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Abrahamitische Religionen - Ein Überblick

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 19 Seiten

Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was sind abrahamitische Religionen?

3. Können Islam, Judentum und Christentum unter dem Oberbegriff der abrahamitischen Religionen zusammengefasst werden?
3.1. Eine Antwort von christlicher Seite
3.2. Eine Antwort von jüdischer Seite
3.3. Eine Antwort von muslimischer Seite

4. Was heißt „Beten“?
4.1. Welche Probleme entstehen für ein mögliches gemeinsames Gebet daraus?
4.2. Lösungsansätze im interreligiösen Dialog

5. Fazit

6. Literaturangaben

1. Einleitung

Judentum, Christentum und Islam - wenn drei Weltreligionen mit ihren unterschiedlichen Kulturen aufeinandertreffen, kommt es automatisch zu Spannungen, Problemen und Vorurteilen. In Deutschland beispielsweise leben etwa 82 Millionen Christen neben ca. 4 Millionen Muslimen zusammen mit über 100000 Juden. Meist ohne die direkten Glaubensnachbarn überhaupt zu kennen, geschweige denn sie zu verstehen. Der eine kennt den anderen nicht, will ihn vielleicht auch gar nicht kennenlernen. Kinder bleiben untereinander, es zeichnet sich im privaten, aber auch im beruflichen Bereich eine moderne Ghettobildung ab. Doch längst ist es kaum mehr noch gut möglich, sich abzuspalten und ausschließlich sein eigenes „religiöses Süppchen“ zu kochen. In Firmen, der Nachbarschaft und vor Allem in Schulen vermischen sich die Kulturen und mit ihnen auch die Religionen. Der Religionsunterricht in Schulen ist schon lange kein ausschließlich christlicher mehr, ständigen Debatten über das Tragen von Kopftüchern, das Errichten von Islamschulen oder Minaretten oder den Ausschluss muslimischer Mädchen vom Schwimmunterricht. Des sind nur Beispiele unter zahllosen Punkten, an denen wir den anderen nicht mehr „aus dem Weg gehen“ können, sondern uns dem stellen müssen, was Realität ist und niemand fürchten sollte- einer multikulturellen, einer multireligiösen Gesellschaft.

Doch in welcher Beziehung stehen die auf den ersten Blick so vollkommen unterschiedlichen Religionen zueinander? Besonders interessant ist dabei die nach wie vor mehr als nur angespannte Beziehung zwischen Christen und Juden, die nach dem Zweiten Weltkrieg mehr als keine andere einer Klärung, Aufklärung und Verbesserung bedarf. Gibt es bei allen Unterschieden nicht auch Gemeinsamkeiten? Besteht eine Möglichkeit, über Vorurteile hinwegzukommen und möglicherweise sogar zueinanderzufinden unter dem Oberbegriff der ‚abrahamitischen Religionen’?

Die folgende Arbeit soll einen Ausblick über die drei großen monotheistischen Religionen geben, sie aus jeder einzelnen Perspektive in ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten beschreiben und die Möglichkeit eines Zusammenkommens im gemeinsamen Gebet mit all seinen möglichen Problemen beleuchten.

2. Was sind abrahamitische Religionen?

Als abrahamitische, aber auch abrahamische oder Abrahams Religionen werden in der neueren Theologie gerne die drei großen monotheistischen Religionen bezeichnet: Judentum, Christentum und Islam. Diese Begriffe leiten sich von dem Gedanken ab, dass Abraham als „Stammvater der Monotheisten“[1] der ist, auf den sich sowohl Juden als auch Christen und Moslems traditionsgeschichtlich beziehen dürfen, auf den sie ihren Glauben gründen. Gott schloss einen Bund mit Abraham, schenkte ihm das gelobte, fruchtbare Land Kanaan und versprach ihm zahlreiche Nachkommen, da er ihn zu seinem erwählten, geliebten Volk machen will.[2]

Diese Erzählung zu Abraham spielt in allen drei (beziehungsweise zwei) Schriften eine entscheidende Rolle- in der jüdischen Bibel, der Tora, die den von Christen als Altes Testament adaptiert wurde, ist er der „erste der drei Stammväter“[3], die Verheißungsfolge geht von Abraham auf seinen Sohn Isaak und später dann auf Jakob über, den seine Frau Sara ihm gebar. Isaak und seine späteren Nachkommen gelten als Stammväter der Israeliten. Für den Koran, die heilige Schrift der Moslems, nimmt Abraham einen ebenso wichtigen Platz ein, wenngleich sie sich auf eine andere Genealogie stützen. Mit der ägyptischen Magd Hagar zeugte er Ismael, über den die Araber ihre Abstammung von Abraham ausmachen. Die frühchristliche Gemeinde findet in Abraham eine „Identifikationsfigur“[4], die symbolisch die „Zugehörigkeit zum auserwählten Volk repräsentiert“[5] und betont somit ihre Verwurzelung und Tradition in der jüdischen Geschichte.[6]

