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Die Massenmedien als Meinungsmacher? Eine systemtheoretische Betrachtung

Hausarbeit 2011 15 Seiten

Soziologie - Medien, Kunst, Musik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Kommunikationsbegriff Luhmanns

3. Massenmedien als besonderes soziales System
3.1 Kommunikation
3.2 Autopoiesis
3.3 System-Umwelt-Differenz
3.4 Code
3.5 Zwischenfazit

4. Die Entstehung von Nachrichten
4.1 Nachrichtenwerttheorie
4.2. Gatekeeping
4.3. Inter-Media-Agenda-Setting
4.4 Zwischenfazit

5. Die Wirkung der Massenmedien

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit dem Slogan ‚Bild dir deine Meinung’ warb einst eine große, deutsche Boulevardzeitung. Trotz der vermeintlichen Eindeutigkeit dieses Werbespruchs könnte man die Botschaft auch falsch verstehen. Nicht nur für Zeitungen, sondern für alle Formen von Massenmedien stellt sich folgende Frage: Bilden sich die Rezipienten mithilfe der Massenmedien eine eigene Meinung oder wird ihnen nicht viel eher eine Medienmeinung aufgezwungen? Ausgehend von Luhmanns Behauptung, dass wir alles was wir über unsere Welt wissen, durch die Massenmedien wissen1, soll auf den folgenden Seiten die Arbeitsweise und Wirkung der Massenmedien beleuchtet werden. Die Grundlage bildet dafür die Systemtheorie von Niklas Luhmann, welche mit verschiedenen Ansätzen der Kommunikationswissenschaften, wie Agenda-Setting oder Nachrichtenwerttheorie, verknüpft werden soll.

Luhmann beschreibt die Massenmedien in seinen Arbeiten als ein besonderes soziales System, das sich aus Unterhaltung, Werbung sowie den Nachrichten und Berichten zusammensetzt.2 Der Fokus dieser Arbeit soll jedoch ausschließlich auf letzterem liegen.

Für die Beleuchtung der Frage, welchen Einfluss die Massenmedien auf die Gesellschaft ausüben, ist es unumgänglich den Kommunikationsbegriff Luhmanns kurz zu umreißen. Im Anschluss daran sollen die Massenmedien als ein besonderes soziales System charakterisiert werden. Im weiteren Verlauf der Arbeit soll erläutert werden, wie und warum Nachrichten und Berichte im System der Massenmedien entstehen. Im abschließenden Teil soll auf die Wirkung der Massenmedien eingegangen werden, bevor die Arbeit mit einem Schlusswort abgerundet wird.

2. Der Kommunikationsbegriff Luhmanns

Die Kommunikation stellt die zentrale Operation sozialer Systeme dar.3 Gesellschaft und Kommunikation bedingen einander: Die Kommunikation, als kleinstmögliche Einheit eines sozialen Systems, ist die Basis der Gesellschaft - gleichzeitig definiert sich diese durch Kommunikation.

Der Kommunikationsprozess setzt sich aus den drei Schritten Information, Mitteilung und Verstehen sowie zweier Akteure, dem Sender und Empfänger, zusammen.4 Information entsteht durch die Operation der Beobachtung. Systeme (in diesem Fall der Sender) stellen so sicher, dass die Umwelt mit ihrer Fülle an virtuellen Informationen überhaupt verarbeitet werden kann. Dazu wird die Unterscheidung in reale Information und allem anderen, sozusagen den virtuell bleibenden Informationen, benutzt.

Durch das immer wieder stattfindende Beobachten verfügt der Sender natürlich über eine Vielzahl realisierter Informationen. Im zweiten Schritt, der Mitteilung, muss nun wieder eine Unterscheidung vollzogen werden, nämlich welche Informationen wie mitgeteilt werden und welche der Sender für sich behält.5

Daran schließt sich nun das Verstehen als finaler und wichtigster Schritt an. Dieser Punkt ist nach Luhmann deswegen so wichtig, weil sich hier entscheidet ob die Kommunikation stattfindet. Versteht der Empfänger, dass ihm etwas mitgeteilt wird, so ist die Kommunikation erfolgreich zustande gekommen.6 Der Inhalt der Mitteilung spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Mit diesem Verstehen verknüpft sich für den Empfänger die Erkenntnis, dass der Sender aus vielen verschiedenen Information gerade diese ausgewählt und mitgeteilt hat. Auf der Empfängerseite wird also die in zwei Schritten abgelaufene Unterscheidung des Senders noch einmal realisiert. Daraus ergibt sich auch ein Problem, das besonders für die Massenmedien eine zentrale Rolle spielt: Eben weil die Unterscheidungsprozesse des Senders vom Empfänger verstanden werden, entsteht eine Irritation. Oder anders ausgedrückt: Unterschwelliges Misstrauen, welches sich im Falle der Massenmedien zu einem allgemeinen Manipulationsverdacht ausbilden kann.7 Es ist auch wichtig zu erwähnen, dass Kommunikation nach Luhmann höchst unwahrscheinlich ist. Mechanismen wie Sprache oder eben Massenmedien erhöhen die Chancen jedoch erheblich.8

3. Massenmedien als besonderes soziales System

Die Massenmedien bilden ein soziales System eigener Art. Diese Sonderstellung erklärt sich durch die Technik, welche das Massenmediensystem erst möglich macht.9 Da es sich dabei aber immer noch um soziale Systeme handelt, gelten für die Massenmedien auch deren Regeln.

