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Spannungen im Amerikanismus: Die US-amerikanische Gesellschaft im Konflikt zwischen Orthodoxen und Progressiven

Hausarbeit 2010 11 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Historische Entwicklung
2. Aktuelle Situation
3. Zwei Konfliktbeispiele
a) Individualismus vs. Gemeinschaft
b) Die Multikulturalismus-Debatte

III. Ergebnisse

IV. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Fast ausnahmslos alle modernen europäischen Staaten gründen ihr nationales Selbstverständnis und ihre nationale Identität auf eine gemeinsame Geschichte, eine gemeinsame geografische Basis oder eine gemeinsame Sprache. Auf die Vereinigten Staaten von Amerika trifft dies hingegen nicht zu. Vielmehr gründen sie ihr nationales Selbstverständnis auf eine eigene nationale Ideologie, den Amerikanismus.[1] Dessen wichtigste Bestandteile sind unter anderem der American Dream[2], die Freiheit[3], der Gleichheitsgedanke[4] und die Religiosität[5].

Doch wie genau ist der Amerikanismus in der gesellschaftlichen Realität ausgeprägt? Wo zeigen sich Spannungen, Risse und Friktionen innerhalb dieser Ideologie? Und welche gesellschaftlichen Gruppen ringen um die Deutungshoheit? Auf diese Fragen soll diese Hausarbeit eine Antwort geben.

Dazu wird der Verfasser dieser Hausarbeit zunächst nach den wichtigsten Protagonisten innerhalb der amerikanischen Gesellschaft suchen und diese kurz vorstellen. Anschließend wird er zwei Konflikte darstellen, die exemplarisch für die Spannungen innerhalb des Amerikanismus sind: Die Individualisierung der Gemeinschaft und die Multikulturalismus-Debatte.

Zwei Aufsätze bilden dabei die Grundlage für diese Hausarbeit. Der eine stammt von Hartmut Wasser aus dem Jahr 2000[6], der sowohl die Grundlagen des Amerikanismus als auch seine internen Spannungen beschreibt, der andere von James Davison Hunter aus dem Jahr 1996[7], der sich vor allem mit den historischen und aktuellen Protagonisten innerhalb der US-amerikanischen Gesellschaft befasst. Aktuelle statistische Daten stammen von der Homepage des United States Census Bureau[8].

II. Hauptteil

1. Historische Entwicklung

Spannungen zwischen zwei Polen innerhalb der US-amerikanischen Gesellschaft sind kein neues Phänomen, vielmehr ziehen sie sich – in wechselnden Konstellationen – durch deren gesamte Geschichte.

Bereits die amerikanische Revolution, die am 4. Juli 1776 zur Unabhängigkeit der dreizehn Gründungsstaaten vom englischen Mutterland führte, wurde von einer brüchigen Allianz zweier gesellschaftlicher Strömungen getragen: Dem aus der Aufklärung resultierenden Rationalismus und dem protestantischen Pietismus. Schon bald nach der erfolgreichen Revolution zerbrach diese Allianz endgültig, da sie von beiden Seiten für nicht mehr notwendig erachtet wurde. Die Auseinandersetzung zwischen diesen Gruppen wurde von beiden Seiten unnachgiebig und polemisch geführt. Er endete zu Beginn des 19. Jahrhunderts dadurch, dass der reformierte Protestantismus – begünstigt durch die numerische Übermacht seiner Sympathisanten – die Ideen der Aufklärer nicht besiegte, sondern assimilierte.[9]

Im Verlauf des folgenden Jahrhunderts sah sich der siegreich aus dem Konflikt hervorgegangene Protestantismus vor allem durch die Einwanderung europäischer Katholiken und Juden in seiner gesellschaftlichen Vormachtstellung bedroht. Dies führte unter anderem dazu, dass Antikatholizismus und Antisemitismus auch über diese Epoche hinweg bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein zu den Wesenszügen des Amerikanismus gehörten.[10]

Seit Mitte der 1960er ist im Verlauf der innergesellschaftlichen Konfliktlinien erneut ein grundlegender Wechsel zu konstatieren. Verursacht wurde dieser vor allem durch einen Trend zur Toleranz, der sich bei den meisten Glaubensrichtungen durchzusetzen begann. Diese Toleranz ist und war dadurch geprägt, dass früher tief verwurzelte Vorurteile für und gegen andere religiöse Einstellungen abnahmen. Außerdem nahm die Toleranz der US-Amerikaner im sozialen, politischen und sexuellen Bereich, sowie der Rassenfrage, tendenziell zu.[11]

