialen Lebensraumes benutzt. Dieser Sozialraum deckt sich mit dem parochialen Gebiet der Kirchgemeinde.

1.2 Kirchgemeinde

H.Steinkamps Strukturverständnis der (katholischen) Pfarrgemeinde als „[…] unterste Verwaltungseinheit […]“,[29] trifft insofern auch für evangelische Kirchgemeinden zu, dass auch sie diejenige Verwaltungsebene darstellen, die am direktesten mit den Menschen in Kontakt kommt und deren Sozialraum teilen. Die verschiedenen Kirchgemeinden umfassen dabei ein festgelegtes Territorium – die Parochie. Diese parochiale Zuständigkeit kann dabei durch Kooperationen mit Nachbarkirchgemeinden erweitert werden.

Darüber hinaus bilden „Kirchenbezirk“, „Landeskirche“ und „Evangelische Kirche in Deutschland“ (EKD) ebenfalls wichtige Akteure im Sozialraum – vordergründig aber in einem größer gefassten Verständnis (z.B. Landkreis, Bundesland, Staat).

Die Kirchgemeinde wird geleitet von einem Kirchenvorstand, bestehend aus gewählten und berufenen ehrenamtlichen Gemeindegliedern und hauptamtlichen Mitarbeitern. Dieser beschließt die kirchgemeindliche Ausrichtung und Schwerpunktsetzungen.[30]

E.Gerstenmaier definiert Kirche durch drei Lebens- bzw. Wesensäußerungen:[31]

„Der erste Akt der Kirche ist überhaupt nicht die Wendung zur Öffentlichkeit, sondern ist die Abwendung von der Welt in der Anbetung des lebendigen Gottes. Ohne die Anbetung gibt es keine Kirche. […] Der zweite Akt der Kirche, die Verkündigung des Evangeliums, aber ist bereits ein öffentlicher Akt von universaler Geltung und Beziehung. Der dritte Akt der Kirche, ihre dienende Hingabe, ihr Diakonat, richtet sich nach innen auf die Gemeinde wie außen auf die Welt. Alle drei Lebensäußerungen der Kirche, die Anbetung, die Verkündigung, das Diakonat, vollziehen sich in der Einheit, aus der Einheit und durch die Einheit der Kirche.“[32]

Kirche bzw. kirchliches Handeln ist demnach eine Verbindung von Wort und Tat, welches sich in der (kirchgemeindlichen) Gemeinschaft äußert.[33] H.Steinkamp bescheinigt aber den heutigen Kirchgemeinden, dass diese sehr wohl ohne bzw. nur mit in Ansätzen entwickelter oder lieblos durchgeführter Diakonie und auch Verkündigung existieren könnten, ohne einen Mangel zu spüren. Ein solcher „[…] entsteht erst, wenn die liturgisch-gottesdienstliche Funktion ausfällt oder auszufallen droht […]“,[34] also das gemeinschaftliche Moment von Gemeinde wegbricht. H.U.Germann bestärkt wiederum die Wichtigkeit des sozial tätigen Auftrags der Kirche bzw. Kirchgemeinde und zählt darunter neben der Einzelfallhilfe auch die Wirkung in die Öffentlichkeit bzw. Lebenswelt hinein.[35]

Die Zielgruppe(n) dieser diakonischen Wesenskomponente bestimmt U.Kleinert unter der Frage nach den Anderen:

„Wer aber sind die anderen, mit denen Kirche erst Kirche wird? Es sind die Fremden. Zu ihnen gehören nicht nur Flüchtlinge und Aussiedler, sondern auch politisch dem System nicht genehmen Gruppen, Behinderte, ökonomisch und sozial am Rande Stehende. Sich der Begegnung mit ihnen und den damit verbundenen Problemen zu stellen, aber auch die mögliche gegenseitige Bereicherung wahrzunehmen ist eine wesentliche Aufgabe der Ortsgemeinde.“[36]

