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Der Status der Christen im Osmanischen Millet-System

Seminararbeit 2012 22 Seiten

Soziologie - Religion

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Das Millet-System

3. Das Millet-System - politisch oder religiös?

4. Die rechtliche Stellung der Christen im Millet-System
4.1 Bau von Gotteshäusern am Beispiel von Archivmaterial

5. Rechtspluralität im Millet-System

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Das Millet-System hat jahrhundertelang das Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen durch das Auferlegen von Rechten und Pflichten im Osmanischen Reich geregelt. Diese Arbeit zeigt stichpunktartig, was unter dem Millet-System im Osmanischen Reich zu verstehen ist und wie dieses aufgebaut ist. Weiter wird erläutert, wie die christliche Minderheit im Osmanischen Reich ihr religiöses Leben im Rahmen des Millet-Systems gestaltet hat. Hierfür wird auch die rechtliche Lage der Christen unter diesem System dargestellt. Die Frage, ob im Rahmen des Millet- Systems Rechtspluralismus im Osmanischen Reich herrschte, rundet diesen Beitrag ab.

2. Das Millet-System

Je weiter das Osmanische Reich sich nach Westen und Nordafrika auszudehnen begann, desto größer wurde der Anteil der Bevölkerung mit nicht-islamischer Religion. (Kymlicka 2003, S. 156) Das Osmanische Reich musste eine Methode finden, mit der es diese Pluralität in der Bevölkerung regeln und den verschiedenen Gruppen einen Status verleihen konnte. Diese Entwicklung begann bereits kurz nach der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453. Fatih Sultan Mehmed, der Eroberer Konstantinopels, der der Orthodoxen Kirche und der Kirche der Armenier die volle Autonomie über deren Gemeinden erteilte, setzte einen wichtigen Meilenstein in Richtung des Millet-Systems. (Ahmad 2010, S. 13) Einige Historiker gingen hier so weit, zu behaupten, Fatih Sultan Mehmed habe schon vor der Eroberung Konstantinopels die Nicht-Muslime nach dem Millet-System eingeordnet. (Kenanoğlu 2007, S. 34) Als sicher gilt in diesem Streit jedoch, dass das Osmanische Reich sich schon vor der Eroberung Konstantinopels von einem islamischen Grundprinzip bestimmen ließ. Bevor dieses Grundprinzip vorgestellt wird, sollen zunächst die Ursprünge des Wortes Millet dargelegt werden. Obwohl die Herkunft dieses Wortes nicht klar zurückverfolgt werden kann (ABU JABER 1967, S. 212), lehnt sich der Begriff Millet an das koranische Wort Millat an und heißt so viel wie „ ein Wort “. Dieser Begriff kommt im Koran fünfzehnmal vor und hat in diesen Versen stets die Bedeutung von Religion. (Kenanoğlu 2007, S. 33)

Ausgehend davon, dass der Begriff Millat auf der einen Seite Wort und auf der anderen Seite Religion bedeuten kann, ist das Milet-System dadurch gekennzeichnet, dass es nur die Religionsgemeinschaften inne hat, die eine Offenbarung besitzen bzw. an ein „Wort“ glauben. (Muharrem Gürkaynak, S. 276)

Die Osmanen verwendeten das Wort Millet als eine Zugehörigkeitskategorie für die verschiedenen religiösen Ausprägungen im Reich und ordneten diese nach der Religion ein. Zum besseren Verständnis soll hier das von Richard Clogg genannte Beispiel angeführt werden: Im Osmanischen Reich verstand man z.B. unter dem Begriff Rum Milleti ( Übersetzung: Das Millet der Rums) nicht nur die Griechen, sondern auch die Serben, Bulgaren und auch Araber u.a. (Braude und Lewis 1982, S. 185-200) Das Kriterium war hier die Zugehörigkeit zur christlichen Religion und nicht etwa zu einer dieser Nationalitäten. Diese Einordnung nach Religionen hat ihre Wurzeln aus der Sicht des Verfassers im Koran. Des Weiteren ist hinzuzufügen, dass das Osmanische Reich das islamische Recht anwendete und demzufolge das Millet- Verständnis des Korans ihm nahe lag. Hier soll darauf hingewiesen werden, dass Millet und der Nationalgedanke sich gegenseitig ausschließende Systeme darstellen, obwohl, wie Martin Tamcke zu Recht bemerkt, der Nationalgedanke in den meisten Millets, aber besonders bei den „orientalischen Nationalkirchen“ stets vorhanden geblieben ist. (Tamcke 2008, S. 32)

Das Millet-System ist ein von religiösen Ausrichtungen ausgehendes System; der Nationalgedanke ordnet Menschen nach deren Nationalität ein. Die Auswahl des Millet-Systems bei den Osmanen war nicht zufällig. Hier ist wieder der Grundprinzip, nach dem das Osmanische Reich gehandelt hat, ausschlaggebend: Dieses Grundprinzip, das die Bevölkerung nach Religionen einordnet, erhält seine Inspiration aus dem Koran. Nach dem heiligen Buch der Muslime sollen Nicht-Muslime, die in einem islamischen Staat leben, eine Kopfsteuer bezahlen. Als Gegenleistung wurden sie nicht in die Armee aufgenommen, ihre Sicherheit wurde garantiert und sie konnten ihre Religion frei ausleben. Diesen Status nennt der Koran Dhimmi.

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Details

Seiten
22
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656143949
ISBN (Buch)
9783656144403
Dateigröße
3.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v190002
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
Schlagworte
status christen osmanischen millet-system

Autor

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