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Roger II. von Sizilien: Gegenspieler Konrads III. und Friedrichs I.

Hausarbeit 2011 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Sizilien unter normannischer Herrschaft

2. Die Besonderheiten des Königreiches Sizilien unter Roger II

3. Bündnispolitik und „Störversuche“ in den Jahren 1138 - 1152

4. Ein weiterer Akteur: Byzanz unter den Komnenen

5. Friedrich I. Barbarossa: Fortsetzung der gegen Roger II. gerichteten Politik

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Quellenverzeichnis

1. Sizilien unter normannischer Herrschaft

Die Insel Sizilien, gelegen inmitten des Mittelmeeres, war im 12. Jahrhundert ein Schnittpunkt der lateinisch - westeuropäischen, byzantinisch - östlichen und islamisch - orientalischen Kultur.1 Im Laufe der Jahrhunderte wurde die wegen ihrer strategisch und wirtschaftlich günstigen Lage begehrte Insel von verschiedenen Völkern erobert und beherrscht, u. a. waren dies Römer, Byzantiner und Araber; im 11. Jahrhundert waren es schließlich Normannen, die die Macht über die Insel und Süditalien an sich reißen sollten, nachdem sie ca. im Jahre 1000 auf dem Rückweg einer Pilgerfahrt nach Jerusalem dem Füsten Waimar III. bei der Verteidigung der Stadt Salerno gegen die Sarazenen beistanden und von diesem belohnt und zum Bleiben aufgefordert wurden. Im Jahr 1038 beanspruchten dann Byzantiner die Hilfe der normannischen Söldner. Gemeinsam versuchten die Verbündeten die zur damaligen Zeit bereits 200 Jahre lang unter arabischer Herrschaft befindliche Insel Sizilien zurückzuerobern, was nur teilweise gelang.

Jedoch blieb es nicht dabei, dass die Normannen sich mit ihrer Rolle als bloße Söldner abfanden, sie wandelten sich zu Eroberern, z.B. Wilhelm „Eisenarm“, der von seinen Landsleuten zum „Grafen von Apulien“ gewählt wurde und beanspruchten eigene Herrschaftsgebiete in Süditalien. Die Normannen traten somit als Kontrahenten gegenüber dem byzantinischen Kaiser und dem deutschen König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches auf, die ebenfalls die Kontrolle über diese Gebiete erlangen wollten.

In den nun folgenden Jahren kam es unter den Normannen selbst und gegenüber äußeren Feinden zu weiteren, zahlreichen Konflikten, die an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden sollen. Die Brüder Robert Guiscard und Roger I. eroberten Sizilien bis zum Ende des 11. Jahrhunderts schließlich vollständig und konnten eine dauerhafte normannische Hegemonialmacht etablieren.2 Der Sohn Graf Rogers I., Roger II. schuf im Jahre 1130 das Königreich Sizilien nachdem er bereits seit 1105 als Graf der oberste Herr dieses mächtigen Fürstentums war und damit ein bedeutendes politisches Gewicht im Mittelmeerraum und in Europa besaß.3 Als Unterstützer des Gegenpapstes Anaklet II., Gegenspieler Papst Innozenz' II., erhielt Roger 1130 den Königstitel4 und stieg mit seinem Königreich rasch in den Kreis der großen Monarchien Europas auf, in dem er jedoch zahlreiche Widersacher fand.

Im Folgenden soll sich diese Arbeit Roger II. in seiner Rolle als Gegenspieler der staufischen Herrscher des Heiligen Römischen Reiches widmen, die kontinuierlich im Bündnis mit dem Kaiserreich Byzanz unter den Komnenen die wichtigsten externen Einflussnehmer neben dem Papst auf das Königreich Sizilien darstellten.5 Ein Miteinbeziehen der päpstlichen Partei kann nur rudimentär erfolgen, der Fokus liegt somit auf den deutschen Herrschern. Einerseits soll nun das Problem der ständigen Gegnerschaft des Normannen zu Konrad III. und Friedrich I. behandelt werden: Aus welchen Gründen entstand dieser evidente Gegensatz? Daran anknüpfend stellt sich weiterhin die Frage: Warum konnte Roger II. von Sizilien nicht durch das staufisch - byzantinische Bündnis niedergerungen werden?

Im Rahmen dieser Arbeit werden neben sekundären auch edierte Primärquellen genutzt. Begründet durch die bis zum jetzigen Zeitpunkt nur in einem höchst unzureichenden Maße erfolgte Veröffentlichung und Übersetzung eines Großteils der Diplomata Rogers II. von Sizilien - besonders die in griechischer Sprache verfassten Texte sind hiervon betroffen - muss weiterhin auf nicht - sizilianische Urkunden zurückgegriffen werden.