In diesem Zusammenhang bemerkt H.Steinkamp, dass manche Gemeindeglieder bzw. Gruppen erst durch diakonische Arbeit (wieder neu) in den Blick geraten und wie im Beispiel in der Einleitung „[…] bei der Gelegenheit Irritationen und gelegentlich die Frage, ob das denn wirklich Gemeindemitglieder sind, weil man sie vielleicht nie im Gottesdienst gesehen hat […]“[37] erzeugen. Hierbei stellt sich generell die Frage, ob die Teilnehmer gemeindediakonischer Angebote überhaupt als Mitglieder der Kirchgemeinde zu zählen sind.

1.3 Diakonie/Gemeindediakonie

Bei der Betrachtung der Diakonie tritt das Problem einer sprachlichen Dopplung auf. Der Begriff „Diakonie“ umfasst zwei Dimensionen, die nicht ohne weiteres synonym zu verwenden sind.

Die erste Dimension versteht die Diakonie als Institution und freien Wohlfahrtsverband.
Das „Diakonische Werk (DW) der EKD“ ist als Verein strukturiert und bildet die Dachorganisation für verschiedene (hauptamtlich geleitete) diakonische Einrichtungen, Vereine und (gemeinnützigen) GmbHs. Es gliedert sich in einzelne Diakonische Werke auf der Ebene der Landeskirchen auf. Obwohl durch die Vereinsstruktur eine institutionelle Trennung zur kirchlichen Verwaltungsstruktur entsteht, gilt die verfasste Diakonie im DW weiterhin unbestritten als Teil der Kirche.[38] Auf Ebene der Landeskirchen treten dabei unterschiedliche Kooperationen und Verquickungen vom DW und der Landeskirche auf.

Die zweite Dimension versteht die Diakonie als Nächstenliebe bzw. dienendes Handeln am Anderen.[39] Die Diakonie wird hierbei innerhalb von Personen verortet und ist weder rein ehrenamtlich oder rein hauptamtlich zu verstehen, sondern bezeichnet vielmehr eine Einstellung bzw. ein Bewusstsein zum aktiven Helfen jeder einzelnen Person. Ein solches „diakonisches Bewusstsein“ kann auch in Institutionen wie bspw. der Kirchgemeinde als Gemeinschaft von Personen beschrieben werden.

Die vorliegende Arbeit bezieht sich hauptsächlich auf die zweitgenannte Dimension von Diakonie und verwendet dabei die Begriffe „Diakonie“ i.S. des diakonischen Bewusstseins und Handelns, „DW“ als Synonym für die verfasste Diakonie auf den jeweiligen Ebenen und „Gemeindediakonie“ für das diakonische Bewusstsein und Handeln der Kirchgemeinde.

2. Die Rolle der Gemeindediakonie

Im nachfolgenden Kapitel wird die Rolle der Gemeindediakonie im Verhältnis von Kirchgemeinde zum Sozialraum beleuchtet. Dabei wird im ersten Schritt die soziologisch-systemtheoretische Betrachtung von Diakonie dargestellt und im zweiten Schritt das Verständnis von Diakonie nach J.H.Wichern.[40] In der darauf folgenden Betrachtung werden weitere Konzeptionen bzw. Schwerpunkte der Gemeindediakonie dar- und Kernfragen für gemeindediakonische Aktivitäten der Kirchgemeinde aufgestellt.

