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Duale Finanzierung der Krankenhäuser - ein Auslaufmodell. Gehört die Zukunft der Finanzierung aus einer Hand?

Projektarbeit 2012 22 Seiten

VWL - Gesundheitsökonomie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der geschichtliche Rahmen

3 Die Krankenhausfinanzierung in Deutschland
3.1 Ordnungspolitischer Rahmen
3.2 Gesetzliche Grundlagen

4 Duale Finanzierung
4.1 Das Prinzip der dualen Finanzierung
4.2 Diagnosis Related Groups - DRGs
4.3 Gründe für die Einführung der Dualen Finanzierung
4.4 Probleme der Dualen Finanzierung

5 Monistische Finanzierung
5.1 Das Prinzip der monistischen Finanzierung
5.2 Vorteile der Monistik
5.3 Risiken der Monistik
5.4 Voraussetzung für die Umstellung auf eine monistische Finanzierung

6 Investitionspauschalen - die aktuelle Situation

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der Bundesrepublik Deutschland erfolgt die stationäre Versorgung von Patienten in Akutkrankenhäusern, Rehabilitationskliniken, Pflegeheimen und Hospizen. Der größte Wirtschaftszweig mit rund 1,1 Millionen Beschäftigten sind dabei die Akutkrankenhäuser. Sie beanspruchen demnach auch die meisten Ressourcen im Gesundheitswesen.[1]

Seit 1972 werden Akutkrankenhäuser in der Bundesrepublik Deutschland über ein duales System finanziert. Abgelöst wurde dabei das rein monistische Regime, dessen Wurzeln auf die Zeit um den 2. Weltkrieg zurückgehen. Hierbei wurden die Krankenhäuser aus nur einer Hand, nämlich der staatlichen, finanziert. Im dualen System hingegen werden die Mittel der Betriebskosten auf der einen Seite von den Krankenkassen aus Leistungsentgelten, die Investitionskosten jedoch von Länderhand aus Steuermitteln beglichen. Seit der Umstellung 1972 ist die Investitionsquote, also der Anteil an öffentlichen Fördermitteln an den Krankenhausausgaben von gesetzlicher und privater Krankenversicherung, von ca. 25 Prozent pro Jahr auf etwa 5 Prozent pro Jahr gesunken (s. Abb. 1).[2] Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und des rasant wachsenden technischen Fortschrittes entwickelte sich ein erhebliches Missverhältnis zwischen dem tatsächlichen Investitionsbedarf der Krankenhäuser und den ihnen dafür zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln. Bis zum Jahr 2011 hat sich so ein Investitionsstau von 50 Milliarden Euro angehäuft.[3]

Augenscheinlich wird das System der dualen Finanzierung den aktuellen Anforderungen und Bedürfnissen der Krankenhäuser in Deutschland nicht mehr gerecht und wird in der Zukunft so nicht mehr zu halten sein. Über Alternativen wird seit Jahren diskutiert. Könnte eine Rückkehr zur Finanzierung aus einer Hand, diesmal z. B. die der Krankenkassen, ein stabiler Weg für die Zukunft sein? Durch das 2009 in Kraft getretene Krankenhaus-finanzierungsreformgesetz (KHRG) hat die Politik bereits Grundlagen für eine Umstellung geschaffen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Entwicklung der Investitionsquote von 1973 bis 2004 entnommen aus Bruckenberger E. 2006

2 Der geschichtliche Rahmen

In den vorangegangen Jahrhunderten war Krankheit ein persönliches, familiäres Risiko. Mitglieder einer Großfamilie wurden von ihren Angehörigen gepflegt. Mittellose und allein stehende Kranke konnten höchstens auf die Barmherzigkeit der Klöster hoffen. Im Zuge der Industrialisierung stieg später die Abhängigkeit der Bevölkerung von individueller Arbeitskraft stetig an, Großfamilien wurden seltener und ein Ausfall der Arbeitskraft stellte eine existentielle Bedrohung dar. In der Folge führte Otto von Bismarck 1883 die erste gesetzliche Krankenversicherung ein.[4] Danach lässt sich die Geschichte der Krankenhausfinanzierung grob in drei zeitlich aufeinander folgende Phasen unterteilen (s. Abb.2).

Die erste von Reichskanzler Bismarck angestoßene Phase von 1883 bis 1936 war sehr liberal geprägt. Es bestand weitgehend Vertragsfreiheit zwischen Ärzten, Krankenkassen und Patienten. So blieb auch die Preisautonomie der Partner unangetastet.[5]

Die zweite Phase von 1936 bis 1972 war geprägt von einer immer stärkeren Einflussnahme des Staates. Es bestand eine monistische, staatlich regulierte Krankenhausfinanzierung. Dies begann in den Anfangsjahren des Dritten Reiches mit der Preisstoppverordnung von 1936. Während der Neustrukturierung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 1948 innerhalb eines Jahres die Preisfreigabeverordnung sowie die Pflegesatzanordnung erlassen. Ein nächster wichtiger Schritt war die Verordnung über Pflegesätze für Krankenanstalten im Jahr 1954. Dieses monistische über Entgelte finanzierte, staatlich bestimmte System führte letztendlich zu einer Stagnation der Krankenhausentwicklung. Der technische Fortschritt wurde gebremst, da aufgrund fehlender Mittel nur noch die laufenden Kosten gedeckelt werden konnten und kaum Gelder für Investitionen vorhanden waren.[6]