3.1 Kommunikation

Der essentielle Einsatz von Technik zur massenhaften Verbreitung von Information durch die Massenmedien hat natürlich Folgen für die Kommunikation. Technik unterbricht nach Luhmann die direkte Interaktion zwischen Sender und Empfänger: Die Massenmedien kommunizieren mit einer anonymen Masse, ohne selbst direkt anwesend sein zu müssen.10 Dennoch handelt es sich hier im strengen Luhmannschen Sinne nach wie vor um eine Kommunikation.

3.2 Autopoiesis

Jedes System reproduziert sich durch seine eigenen Operationen. Im Falle der Massenmedien besteht die Operation in der fortlaufenden Produktion immer neuer Radio-/TV-Sendungen und Zeitungsausgaben.11 Ein System, was nicht länger Autopoiesis betreibt, hört auf zu existieren. Dies gilt auch für die Massenmedien: Sobald keine Sendungen oder Ausgaben mehr produziert werden, endet das System (Verlage, Sender). Und auch hier ist es wieder die Technik, die diese Massenproduktion von Beiträgen möglich macht.

3.3 System- Umwelt- Differenz

Wie schon unter 2.1 geschildert, sorgt die Technik für eine Unterbrechung der Sender-Empfänger-Interaktion. Damit konstituiert sich auch die System-Umwelt- Differenz. Das System bilden die Massenmedien, während sich in ihrer Umwelt all die virtuellen Informationen und nicht zuletzt ihre Zuschauer/Zuhörer befinden. Trotz dieser Trennung besteht eine wechselseitige Abhängigkeit zwischen Massenmedien und Rezipienten.12 Für die Massenmedien ist es unerlässlich ihr Publikum auch zu erreichen um ihren langfristigen, wirtschaftlichen Erfolg zu sichern. Dies wird beispielsweise durch zielgruppengerechte Programme realisiert. Auf der Seite der Rezipienten besteht hingegen ein Informationsinteresse, welches durch die Berichterstattung der Medien bedient wird.

3.4 Code

Der Code definiert nach Luhmann, wie ein System operiert. Die Massenmedien bedienen sich dabei dem Code Information/Nichtinformation.13 Das ist insofern interessant, weil diese Unterscheidung, wie unter Punkt 1 ausgeführt, die Grundlage einer jeden Kommunikation in Luhmanns Systemtheorie darstellt. Die Verwendung gerade dieses Codes verdeutlicht die Sonderstellung der Massenmedien innerhalb der Systemtheorie: Als einziges System reflektieren sie den Wert einer Information über den Bezug zur Nichtinformation.14 So stellt das System der Massenmedien sicher, dass eine Information auch wirklich wichtig ist, was letzten Endes unerlässlich für die weitere Verarbeitung in Nachrichten ist.

Mit dem Code Information/Nichtinformation ergeben sich jedoch auch Konsequenzen: Dadurch, dass eine Information mit ihrer Mitteilung den informativen Wert verliert, sind die Massenmedien dazu gezwungen immer neue Informationen zu erzeugen, welche im nächsten Moment bereits veraltet sind. Oder mit Luhmanns Worten: ÄDas System veraltet sich selber“.15

[...]


1 Vgl. Luhmann, Niklas (1996): Die Realität der Massenmedien. 4. Auflage, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 9

2 Vgl. ebd., S. 37

3 Vgl. Luhmann, Niklas (1984): Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. 4. Auflage, Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 192

4 Vgl. Luhmann, Niklas (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft. 1. Auflage, Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 190

5 Vgl. Luhmann (1984), S. 195 f.

6 Vgl. Luhmann (1997), S. 259

7 Vgl. Luhmann (1984), S. 207

8 Vgl. ebd., S. 217 ff.

9 Vgl. Luhmann (1996), S. 10

10 Vgl. ebd., S. 10

11 Vgl. ebd. S. 11

12 Vgl. ebd. S. 11

13 Vgl. ebd. S. 28

14 Berghaus, Margot (2004): Luhmann leicht gemacht. Eine Einführung in die Systemtheorie, 2., überarbeitete und ergänzte Auflage, Köln ; Weimar ; Wien: Böhlau, S. 199

15 Luhmann (1996), S. 32

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656144281
ISBN (Buch)
9783656144557
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190016
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Soziologie
Note
2,0
Schlagworte
Soziologie Massenmedien Luhmann

Autor

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