2.1 Diakonie in der Gesellschaft

Eine Einordnung der Diakonie erfolgt über die soziologische Systemtheorie von N.Luhmann,[41] welche hier in Anlehnung an H.Haslinger nicht in ihrer Gänze ausgeführt wird, sondern vielmehr der Fokus darauf liegt, „[…] aufzuzeigen, wie die Diakonie in der Gesellschaft verortet ist, wie Diakonie in der Gesellschaft ‚funktioniert‘.“[42]

Grundlage ist die Beschreibung der Theorie sozialer Systeme[43] ausgehend von „der Welt“:

„Die Welt ist die Gesamtheit der Wirklichkeiten, es gibt kein ‚außen‘ der Welt, nichts mehr ‚hinter‘ der Welt. […] Die Welt ist ‚die Gesamtheit der möglichen Ereignisse‘. Als solche beinhaltet die Welt immer mehr Möglichkeiten des Geschehens, des Erlebens und Handelns, als ein Teilbereich der Welt, d.h. eine bestimmte Gesellschaft, für sich realisieren kann.“[44]

Die „Welt“ ist so komplex, dass Menschen sie nur ausschnittweise beschreiben können, sie sich also nur ihre Wirklichkeit von Welt konstruieren können. Diese Konstruktionen der Wirklichkeit durch die Bildung von verstehbaren Beschreibungen nennt N.Luhmann Reduktion der Wirklichkeit:

„Die unbestimmte Komplexität der Welt (uK) wird reduziert auf die bestimmte oder eben reduzierte Komplexität (r/bK) eines Systems. Ein System nimmt nun aber die Reduktion von Komplexität nicht beliebig vor, sondern so, dass sie ‚sinnvoll‘ ist, d.h. dass sich das System dadurch konstituieren und stabilisieren kann.“[45]

Abbildung 1: Systemtheorie nach N.Luhmann

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Systeme grenzen sich durch ihre reduzierte Komplexität ab, wobei das „Außerhalb“ von Systemen deren Umwelt (U) darstellt. Diese Systeme bzw. Gesamtsysteme (S/Gs) sind gleichbedeutend mit der jeweiligen Gesellschaft. Sie „[…] umfassen den gesamten Bereich, in dem Menschen grundsätzlich mit anderen Menschen in Kommunikation treten und sich in ihrem Zusammenleben aufeinander beziehen können […].“[46] Dabei ist es nicht nötig, dass die Angehörigen eines Systems sich als zum System dazugehörig wahrnehmen und wirklich in Kontakt treten – die Möglichkeit dazu ist aber gegeben. Die direkte Kommunikation von Mensch zu Mensch wird als Interaktion bezeichnet.

Die Komplexität der Wirklichkeit und die damit verbundene Vielzahl an Deutungsmöglichkeiten bringt eine Differenzierung innerhalb des Gesellschaftssystems hervor, es „[…] entstehen Teilsysteme (Ts) und – weil sich die interne Differenzierung auf weiteren Ebenen fortsetzt – Teilsysteme von Teilsystemen (Ts²). Wichtige Teilsysteme sind z.B. Wirtschaft, Politik, Justiz, Religion, Wissenschaft; Industriebranchen oder Parteien bilden entsprechende Teilsysteme nachrangiger Ordnung.“[47]

Die spezifischen Wirklichkeitsreduktionen in den Ts ermöglichen eine Stabilisierung des S/Gs, was die Funktion der Teilsysteme für das Gesamtsystem beschreibt. N.Luhmann bezeichnet diesen Differenzierungsprozess als funktionale Differenzierung. Die Interaktion zweier Teilsysteme wiederum wird als deren Leistung bezeichnet und der Binnenbezug erfolgt durch Reflexion.[48]

Die Funktion der Religion als eines der Teilsysteme innerhalb der Gesamtgesellschaft beschreibt N.Luhmann in der Aufgabe der Kontingenzbewältigung (Kb). Unter Kontingenz ist die große Vielfalt der möglichen Wirklichkeitsbeschreibungen bzw. reduzierten Komplexitäten zu verstehen. Alles scheint möglich zu sein und ist gleichzeitig doch wieder unvollständig. Der Religion kommt dabei die Funktion zu, als wertegestütztes Korrektiv einer Beliebigkeit der Reduktionen entgegenzuwirken. „Anders gesagt: Es bedarf der stabilisierenden Übereinkunft, dass die systemspezifischen Möglichkeiten des Geschehens und Handelns gleichsam ‚ihre Richtigkeit‘ haben. Das ist […] der systemstabilisierende Beitrag der Religion.“[49]