1972 begann mit dem Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) die dritte große Etappe. Der Staat zog sich als alleiniger Geldgeber zurück und übernahm stattdessen eine nur noch regulierend eingreifende Rolle im so genannten dualen System der Krankenhausfinanzierung. Weiterhin wurden Investitionskosten von den staatlichen Haushalten beglichen. Neu eingeführt wurde hingegen, dass die Krankenhäuser selbst für die Betriebskosten aufkommen mussten. Dies geschah und geschieht bis heute aus den Leistungsentgelten der Krankenkassen. In der Folge wurden bis 1999 eine Vielzahl von Gesetzen und staatlichen Verordnungen erlassen, welche den Krankenhäusern das wirtschaftliche Handeln und freie Managen mehr und mehr erschwerten. Das System geriet ins Stocken. Dies veranlasste die politischen Entscheider schließlich dazu, im Jahr 2000 eine neue Gesundheitsreform anzustoßen und in den darauf folgenden Jahren die Krankenhausfinanzierung von Pflegesätzen pro Tag auf Fallpauschalen pro Leistungseinheit umzustellen, entsprechend den in Australien erstmals ins Leben gerufenen Diagnosis Related Groups, kurz DRGs.[7]

Die duale Finanzierung gilt jedoch als Grundprinzip bis zum heutigen Tag.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Phasen der Krankenhausfinanzierung entnommen aus: Fleßa, S. 2010

3 Die Krankenhausfinanzierung in Deutschland

3.1 Ordnungspolitischer Rahmen

In Deutschland sind drei Arten von Klinikträgerschaften zu nennen. Freigemeinnützige Krankenhäuser, die Ihre erwirtschafteten Gewinne ohne Ausschüttung wieder reinvestieren. Dies sind meist kirchliche Häuser. Davon zu unterscheiden sind private Kliniken. Hier werden erwirtschaftete Gewinne an die Anteilseigner ausgeschüttet. Die meisten Krankenhäuser jedoch sind in öffentlicher Trägerschaft, also im Eigentum von Kommunen, Bundesländern oder Bund. Dazu zählen die meisten Akutkrankenhäuser in

Deutschland. Die weiteren Ausführungen dieser Arbeit beziehen sich auf Häuser in öffentlicher Trägerschaft und ggf. auf gGmbHs, Häuser in privater Hand folgen anderen Gesetzmäßigkeiten. Gemäß Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) haben die Bundesländer einen Sicherstellungsauftrag für die akutstationäre Versorgung der Bevölkerung. Dabei wird anhand der Bevölkerungszahl sowie einer geschätzten Inanspruchnahme regelmäßig eine Bedarfsplanung seitens der Bundesländer durchgeführt. Diese Bedarfsplanung ist die Grundlage für die Erstellung des so genannten Landeskrankenhausplans, in den dann je nach Bedarf an Betten und Fachabteilungen Krankenhäuser aufgenommen werden. Das sind die so genannten Plankrankenhäuser.[8] Das Prinzip der dualen Finanzierung, in dem die Bundesländer für die Finanzierung der Investitionskosten und die Krankenkassen über Leistungsentgelte für die Finanzierung der Betriebskosten zuständig sind, besteht seit dem Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) aus dem Jahre 1972. Es gilt für alle Plankrankenhäuser. Gleichzeitig gibt es Häuser, die zudem einen Versorgungsauftrag mit den einzelnen Krankenkassen abgeschlossen haben. Diese werden als Vertragskrankenhäuser bezeichnet. Hier werden neben den Betriebs- auch die Investitionskosten von den Krankenkassen getragen, das heißt monistisch. Auch die Hochschulen sind nach Außerkrafttreten des Hochschulbauförderungsgesetzes (HSchulBG) am 1. Januar 2007 nur noch aus einer Hand, in diesem Fall jedoch der öffentlichen (Länder), also ebenso monistisch finanziert. [9]

[...]


[1] Vgl. Wernitz, H/Pelz, J. ( 2011), S. 91

[2] Vgl. www. Gkv-spitzenverband.de Internetquelle gemäß Literaturverzeichnis

[3] Vgl. ebd.

[4] Vgl. Huth, M. (Studienarbeit), S. 1

[5] Vgl. Fleßa, S. (2010), S. 132

[6] Vgl. ebd.

[7] Vgl. ebd., S. 132ff

[8] Vgl. Wernitz, H/Pelz, J. ( 2011), S. 93ff

[9] Vgl.http://msagd.rlp.de/gesundheit/krankenhaus/finanzierung/ Internetquelle gemäß Literaturverzeichnis

Details

Seiten
22
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656149828
ISBN (Buch)
9783656150633
Dateigröße
3.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190069
Institution / Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie, Berlin
Note
1,7
Schlagworte
duale finanzierung krankenhäuser auslaufmodell gehört zukunft hand

Autor

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