2. Die Besonderheiten des Königreiches Sizilien unter Roger II.

Schon allein durch seinen schnellen Aufstieg zum König und das daraus resultierende Anfechten der vorhandenen Machtverhältnisse in Europa galt Roger den Herrschern des Heiligen Römischen Reiches als Emporkömmling, der sich anmaßte über Sizilien sowie Unteritalien zu herrschen. Daneben konnte er von seiner zentralen Stellung auf Sizilien profitieren und wichtige Handelswege im Mittelmeer kontrollieren.

Sucht man nach weiteren Gründen, warum die Herrscher des Heiligen Römischen Reiches in König Roger II. stets einen Gegner sahen, dann lassen sich folgende ausmachen:

Das normannische Königreich stellte einen nahezu revolutionären Staatstypus dar, der es eindeutig vom Heiligen Römischen Reich abgrenzte. Es handelte sich um ein ethnisch und religiös durchwachsenes Gebilde, in dem katholische, griechisch - orthodoxe und muslimische Untertanen lebten. Insbesondere war der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung auf der Insel Sizilien sehr hoch. An eine Herrschaft, die diese Gruppe ausgrenzte, war nicht zu denken. Eine Vertreibung war ebenso unmöglich6 wie ungewollt, denn es war für Roger äußerst vorteilhaft das Potential seiner arabischen Untertanen zu nutzen. Viele von ihnen hatte hohe Positionen als Beamte des Königreiches inne, z.B. als Emire, also Stadtherren die in den Provinzen den König vertraten7, wieder andere dienten in Rogers Heer.8 Diese Einbindung der Muslime in den Staatsapparat eines christlichen Königreiches stellte ein „unerhörtes Verhalten“ dar, wurden diese doch zur gleichen Zeit als Feinde gesehen und in Kreuzzügen brutal bekämpft. Überhaupt wurden Rogers Untertanen in der Regel nicht versklavt oder unterdrückt. Religiösen Minderheiten wurde sogar Schutz gewährt und Vertreter aller Ethnien wurden ermutigt sich als Mitarbeiter im Königreich einzubringen.9 Eine weitere Besonderheit stellte auch Rogers Verhältnis zur Herrschaft an sich dar. Hier fanden zahlreiche byzantinische und arabische Elemente Eingang: Der König selbst sah sich als der unangefochtene Herrscher auf den das Reich zentralistisch ausgerichtet war. Als Vorbild dienten ihm dabei die byzantinischen Kaiser. Im Gegensatz zum Heiligen Römischen Reich spielten adelig - ständische Gewalten nur eine untergeordnete Rolle, die Regierungsgeschäfte lagen größtenteils in den Händen des Hofpersonals, dessen Mitglieder über längere Zeiträume ihre Ämter innehatten und so konstant arbeiten konnten. Passend zur zentralistischen Verwaltung der Hauptinsel Sizilien übte Roger eine feste Residenzherrschaft aus, reiste also nicht, wie beispielsweise Friedrich I. Barbarossa, oft umher.10 Neben den ihm unterstehenden Beamten verließ sich Roger auf die Loyalität seiner Söhne, die als Verwalter in diversen Reichsteilen eingesetzt wurden. Durch ihren Rang als „Reichsfürsten“ grenzten sie sich klar von regulären Grafen oder Baronen ab und dienten Roger dazu seinen Interessen auch außerhalb der Hauptinsel Sizilien Nachdruck zu verleihen; gleichzeitig behielt der Vater die Oberhoheit über seine Söhne.

Nachteilig für das Königreich Sizilien war jedoch dessen Abhängigkeit von Roger II. als Person. Der „großgewachsene, vollbärtige und blondhaarige“11 König war die wichtigste Figur im Herrschafts - und Verwaltungssystem Siziliens. Sein geschaffenes „Kunstwerk“, das Reich in Süditalien, war vor allem dank kluger politischer Entscheidungen Rogers innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem ernstzunehmenden Gegner für die „etablierten“ Herrscher, wie sie im Heiligen Römischen Reich oder Byzanz regierten, geworden. Vor allem durch die optimierte Verwaltung, die unter anderem ein effizientes Eintreiben von Steuern ermöglichte und die multikulturell geprägte Beamtenschaft war es möglich den Reichtum im Königreich zu mehren und trotz wiederkehrender Aufstände unteritalienischer Adliger ein stabiles Reich aufzubauen.12

Bereits Rogers Krönungszeremonie im Jahre 1130 verdeutlicht sein Selbstbild: Ein abendländischer Herrscher, der für seine Untertanen und sein Reich eintrat, dabei jedoch auch einen unbedingten Herrschaftsanspruch zeigte und als Gegenleistung strikten Gehorsam und Anerkennung seiner von Gott gegebenen Position forderte:

„ The precise form of the coronation in the kingdom has been disputed. A Cassino manuscript of c. 1200, which gives a form of ceremony ultimately derived from a German model, also shows variations apparently designed to adapt it for Roger II's kingdom. If Roger accepted a coronation ritual deeply rooted in the western tradition, this itself indicates where he felt his affinities to lie. The coronation ceremony comprised several different parts.[ … ] When the ceremony was over, the occasion was concluded with a great feast in the royal palace. The order of the parts and the phrasing of the questions may sometimes be uncertain, but the contrived interaction of the king with the clergy, the people and the magnates was designed to emphasise that the king received his royal commission from God, and that there were clear duties and obligations that he took up; in return for what he undertook to do for them, his people acknowledged him as their ruler.13

Ein wichtiger Punkt, der Roger von den „ritterlichen“ Herrschern, wie z.B. denen im Heiligen Römischen Reich, unterschied, war dessen persönliches Interesse an der Verwaltung. Der sizilianische König griff selbst ein, vor allem in finanziellen Fragen. An einer Beschreibung Alexanders von Telese wird veranschaulicht, wie sehr Roger darauf bedacht war unnötige Ausgaben zu vermeiden:

Otio vel vagationi vix numquam subdebatur in tantum, ut si quando a ceteris utilioribus occupationibus sibi vacare contingeret, aut publicis exactionibus invigilaret, aut datorum sive dandorum seu eorum que accipienda erant reminisci, vel que recensenda erant recensere satageret; quatenus melius de suo tribuendum erario, vel ubi adeundum esset, sub cirographorum ratiociniis semper habebatur, et ut amplius dicam, nullum quid sibi erat, quod non sub scripti ratione servaretur aut erogaretur; [ … ] . “14

Neben der Finanzpolitik griff Roger auch in die höhere Strafjustiz ein. Dies betraf Mord, Landesverrat und Majestätsverbrechen,15 also vor allem Delikte, die herrschaftsdestabilisierend wirken konnten. Je nach Lage konnte er die Verurteilten begnadigen, verbannen oder töten lassen, er behielt die Entscheidungsbefugnis in letzter Instanz. Neben den Regelungen, die gegen innere Gegner gerichtet waren, verfolgte Roger auch das Ziel der äußeren Sicherung seines Reiches. Zu diesem Zweck kann von einer bipolaren Politik Rogers gesprochen werden: Einerseits existierte eine Verteidigungspolitik, die die geographischen Gegenbenheiten ausnutzte. Hierbei waren das bergige Terrain Italiens sowie die kurze Festlandgrenze von Vorteil.

[...]


1 HOUBEN, Hubert: Roger II. von Sizilien. Herrscher zwischen Orient und Okzident (Gestalten des Mittelalters und der Renaissance), Darmstadt 2010², S. 2.

2 Ebd., S. 9 - 26.

3 PLASSMANN, Alheydis: Die Normannen. Erobern, herrschen, integrieren (Kohlhammer - Urban - Taschenbücher, Bd. 16), Stuttgart 2008, S. 129.

4 HOUBEN: Roger II., S. 52 - 53.

5 MATTHEW, Donald: The Norman kingdom of Sicily (Cambridge medieval textbooks), Cambridge 1992, S. 263.

6 CASPAR, Erich: Roger II. (1101 - 1154) und die Gründung der normannisch - sicilischen Monarchie, Innsbruck 1904, S. 9.

7 CASPAR: Roger II. (1101 - 1154), S. 39.

8 HOUBEN: Roger II, S. 158.

9 COHN, Willy: Das Zeitalter der Normannen in Sizilien (Bücherei der Kultur und Geschichte, Bd. 6), Bonn 1920, S. 82.

10 UEBACH, Christian: Die Ratgebern Friedrich Barbarossas (1152 - 1167), Marburg 2008, S. 241.

11 COHN: Das Zeitalter der Normannen in Sizilien, S. 94.

12 COHN: Das Zeitalter der Normannen, S.77 - 80.

13 MATTHEW: The Norman kingdom of Sicily, S. 171.

14 Alexander von Telese: Alexandri Telesini abbatis Ystoria Rogerii regis Siciliae Calabrie atque Apulie, ed. L. DE NAVA, Historical commentary by D. Clementi, Rom 1991, S.82. In: HOUBEN: Roger II., S. 159.

15 CASPAR: Roger II. (1101 - 1154), S. 307.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656143932
ISBN (Buch)
9783656144472
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190008
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
Roger II Sizilien Sicily Barbarossa Friedrich Konrad Mittelalter Mittelmeer

Autor

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Titel: Roger II. von Sizilien: Gegenspieler Konrads III. und Friedrichs I.