Dabei stellt die Religion nur eines von verschiedenen Teilsystemen dar, was zur Folge hat, dass sie sich mit anderen Teilsystemen (z.B. Wirtschaft, Bildungswesen) in Beziehung setzen muss, „[…] indem sie in Gestalt der Organisation Kirche für diese eine Leistung erbringt. Diese Leistung kann gemäß der Logik der Luhmannschen Theorie nicht identisch sein mit der Funktion der Religion, da sich ja die Funktion auf das Gesamtsystem, die Leistung hingegen auf Teilsysteme bezieht.“[50] N.Luhmann definiert die Leistung der Religion in der Form der Diakonie.[51] G.K.Schäfer ergänzt, dass Leistungen für personale Systeme mit Seelsorge bezeichnet werden.[52] Die Theologie ist dabei der Binnenbezug der Religion, also deren Reflexion.[53]

Die Diakonie kann gleichsam als eine Brücke zwischen den verschiedenen Teilsystemen angesehen werden. Durch sie tritt das Teilsystem Religion mit den anderen Teilsystemen in Interaktion. Dieses Verständnis birgt aber die Frage nach einer Fremdnormierung mit sich,[54] da die „[…]‚Diakonie‘ darauf angewiesen ist, daß [sic] ihre Leistungen von anderen Teilsystemen akzeptiert werden, unterliegt sie dem Zwang, sich den Erwartungen und Normen der Empfängersysteme unterzuordnen.“[55] G.K.Schäfer sieht sogar die Gefahr, dass die Kirche durch die Diakonie „[…] über den immer größer werdenden Relevanzverlust der religiösen Funktion hinwegtäusche.“[56]

2.2 J.H.Wicherns Gutachten über den Diakonat

In seinem [57]Gutachten zum Diakonat stellte J.H.Wichern 1848 ein eigenes Verständnis bzw. Konzept der gemeindediakonischen Verantwortung der Kirche auf. Dabei betont er u.a., dass das Diakonat ein gleichberechtigter Teil des (einen) Amtes der Kirche ist und neben dem verkündigenden Priesteramt eine Verortung in den Kirchgemeinden haben muss.[58]

2.2.1 Grundgedanken

Ausgangspunkt für J.H.Wichern ist das Reich Gottes, verstanden als die rettende Liebe durch Jesu Christi.[59] Der Reich-Gottes-Gedanke bildet den „[…] fundamentalen Begründungs- und Normierungszusammenhang christlich-kirchlicher Gestaltung und christlichen Handelns […].“[60] Im Anteil am bzw. im Auftrag zur Ausbreitung des Reiches Gottes auf Erden begründet J.H.Wichern den Auftrag kirchlicher Arbeit oder besser eines jeden Christen zur „[…] Durchdringung aller Lebensbereiche mit den Prinzipien und Kräften des Reiches Gottes, mithin mit Gerechtigkeit und Frieden, Liebe und Wahrheit.“[61]

Dabei geht J.H.Wichern von einem konfessionsübergreifenden demokratischen Verständnis von Kirche aus und legt Wert auf die „[…] Belebung der Parochialgemeinden durch die Bildung kleiner Gemeinschaften ernster Christen […]“,[62] welche sich in Hauskreisen oder Interessengruppen (und später Vereinen) organisieren – zusammengefasst unter der Formel des allgemeinen Priestertums, welches nicht zu verwechseln ist mit dem Priester amt.[63]

[...]


[1] Aus stilistischen Gründen sind Funktions- und Personen(gruppen)Bezeichnungen in der männlichen oder weiblichen Form geschrieben. Sie sind geschlechtsneutral zu verstehen.