Was die drei, ob als abrahamitisch zu bezeichnenden oder nicht, Religionen verbindet, ist ihr monotheistisches Gottesbild, in dem sich zahlreiche Gemeinsamkeiten nicht von der Hand weisen lassen: Juden, Christen und Muslime glauben an einen allmächtigen Gott, der der Schöpfer der Welt ist, der Gemeinschaft unter den Menschen stiftet und ihnen ein barmherziger Begleiter ist. Alle drei verstehen sich unter seinen Geboten und Verpflichtungen stehend und werden eines Tages Rechenschaft ablegen müssen, über das, was sie getan haben; auch sind sich alle sicher, dass ihr Gott sie von verirrten Wegen führen und ihnen ihre Sünden vergeben wird.[7] Doch diese „fundamentalen Übereinstimmungen“[8] allein können nicht als entscheidendes Merkmal für eine legitime Zusammenfassung aller drei Weltreligionen unter dem Oberbegriff ‚abrahamitische Religionen’ sein. Hans Zirker besteht als katholischer Theologe darauf, dass eine Qualifikation als abrahamisch oder abrahamitisch nur darin bestehen kann, „dass man Gott durch das identifiziert sieht, was Juden, Christen und Muslime von ihm gemeinsam bekennen, durch die Beziehungen, in denen sie Gott denken, die Sprache, die sie dabei benutzen, die Vorstellungen, die sie damit verbinden“[9]. Denn obgleich wir uns darüber im Klaren sein müssen, dass wir Gott mit solchen „anthropomorphen Vergegenständlichungen“[10] nicht begreifen, nicht erfassen, nicht annähernd beschreibend können, sind sie die einzige Möglichkeit, überhaupt über ihn, über unser gelebtes Verständnis von Religion zu sprechen, uns untereinander und auch mit völlig Außenstehenden zu verständigen.

Doch warum stellt der Begriff ‚abrahamitische Religionen’, warum stellt der Versuch dieses Oberbegriffes überhaupt ein solches Problem dar? Sind die Gemeinsamkeiten im Gottesbild nicht absolut überzeugend und ausreichend? Warum können sich Juden, Christen und Muslime nicht als Brüder und Schwestern sehen und gemeinsam an einen Gott glauben, der uns alle über die Verheißung an Abraham zu seinem geliebten Kindern gemacht hat? In erster Linie problematisch ist wohl die geschichtliche Abfolge, auf Grund derer sich jede spätere Religion „über die Erfahrungen, Bekenntnisse, Glaubensweisen und Lebensformen der vorhergehenden hinausgeführt“[11], während sich die jeweils frühere nicht vollständig in der ‚neueren’ erkennen kann, ihre „Identität nicht gewahrt“[12] sieht, sich somit um das, was ihr selbst besonders wichtig und entscheidend erscheint, betrogen und sich zurück gesetzt fühlt.

Im Folgenden sollen die einzelnen Standpunkte der drei betroffenen Religionen dargestellt und in ihren Besonderheiten und Unterschieden gewürdigt werden, sodass man es zunächst dabei belassen muss, oberflächlich geklärt zu haben, was es mit dem Begriff der ‚abrahamitischen Religionen’ auf sich hat, da die Details jeweils mit den Augen der einzelnen Religionen gesehen werden müssen.

[...]


[1] A. Schimmel, Art. Abraham, 64

[2] Vgl. Gen 12,1-4

[3] L. Ruppert, Art. Abraham, 61

[4] H. Lona, Art. Abraham, 62

[5] Ebd.

[6] Welche Konsequenzen diese Traditionen und Ansichten der einzelnen Religionen haben, soll erst in den nächsten Punkten geklärt und hier nicht weiter beleuchtet werden.

[7] Vgl. H. Zirker, Kann man zu einem Gott der abrahamitischen Religionen beten?, 97

[8] Ebd.

[9] H. Zirker, Kann man zu einem Gott der abrahamitischen Religionen beten?, 97

[10] Ebd.

[11] Ebd.

[12] Ebd.

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656145271
ISBN (Buch)
9783656145042
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190046
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Insitut für Katholische Theologie
Note
2,3
Schlagworte
abrahamitische religionen überblick

Autor

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