Dabei ist festzuhalten, dass die Konflikte, die in der Geschichte der USA bis in die 1960er Jahre eine große Rolle gespielt haben, der zwischen rationalistischen Aufklärern und reformierten Protestanten und der zwischen den unterschiedlichen Religionsgemeinschaften nicht gänzlich verschwunden sind, sondern sich in ihrer Bedeutung immer weiter abgeschwächt haben.[12] Die Zahl der einer Religionsgemeinschaft Zugehörigen hat sich dabei bis heute kaum verändert.[13]

2. Aktuelle Situation

Heute verlaufen die gesellschaftlichen Trennlinien nicht mehr zwischen den Religionen sondern innerhalb dieser. Orthodoxe und Progressive innerhalb der jeweiligen Glaubensgemeinschaften stehen sich dabei gegenüber. James Davison Hunter beschreibt diese Einteilungen wie folgt: „Sie betreffen nicht mehr spezifische doktrinäre Fragen und Stilformen religiöser Praktiken und Organisation, sondern das fundamentale Verständnis der Amerikaner in bezug auf Werte, Ziele, Wahrheit, Freiheit und kollektive Identität.“[14] Die Frage, um die diese Gruppen streiten, ist also die Grundfrage des gesellschaftlichen Zusammenlebens in den Vereinigten Staaten, die nach der „richtigen“ Interpretation des Amerikanismus.[15]

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen den beiden Seiten ist ihre jeweilige Auffassung von der Wirklichkeit. Die Orthodoxen berufen sich hierbei auf eine transzendentale Wahrheit. Diese relativ festen und sogar ewiggültigen Prinzipien bestimmen die Existenz und Organisation des Einzelnen, der Gemeinschaft und des Staates. Quellen für diese Prinzipien lassen sich zum Beispiel in der Bibel oder in der Natur finden. Aus diesen lässt sich ein zeitlich unbegrenzt gültiger und unveränderlicher Maßstab für Werte, Ziele, Güte und Autorität konstruieren. Dieser schreibt dem Menschen vor „was gut ist, was wahr ist, wie wir leben sollen und wer wir sind.“[16] Auf dieser gemeinsamen Grundlage agieren sowohl evangelikale Protestanten, orthodoxe Katholiken, orthodoxe Juden, als auch säkulare Platoniker.[17]

[...]


[1] Wasser, Hartmut: Die Rolle der Ideologie in den Vereinigten Staaten, in: Wasser, Hartmut (Hrsg.): USA. Grundwissen-Länderkunde. Wirtschaft – Gesellschaft – Politik, 4., völlig überarbeitete und aktualisierte Auflage, Opladen 2000 (Grundwissen Länderkunden, Band 5), S. 39.

[2] Ebd., S. 41-43.

[3] Ebd., S. 43-47.

[4] Ebd., S. 47-50.

[5] Ebd., S. 51-58.

[6] Wasser: Rolle.

[7] Hunter, James Davison: Der amerikanische Kulturkrieg, in: Berger, Peter L. (Hrsg.): Die Grenzen der Gemeinschaft. Konflikt und Vermittlung in pluralistischen Gesellschaften, Gütersloh 1997, S. 29-84.

[8] http://www.census.gov/prod/2004pubs/c2kbr-35.pdf (07.05.2010); http://www.census.gov/compendia/statab/2010/tables/10s0076.pdf (07.05.2010); http://www.census.gov/compendia/statab/2010/tables/10s0075.pdf (07.05.2010).

[9] Hunter: Kulturkrieg, S. 33-34.

[10] Ebd., S. 34.

[11] Ebd., S. 35.

[12] Ebd., S. 36.

[13] http://www.census.gov/prod/2004pubs/c2kbr-35.pdf (07.05.2010); http://www.census.gov/compendia/statab/2010/tables/10s0076.pdf (07.05.2010);

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] Ebd., S. 37.

[17] Ebd.

Details

Seiten
11
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656143994
ISBN (Buch)
9783656144212
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189995
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,3
Schlagworte
USA Gesellschaft Spannungen Konflikte Amerikanismus Individualisierung Multikulturalismus Protestantismus Katholike Orthodoxe Progressive

Autor

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Titel: Spannungen im Amerikanismus: Die US-amerikanische Gesellschaft im Konflikt zwischen Orthodoxen und Progressiven