[2] Hierbei handelt es sich um ein konstruiertes Beispiel kirchgemeindlichen Lebens, welches sich zum einen aus Anleihen an realen Gegebenheiten und existierenden Projekten und zum anderen aus idealtypischen bzw. der Bearbeitung des Themas dienenden Elementen zusammensetzt. Etwaige „Wiedererkennungseffekte“ oder gar Übereinstimmungen mit Kirchgemeindesituationen sind nicht beabsichtigt, aber – falls dies zu einem „mehr“ an Professionalität beiträgt – erfreulich.

[3] Siehe dazu in dieser Arbeit 2.3.3

[4] Zur theologischen Begründung siehe bspw. DW der EKD, 2007a, S.10-13 oder die Zusammenschauen bei Herrmann/Horstmann, 2006a

[5] Mein Hauptaugenmerk richtet sich auf die evangelische Kirche in Sachsen. Inwieweit meine Ausführungen Aussagen genereller Natur und somit übertragbar sind, bleibt im Ermessen des Lesers.

[6] Fehren, In: Evers et al., 2011, S.444

[7] Vgl. dazu Fehren, In: Evers et al., 2011, S.445: „Zum einen wird der individuelle Sozialraum der Adressat/innen mit der Formel ‚Fall im Feld‘ als Ressourcenraum und Kommunikationsraum für die Lösung bzw. Stabilisierung gerückt.“

[8] Fehren, In: Evers et al., 2011, S.444; vgl. dazu ebd., S.445

[9] Fehren, In: Evers et al., 2011, S.445f; Hervorhebung im Original, d.Vf.

[10] Fehren, In: Evers et al., 2011, S.442

[11] Nach Hinte, In: Herrmann/Horstmann, 2010, S.27; nahezu identisch bei Fehren, In: Evers et al., 2011, S.443

[12] Frank, In: Fachlexikon der sozialen Arbeit, 2007, S.609

[13] Vgl. Schilling/Zeller, 2007, S.171

[14] Schilling/Zeller, 2007, S.171

[15] Thiersch, zit.n. Schilling/Zeller, 2007, S.169

[16] Frank, In: Fachlexikon der sozialen Arbeit, 2007, S.609f; ebenso auch der 8. Jugendbericht, zit.n. Schilling/Zeller, 2007, S.169f

[17] Götzelmann, In: Herrmann/Horstmann, 2010, S.32

[18] Galuske, 2005, S.101; Hervorhebungen im Original, d.Vf.

[19] Nach Götzelmann, In: Herrmann/Horstmann, 2010, S.31; Dagegen definiert Galuske, 2005, S.103ff die Dimensionen nicht im Blick auf die Reichweite, sondern auf die arbeitsleitende Zielrichtung: 1) Wohlfahrtsstaatliche Gemeinwesenarbeit mit dem Ziel der Erhöhung der Angebote von Hilfeleistungen im Sozialraum. 2) Die integrative Gemeinwesenarbeit zielt auf eine „Verbesserung der Funktionalität des Gemeinwesens bei gleichzeitiger Stärkung der Fähigkeiten zur Selbstorganisation […]“ (S.104). 3) Die aggressive Gemeinwesenarbeit geht in eine ganz stark politische Richtung und hat die Bildung von Initiativen und Gruppen innerhalb des Sozialraums zum Ziel, welche sich politisch gegen bestehende Missstände engagieren. 4) Die katalytische/aktivierende Gemeinwesenarbeit hat den Fokus auf der Etablierung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen.

[20] Nach Steinkamp, 1985, S.78ff

[21] Nach Galuske, 2005, S.101ff; ebenso auch Götzelmann, In: Herrmann/Horstmann, 2010, S.32

[22] Galuske, 2005, S.102; Hervorhebungen im Original, d.Vf.

[23] Galuske, 2005, S.102; Hervorhebungen im Original, d.Vf.

[24] Galuske, 2005, S.102; Hervorhebungen im Original, d.Vf.

[25] Galuske, 2005, S.102f; Hervorhebungen im Original, d.Vf.

[26] Vgl. dazu Schilling/Zeller, 2007, S.178

[27] Schilling/Zeller, 2007, S.178

[28] Hinte, In: Herrmann/Horstmann, 2010, S.27

[29] Steinkamp, 1985, S.39

[30] Vgl. dazu eeb, 2008, S.69ff

[31] Vgl. dazu Eidt, 2011, S.15: „Diakonie gilt heute als eine Wesens- und Lebensäußerung der Kirche innerhalb des bundesrepublikanischen Sozialstaates. Darüber besteht ein EKD-weiter Konsens, der seinen Niederschlag und Ausdruck in der aktuellen Grundordnung der EKD gefunden hat.“; bezugnehmend auf Artikel 15 der Grundordnung der EKD

[32] Gerstenmaier, zit.n. Herrmann, In: Herrmann/Horstmann, 2006a, S.258; ebenso EKD, 1987, S.86: „Mission, Dienst und Gemeinschaft sind die klassischen Grunddimensionen der christlichen Gemeinde […] in unüberbietbarer Kürze zu einer Definition von Kirche verschmolzen.“

[33] Vgl. dazu Strohm, In: Herrmann/Horstmann, 2006a, S.22: „In der Verantwortung der Christen liegt es, für das Leben des Mitmenschen Sorge zu tragen.“

[34] Steinkamp, 1985, S.93f

[35] Nach Schäfer, 1994, S.237; bezugnehmend auf Germann, H.U. (1991). Der soziale Auftrag der Kirchgemeinde. Eine sozialethisch-kirchensoziologische Untersuchung in einer reformierten Kirchgemeinde im Kanton Bern. Zürich: Theologischer Verlag (= Gesellschaft und Ethik Bd.13), S.232ff

[36] Kleinert, In: Kleinert, 1992, S.13

[37] Steinkamp, 1985, S.22; vgl. dazu in dieser Arbeit Kapitel 3.2

[38] Vgl. dazu DW der EKD, 2007a, S.8: „Diakonie ist Kirche und Kirche ist Diakonie. Wort und Tat gehören zusammen.“; Nach § 8 Abs. 1 und 2 der Verfassung der Landeskirche Sachsen gilt das DW als Werk der Kirche, auch wenn es anders strukturiert ist.

[39] Vgl. dazu DW und EVLKS, o.J., Kapitel 2, S.2

[40] Vgl. weitere Konzepte bzw. Schwerpunktsetzungen in dieser Arbeit Kapitel 2.3.1

[41] Ich stütze mich dabei vor allem auf die Ausführungen zu Luhmann, 1982/1977 von Haslinger, 2009, S.113-120; dazu Schäfer, 1994, S.236: „Die Rezeption eines systemtheoretischen Ansatzes für die Fragen nach dem Verhältnis Gemeinde – Diakonie und nach der Diakonie der Gemeinde kann in der Tat dazu beitragen, Problembestände zu erhellen und Wahrnehmungen zu strukturieren.“

[42] Haslinger, 2009, S.113; vgl. dazu ebd., Hervorhebungen im Original, d.Vf.: „Für die Beschreibung, wie Diakonie in der Gesellschaft faktisch (unabhängig von den Kriterien ihres theologischen Selbstverständnisses) ‚funktioniert‘, bietet Luhmanns systemtheoretisches Diakonieverständnis immer noch eines der aussagekräftigsten Instrumentarien […].“

[43] Siehe dazu in dieser Arbeit Kapitel 1.1 die Ausführungen zum systemischen Denken.

[44] Haslinger, 2009, S.113f

[45] Haslinger, 2009, S.114; siehe dazu Abbildung 1, S.16

[46] Haslinger, 2009, S.114

[47] Haslinger, 2009, S.114

[48] Nach Haslinger, 2009, S.114f

[49] Haslinger, 2009, S.116; dazu Eisert-Bagemihl, In: Eisert-Bagemihl/Kleinert, 1999, S.46: „Soziologisch, in Anlehnung an Niklas Luhmanns Theorie, ist es die Funktion der Kirche und ihrer Verkündigung, den Menschen Deutungsmuster zur Verfügung zu stellen […]. Die Verkündigung bildet nach Luhmann die Innenseite der Kirche, Diakonie, als die Außenseite der Kirche, kommt weitestgehend ohne diese aus.“

[50] Haslinger, 2009, S.117; ebenso bei Zitt, In: Herrmann/Horstmann, 2006b, S.215

[51] Vgl. dazu Luhmann, 1977/1982, S.58; Hervorhebungen im Original, d.Vf.: „Für Diakonie ist bezeichnend, daß [sic] sozialstrukturelle Probleme in personalisierter Form, also an Personen wahrgenommen werden (und das heißt natürlich in gewisser Weise auch: nicht als sozial strukturelle Probleme wahrgenommen werden). Diese Wahrnehmungsweise ermöglicht es dem Religionssystem, Zuständigkeiten für ‚Restprobleme‘ oder Personbelastungen und Schicksale in Anspruch zu nehmen, die in anderen Funktionssystemen erzeugt, aber nicht behandelt werden. Sie schirmt das Religionssystem außerdem gegen allzu starke Interferenzen mit anderen Funktionssystemen – zum Beispiel gegen die Versuchung einer diakonischen Umverteilung des Eigentums, einer diakonischen Außenpolitik, Konjunkturpolitik, Forschung usw. ab.“

[52] Nach Schäfer, 1994, S.232; Nach Haslinger, 2009, S.114 versteht Luhmann unter personalen Systemen einzelne Menschen und als soziale Systeme werden Menschengruppen bezeichnet.

[53] Nach Haslinger, 2009, S.117

[54] Vgl. Haslinger, 2009, S.119 und Schäfer, 1994, S.233; ebenso bei Zitt, In: Herrmann/Horstmann, 2006b, S.215

[55] Schäfer, 1994, S.232f

[56] Schäfer, 1994, S.233

[57] Bezugnehmend auf Wichern, J. H., Gutachten über die Diakonie und den Diakonat. In: Meinhold, P. (Hrsg.) (1958ff). Johann Hinrich Wichern – Sämtliche Werke. Bd.III/1. Berlin u.a.: Lutherisches Verlagshaus, S.130-184

[58] Zum Verhältnis vom Diakonat zum Amt der Kirche vgl. auch EKD, Texte 58, S.7ff und dazu in diesem Kapitel die Ausführungen zum Diakonat und in dieser Arbeit Kapitel 3.4.

[59] Vgl. Schäfer, 1994, S.91f

[60] Schäfer, 1994, S.92

[61] Schäfer, 1994, S.93; dazu Schäfer/Herrmann, In: Herrmann/Horstmann, 2006a, S.157: „Zugleich erhielt die christliche Liebestätigkeit der Zeit mit dem Stichwort ‚innere Mission‘ einen konzeptionellen Rahmen.“

[62] Schäfer, 1994, S.79

[63] Vgl. dazu Schäfer, 1994, S.84: „Wicherns praktische Vorschläge konturieren die Praxis einer Gemeinde, die geprägt ist durch Mündigkeit und Demokratie. Entscheidendes Strukturprinzip ist die Entfaltung des allgemeinen Priestertums. Die Postulate ‚Freiheit‘, ‚Gleichheit‘, ‚Brüderlichkeit‘ finden in der Gemeinde – allerdings in entpolitisierter Weise – ihre Realisierung, eine Realisierung, die zugleich auf umfassende Verbreiterung drängt."

Details

Seiten
71
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656145646
ISBN (Buch)
9783656145455
Dateigröße
2.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190126
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit Dresden (FH)
Note
2,0
Schlagworte
Soziale Arbeit Kirche Gemeindediakonie Kirchgemeinde Sozialraum

Autor

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Titel: Kirchgemeinde im Sozialraum